Durchsetzung der US-Blockade gegen Kuba im Rechtsraum der Europäischen Union und ihre Auswirkungen auf die deutsch-kubanischen Wirtschaftsbeziehungen
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Durchsetzung der US-Blockade gegen Kuba im Rechtsraum der Europäischen Union und ihre Auswirkungen auf die deutsch-kubanischen Wirtschaftsbeziehungen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3405
21. Wahlperiode 22.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Desiree Becker, Vinzenz Glaser, Ulrich Thoden, Gökay
Akbulut, Janina Böttger, Maik Brückner, Jörg Cezanne, Agnes Conrad, Mirze
Edis, Katrin Fey, Ates Gürpinar, Jan Köstering, Tamara Mazzi, Stella Merendino,
Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Sören Pellmann, Lea Reisner,
Zada Salihović, Lisa Schubert, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Sascha
Wagner, Christin Willnat, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Durchsetzung der US-Blockade gegen Kuba im Rechtsraum der
Europäischen Union und ihre Auswirkungen auf die deutsch-kubanischen
Wirtschaftsbeziehungen
Am 29. Oktober 2025 hat eine große Mehrheit der Staaten der UN-
Generalversammlung die von den USA gegen die Republik Kuba auferlegten
Sanktionen verurteilt und der kubanischen Resolution (https://docs.un.org/en/
A/80/L.6) zugestimmt. Auch die Bundesrepublik Deutschland hat sich dem
Votum gegen die US-Blockade angeschlossen. Sie unternimmt nach Ansicht
der Fragestellenden jedoch nur unzureichende Anstrengungen, um das
Sanktionsregime zu beenden und dessen Folgen für Unternehmen und Privatpersonen
im der Bundesrepublik Deutschland abzumildern.
Seit über sechzig Jahren unterliegt Kuba einseitigen Zwangsmaßnahmen der
USA, die immer mehr ausgeweitet und intensiviert worden sind. Seit 1992
werden die US-Regierungen von einer übergroßen Mehrheit der Weltgemeinschaft
klar und eindeutig aufgefordert, das Embargo umgehend zu beenden. Die
bisherigen US-Regierungen haben diese deutlichen Voten fast ausnahmslos
missachtet, ihre aus Sicht der Fragestellenden willkürlichen und
völkerrechtswidrigen Maßnahmen weiter praktiziert, teilweise sogar noch verschärft. Die
Schäden und Beeinträchtigungen für die kubanische Gesellschaft und die
ökonomische Entwicklung sind nachgewiesen und detailliert im alljährlich vorgelegten
Bericht Kubas an den UN-Generalsekretär aufgelistet (https://cubaminrex.cu/sit
es/default/files/2025-09/InformeB2025.pdf).
Direkt betroffen sind Unternehmen, Finanzinstitute, Organisationen, Vereine
und sogar einzelne Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik Deutschland
durch die extraterritorialen Bestimmungen und unilateralen
Zwangsmaßnahmen auf Basis des Helms-Burton-Gesetzes und weiterer Regelungen der US-
Administration.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung Anhaltspunkte für die Beweggründe für das von
der bisherigen gemeinsamen EU-Linie abweichende
Abstimmungsverhalten der EU-Mitgliedstaaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien,
Ungarn und Tschechien bei der Abstimmung in der Generalversammlung
der Vereinten Nationen zur Resolution Kubas am 29. Oktober 2025
(https://docs.un.org/en/A/80/L.6)?
2. Sieht die Bundesregierung in Anbetracht des uneinheitlichen
Abstimmungsverhaltens der EU-Mitgliedsländer das im Jahr 2016 geschlossene
Abkommen über politischen Dialog und Zusammenarbeit (https://eur-le
x.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:22016A1213(01))
und seine Umsetzung in Gefahr?
3. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass der „National Defense
Authorization Act for Fiscal Year 1993“, Title XVII – „Cuban Democracy
Act 1992“, sections 1704 and 1706, der „Cuban Liberty and Democratic
Solidarity Act of 1996“ und 1 CFR (Code of Federal Regulations) Ch. V
(7-1-95 edition) Part 515 – Cuban Assets Control Regulations, subpart B
(Prohibitions), E (Licenses, Authorizations and Statements of Licensing
Policy) and G (Penalties) durch seine extraterritoriale Anwendung das
Völkerrecht, Handelsrecht sowie europäisches Recht verletzen?
4. Wenn Frage 3 bejaht wird, in welchem Rahmen und wann hat die
Bundesregierung auf Basis dieser Einschätzung Gespräche mit der Regierung der
USA geführt, und zu welchen Ergebnissen kamen diese Gespräche?
5. Falls die bilateralen Gespräche keinerlei konkretes, nachprüfbares
Ergebnis erbracht haben, welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung
daraus, und werden konkrete Konsequenzen erwogen?
6. Welche Umsetzungsmaßnahmen hat die Bundesregierung vorgenommen,
um den im Blocking Statute der Europäischen Kommission von 1996
(https://finance.ec.europa.eu/eu-and-world/open-strategic-autonomy/extrat
erritoriality-blocking-statute_en) angeforderten nationalen Schritten Folge
zu leisten?
7. Wie viele und welche Unternehmen mit Sitz in der Bundesrepublik
Deutschland waren in den vergangenen zehn Jahren durch restriktive
Maßnahmen der USA nach Gesetzen, Verordnungen und anderen
Rechtsakten gemäß Artikel 1 der Verordnung (EG) Nummer 2271/96 des
Europäischen Rates vom 22. November 1996 betroffen?
8. Welches Vorgehen empfiehlt die Bundesregierung deutschen
Unternehmen, Banken, Organisationen und Vereinen, die im Rahmen ihrer
Geschäftstätigkeit im Rechtsraum der Bundesrepublik Deutschland von den
Bestimmungen der extraterritorial wirkenden US-Blockadegesetze
betroffen sind und/oder von US-Unternehmen und/oder deren europäischen
Vertretungen unter Verweis auf diese US-Gesetze sanktioniert werden?
9. An welche Behörden oder Institutionen können sich von
Strafandrohungen bzw. Zahlungsforderungen betroffene Unternehmen, Banken,
Organisationen und Vereine in der Bundesrepublik Deutschland wenden?
10. Sind nach dem Besuch des kubanischen Außenministers Bruno Rodríguez
am 10. Mai 2016 in der Bundesrepublik Deutschland konkrete
Maßnahmen zum Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit eingeleitet worden?
11. Welche konkreten Pläne hat die Bundesregierung für eine mögliche
Entwicklungszusammenarbeit mit Kuba auch im Hinblick auf das seit 2016
geplante Rahmenabkommen?
12. Beabsichtigt die Bundesregierung, Projekte zur ländlichen Entwicklung in
Kuba umzusetzen, und wenn ja, mit welchen Schwerpunkten?
13. Beabsichtigt die Bundesregierung, Projekte zur industriellen Entwicklung
in Kuba umzusetzen, und wenn ja, mit welchen Schwerpunkten?
14. Ist die Bundesregierung willens, die kubanische Wirtschaft dabei zu
unterstützen, bestehende strukturelle Defizite im Energiesektor zu überwinden,
und wenn ja, wie?
15. Gedenkt die Bundesregierung, die Hermes-Bürgschaften wieder
bereitzustellen, und wenn ja, ist vorgesehen, das Kreditvolumen zu erhöhen?
16. Wann haben die letzten bilateralen Gespräche und Treffen zwischen der
Bundesregierung und der kubanischen Regierung stattgefunden, und
welche Planungen existieren diesbezüglich für das Jahr 2026?
17. Gedenkt die Bundesregierung, zeitnah Maßnahmen zu ergreifen und
finanzielle sowie materielle Ressourcen bereitzustellen, um den Menschen
in dem vom Hurrikan Melissa verwüsteten Osten des Landes zu
unterstützen?
Berlin, den 16. Dezember 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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