Wirtschaftliche Folgen der Nährstoffkreislaufwirtschaft, einschließlich Gülleimporten, und deren Auswirkungen auf die deutsche Tierhaltung
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Wirtschaftliche Folgen der Nährstoffkreislaufwirtschaft, einschließlich Gülleimporten, und deren Auswirkungen auf die deutsche Tierhaltung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4407
21. Wahlperiode 02.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Danny Meiners, Stephan Protschka, Peter Felser, Christian
Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Steffen Janich, Enrico Komning, Lars Schieske, Stefan Schröder, Dario Seifert,
Udo Theodor Hemmelgarn, Marcel Queckemeyer, Thomas Dietz und der
Fraktion der AfD
Wirtschaftliche Folgen der Nährstoffkreislaufwirtschaft, einschließlich
Gülleimporten, und deren Auswirkungen auf die deutsche Tierhaltung
Die deutsche Landwirtschaft steht nach Auffassung der Fragesteller vor
enormen Herausforderungen im Zuge der Umstellung ihrer Nährstoffkreisläufe.
Während die EU-Nitratrichtlinie und nationale Düngeverordnungen strenge
Grenzwerte vorgeben, steigen gleichzeitig die Kosten für mineralische
Stickstoffdünger erheblich. Die energieintensive Herstellung von Stickstoffdünger
mittels Haber-Bosch-Verfahren verursacht in Deutschland aufgrund hoher
Energiepreise Produktionskosten im Bereich mehrerer Hundert Euro je Tonne,
während importierte Düngemittel aus Regionen mit niedrigeren Energiekosten
deutlich günstiger angeboten werden (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteil
ungen/2022/09/PD22_N060_51.html). Gleichzeitig fallen in der deutschen
Tierhaltung jährlich etwa 200 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger an, deren
regionale Verteilung höchst ungleich ist. In Veredelungsregionen wie dem
Oldenburger Münsterland oder dem Emsland übersteigt der Nährstoffanfall den
regionalen Bedarf erheblich, während in ackerbaulich geprägten Regionen
Mitteldeutschlands ein Mangel an organischen Düngern herrscht (vgl.
Umweltbundesamt; „Stickstoff – Umweltbelastungen der Landwirtschaft“; www.umweltbu
ndesamt.de/themen/landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/stick
stoff). In den vergangenen Jahren hat zudem die grenzüberschreitende
Verbringung von Gülle und anderen Wirtschaftsdüngern nach Deutschland –
insbesondere aus den Niederlanden – deutlich zugenommen. So meldet die Fachpresse
einen Anstieg der Gülleimporte aus den Niederlanden nach Deutschland um
rund 40 Prozent auf etwa 2,74 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger, von denen
gut die Hälfte nach Deutschland geliefert wird (www.topagrar.com/schwein/ne
ws/gulleimporte-aus-den-niederlanden-um-40-gestiegen-a-20019023.html).
Die Verbringung von Wirtschaftsdüngern unterliegt der bundesweit geltenden
Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger
(www.gesetze-im-internet.de/wd_ngv/BJNR106200010.html).
Zahlreiche Regionen in Deutschland sind als nitratbelastete „rote Gebiete“
ausgewiesen; dort gelten verschärfte Auflagen für die Düngung (www.umweltbun
desamt.de/themen/wasser/grundwasser/ueberwachung-bewertung/
ausweisungnitratbelasteter-gebiete).
Die Gülleveredelung durch Verfahren wie Separation, Stripping oder
Eindampfung könnte theoretisch transportfähige Nährstoffkonzentrate erzeugen.
Allerdings entstehen Investitionskosten von grob 15 bis 30 Euro/m3 und
Betriebskosten von 5 bis 10 Euro/m3, was diese Verfahren häufig unwirtschaftlich
macht. Biogasanlagen, die Gülle und Mist verwerten, stehen zudem vielerorts
vor wirtschaftlichen Herausforderungen im EEG (Erneuerbare-Energien-
Gesetz)-Regime (https://biogas.fnr.de/wirtschaftsduenger/guellevergaerung-im-
eeg-2023).
