Auswirkungen erhöhter Mittelmeertemperaturen auf den Tourismus
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Auswirkungen erhöhter Mittelmeertemperaturen auf den Tourismus
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1127
21. Wahlperiode 05.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schmidt, Matthias Gastel, Victoria Broßart,
Denise Loop, Johannes Wagner, Julian Joswig und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Auswirkungen erhöhter Mittelmeertemperaturen auf den Tourismus
Die Mittelmeerregion zählt zu den beliebtesten Reisezielen deutscher
Touristinnen und Touristen (vgl. www.drv.de/themen/reisen-in-zahlen/destinatione
n.html). Gleichzeitig gehört das Mittelmeer zu den am stärksten von der
Klimakrise betroffenen Meeresregionen der Erde. Im Frühsommer 2025 wurden an
zahlreichen Orten Oberflächentemperaturen von 26 bis 28 Grad gemessen –
rund 3 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Ähnliche Temperaturrekorde
wurden bereits in den Vorjahren erreicht (vgl. Copernicus; https://apps.socib.es/
subregmed-indicators/ocean_temperature.htm). Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler bezeichnen die Region als „Klimawandel-Hotspot“, da sie
besonders anfällig für beschleunigte Erwärmung, Biodiversitätsverluste und
Extremwetter ist (vgl. www.br.de/nachrichten/wissen/wie-das-aufgeheizte-
mittelmeerdas-wetter-bei-uns-beeinflusst,Upt6IRX). So fördert die Erwärmung des
Mittelmeers die Ausbreitung gesundheitlich bedenklicher Organismen wie
Blaualgen oder bestimmter Quallenarten, was das Mittelmeer als Reisedestination
deutlich unattraktiver macht (vgl. www.wwf.de/themen-projekte/projektregione
n/pelagos/klimakrise-im-mittelmeer). Die Erwärmung des Mittelmeers wirkt
sich jedoch nicht nur auf die dortigen Ökosysteme aus, sondern hat auch
direkte Rückkopplungseffekte auf Mitteleuropa. Stärkere Verdunstung und
vermehrte Starkregen- bzw. Extremwettereignisse wirken sich teilweise bis nach
Deutschland aus (vgl. https://science.apa.at/power-search/503700215401713
1279). Gleichzeitig beeinträchtigen Hitzewellen, Dürreperioden und vermehrte
Waldbrände die Infrastruktur und Attraktivität klassischer Reiseziele im Süden
Europas (vgl. www.fr.de/panorama/das-ist-krass-experten-und-auswaertiges-a
mt-warnen-vor-urlaubsregionen-am-mittelmeer-zr-93816791.html). Diese
klimabedingten Veränderungen können das Reiseverhalten deutscher
Touristinnen und Touristen massiv beeinflussen, was sich nicht nur auf die
Geschäftsmodelle deutscher Reiseunternehmen auswirken könnte. Sie werfen auch
Fragen auf zur Anpassungsfähigkeit von Destinationen, zur Informationspolitik
der Bundesregierung sowie zu ihrer Rolle in der Förderung nachhaltiger
Tourismuskonzepte.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. a) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die
durchschnittlichen und maximalen Oberflächentemperaturen des Mittelmeers seit
2020, insbesondere im Vergleich zum Referenzzeitraum 1991 bis
2020?
b) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zu den Ursachen der
Entwicklung?
2. a) Welche wissenschaftlichen Prognosen liegen der Bundesregierung zur
weiteren Entwicklung der Mittelmeertemperaturen in den kommenden
Jahrzehnten vor?
b) Wie bewertet die Bundesregierung diese Prognosen zur weiteren
Erwärmung des Mittelmeers in den kommenden Jahrzehnten in Bezug
auf die touristische Attraktivität der Mittelmeerregion?
3. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das Vorkommen von
giftigen Algenarten oder anderen gesundheitsschädlichen Organismen im
Mittelmeer in den letzten Jahren?
4. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen der erhöhten
Meerestemperaturen im Mittelmeer, z. B. Artensterben, Ausbreitung
invasiver Arten, Quallen und Blaualgen, auf den Badetourismus?
5. a) Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, ob und wie
sich das Reiseverhalten deutscher Touristinnen und Touristen im
Mittelmeerraum aufgrund von Klimafolgen verändert hat (z. B.
Reiserückgänge, Verlagerung in kühlere Regionen, verstärkter
Inlandstourismus)?
b) Wenn ja, welche Gründe sind hier nach Einschätzung der
Bundesregierung besonders relevant, z. B. Hitze, Wasserknappheit,
Veränderung von Meeresflora und Meeresfauna, und welche alternativen
Reisedestinationen wählen die Touristinnen und Touristen stattdessen?
6. a) Welche Einschätzungen liegen der Bundesregierung zur mittelfristigen
Entwicklung des Reiseverhaltens deutscher Touristinnen und
Touristen in die Mittelmeerregionen vor?
b) Welche Auswirkungen wird die mittelfristige Entwicklung des
Reiseverhaltens deutscher Touristinnen und Touristen nach Kenntnis der
Bundesregierung auf die Geschäftsmodelle deutscher
Reiseunternehmen haben, und welche Anpassungsstrategien oder Diversifizierungen
ihrer Angebote nehmen deutsche Reiseunternehmen nach Kenntnis
der Bundesregierung bereits vor (z. B. neue Zielregionen,
Saisonverschiebung, Nachhaltigkeitsoffensiven)?
