Kuba - Völkerrecht verteidigen, humanitäre Hilfe ermöglichen
Text
Kuba - Völkerrecht verteidigen, humanitäre Hilfe ermöglichen
Antrag
der Abgeordneten Sören Pellmann, Vinzenz Glaser, Desiree Becker, Gökay
Akbulut, Janina Böttger, Maik Brückner, Katrin Fey, Jan Köstering, Charlotte
Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner, Zada Salihović, Ulrich
Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Kuba – Völkerrecht verteidigen, humanitäre Hilfe ermöglichen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Der Inselstaat Kuba befindet sich mit seinen mehr als 10 Millionen Einwohner*innen
in einer schweren humanitären Krise. Die totale Ölblockade führt zu einer sich täglich
verschärfenden Versorgungsnot: umfassende Blackouts, Medikamentenengpässe,
Krankenhäuser im Notzustand. Das öffentliche Leben gerät immer mehr zum Erliegen.
Vulnerable Gruppen wie Schwangere, Kinder und ältere Menschen sind besonders
betroffen. Die US-Regierung nimmt diese humanitäre Extremsituation sehenden Auges
in Kauf (https://apnews.com/article/cuba-us-blackouts-power-electricity-trump-rubio-
64b7a303cfd6667a5d4312c288d2fc1f).
Bis heute wird Kuba von den USA nicht als souveräner Staat anerkannt. Bis auf wenige
Ausnahmen haben alle US-Regierungen seit der kubanischen Revolution 1959 die 90
Seemeilen entfernte Insel als Eigentum und sogenannten „Hinterhof“ der USA
betrachtet. Um den von Kuba eingeschlagenen eigenständigen Entwicklungsweg zu
beenden, haben die USA im Jahr 1962 eine umfassende Finanz-, Wirtschafts- und
Handelsblockade (Executive Order 3447) verhängt, die bis heute Bestand hat. Die
Blockade hat weitreichende Folgen für die kubanische Wirtschaft und damit auch für die
Bevölkerung. Seit 1992 verurteilt die UN-Generalversammlung jährlich mit großer
Mehrheit dieses Sanktionsregime. Wie bereits in den Vorjahren hat auch die
Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2025 die kubanische Resolution zur Aufhebung der US-
Blockade unterstützt (https://docs.un.org/en/A/80/L.6).
In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke auf
Bundestagsdrucksache 21/3723 spricht sich die Bundesregierung gegen die extraterritoriale
Anwendung von US-Sanktionen aus und erklärt, dass die Blockade „gegen die deutschen
Interessen und die Interessen der Europäischen Union verstoßen, die wirtschaftlichen
Beziehungen mit Kuba etwa im Bereich Handel und Kapitalverkehr auszubauen, und
das Völkerrecht verletzen“.
Trotz der internationalen Missbilligung der Sanktionen haben die USA in den letzten
Monaten die Sanktionen gegen Kuba verschärft. Im Januar 2026 hat die US-Regierung
den nationalen Notstand aufgrund einer vermeintlich von Kuba ausgehenden
„außergewöhnlichen Bedrohung“ ausgerufen. Mit dieser Begründung unterzeichnete der US-
Präsident am 29. Januar 2026 ein Dekret, das die Verhängung von Strafzöllen gegen
sämtliche Staaten vorsieht, die Kuba mit Erdöl und Erdöl-Derivaten beliefern. Damit
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5496
21. Wahlperiode 21.04.2026
knüpft die US-Regierung an bekannte Strategien an. Bereits 1960, ein Jahr nach dem
Sieg der kubanischen Revolution, versuchte der damalige stellvertretende
Unterstaatssekretär US-Außenministerium, Lester D. Mallory, durch die Verweigerung von „Geld
und Lieferungen (…) Hunger, Verzweiflung und den Sturz der Regierung“
herbeizuführen (https://nsarchive.gwu.edu/document/27400-document-1-state-department-
memorandum-decline-and-fall-castro-secret-april-6-1960).
Parallel zur wirtschaftspolitischen Strangulierungspolitik verfolgt die US-Regierung
das Ziel, Kuba auf internationaler Ebene zu isolieren – mit Erfolg. Die Regierungen
von Ecuador und Costa Rica haben angesichts politischen und wirtschaftlichen Drucks
aus Washington jüngst ihre diplomatischen Beziehungen zu Kuba beendet. Zudem
unternimmt die US-Regierung verstärkt Anstrengungen, die internationalistischen
medizinischen Einsätze kubanischer Ärzt*innen zu diskreditieren und Partnerländer zu
einer Beendigung von Kooperationen zu drängen.
