polradar

Maßnahmen zur Förderung der Herzgesundheit in Deutschland

dip / drucksache 22.09.2025 · WP 21 · 21/1747 · Antrag · Original ↗

Im Graph öffnen

Text

Maßnahmen zur Förderung der Herzgesundheit in Deutschland [Deutscher Bundestag Drucksache 21/1747 21. Wahlperiode 22.09.2025 Antrag der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD Maßnahmen zur Förderung der Herzgesundheit in Deutschland Der Bundestag wolle beschließen: I. Der Deutsche Bundestag stellt fest: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache und beanspruchen rund 40 Prozent der Sterbefälle. Herz-Kreislauf- Erkrankungen führen nicht nur zu vielen Todesfällen, sondern auch zu schweren körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen bis hin zu Pflegebedürftigkeit. Im Jahr 2019 mussten annähernd 2 Millionen Menschen in deutschen Krankenhäusern wegen Herzkrankheiten stationär behandelt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, die Deutsche Herzstiftung, die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler wiesen auf den dringenden Bedarf an einer umfassenden Nationalen Herz-Kreislauf-Strategie hin, um diese Volkskrankheit zu bekämpfen. Bisher bleibe die Finanzierung und öffentliche Wahrnehmung dieser Erkrankungen im Vergleich zu anderen Krankheiten – wie Krebs – unzureichend.* Ein zentraler Aspekt der vorgeschlagenen Initiative ist die stark verbesserte Förderung der Grundlagen- und translationalen Forschung, d. h. die Umsetzung der Forschungsergebnisse in der Gesundheitsversorgung in den Bereichen Herzinsuffizienz, Arteriosklerose, Herzklappenerkrankungen und Herzrhythmusstörungen. Dies sei entscheidend, um innovative Diagnose- und Therapiemethoden zu entwickeln, die letztlich die Versorgung der Patienten verbessern. Die Notwendigkeit, Versorgungsstrukturen zu verbessern, sei ebenfalls von Bedeutung. Ein interdisziplinäres Versorgungsnetzwerk solle aufgebaut werden, um die Krankheitslast zu verringern. Es wird betont, dass die gemeinschaftlich erarbeiteten Behandlungsempfehlungen der Fachgesellschaften zentral für den Erfolg solcher Maßnahmen sind. * www.mynewsdesk.com/de/deutsche-herzstiftung-e-v/pressreleases/herztod-risiko-bei-jungen- menschenaerztinnen-und-aerzte-sollten-auf-diese-warnhinweise-achten-3264082 Ein weiterer wichtiger Bestandteil sei die Digitalisierung und die intersektorale Zusammenarbeit. Flächendeckende Telemonitoring-Zentren sollten als Pilotprojekt dienen, um die Versorgung insbesondere in strukturschwachen Regionen zu verbessern. Im Bereich der Früherkennung von Risikopatienten sollten Maßnahmen zur frühzeitigen Erkennung von Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Niereninsuffizienz verstärkt werden, um die Prognose und den Therapieerfolg bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern. Die Früherkennung und strukturierte Betreuung von Patienten könne dazu beitragen, die Wirksamkeit der Therapie zu erhöhen und die Dunkelziffer von Bluthochdruck zu verringern, der oft unerkannt bleibe, weil er symptomlos ist. Die Selbstverwaltung hat in Deutschland die Überlegenheit gegenüber einer zentral verwalteten Staatsmedizin bereits bewiesen. Im Sinne bestmöglicher Prophylaxe und Therapie muss der Staat aber die etablierten Institutionen und Abläufe der Selbstverwaltung, z. B. den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), den Bewertungsausschuss (BA), das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wo z. B. Fragen über den Leistungsanspruch auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Evidenz beraten und entschieden werden, die Forscher mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften, die Leistungserbringer und die Kostenträger aktiv bestmöglich unterstützen und die notwendigen finanziellen und strukturellen Maßnahmen ergreifen, um die Versorgungsqualität für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern. In Anbetracht des Ausmaßes des Problems verdient gerade das Ziel, die Zahl kardiovaskulärer Erkrankungen und damit einhergehender Todesfälle zu senken und die Lebenserwartung zu erhöhen, diese Unterstützung. Großen Anteil an der starken Verbreitung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit auch an vermeidbaren Todesfällen haben aber auch der Lebensstil