Qualifizierung von Lehrkräften im Umgang mit Künstlicher Intelligenz
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Qualifizierung von Lehrkräften im Umgang mit Künstlicher Intelligenz
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1966
21. Wahlperiode 02.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Robin Jünger, Ruben Rupp, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich und der
Fraktion der AfD
Qualifizierung von Lehrkräften im Umgang mit Künstlicher Intelligenz
Die rasante Entwicklung von Anwendungen Künstlicher Intelligenz (KI) stellt
die Gesellschaft, die Wirtschaft und insbesondere auch das Bildungssystem vor
tiefgreifende Herausforderungen. Künstliche Intelligenz dringt zunehmend in
den Unterrichtsalltag deutscher Schulen ein – sei es durch den Einsatz KI-
basierter Lernsoftware, durch automatisierte Leistungsbewertungen oder durch
generative Sprachmodelle wie ChatGPT, welche Schüler bereits intensiv im
privaten Bereich nutzen. Die Bundesregierung selbst konstatiert, dass „der
Einsatz von KI-basierten Innovationen nicht nur unseren Alltag verändert, sondern
ebenso unser Bildungssystem und die Art und Weise, wie wir lehren und lernen
und neues Wissen generieren. Im Bildungsbereich bietet die künstliche
Intelligenz Chancen für individuelle Förderung und die Unterstützung von
Lehrkräften und Ausbildungspersonal. Zugleich konfrontiert die Künstliche Intelligenz
(KI) das Bildungssystem mit neuen Anforderungen an Kompetenzen und
Qualifikationen, Lehr- und Lernprozesse, Leistungsmessung und Prüfungsformate,
Qualitätskontrolle und Zertifizierung von Bildungsmaterialien und -medien“
(www.ki-strategie-deutschland.de/files/downloads/Aktionsplan_Kuenstliche_In
telligenz_2023.pdf, S. 20, Kapitel 3.4).
Gleichwohl stellt sich den Fragestellern die Frage, ob und in welchem Umfang
Lehrkräfte überhaupt über die erforderlichen Kenntnisse und Kompetenzen
verfügen, um diesen Entwicklungen fachlich fundiert, pädagogisch sinnvoll und
ethisch verantwortungsbewusst zu begegnen. Die Ausbildung von Lehrkräften
im Bereich KI bleibt nach Ansicht der Fragesteller bislang fragmentiert,
konzeptlos und von föderalem Kompetenzgerangel geprägt (www.empirische-bildu
ngsforschung-bmbf.de/img/KI_Review_20250318_Veroeffentlichung.pdf?ut
m_source=chatgpt.com). Die Bundesregierung verweist hier richtigerweise
immer wieder auf die Länderzuständigkeit, entzieht sich aber gleichzeitig ihrer
Verantwortung, verbindliche Mindeststandards und Qualifizierungsrahmen für
Lehrkräfte zu definieren. Obwohl die Bundesregierung KI strategisch z. B. in
Forschung und Bildung fördert. Sie legt unter anderem Schwerpunkte in
Forschungsstärkung, Kompetenzaufbau, Bildung und Verwaltung. Durch
europäische Kooperation, innovationsfreundliche Regulierung und gesellschaftlichen
Dialog wird die nachhaltige und verantwortungsvolle Weiterentwicklung von
KI in Deutschland gesteuert (www.ki-strategie-deutschland.de/files/downloads/
Aktionsplan_Kuenstliche_Intelligenz_2023.pdf, Vorwort und Kapitel 3.4).
Die zunehmende Integration von KI-Technologien in den Unterricht und die
Schulorganisation birgt jedoch auch nach Ansicht der Fragesteller erhebliche
Risiken: Datenschutzverletzungen, algorithmische Verzerrungen (Bias), die
Gefahr von De-Professionalisierung durch „pädagogische Automatisierung“ sowie
die Verstärkung sozialer Ungleichheiten im Bildungssystem. Zudem droht bei
unzureichender Ausbildung der Lehrkräfte eine bedenkliche Abhängigkeit von
privatwirtschaftlichen Softwareanbietern wie Microsoft, die vor allem aus
außereuropäischen Rechtsräumen agieren.
Weiterhin hat die Europäische Union im Rahmen des „AI Act“ (Verordnung
(EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates über Künstliche
Intelligenz) erstmals umfassende gesetzliche Rahmenbedingungen für den
Einsatz von KI festgelegt, die auch den Bildungssektor explizit erfassen. Für
Lehrkräfte ergibt sich daraus die zwingende Notwendigkeit, bei der Nutzung von
KI-Systemen im Unterricht sowohl ethische als auch technische
Mindeststandards zu erfüllen. Zu diesen zählen insbesondere die Orientierung an
Menschlichkeit und Fairness, der Vorrang menschlichen Handelns sowie der Grundsatz
der nachvollziehbaren, gerechtfertigten Entscheidung (www.apb-tutzing.de/ne
ws/2023-02-20/ki-kuenstliche-intelligenz-digitalisierung-chatgpt-schule-bildun
g-bildungswesen). Dennoch bleibt nach Auffassung der Fragesteller fraglich,
ob und wie die Lehrkräfte bislang auf diese Herausforderungen vorbereitet
wurden.
