Initiative deutscher Kommunen zur humanitären Evakuierung und medizinischer Behandlung von Kindern aus Gaza und Israel in Deutschland
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Initiative deutscher Kommunen zur humanitären Evakuierung und medizinischer Behandlung von Kindern aus Gaza und Israel in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2989
21. Wahlperiode 28.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Schahina Gambir, Swantje Henrike Michaelsen, Luise
Amtsberg, Max Lucks, Filiz Polat, Lukas Benner, Marcel Emmerich, Lamya
Kaddor, Dr. Konstantin von Notz, Marlene Schönberger, Deborah Düring,
Boris Mijatović, Omid Nouripour, Claudia Roth, Robin Wagener und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Initiative deutscher Kommunen zur humanitären Evakuierung und medizinischen
Behandlung von Kindern aus Gaza und Israel in Deutschland
Anfang August 2025 haben sich mehrere deutsche Kommunen, darunter
Hannover, Düsseldorf, Leipzig, Kiel und Bonn, für die Aufnahme schwerverletzter
oder erkrankter Kinder aus Gaza und Israel zur medizinischen Behandlung in
Deutschland ausgesprochen und erklärt, sie verfügen über leistungsfähige
Versorgungsstrukturen für professionelle Hilfe in Kliniken und seien für die
Aufnahme der Kinder vorbereitet (www.hannover.de/Service/Presse-Medien/Lande
shauptstadt-Hannover/Aktuelle-Meldungen-und-Veranstaltungen/Bund-soll-Au
fnahme-von-Kindern-aus-Gaza-erm%C3 ProzentB6glichen).
Die Bundesregierung lehnte diese Aufnahmebitte mit Verweis auf unklare
Sicherheitslagen vor Ort, auf administrative Hürden, sicherheitsrechtliche
Bedenken gegenüber mitreisenden Familienangehörigen und die Priorisierung von
Hilfe vor Ort ab. Während die Bundesregierung die Situation im Gazastreifen
als „sehr unübersichtlich und nicht berechenbar“ charakterisiert, sei es
„weiterhin vorteilhafter, Behandlungen von Verletzten und Schwererkrankten vor Ort
zu unterstützen.“ (Schreiben des Staatssekretärs im Bundesministerium des
Innern Bernd Krösser, 17. Oktober 2025, www.zeit.de/news/2025-10/30/hilfe-fue
r-gaza-kinder-spd-fordert-signal-wegners).
Gleichzeitig berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UN-
Organisationen (UN = United Nations) von über 15 600 Patientinnen und
Patienten in Gaza, die dringend Evakuierungen benötigen, weil sie angesichts des
im Krieg massiv angegriffenen und dadurch kollabierten Gesundheitssystems
vor Ort nicht ausreichend versorgt werden können. Mehr als 1 700
Gesundheitskräfte wurden in Gaza getötet. Zwischen Juli 2024 und August 2025
starben mindestens 740 Patientinnen und Patienten, darunter 137 Kinder, während
sie auf ihre medizinische Evakuierung warteten (www.aerzte-ohne-grenzen.de/
presse/gaza-deutschland-muss-evakuierungen-ermoeglichen).
Andere EU-Staaten wie Italien oder Spanien ermöglichen daher bereits
Evakuierungen von schwerkranken Menschen. Und es war während der letzten
Legislatur auch möglich, zwei Kinder aus dem Gazastreifen nach Deutschland zu
bringen und dort zu behandeln (www.zeit.de/politik/deutschland/2025-07/kinde
r-gazastreifen-medizin-versorgung-deutschland-evakuierun/komplettansicht).
Deutschland hatte im Rahmen des sogenannten Kleeblattverfahrens außerdem
erfolgreich ukrainische Patientinnen und Patienten aufgenommen (928
Evakuierte bis 2023, Bundestagsdrucksache 20/9536).
Vor diesem Hintergrund fragen die Fragestellerinnen und Fragesteller nach den
konkreten Entscheidungsgründen der Bundesregierung, deren Einschätzung der
medizinischen Lage in Gaza sowie den Unterschieden zu früheren
Hilfemaßnahmen, wie z. B. in der Ukraine.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die
Behandlungsmöglichkeiten für Kinder in Gazas Krankenhäusern vor, z. B.
zu Intensivkapazitäten, Verfügbarkeit von Medikamenten, Fachpersonal
(bitte nach Quellen [WHO, UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen
für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten), eigenen Erhebungen]
aufschlüsseln)?
2. Inwiefern haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Bedingungen, wie von der Bundesregierung in ihrer Antwort vom 17. Oktober 2025
an die Kommunen erklärt, für die Behandlungen von Verletzten und
Schwererkrankten vor Ort im Gazastreifen verbessert?
3. Haben sich, nach Kenntnis der Bundesregierung, auch die (intensiv)
medizinischen Behandlungsmöglichkeiten von Kindern im Gazastreifen
verbessert?
4. Ergreift die Bundesregierung Maßnahmen, um die ungehinderte Einfuhr
für den Wiederaufbau der Gesundheitsinfrastruktur in Gaza, insbesondere
von Zement, medizinischer Ausrüstung, Verbrauchsmaterialien,
Inkubatoren für Frühgeborene und Impfstoffe, sicherzustellen, und wenn ja,
welche?
5. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung konkret, um das Leid
von erkrankten Kindern in Gaza und Israel zu lindern?
6. Wie viele Kinder in Gaza und Israel konnten durch deutsche finanzielle
bzw. logistische Hilfemaßnahmen seit 2025 konkret behandelt werden
(bitte nach Altersgruppen und Krankheitsbildern aufschlüsseln)?
7. Warum wird das Kleeblattverfahren im Falle der palästinensischen
Gebiete, spezifisch im Falle des Gazastreifens, nicht praktiziert, und zwar trotz
erfolgreicher Anwendung im Falle der Ukraine und vergleichbarer
humanitärer Dringlichkeit?
8. Welche Expertinnen und Experten (beispielsweise UN,
Hilfsorganisationen, medizinische Fachgesellschaften, Regierungsangaben) wurden in die
Bewertung der Machbarkeit der Evakuierung von verletzten und
erkrankten Kindern aus Gaza einbezogen (bitte sowohl Quantität als auch Qualität
der Datenlage, auf die die Bundesregierung ihre Entscheidungen stützt,
angeben)?
9. Hat sich die Bundesregierung mit EU-Staaten (z. B. Italien, Spanien,
Schweiz) abgestimmt, die bereits Evakuierungen durchführen?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, welche Gründe führen zu einer unterschiedlichen
Einschätzung über die Möglichkeit der humanitären Evakuierungen von
Kindern?
c) Wie viele Evakuierungen schwerkranker Kinder aus Gaza sind nach
Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025 nach Italien, Spanien und
in die Schweiz erfolgt?
10. Welche Sicherheitsbedenken im Visumsverfahren (insbesondere bei
Begleitpersonen) stehen einer Aufnahme aus Gaza entgegen, und wie lösen
nach Kenntnis der Bundesregierung andere europäische Länder dies?
Berlin, den 11. November 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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