Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Beschäftigte in der Bundesverwaltung
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Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Beschäftigte in der Bundesverwaltung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2115
21. Wahlperiode 09.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Robin Jünger, Ruben Rupp, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich und
der Fraktion der AfD
Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Beschäftigte in der
Bundesverwaltung
Die rasante Entwicklung und Einführung Künstlicher Intelligenz (KI) in nahezu
alle Lebens- und Arbeitsbereiche hat auch den öffentlichen Dienst der
Bundesrepublik Deutschland erfasst. Die Bundesregierung propagiert KI als
„Schlüsseltechnologie“ für die Zukunftsfähigkeit des Staates und seiner Verwaltung
(www.ki-strategie-deutschland.de/). Im Rahmen der fortschreitenden
Staatsmodernisierung und Digitalisierung werden KI-Systeme verstärkt implementiert,
um Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit in Anwendungsfeldern von
besonderer Bedeutung weiter zu verbessern und gleichzeitig soziale und kulturelle
Teilhabe, Handlungsfreiheit und Selbstbestimmung der Bürgerinnen und
Bürger zu fördern – sowohl bei uns in Deutschland als auch auf europäischer und
globaler Ebene (ebd.).
Die Fragesteller sehen diese Entwicklung mit erheblicher Skepsis, weil
fundamentale Fragen hinsichtlich der sozialen, arbeitsrechtlichen und
gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bislang
nicht beantwortet wurden. Eine aktuelle, im Mai 2025 veröffentlichte
wissenschaftliche Studie – „Artificial Intelligence in Government: Why People Feel
They Lose Control“ – zeigt auf, dass der Einsatz von KI in der Verwaltung trotz
anfänglicher Effizienzgewinne zu gravierenden Strukturproblemen führt. Diese
betreffen Transparenz, Verantwortlichkeit und demokratische Kontrolle –
wesentliche Kernbereiche, in denen bisher „of the hidden costs of AI adoption“
und „failure-by-success“-Effekte auftreten (https://library.oapen.org/bitstream/i
d/6fe82c34-8d05-4187-9f0a-f843740d1dcd/978-3-658-40101-6.pdf?utm_sourc
e=chatgpt.com). Es besteht daher die Gefahr, dass Automatisierung,
algorithmische Entscheidungssysteme und maschinelles Lernen Arbeitsplätze
substituieren und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der verbleibenden Beschäftigten
erheblich verändern.
Die Bundesregierung wirbt öffentlich für den verstärkten Einsatz von KI in der
Verwaltung, z. B. in der Antragsbearbeitung, Entscheidungsfindung,
Personalplanung, Dokumentenanalyse und Prozessoptimierung (www.bmi.bund.de/Shar
edDocs/downloads/DE/publikationen/themen/moderne-verwaltung/ki/BMI250
20-leitlinien-ki-bundesverwaltung.pdf?__blob=publicationFile&v=4). Diese
Prozesse gefährden in den Augen der Fragesteller klassische Aufgabenprofile
im öffentlichen Dienst und könnten zu einem massiven Abbau von Stellen, zu
Dequalifizierungen und zur Entwertung jahrelanger Berufserfahrung führen.
Laut einer Analyse der Wissenschaftlichen Dienste (WD) des Deutschen
Bundestages kann der Einsatz von KI in der Verwaltung dazu führen, dass
bestimmte Tätigkeiten – insbesondere in Sekretariaten und anderen
Verwaltungsbereichen – weitgehend automatisiert werden, wodurch Beschäftigte verstärkt
auf nachgelagerte Kontroll- und Überwachungsaufgaben reduziert werden
(www.bundestag.de/resource/blob/1062038/ee8fd35e711f10d6f88cfd30178276
6c/WD-7-004-25-pdf.pdf#).