Neuere Untersuchungen zu Nitrat in Lebensmitteln zeigen, dass Nitrat aus
Gemüse über die Bildung von Stickstoffmonoxid positive Effekte auf Blutdruck
und Gefäßfunktion haben kann (www.laves.niedersachsen.de/startseite/lebensm
ittel/ruckstande_verunreinigungen/umweltbedingte_verunreinigungen/nitrat-in-
lebensmitteln-147641.html).
Gewinner der aktuellen Entwicklung sind nach Auffassung der Fragesteller
Importeure mineralischer Düngemittel, Anbieter von Gülletechnik und
Aufbereitungsanlagen, Transporteure von Wirtschaftsdüngern sowie Ackerbaubetriebe
in Nährstoffdefizitregionen. Verlierer sind u. a. tierhaltende Betriebe in
Veredelungsregionen, deutsche Düngemittelhersteller, kleinere Familienbetriebe ohne
Kapital für Gülleveredelungsanlagen sowie die Verbraucherinnen und
Verbraucher durchsteigende Lebensmittelpreise (vgl. Antwort der Bundesregierung auf
die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/4438).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die volkswirtschaftlichen Kosten
für den Ausgleich der ungleichen regionalen Nährstoffverteilung in
Deutschland (www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/umweltb
elastungen-der-landwirtschaft/stickstoff) ein?
2. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über die Mengen an
Wirtschaftsdüngern vor, die jährlich über Distanzen von mehr als 50 km –
einschließlich grenzüberschreitender Transporte – transportiert werden,
und welche CO2-Emissionen entstehen nach Kenntnis der
Bundesregierung dadurch (www.topagrar.com/schwein/news/gulleimporte-aus-den-nie
derlanden-um-40-gestiegen-a-20019023.html)?
3. Welche belastbaren Zahlen liegen der Bundesregierung ggf. über die
aktuelle Entwicklung des Marktanteiles deutscher
Stickstoffdüngerproduzenten und deren Entwicklung in den letzten zehn Jahren vor (vgl. Antwort
der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 20/4438)?
4. Inwiefern liegen der Bundesregierung ggf. Informationen über
Wettbewerbsnachteile vor, die der deutschen Tierhaltung durch die im EU-
Vergleich strengeren Düngeverordnungen und deren nationale Umsetzung
entstehen, wie zum Beispiel die Ausweisung „roter Gebiete (www.umwelt
bundesamt.de/themen/wasser/grundwasser/ueberwachung-bewertung/aus
weisung-nitratbelasteter-gebiete)?
5. Welche belastbaren Zahlen liegen der Bundesregierung über die Anzahl
der Gülleveredelungsanlagen vor, die derzeit in Deutschland in Betrieb
sind, und wie hoch ist deren durchschnittliche Auslastung (https://biogas.f
nr.de/rahmenbedingungen)?
6. Welche Förderprogramme plant bzw. nutzt die Bundesregierung ggf. zur
Unterstützung der Nährstoffaufbereitung und Nährstoffverwertung aus
Wirtschaftsdüngern, insbesondere zur Entlastung tierhaltender Betriebe in
Veredelungsregionen (vgl. www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bro
schueren/agrarbericht-2023.pdf )?
7. Inwiefern plant die Bundesregierung ggf. eine wissenschaftliche
Neubewertung der gesundheitlichen Auswirkungen von Nitrat unter
Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse (www.laves.niedersachsen.de/starts
eite/lebensmittel/ruckstande_verunreinigungen/umweltbedingte_verunrein
igungen/nitrat-in-lebensmitteln-147641.html, www.laves.niedersachse
n.de/startseite/lebensmittel/ruckstande_verunreinigungen/umweltbedingt
e_verunreinigungen/nitrat-in-lebensmitteln-147641.html)?
8. Wie bewertet die Bundesregierung ggf. die in der aktuellen Forschung
beschriebenen positiven kardiovaskulären Effekte von Nitrat aus
pflanzlichen Quellen (https://medical-tribune.ch/news/medizin/10161922/nitrat-k
arzinogen-oder-herz-wundermittel/)?