Die Fragesteller befürchten, dass ohne eine gezielte, flächendeckende und
verpflichtende Qualifizierung von Lehrkräften ein gravierender Kontrollverlust
droht: Lehrer könnten zu bloßen „Systembedienern“ internationaler
Softwarelösungen degradiert werden, ohne kritisch-reflexive, pädagogisch und technisch
fundierte Entscheidungskompetenz zu besitzen. Dies könnte nach Auffassung
der Fragesteller das Bildungsziel einer souveränen, wertegebundenen und
identitätsstiftenden Wissensvermittlung an deutschen Schulen beeinträchtigen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten, verpflichtenden Ausbildungsinhalte zu Künstlicher
Intelligenz sind nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in den ersten
und zweiten Phasen der Lehrkräftebildung (Lehramtsstudium und
Referendariat) an deutschen Hochschulen und Landesbildungsinstituten
bundesweit vorgesehen?
2. Hat sich die Bundesregierung an der inhaltlichen Ausgestaltung von
Lehrkräftefortbildungen im Bereich Künstliche Intelligenz bislang beteiligt,
und wenn ja, inwiefern (bitte Projekte, beteiligte Akteure, Zeiträume und
Haushaltsmittel detailliert auflisten)?
3. Hat sich die Bundesregierung seit 2023 an Programmen zur
Qualifizierung von Lehrkräften im Bereich KI beteiligt, und wenn ja, an welchen
konkreten Programmen oder Projekten?
4. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob private IT-Unternehmen,
insbesondere US-amerikanische Tech-Konzerne, eine inhaltliche
Steuerung oder curriculare Einflussnahme auf staatliche
Lehrerfortbildungsmaßnahmen im Bereich KI vornehmen, und wenn ja, welche konkreten
Erkenntnisse hat diesbezüglich die Bundesregierung?
5. Welche rechtlichen, datenschutzrechtlichen und ethischen Risiken können
nach Einschätzung der Bundesregierung beim Einsatz von KI-gestützten
Lernplattformen und Diagnosetools an Schulen ggf. entstehen,
insbesondere wenn Lehrkräfte nicht über ausreichende KI-Kompetenzen verfügen?
6. Wie plant die Bundesregierung, die Vorgaben des europäischen AI Acts
konkret auf die Ausbildung und Fortbildung von Lehrkräften in
Deutschland umzusetzen?
7. In welchem Umfang erfolgt derzeit ggf. eine wissenschaftliche
Erfolgskontrolle der von der Bundesregierung geförderten
Fortbildungsmaßnahmen zur Qualifizierung von Lehrkräften im Bereich Künstliche
Intelligenz?
8. Welche konkreten Standards und Mindestanforderungen an digitale und
KI-bezogene Kompetenzen von Lehrkräften definiert die
Bundesregierung, und welche rechtlich verbindlichen Instrumente stehen hierfür zur
Verfügung?
9. Sieht die Bundesregierung eine Gefahr in einer pädagogischen De-
Professionalisierung durch wachsende Abhängigkeit von KI-gestützten
Unterrichtslösungen und mangelnde Qualifizierung der Lehrkräfte zur
kritischen Reflextion dieser Systeme (bitte ggf. ausführen)?
10. Wurden seit dem Jahr 2021 Programme zur Qualifizierung von
Lehrkräften im Bereich Künstliche Intelligenz mit Bundesmitteln gefördert oder
durch Bundesbehörden initiiert (wenn ja, bitte Fördervolumen, Laufzeit,
Zielgruppen, Beteiligte sowie die inhaltliche Ausrichtung angeben)?
11. Existieren nach Kenntnis der Bundesregierung systematische
Erfassungen, Register oder Datenbanken über vorhandene Fortbildungsangebote
zum Thema Künstliche Intelligenz für Lehrkräfte auf Landesebene oder
länderübergreifenden Plattformen (z. B. Fortbildung BW, Fobizz,
Lehrerfortbildung@Bund)?
12. Welche Rolle spielen Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher
Intelligenz in den vom damaligen Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) unterstützten Begleitmaßnahmen im Rahmen des
Digitalpakts Schule (www.ki-strategie-deutschland.de/files/downloads/Aktionspl
an_Kuenstliche_Intelligenz_2023.pdf, S. 21)?
13. Inwiefern wurden im Rahmen des vom damaligen BMBF geförderten
Projekts „KI in der Bildung“ konkrete Fortbildungsinhalte für Lehrkräfte
konzipiert, implementiert und verbreitet (bitte die involvierten
Institutionen, Zielgruppen und Wirkungsindikatoren angeben)?
14. Welche Empfehlungen, Vorgaben oder Rahmenkonzepte wurden seitens
der Bundesregierung oder in Abstimmung mit der
Kultusministerkonferenz zur Integration von KI-Kompetenzen in die erste und zweite Phase
der Lehrkräftebildung (Lehramtsstudium und Vorbereitungsdienst)
entwickelt und an die Länder übermittelt (www.kmk.org/fileadmin/veroeffen
tlichungen_beschluesse/2024/2024_10_10-Handlungsempfehlung-K
I.pdf)?
15. Plant die Bundesregierung die Einrichtung eines zentralen digitalen
Kompetenzzentrums zur Fortbildung und Unterstützung von Lehrkräften im
Bereich Künstliche Intelligenz, das bundesweit zugänglich und
qualitätsgesichert ist (www.ki-strategie-deutschland.de/files/downloads/Aktionspla
n_Kuenstliche_Intelligenz_2023.pdf, Kapitel 3.4)?
Berlin, den 1. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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