Streichung der Konsiliarberichtspflicht vor Beginn einer Psychotherapie
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Streichung der Konsiliarberichtspflicht vor Beginn einer Psychotherapie
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1571
21. Wahlperiode 09.09.2025
Antrag
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl,
Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias
Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin
Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt,
Gereon Bollmann, Thomas Fetsch, Alexander Arpaschi, René Bochmann,
Erhard Brucker, Boris Gamanov, Rainer Groß, Lars Haise, Stefan Henze,
Nicole Höchst, Steffen Janich, Kurt Kleinschmidt, Pierre Lamely, Markus
Matzerath, Knuth Meyer-Soltau, Andreas Paul, Denis Pauli, Dr. Rainer
Rothfuß, Angela Rudzka, Lars Schieske, Jan Wenzel Schmidt, Thomas
Stephan, Martina Uhr, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Streichung der Konsiliarberichtspflicht vor Beginn einer Psychotherapie
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Nach geltender Rechtslage ist vor Beginn einer Psychotherapie ein Konsiliarbericht
erforderlich, mit dem ein Vertragsarzt bestätigt, dass keine somatischen
Kontraindikationen gegen die Aufnahme der Therapie vorliegen. Diese Verpflichtung besteht
derzeit auch dann, wenn Patientinnen und Patienten eine psychotherapeutische Praxis auf
Überweisung eines Vertragsarztes aufsuchen.
Diese aktuelle Regelung ist in ihrer jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß. Sie führt zu
einem erheblichen bürokratischen Aufwand in psychotherapeutischen und ärztlichen
Praxen, ohne dass daraus ein substanzieller medizinischer Erkenntnisgewinn resultiert.
In vielen Fällen wird im Konsiliarbericht lediglich die Diagnose oder Einschätzung
wiederholt, die bereits durch den Vertragsarzt dokumentiert wurde.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung deshalb auf,
1. gesetzliche und untergesetzliche Regelungen, insbesondere im SGB V sowie in
den einschlägigen Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA),
dahingehend anzupassen, dass die Pflicht zur Einholung eines ärztlichen
Konsiliarberichts vor Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung entfällt, wenn
Patientinnen oder Patienten auf Überweisung eines Vertragsarztes eine
psychotherapeutische Praxis aufsuchen;
2. die entsprechenden Anpassungen zeitnah umzusetzen, um einen spürbaren
Beitrag zum Bürokratieabbau im Gesundheitswesen und zur Entlastung
psychotherapeutischer und ärztlicher Praxen zu leisten.
Berlin, den 9. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die aktuell bestehende Verpflichtung zur doppelten ärztlichen Einschätzung ist ineffizient und eine unnötige
Belastung für die Leistungserbringer.
Die Pflicht zur Einholung eines Konsiliarberichts auszusetzen, wenn ein Patient auf Überweisung eines
Vertragsarztes eine psychotherapeutische Praxis aufsucht, würde die Versorgung nicht gefährden, sondern praxisnahe
Strukturen stärken, unnötige Bürokratie abbauen und vorhandene Ressourcen zielgerichteter einsetzen. Jährlich
entstehen durch die Erstellung von Konsiliarberichten schätzungsweise 250.000 Stunden zusätzlicher
Verwaltungsaufwand in psychotherapeutischen und ärztlichen Einrichtungen – bei geschätzten Bürokratiekosten in
Höhe von 15,6 Millionen Euro. Eine Datenanalyse für das Jahr 2022 zeigt, dass bereits bei 56 Prozent der
Patientinnen und Patienten mit begonnener Psychotherapie im Vorquartal eine hausärztliche F-Diagnose vorlag.
Allein durch einen Wegfall der Konsiliarberichtspflicht in diesen Fällen könnten etwa 140.000 Stunden
Verwaltungsaufwand eingespart werden – und damit Bürokratiekosten in Höhe von rund 8,7 Millionen Euro.1
Im Sinne einer modernen, effizienten und entlastenden Gesundheitspolitik müssen unnötige Doppelprüfungen
durch praxistaugliche Regelungen ersetzt werden. Ein gezielter Verzicht auf den Konsiliarbericht bei Vorliegen
einer fachärztlichen Überweisung ist ein konsequenter Schritt in diese Richtung.
1 www.kbv.de/media/sp/KBV-Vorschlaege_Entbuerokratisierung.pdf, S. 5
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