Aktuelle Situation der Binnenschifffahrt
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Aktuelle Situation der Binnenschifffahrt
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1713
21. Wahlperiode 19.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tarek Al-Wazir, Swantje Henrike Michaelsen, Victoria Broßart,
Matthias Gastel, Claudia Müller und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Aktuelle Situation der Binnenschifffahrt
Die Binnenschifffahrt bietet grundsätzlich eine umwelt- und klimafreundliche
sowie effiziente Möglichkeit, auch große Mengen an wichtigen Gütern zu
transportieren. Sie kann dazu beitragen, Straßen und Schienen zu entlasten,
weiteren Straßenbau und Flächenfraß überflüssig zu machen und somit einen
Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele zu leisten. Zudem verbinden
Binnenschiffe historisch wichtige Wirtschaftszentren entlang von Kanälen und
Wasserwegen in Deutschland und ganz Europa. Flüsse wie die Elbe, der Rhein,
die Weser oder die Donau sind dabei immer auch wertvolle und einmalige
Naturwelten. Sie stiften Lebensräume für Tiere und Pflanzen, bieten uns
Menschen mit ihren natürlichen Überschwemmungsflächen nicht nur
Hochwasserschutz, sondern prägen auch Landschaftsräume, Kultur und regionale Identität.
Manche Flüsse, wie die Elbe, leiden jedoch selbst unter den Folgen einer
jahrzehntelang zu wenig nachhaltigen Übernutzung, der Einträge aus Chemie und
Landwirtschaft und der Erderhitzung. Folgen sind dann auch häufigere
Hochwasserereignisse im unguten Wechselspiel mit häufigerem Niedrigwasser,
welches selbst wiederum die Binnenschifffahrt wirtschaftlich zum Erliegen bringen
kann, wie im Sommer 2025 auf der Elbe.
Geeignete Wasserstraßen hingegen stärken den Handel und die
Versorgungssicherheit. Wie auch bei Schienen und Straßen ist die gebaute Infrastruktur durch
zu geringe Investitionen in der Vergangenheit oft veraltet und stark
sanierungsbedürftig. Insbesondere Schleusen, Schiffshebewerke und Brücken über
Wasserstraßen sind viele Jahrzehnte oder sogar ein ganzes Jahrhundert alt. Dennoch
findet die Wasserstraßeninfrastruktur in dem von der schwarz-roten
Bundesregierung auf den Weg gebrachten „Sondervermögen Infrastruktur und
Klimaneutralität“ bisher keine Berücksichtigung und die im Bundeshaushalt
vorgesehenen Investitionen sollen laut Entwurf der schwarz-roten Bundesregierung
auf ihrem im Vergleich zu Straßen und Schienen niedrigen Niveau verharren.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie begründet die Bundesregierung, dass im Rahmen des
Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität die Wasserstraßeninfrastruktur
nicht berücksichtigt werden soll, obwohl im Haushaltsentwurf für 2025
und 2026 kein signifikanter Anstieg der Mittel geplant ist?
2. Wie hoch ist der Investitionsstau im Bereich Wasserstraßeninfrastruktur?
3. Wie hoch waren die Mittel, die 2024 aus der Lkw-Maut in den Bereich
der Bundeswasserstraßen flossen?
4. Wie hoch sind die finanziellen Bedarfe für den Bedarfsplan Wasserstraße
im Zeitraum der mittelfristigen Finanzplanung des Bundeshaushalts bei
Fortsetzung aller in Bau befindlichen Projekte sowie bei angenommenem
Baustart aller weiteren Projekte nach Abschluss der Planung, und in
welcher Höhe sind die Investitionen in der aktuellen mittelfristigen
Finanzplanung in Projekte des Bedarfsplans Wasserstraße vorgesehen (bitte
jeweils in Jahresscheiben auflisten; bei Angabe der mittelfristigen
Finanzplanung bitte die Mittel summiert über alle Haushaltstitel, die in den
Bedarfsplan investiert werden, angeben)?
5. Plant die Bundesregierung, die Mittel für die Wasserstraße im
Verkehrsetat in der mittelfristigen Finanzplanung zu erhöhen, und wenn nein,
warum nicht?
6. Plant die Bundesregierung, die Maßnahmen, die die
Beschleunigungskommission Mittelrhein in der vergangenen Wahlperiode erarbeitet hat, in
dieser Legislaturperiode umzusetzen?
a) Wenn ja, wie ist der Zeitplan für die Umsetzung?
b) Wie viele Mittel will die Bundesregierung dafür in den nächsten vier
Jahren zur Verfügung stellen?
c) Wenn nein, warum nicht?
d) Wenn eine teilweise Umsetzung der Maßnahmen geplant ist, um
welche handelt es sich, welche sollen nicht umgesetzt werden, und
warum nicht?
