Drohungen der USA gegen Kuba und humanitäre Situation in Kuba
Text
Drohungen der USA gegen Kuba und humanitäre Situation in Kuba
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4194
21. Wahlperiode 19.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Vinzenz Glaser, Desiree Becker, Gökay Akbulut, Janina
Böttger, Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Vinzenz Glaser, Ates Gürpinar,
Jan Köstering, Stella Merendino, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir,
Lea Reisner, Zada Salihović, Ulrich Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat
und der Fraktion Die Linke
Drohungen der USA gegen Kuba und humanitäre Situation in Kuba
Seit über 60 Jahren wenden die USA Sanktionsmaßnahmen gegen Kuba an mit
dem Ziel einen Politikwechsel in Kuba zu erzwingen. Seit 1992 wird die US-
Regierung regelmäßig von der Generalversammlung der Vereinten Nationen
(VN) aufgefordert, das Wirtschaftsembargo gegen Kuba aufzuheben (www.d
w.com/de/kuba-die-geschichte-des-us-embargos/a-53944882). Im Oktober
2025 stimmten zuletzt 165 Länder der Resolution zur „Notwendigkeit der
Beendigung der von den Vereinigten Staaten von Amerika gegen Kuba verhängten
Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade“ zu (https://digitallibrary.un.org/rec
ord/4092314?ln=en&v=pdf). Darunter auch Deutschland (https://amerika21.de/
2025/10/277667/forderung-nach-ende-kubablockade). Seit jeher missachtet die
US-Regierung die deutlichen Voten der VN-Generalversammlung zur
Beendigung der Zwangsmaßnahmen gegenüber Kuba. Die durch die US-Maßnahmen
entstehenden Schäden für die kubanische Gesellschaft und Wirtschaft werden
im jährlichen Bericht der kubanischen Regierung an den VN-Generalsekretär
gelistet (https://cubaminrex.cu/sites/default/files/2025-09/InformeB2025.pdf).
Unter der aktuellen US-Regierung von Präsident Donald Trump hat sich die
ohnehin bereits angespannte wirtschaftliche Lage in Kuba drastisch verschärft.
Im Anschluss an den völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf Venezuela am
3. Januar 2026, drohte Präsident Donald Trump, dass Kuba „einen Deal
abschließen [solle], bevor es zu spät ist“, und kündigte an, dass Kuba anderenfalls
kein Öl mehr aus Venezuela bekomme. Venezuela war in den letzten Jahren
und Jahrzehnten einer der wichtigsten Öllieferanten für Kuba (www.bundesta
g.de/resource/blob/1143098/WD-2-001-26.pdf & www.tagesschau.de/ausland/
amerika/usa-kuba-venezuela-trump-drohungen-100.html). Am 29. Januar 2026
erklärte Donald Trump per Exekutivdekret die kubanische Regierung zu einer
außergewöhnlichen Gefahr für die nationale Sicherheit der Vereinigen Staaten
von Amerika und rief diesbezüglich einen nationalen Notstand aus. Das Dekret
sieht die Einsetzung eines Zollsystems vor, das zusätzliche Zölle auf Waren
erhebt, die aus Ländern stammten, die direkt oder indirekt Öl an Kuba verkaufen
oder liefern (www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/01/addressing-thr
eats-to-the-united-states-by-the-government-of-cuba/). Durch das Dekret wird
nun auch die mexikanische Regierung von Claudia Sheinbaum unter Druck
gesetzt, denn Mexiko ist ebenfalls ein wichtiger Öllieferant Kubas.
Claudia Sheinbaum warnte davor, dass die ohnehin angespannte humanitäre
Situation zu einer humanitären Krise in Kuba führe, und kündigte humanitäre
Hilfe für Kuba an (www.tagesschau.de/ausland/amerika/mexiko-kuba-hilfe-10
0.html & www.zeit.de/politik/ausland/2026-01/kuba-zolldrohungen-usa-diaz-ca
nel-mexiko-krise). Das Auswärtige Amt warnt Reisende bereits jetzt, dass
Kuba mehr als die Hälfte seines Energiebedarfs nicht decken kann und eine akute
Energiekrise besteht. Es kommt zu mehrstündigen, täglichen Stromausfällen.
