Sehr hohe Einkommen und Vermögen in Deutschland
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Sehr hohe Einkommen und Vermögen in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1409
21. Wahlperiode 29.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Görke, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar
Bartsch, Desiree Becker, Anne-Mieke Bremer, Jörg Cezanne, Agnes Conrad,
Mirze Edis, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara Mazzi, Pascal Meiser, Zada
Salihović, Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre, Sarah Vollath, Sascha Wagner,
Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Sehr hohe Einkommen und Vermögen in Deutschland
Im Jahr 2021 gab es in Deutschland 34 509 Einkommensmillionäre und
Einkommensmillionärinnen (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Lohnsteu
er-Einkommensteuer/Tabellen/millionaere.html). Demgegenüber verdienen
derzeit schätzungsweise 6,6 Mio. Menschen in Deutschland weniger als
13,90 Euro pro Stunde (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/0
7/PD25_256_62.html).
Im Jahr 2023 besaßen laut einer Haushaltsbefragung 10 Prozent der deutschen
Haushalte 54 Prozent des Nettovermögens, während die untere Hälfte nur
wenige Prozent des Vermögens besaß (https://publikationen.bundesbank.de/pub
likationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-april-2025-95459
4?article=vermoegen-und-finanzen-privater-haushalte-in-deutschland-ergebniss
e-der-vermoegensbefragung-2023--954598).
Im Jahr 2024 gab es laut dem jüngsten „Global Wealth Report“ der Boston
Consulting Group (www.bcg.com/press/24june2025-globales-vermogen-
steigtum-vier-prozent-auf-512-billionen-us-dollar) in Deutschland geschätzte 3 900
Personen mit einem Vermögen über 100 Mio. US-Dollar, 500 mehr als im
Vorjahr. Diese Personen konnten ihr Vermögen um 16 Prozent mehren und besaßen
damit etwa 27 Prozent des gesamten Finanzvermögens in Deutschland. Auch
die Zahl der Dollarmillionäre wächst hierzulande: Etwa 678 000 Personen
besitzen derzeit mehr als 1 Mio. US-Dollar Finanzvermögen, etwa 65 000
Personen bzw. 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Dem entgegenstehen geschätzte
67 Mio. Personen in Deutschland, die zusammen nur 37 Prozent des
Vermögens besitzen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sieht die Bundesregierung in der heutigen Verteilung der Einkommen
beziehungsweise Vermögen in Deutschland ein Problem (bitte begründen)?
2. Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus den Zahlen zur
Vermögensverteilung und deren Entwicklung in Deutschland aus dem
jüngsten „Global Wealth Report“ (siehe Vorbemerkung der Fragesteller;
bitte antworten, ob positiv oder negativ, und begründen)?
3. Hält die Bundesregierung eine stärkere Gleichheit oder Ungleichheit bei
den Einkommen der deutschen Bevölkerung gegenüber dem heutigen
Stand für erstrebenswert (bitte begründen)?
4. Hält die Bundesregierung eine stärkere Gleichheit oder Ungleichheit bei
den Vermögen in Deutschland gegenüber dem heutigen Stand für
erstrebenswert (bitte begründen)?
5. Gibt es ein Maß, ab dem die Bundesregierung die Ungleichheit von
Einkommen in Deutschland für untragbar oder problematisch hält, z. B. bei
der Spreizung der Gehälter oder Einkommen allgemein oder für
bestimmte Berufe (ggf. welches Maß genau)?
6. Gibt es ein Maß, ab dem die Bundesregierung die Ungleichheit von
Vermögen in Deutschland für untragbar oder problematisch hält, z. B. in
Gestalt des Gini-Koeffizienten (ggf. welches Maß genau)?
7. Kann die Bundesregierung – zumindest der Größenordnung nach – die
Aussage einer Studie des „Netzwerks Steuergerechtigkeit“ bestätigen, der
zufolge Männer ungefähr 71 Prozent der Milliardenvermögen in
Deutschland besitzen, Frauen dagegen nur 29 Prozent (www.netzwerk-steuergerec
htigkeit.de/wp-content/uploads/2025/03/Gender_Tax.pdf, S. 5)?