7. Plant die Bundesregierung, die „Abladeoptimierung am Niederrhein“ in
dieser Legislaturperiode umzusetzen?
a) Wenn ja, wie ist der Zeitplan für die Umsetzung?
b) Wie viele Mittel will die Bundesregierung dafür in den nächsten vier
Jahren zur Verfügung stellen?
c) Wenn nein, warum nicht?
8. Plant die Bundesregierung, die Sanierung und teilweise Verlängerung der
Neckarschleusen in dieser Legislaturperiode zu realisieren?
a) Wenn ja. wie ist der Zeitplan für die Sanierung?
b) Wie viele Mittel will die Bundesregierung dafür in den nächsten vier
Jahren zur Verfügung stellen?
c) Wenn nein, warum nicht?
9. Wie viele Mittel standen 2024 im Rahmen der „Förderung der
nachhaltigen Modernisierung von Binnenschiffen zur Verlagerung von
Güterverkehr von der Straße auf die Wasserstraße“ zur Verfügung, wie viele Mittel
sind abgeflossen, und wie viele Mittel sollen dafür mittelfristig bis 2029
zur Verfügung stehen (bitte in Jahresscheiben angeben)?
10. Wie viele Mittel standen 2024 im Rahmen der „Förderung emissionsfreier
und emissionsarmer Antriebe sowie der nachhaltigen Modernisierung von
Binnenschiffen“ zur Verfügung, und wie viele Mittel sollen dafür
mittelfristig bis 2029 zur Verfügung stehen (bitte in Jahresscheiben angeben)?
11. Plant die Bundesregierung, auch in den kommenden vier Jahren
emissionsfreie Binnenschiffsneubauten mit bis zu 100 Prozent
zuwendungsfähiger Ausgaben zu fördern?
12. Inwiefern plant die Bundesregierung Änderungen an der Förderung bei
der Umrüstung von sich im Einsatz befindenden Binnenschiffen a) auf
emissionsfreie Binnenschiffe und b) auf saubere Binnenschiffe
vorzunehmen?
13. Wie hoch ist der aktuelle Erneuerungsbedarf bei der
Wasserstraßeninfrastruktur (bitte detailliert nach Schleusen, Schiffshebewerken,
Wehranlagen, Kanalbrücken, Dükern, Straßen- und Bahnbrücken über
Bundeswasserstraßen, nach Talsperren, Sturmflutsperrwerken, Dämmen an
Stauhaltungen und Kanälen, Uferbefestigungen, Strombauwerken und festen
Schifffahrtszeichen auflisten), und wie ist der aktuelle Sanierungsstand im
Jahr 2025 (bitte ebenfalls detailliert nach Bauwerken auflisten)?
14. Welche Sanierungen sind bis 2029 geplant (bitte detailliert nach
Bauwerken und Jahren auflisten)?
15. Welche Sanierungen wurden bereits begonnen?
16. Welche Pläne verfolgt die Bundesregierung zur Reform der Wasser-
Schifffahrtsverwaltung (WSV) in dieser Legislaturperiode, und wenn sie
diesbezüglich keine Pläne verfolgt, warum nicht?
17. Welches Verlagerungspotenzial von der Straße auf die Wasserstraße
erwartet die Bundesregierung durch freiwerdende Kapazitäten nach dem
Kohleausstieg spätestens 2038, gibt es hierzu bereits Branchengespräche
mit der Industrie und Logistik, und wenn nein, warum nicht?
18. Wie ist der aktuelle Umsetzungsstand bezüglich des Ausnahmevertrags
zwischen Deutschland und Tschechien bezüglich der Ausnahme der Elbe
aus dem sogenannten Transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V), und
welche Schritte plant die Bundesregierung zu unternehmen, damit dieser
bereits fertig ausgehandelte Ausnahmevertrag zum Abschluss gebracht
wird?
19. Trifft es zu, dass die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des
Bundes die Erfassung und Zählung von Binnenschifffahrtstransporten auf der
Elbe bereits im Jahr 2022 eingestellt hat (vgl. www.l-iz.de/politik/region/2
025/08/elbe-muss-als-wasserstrasse-zuruckgestuft-werden-630605), und
wenn ja, was waren die hierfür maßgeblichen Gründe?
a) War im Fall einer Einstellung ein Grund langanhaltende und bzw. oder
wiederkehrende Niedrigwasserstände der Elbe?
b) Wie soll, wenn die Einstellung der Zählung zutrifft, nach Auffassung
der Bundesregierung noch erfasst und bewertet werden können, ob
und in welchem – möglicherweise auch sehr geringen Ausmaß –
Binnenschifffahrt auf der Elbe stattfindet?
20. Wie kann nach Auffassung der Bundesregierung überhaupt noch
Binnenschifffahrt auf der Elbe stattfinden?
Berlin, den 10. September 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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