Auch die medizinische Versorgung ist zusätzlich zu Engpässen an
Medikamenten und medizinischem Material durch die Stromausfälle stark eingeschränkt
(www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit/kubasicherheit-212208). Laut
der Internationalen Organisation für Migration steigt die Anzahl an Personen,
die gezwungen sind, Kuba zu verlassen, seit 2019 stetig an (www.migrationdat
aportal.org/international-data?i=stock_abs_&t=2024&cm49=192).
Die kubanische Regierung signalisierte Offenheit für einen Dialog mit den
USA, um eine „respektvolle, ernsthafte Koexistenz“ sicherzustellen. Dabei
dürfe jedoch von der US-Regierung weder die kubanische Verfassung noch das
Wirtschaftssystem oder das sozialistische Regierungssystem infrage gestellt
werden (www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/usa-kuba-dialog-erdoel). Am
3. Januar 2026 gab es erste Kontakte zwischen den beiden Regierungen. Ob die
US-Regierung zu einem solchen Dialog bereit ist, erscheint angesichts der
Beiträge, die Donald Trump auf Truth Social teilte, in denen ein von den USA
herbeigeführter Regimewechsel in Kuba begrüßt wird und US-Außenminister
Marco Rubio als möglicher neuer Präsident Kubas genannt wird, fraglich
(www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-kuba-venezuela-trump-drohungen-10
0.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie schätzt die Bundesregierung die aktuelle humanitäre Lage in Kuba
ein?
2. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Gespräche zwischen
den USA und Kuba?
3. Hat sich die Bundesregierung in den vergangenen Jahren für eine
Aufhebung der US-Sanktionen gegenüber Kuba eingesetzt, wenn ja, auf welche
Weise, und bei welchen konkreten Gelegenheiten, und wenn nein, warum
nicht?
4. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den aktuellen
Drohungen der USA gegenüber Kuba sowie Ländern, die Kuba mit Öl
beliefern, für die Beziehungen zur US-Regierung?
5. Welche konkreten Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um
Kuba in der Sicherstellung der Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu
unterstützen?
6. Wird die Bundesregierung ähnlich wie Mexiko humanitäre Hilfe für Kuba
leisten?
7. In welchen Bereichen besteht aktuell eine Kooperation zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und Kuba, und welche Herausforderungen
ergeben sich für die Kooperationen vor dem aktuellen Hintergrund?
8. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Beteiligung
deutscher Unternehmen an der Stromgewinnung in Kuba?
9. Fördert die Bundesregierung Maßnahmen zur Förderung einer
nachhaltigen Energiewende in Kuba?
10. Sind für das Jahr 2026 politische Konsultationen mit Kuba geplant, wenn
ja, wann, und mit welcher politischen Schwerpunktsetzung, und wenn
nein, warum nicht?
Berlin, den 13. Februar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Ates Gürpinar (Kleine Anfrage)
- asked ← Cansu Özdemir (Kleine Anfrage)
- asked ← Charlotte Antonia Neuhäuser (Kleine Anfrage)
- asked ← Christin Willnat (Kleine Anfrage)
- asked ← Desiree Becker (Kleine Anfrage)
- asked ← Donata Vogtschmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Gökay Akbulut (Kleine Anfrage)
- asked ← Janina Böttger (Kleine Anfrage)
- asked ← Jan Krampe (Kleine Anfrage)
- asked ← Katrin Fey (Kleine Anfrage)
- asked ← Lea Reisner (Kleine Anfrage)
- asked ← Maik Brückner (Kleine Anfrage)
- asked ← Mirze Edis (Kleine Anfrage)
- asked ← Stella Merendino (Kleine Anfrage)
- asked ← Ulrich Thoden (Kleine Anfrage)
- asked ← Vinzenz Glaser (Kleine Anfrage)
- asked ← Zada Salihovic (Kleine Anfrage)
- authored ← Desiree Becker
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Vinzenz Glaser
- part_of_vorgang → Drohungen der USA gegen Kuba und humanitäre Situation in Kuba (Kleine Anfrage)