7. Welche wirtschaftlichen Risiken für die deutsche Tourismuswirtschaft
sieht die Bundesregierung durch die fortschreitende Erwärmung des
Mittelmeers?
8. a) Inwieweit sind klimabedingte Risiken wie Extremwetter, Waldbrände
oder Hitzeschäden nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit von
Reiserücktritts-, Reiseabbruch- oder Auslandskrankenversicherungen
abgedeckt?
b) Inwieweit sind nach Kenntnis der Bundesregierung klimabedingte
Reisestornierungen, z. B. aufgrund von Waldbränden oder
Hitzeschäden, derzeit im Rahmen einer Pauschalreise abgesichert?
c) Welche Informationen liegen der Bundesregierung über klimabedingte
Reiserücktritte oder Reiseabbrüche in den letzten zehn Jahren vor?
d) Inwiefern plant die Bundesregierung, in Zusammenarbeit mit der
Tourismus- und Versicherungswirtschaft, Empfehlungen oder
Mindeststandards für die Absicherung klimabedingter Reiserisiken zu
erarbeiten?
9. Welche Rückkopplungseffekte sieht die Bundesregierung zwischen der
Mittelmeererwärmung und Extremwetterereignissen in Mitteleuropa,
insbesondere Starkregen und Hochwasser in Deutschland?
10. a) Welche Rolle spielen die klimatische Entwicklung im Mittelmeerraum
und deren Auswirkungen auf den Outgoing-Tourismus bei der
Ausgestaltung der Nationalen Tourismusstrategie der Bundesregierung?
b) Welche Rolle spielen der Einklang des Tourismus mit Klima, Umwelt
und Natur sowie der Umgang mit den Folgen der Klimakrise
grundsätzlich in der Ausgestaltung der Nationalen Tourismusstrategie der
Bundesregierung?
11. a) Inwiefern werden der Einklang des Tourismus mit Klima, Umwelt und
Natur sowie der Umgang mit den Folgen der Klimakrise bei der „EU
Tourism Transition Pathway“ berücksichtigt, die aktuell auf EU-Ebene
erarbeitet wird?
b) Welche Schwerpunkte in der „EU Tourism Transition Pathway“ auf
EU-Ebene setzt die Bundesregierung (bitte begründen)?
12. Gibt es Überlegungen oder bereits laufende Kooperationen auf
europäischer Ebene zur langfristigen Stabilisierung touristischer Infrastrukturen
und zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in von der Klimakrise
betroffenen Mittelmeerregionen, und wenn ja, welche, und wenn nein,
warum nicht?
13. Welche Maßnahmen zum Schutz der marinen Biodiversität im Mittelmeer
unterstützt die Bundesregierung derzeit im Rahmen internationaler oder
europäischer Programme (z. B. UN Environment Programme/
Mediterranean Action Plan [UNEP/MAP], Barcelona-Konvention, EU-
Biodiversitätsstrategie)?
14. Unterstützt die Bundesregierung die Forderung von
Umweltorganisationen wie dem WWF nach einer Ausweitung von Meeresschutzgebieten im
Mittelmeerraum (vgl. www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/pela
gos/klimakrise-im-mittelmeer), und wenn ja, inwiefern, und wenn nein,
warum nicht?
15. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über gesundheitliche Risiken
für Touristinnen und Touristen im Mittelmeerraum infolge klimabedingter
Veränderungen, etwa durch Hitzewellen, Wasserknappheit,
Luftverschmutzung (z. B. durch Waldbrände), UV-Belastung oder neue
Krankheitserreger?
16. a) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung bereits, um
Bürgerinnen und Bürger über klimabedingte Gesundheits- und
Umweltgefahren bei Reisen ins Mittelmeergebiet aufzuklären (z. B. durch das
Auswärtige Amt, das Robert Koch-Institut oder andere Stellen)?
b) Plant die Bundesregierung Informationskampagnen, um Bürgerinnen
und Bürger über mögliche Risiken des Mittelmeerurlaubs in Zeiten
der Klimakrise aufzuklären, und wenn ja, welche, und wenn nein,
warum nicht?
17. Welche Mittelmeerländer verfügen nach Kenntnis der Bundesregierung
über Frühwarnsysteme bei Hitzewellen, wie sie Frankreich 2004
großflächig eingeführt hat (vgl. www.deutschlandfunk.de/hitzeschutzplan-was-ko
ennen-wir-von-frankreich-lernen-kollegengespraech-dlf-7f38fda1-10
0.html), und inwiefern bezieht die Bundesregierung eine Information über
das Vorhandensein eines derartigen Frühwarnsystems in die amtlichen
Reisewarnungen für diese Länder ein (bitte begründen)?
18. Welche sozioökonomischen Folgen erwarten die besonders vom
Tourismus abhängigen Länder in Süd- und Südosteuropa nach Einschätzung der
Bundesregierung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten durch
klimabedingte Veränderungen, z. B. durch Hitzewellen oder Wasserknappheit?
Berlin, den 4. August 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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