8. Ist bzw. wäre für die Bundesregierung eine so starke
geschlechterspezifische Ungleichheit bei den Spitzenvermögen wie in der in Frage 7
genannten Studie des „Netzwerks Steuergerechtigkeit“ – oder eine ähnliche
Größenordnung – mit der Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung (siehe
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, S. 101) vereinbar (bitte
begründen)?
9. Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gab es
nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2011 bis 2023 in
Deutschland (bitte nach Jahren und zusätzlich nach Einkommensarten
aufschlüsseln)?
10. Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gibt es
nach Kenntnis der Bundesregierung aufgeschlüsselt nach Bundesländern
und Einkommensarten (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit
Jahresangabe aufschlüsseln)?
11. Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gab es
nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2011 bis 2023
jeweils in den Landkreisen und kreisfreien Städten (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
12. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils das höchste zu
versteuernde Einkommen in den Jahren von 2011 bis 2023?
13. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von
2011 bis 2023 (bitte nach Jahren aufschlüsseln) die zu versteuernden
Einkommen
a) insgesamt, und
b) aller Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen?
14. Bei wie vielen der Einkommensmillionäre bzw.
Einkommensmillionärinnen in Deutschland wurden nach Kenntnis der Bundesregierung durch die
Finanzverwaltung Steuerprüfungen durchgeführt (bitte für das letzte
verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?
15. Wie viele der Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen in
Deutschland beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung
a) ausschließlich oder
b) überwiegend
Kapitaleinkommen (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe
aufschlüsseln)?
16. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung dazu vor, wie sich bei
dem ungefähr 1 Prozent der Bevölkerung Deutschlands, das laut
Statistischem Bundesamt im Jahr 2023 seinen Lebensunterhalt überwiegend aus
eigenem Vermögen, aus Kapitalerträgen oder Einkünften aus Vermietung
und Verpachtung bestreitet (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitt
eilungen/2024/04/PD24_132_125.html), die entsprechenden Einkünfte im
Detail gestalten, insbesondere
a) wie hoch die entsprechenden Vermögenseinkünfte im Schnitt sind
(Mittelwert und Median),
b) wie sich die entsprechenden Einkünfte der Höhe nach verteilen (z. B.
wie hoch die Einkünfte der reichsten 0,5 Prozent, 0,1 Prozent,
0,01 Prozent oder 0,001 Prozent sind) bzw.
c) wie sich die Einkunftsarten (eigenes Vermögen, Kapitalerträge oder
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) prozentual insgesamt
oder für bestimmte Untergruppen verteilen?
17. Wie groß sind nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen
Vermögenseinkommen der obersten 0,1 Prozent der Einkommensbezieher
bzw. Einkommensbezieherinnen in Deutschland (bitte für das letzte
verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?
18. Welcher Anteil der Kapitaleinkommen entfällt nach Kenntnis der
Bundesregierung (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe
aufschlüsseln)
a) auf das oberste 0,1 Prozent der Einkommensbezieher bzw.
Einkommensbezieherinnen,
b) auf Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen?
19. Wie viele Menschen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland, die keine Rentner bzw. Rentnerinnen sind und trotzdem
nicht arbeiten müssen, weil sie aus ihren Kapital- bzw.
Vermögenseinkommen leben können (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit
Jahresangabe aufschlüsseln)?
20. Wird die Bundesregierung vor dem Hintergrund ihrer Unterstützung für
den Vorschlag der brasilianischen G20-Präsidentschaft für eine globale
Milliardärssteuer (siehe Antwort der Bundesregierung zu Frage 34 der
Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke auf Bundestagsdrucksache
21/908) in dieser Legislaturperiode einen Vorschlag für eine solche Steuer
in Deutschland vorschlagen, wenn ja, wann, und wenn nein, warum nicht?
21. Was ist nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche
effektive Steuersatz für Steuerpflichtige mit Einkommen
a) über 1 Mio. Euro,
b) über 10 Mio. Euro,
c) über 100 Mio. Euro bzw.
d) über 1 Mrd. Euro
(vor Steuer; bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe
aufschlüsseln)?
Berlin, den 21. August 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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