9. Welches Potenzial sieht die Bundesregierung ggf. in der verstärkten
Nutzung von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen zur regionalen
Nährstoffverteilung, und wie kann, sofern sich die Bundesregierung dazu eine
Auffassung erarbeitete, die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen – gesehen
als Aufbereitungsanlage und weniger als Produktionsanlage für das
Nebenprodukt Wärmeenergie – bei verstärkter Güllenutzung ggf. verbessert
werden (https://biogas.fnr.de/wirtschaftsduenger/guellevergaerung-im-ee
g-2023)?
10. Wie bewertet die Bundesregierung die These, dass ohne wirtschaftlich
tragfähige Lösungen für die Nährstoffproblematik eine Reduktion der
Tierbestände um 30 bis 50 Prozent in Veredelungsregionen langfristig
unvermeidlich ist (vgl. „Zukunft Landwirtschaft. Eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft,
www.bundesregierung.de/resource/blob/2196306/1939908/2c63a7d6ce38
e8c92aa5f73aff1cd87a/2021-07-06-zukunftskommission-landwirtschaft-d
ata.pdf?download=1)?
11. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen eines Rückgangs
der Tierbestände auf die Selbstversorgung Deutschlands mit tierischen
Produkten wie Milch, Fleisch und Eiern (www.bmel.de/SharedDocs/Dow
nloads/DE/Broschueren/agrarbericht-2023.pdf)?
12. Welche belastbaren Zahlen liegen der Bundesregierung über die
Entwicklung der Importquote bei Stickstoffdüngern in den letzten fünf Jahren vor
(www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/09/PD22_N060_5
1.html)?
13. Welche Risiken für die Ernährungssicherheit sieht die Bundesregierung
ggf. in der steigenden Abhängigkeit von Düngemittelimporten (vgl.
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 20/4438)?
14. Wie bewertet die Bundesregierung die regionalwirtschaftlichen Folgen
einer Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland für strukturschwache
Regionen in Deutschland wie z. B. Arbeitsplatzverluste in vor- und
nachgelagerten Bereichen (www.bundesregierung.de/resource/blob/2196306/193
9908/2c63a7d6ce38e8c92aa5f73aff1cd87a/2021-07-06-zukunftskommissi
on-landwirtschaft-data.pdf?download=1)?
15. Wie viele Arbeitsplätze sind nach Kenntnis der Bundesregierung direkt
und indirekt von der Tierhaltung in Deutschland abhängig (www.bmel.de/
SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/agrarbericht-2023.pdf)?
16. Welche Informationen (bitte detailliert und erschöpfend aufschlüsseln)
liegen der Bundesregierung zu der Entwicklung der Importquoten von
Wirtschaftsdüngern, insbesondere Gülle, nach Deutschland in den letzten zehn
Jahren, differenziert nach Herkunftsländern und aufnehmenden
Bundesländern, vor (www.topagrar.com/schwein/news/gulleimporte-aus-den-nie
derlanden-um-40-gestiegen-a-20019023.html)?
17. In welchem Umfang werden importierte Wirtschaftsdünger nach Kenntnis
der Bundesregierung in bereits als nitratbelastet ausgewiesenen „roten
Gebieten“ ausgebracht, und welche Auswirkungen sieht die Bundesregierung
hierdurch auf die Zielerreichung der EU-Nitratrichtlinie (www.umweltbun
desamt.de/themen/wasser/grundwasser/ueberwachung-bewertung/ausweis
ung-nitratbelasteter-gebiete)?
18. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Ausfuhrquote der
Feldfrüchte ist, die dann in Form von Gülle wieder nach Deutschland
reimportiert wird (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/0
1/PD24_022_51.html)?
19. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf., um die Einhaltung
der Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von
Wirtschaftsdünger (WDüngV) bei der grenzüberschreitenden Verbringung von
Gülle zu überwachen und Verstöße zu sanktionieren (z. B.
Stichprobenkontrollen, digitale Stoffstrombilanzen, Zusammenarbeit mit den
Nachbarstaaten (www.gesetze-im-internet.de/wd_ngv/BJNR106200010.html)?
Berlin, den 24. Februar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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