Erklärtes Ziel der jetzigen US-Regierung ist die Übernahme staatlicher Kontrolle über
Kuba. Am 16. März 2026 verkündete US-Präsident Trump, dass er die „Ehre“ habe,
das Nachbarland „in irgendeiner Form zu übernehmen“ und er mit der Insel machen
könne, was er wolle (www.tagesspiegel.de/internationales/trump-droht-kuba-mit-
angriff-ob-ich-es-befreie-oder-ubernehme-ich-kann-damit-machen-was-ich-will-
15365964.html).
Die Folgen dieser imperialistischen US-Außenpolitik, die den lateinamerikanischen
Kontinent lediglich als Hinterhof der USA betrachtet, sind für Kuba dramatisch.
Angesicht dieser dramatischen Entwicklung ist dringend Handlungsbedarf geboten. Es
ist keineswegs auszuschließen, dass von der US-Regierung eine weitere Eskalation in
Richtung Kuba ausgehen wird. Durch anhaltendes Schweigen zu dem umfassenden
illegalen Sanktionsregime der US-Regierung und der beabsichtigten Herbeiführung
einer Hungersnot und eines medizinischen Notstands auf Kuba droht sich die
Bundesregierung mitschuldig zu machen. Bisher sind keinerlei Bemühungen der
Bundesregierung erkennbar, die drohende humanitäre Katastrophe in Kuba zu verhindern.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. auf bilateraler und multilateraler Ebene politischen Druck auf die US-Regierung
auszuüben, um auf die Aufhebung der Handels-, Finanz- und
Wirtschaftsblockade gegen Kuba hinzuwirken;
2. sich auf europäischer und internationaler Ebene mit Nachdruck gegen
extraterritoriale Sanktionen einzusetzen, insbesondere gegen Maßnahmen, die Drittstaaten
bestrafen, wenn sie humanitäre Hilfe leisten oder rechtmäßige
Handelsbeziehungen unterhalten;
3. die Aggressionspolitik der USA gegenüber Kuba unmissverständlich und
öffentlich zu verurteilen und sich dabei nicht hinter diplomatischen Floskeln zu
verstecken, sondern die Verletzung der VN-Charta deutlich aufzeigen;
4. unverzüglich und proaktiv humanitäre Hilfe für Kuba bereitzustellen und die
Arbeit internationaler humanitärer Organisationen zu unterstützen, um die
bestehende humanitäre Krise zu lindern, wobei sichergestellt wird, dass diese Hilfe
ausschließlich nach humanitären Kriterien erfolgt und unabhängig von
politischen Bedingungen, insbesondere der USA, gewährleistet wird und somit nicht
als Instrument geopolitischer Machtpolitik instrumentalisiert wird;
5. sich bilateral sowie im Rahmen der Vereinten Nationen aktiv dafür einzusetzen,
dass das kubanische Gesundheitssystem nicht länger durch US-Sanktionen
beeinträchtigt wird und durch konkrete politische und praktische Maßnahmen die
vollständige Wiederherstellung des Rechts auf Gesundheit der Bevölkerung Kubas
ermöglicht wird;
6. die Entwicklungszusammenarbeit mit Kuba zu reaktivieren und auszubauen und
zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen und Beseitigung von
Versorgungsengpässen beizutragen, u. a. durch die Förderung erneuerbarer
Energien und Biotechnologie in der Landwirtschaft;
7. dafür einzutreten, dass diplomatische Beziehungen zu Kuba nicht aufgrund von
Druck durch die USA eingeschränkt werden und gleichzeitig sicherzustellen, dass
kubanische medizinische Einsätze weltweit wieder aufgenommen bzw. geschützt
werden;
8. sich aktiv für die Förderung eines Dialogs zwischen Kuba und der US-Regierung
einzusetzen, der auf der Grundlage der gegenseitigen Achtung der Souveränität
und Unabhängigkeit Kubas geführt wird, und eine Lösung der Spannungen durch
diplomatische Mittel zu erreichen;
9. gegenüber der US-Regierung unmissverständlich klarzustellen, dass die Achtung
des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eine unverzichtbare
Grundlage der deutsch-amerikanischen Beziehungen darstellt, und dass
systematische Verstöße gegen diese Prinzipien Konsequenzen für die politische,
militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit haben müssen, einschließlich der
unverzüglichen Einstellung sämtlicher Rüstungsexporte und -kooperationen mit
den Vereinigten Staaten von Amerika.
Berlin, den 21. April 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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