Zudem wird nach Auffassung der Fragesteller die Frage nach der
algorithmischen Verantwortlichkeit bislang unzureichend adressiert: Wer haftet für
Fehlentscheidungen von KI-Systemen? Wie wird der Datenschutz gewährleistet,
insbesondere bei der Verarbeitung personenbezogener Daten von Bürgern? Wie
werden Beschäftigte gegen Überwachung und Leistungskontrollen durch KI-
Systeme geschützt?
Arbeitsrechtliche Implikationen bleiben vielfach unbeantwortet. Werden durch
KI neu geschaffene Stellen mit entsprechend qualifizierten Fachkräften aus
dem öffentlichen Dienst besetzt oder werden Externe bevorzugt? Werden
Qualifizierungsmaßnahmen aus öffentlichen Mitteln finanziert? Wie wird die
soziale Verantwortung des Staates gegenüber seinen eigenen Beschäftigten
wahrgenommen?
Bereits die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) hat 2023 auf die Gefahr der Spaltung der Arbeitsmärkte durch KI
hingewiesen (www.oecd.org/en/publications/oecd-employment-outlook-2023_087
85bba-en/full-report/editorial-beyond-the-hype-on-ai-early-signs-of-divides-in-
the-labour-market_3252c39a.html#introduction-d5e39). Die Weltbank spricht
sogar von einer „Disruption traditioneller Verwaltungsstrukturen“ (https://docu
ments1.worldbank.org/curated/en/746721616045333426/pdf/Artificial-Intellige
nce-in-the-Public-Sector-Summary-Note.pdf?utm_source=chatgpt.com).
Dennoch legt die Bundesregierung nach Auffassung der Fragesteller keinerlei
belastbares Gesamtkonzept vor, das sowohl die Chancen als auch die Risiken in
ausgewogener Weise adressiert.
Auch finanzpolitisch sind aus Sicht der Fragesteller die KI-Investitionen der
Bundesregierung zunehmend intransparent. Milliardenprogramme zur
Förderung von KI werden bereitgestellt (z. B. www.ki-strategie-deutschland.de/files/
downloads/Aktionsplan_Kuenstliche_Intelligenz_2023.pdf), ohne dass klare
Auswirkungen auf die Beschäftigung und Haushaltsstruktur der öffentlichen
Hand benannt werden.
Schließlich stellt sich den Fragestellern die Frage, inwieweit auch ausländische
Technologieanbieter bei der Bereitstellung von KI-Systemen eine Rolle spielen
und wie dadurch nationale Souveränitäts- und Sicherheitsfragen berührt
werden. Der massive Einfluss von US-amerikanischen Technologiekonzernen auf
die technische Infrastruktur deutscher Behörden ist für die Fragesteller kritisch
zu hinterfragen.
Insgesamt droht nach Lesart der Fragesteller eine grundlegende Veränderung
des Beamten- und Tarifrechts sowie eine massive Verunsicherung unter den
Beschäftigten. Die Bundesregierung schuldet in den Augen der Fragesteller der
Öffentlichkeit, dem Parlament und insbesondere den betroffenen Beschäftigten
Transparenz und Rechenschaft.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Setzt die Bundesregierung gegenwärtig KI-Systeme im Bereich der
Bundesverwaltung ein, und wenn ja, in welchen konkreten Bereichen des
öffentlichen Dienstes auf Bundesebene werden derzeit KI-Systeme
eingesetzt, erprobt oder sind konkret in Planung (bitte nach Ressorts und
Anwendungsfeldern aufschlüsseln)?
2. Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung Stellen in der
Bundesverwaltung infolge des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz abgebaut, wenn ja,
wie viele Stellen wurden seit 2021 aufgrund von Automatisierungs- und
KI-Projekten in der Bundesverwaltung bereits abgebaut, und welche
Stellenstreichungen sind nach Kenntnis der Bundesregierung für die
kommenden fünf Jahre geplant?