und fehlendes Risikobewusstsein in der Bevölkerung. Zwar steigt es für Nikotingebrauch, die Gefahren eines jahrelang unerkannten Bluthochdrucks werden wegen der Symptomfreiheit aber z. B. häufig unterschätzt. Selbst Vorboten tödlicher Ereignisse, wie plötzliche Bewusstlosigkeit oder die Zugehörigkeit zu potenziellen Risikogruppen – z. B. plötzlicher Herztod in der Familie bereits in jungen Jahren, werden häufig nicht ausreichend beachtet. Die Bundesregierung muss endlich Maßnahmen ergreifen zur besseren Gesundheitsbildung von der Kita bis ins Rentenalter, zur Einbindung der Betriebsärzte – deren Existenz wohl den meisten Arbeitnehmern in Deutschland in der täglichen Praxis bisher verborgen geblieben ist – und die Bundesregierung muss in Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen die Ausstattung öffentlicher Orte und Arbeitsplätze mit Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) und die Ausbildung dazu fördern sowie den Kenntnisstand der Bevölkerung zur Laienreanimation verbessern. II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung deshalb auf, 1. die Finanzierung der Grundlagen- und translationalen Forschung im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen entsprechend der Bedeutung dieser Krankheiten in Deutschland und deren negativen Auswirkungen auf die Lebenserwartung zu erhöhen. Hierzu zählen insbesondere die bessere Erforschung von Herzinsuffizienz, Arteriosklerose, Herzklappenerkrankungen und Herzrhythmusstörungen, um innovative Diagnose- und Therapiemethoden zu entwickeln; 2. Maßnahmen zur besseren Gesundheitsbildung aller Altersgruppen bezüglich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachenden modifizierbaren Lebensstilfaktoren (Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen etc.) zu ergreifen sowie eine gezielte Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne in der Bevölkerung einzuleiten, um das Bewusstsein für die Risiken und Präventionsmaßnahmen zu steigern und eine proaktive Gesundheitsvorsorge zu fördern; 3. die Selbstverwaltung bei der Implementierung gemeinschaftlich erarbeiteter Behandlungsempfehlungen der Fachgesellschaften in der Versorgung und beim Aufbau adäquater interdisziplinärer, sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen mit Stärkung der ambulanten Versorgung bestmöglich zu unterstützen; 4. die Digitalisierung im Gesundheitswesen insbesondere durch den flächendeckenden Ausbau von Telemonitoring-Zentren und mit dem Auf- und Ausbau telemedizinischer Lösungen zu beschleunigen. Die für Telemonitoring-Zentren soll insbesondere in bisher unterversorgten Regionen gefördert werden, um eine kontinuierliche Überwachung und Betreuung von Patienten auch aus der Ferne zu ermöglichen und so eine höhere Effizienz in der Patientenversorgung zu bieten; 5. Sorge zu tragen, dass Betriebsärzte stärker in die Primär- und Sekundärprophylaxe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingebunden werden und arbeitgebergestützte Gesundheitsinitiativen wie zum Beispiel betriebliche Sport- und Ernährungsprogramme oder Gesundheitschecks sowie die Aufklärung bei Unternehmensleitungen über die Vorzüge einer betrieblichen Gesundheitsvorsorge besser zu fördern; 6. in Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen die Ausstattung öffentlicher Orte und Arbeitsplätze mit Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) und die Ausbildung dazu zu fördern und ein bundesweites AED-Register mit Online- Zugriff einzuführen; 7. die standardisierte Telefonreanimation (T-CPR), d. h. eine Reanimationsanleitung während eines Notrufgesprächs durch Leitstellendisponenten, bundesweit zu etablieren; 8. den Kenntnisstand der Bevölkerung zur Laienreanimation zu verbessern. Berlin, den 22. September 2025 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion Begründung Die demografische Entwicklung und die erwartete Zunahme der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den kommenden zehn Jahren machen die Umsetzung dieser Maßnahmen besonders dringlich. Eine umfassende nationale Strategie ist notwendig, um die Mortalität und Morbidität zu senken und die Lebensqualität der betroffenen Patienten nachhaltig zu verbessern. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

Relationen