3. Inwieweit wurden nach Kenntnis der Bundesregierung bei der
Implementierung von KI-Systemen in der Bundesverwaltung
betriebsverfassungsrechtliche Mitbestimmungsrechte der Personalvertretungen und
Gewerkschaften berücksichtigt (bitte konkrete Beteiligungsprozesse und
Beteiligungsformate benennen)?
4. Welche arbeitsrechtlichen Fortbildungs- und Qualifizierungsprogramme
wurden nach Kenntnis der Bundesregierung bislang für Betroffene in der
Bundesverwaltung initiiert, wie hoch sind die entsprechenden
Haushaltsmittel, und wie viele Bundesbedienstete haben diese Maßnahmen bislang
in Anspruch genommen?
5. Werden nach Kenntnis der Bundesregierung bei der Entwicklung und
Implementierung von KI-Systemen in der Bundesverwaltung primär externe
Anbieter beauftragt oder erfolgt die Entwicklung durch staatliche
Einrichtungen (bitte nach Projekten, Anbietern und Auftragsvolumen auflisten)?
6. In welchem Umfang stammen nach Kenntnis der Bundesregierung die
eingesetzten KI-Systeme in der Bundesverwaltung von Anbietern
außerhalb der EU, und welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung zur
Wahrung der digitalen Souveränität sowie zur Verhinderung möglicher
externer Einflussnahmen?
7. Hat die Bundesregierung Vorkehrungen getroffen, um die algorithmische
Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Verantwortlichkeit von KI-
gestützten Verwaltungssystemen sicherzustellen (bitte insbesondere auf
Haftungsfragen eingehen), wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
8. Hat die Bundesregierung konkrete Maßnahmen getroffen, um negative
psychosoziale Folgen für Beschäftigte (z. B. Arbeitsverdichtung,
Überwachung, Leistungsdruck, Arbeitsplatzunsicherheit) infolge von KI-
Einführungen im öffentlichen Dienst zu vermeiden, wenn ja, welche, und
wenn nein, warum nicht?
9. Welche Ausgaben wurden im Bundeshaushalt 2023 und 2024 für die
Entwicklung, Einführung von und die Begleitforschung zu KI-Systemen in
der Bundesverwaltung eingestellt (bitte nach Ressorts und Projekten
aufschlüsseln)?
10. Welche Studien oder Prognosen liegen der Bundesregierung zu den
Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Bundesverwaltung vor
(bitte mit Quelle, Jahr und Auftraggeber angeben)?
11. Welche konkreten Tätigkeiten in Bundesministerien oder nachgeordneten
Behörden könnten laut Erkenntnissen der Bundesregierung künftig
automatisiert oder teilautomatisiert durch KI erledigt werden?
12. Wie viele Beschäftigte in der Bundesverwaltung könnten nach
Einschätzung der Bundesregierung bis 2030 durch KI-basierte Systeme in ihren
derzeitigen Aufgaben ersetzt oder entlassen werden?
13. Welche Bundesressorts haben eine Strategie zur Qualifizierung ihres
Personals für den Umgang mit KI entwickelt (bitte mit Titel, Zeitraum und
Budget angeben)?
14. Welche finanziellen Mittel wurden seit 2021 jährlich für KI-bezogene
Qualifizierung in der Bundesverwaltung bereitgestellt?
15. Gibt es ein zentrales Kompetenzzentrum oder eine Plattform, über die
Bundesbeschäftigte KI-Weiterbildungsangebote wahrnehmen können?
16. Plant die Bundesregierung, auch geringqualifizierte oder
verwaltungsspezifisch ausgebildete Kräfte in der Bundesverwaltung für KI-
Anwendungen zu befähigen, und wenn ja, in welchem Umfang?
17. Welche Beteiligung hatten Personalvertretungen oder Gewerkschaften bei
der Erarbeitung von KI-bezogenen Transformationsstrategien in der
Bundesverwaltung?
18. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Fragesteller, dass der
Einsatz von KI ohne begleitende Personalentwicklung soziale Spannungen im
öffentlichen Dienst verschärfen könnte?
Berlin, den 1. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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