Folgen der Klimakrise für den Tourismus
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Folgen der Klimakrise für den Tourismus
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7997
21. Wahlperiode 11.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schmidt, Matthias Gastel, Victoria Broßart, Denise
Loop, Timon Dzienus, Julia Schneider, Michael Kellner, Julian Joswig und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Folgen der Klimakrise für den Tourismus
Die touristische Sommersaison war erneut geprägt von hohen Temperaturen
und zunehmenden Extremwetterereignissen. Dabei handelte es sich nicht nur
um großflächige Waldbrände u. a. in Belgien, Frankreich oder Griechenland,
sondern auch um anhaltende Dürreperioden und zunehmende Hitzetage in
Deutschland (vgl. https://rp-online.de/panorama/deutschland/westeuropa-erleb
t-heissesten-sommer-seit-beginn-der-aufzeichnungen_aid-152882835). Die
Folgen der Klimakrise treffen den Tourismus zunehmend und machen sich
immer deutlicher und folgenschwerer bemerkbar (vgl. www.sueddeutsche.de/wirt
schaft/deutschland-tourismus-uebernachtungsrekord-halbjahr-li.3529617).
Beliebte Reiseregionen wie Mittelgebirge, Flusslandschaften, Seengebiete,
Küsten und Naturparks leiden besonders unter Trockenheit und Dürre.
Sinkende Pegelstände beeinträchtigen den Schiffsverkehr auf vielen Gewässern und
die erhöhte Waldbrandgefahr führt zur Sperrung von Wanderwegen und
Campingplätzen. Zudem beeinträchtigen die hohen Temperaturen sowohl die
Gesundheit der Reisenden als auch den Zustand der touristischen Infrastruktur
(vgl. www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/duerre-starkregen-h
itzewellen-beeintraechtigen). Extreme Hitze begünstigt zudem weiteres
Extremwetter, weil bei hohen Temperaturen mehr Wasser in der Atmosphäre
gespeichert werden kann, was häufig zu Unwettern und Starkregen mit
Überschwemmungen und Bodenerosion führt (vgl. www.spiegel.de/wissenschaft/cla
usius-clapeyron-gesetz-wie-sich-das-extremwetter-am-mittelmeer-durch-forme
l-erklaeren-laesst-a-228942e0-99ba-4cf6-b1ce-fc23f79d9372). Diese
Entwicklungen gefährden mittel- bis langfristig die Existenz ganzer touristischer
Geschäftsmodelle und Destinationen. Erstmals ist beispielsweise auch in den
hochgelegenen Gletscherskigebieten der Alpen kein Skisport im Sommer
möglich (vgl. www.faz.net/aktuell/reise/alpen-erstmals-seit-50-jahren-kein-skifahre
n-mehr-im-sommer-accg-201132702.html). Auch der Deutsche
Tourismusverband (DTV) forderte in diesem Sommer angesichts der unmittelbaren
Auswirkungen von Hitze und Extremwetterereignissen auf Natur- und Erlebnisräume,
Infrastruktur und touristische Angebote in den Destinationen, notwendige
Investitionen in entsprechende Maßnahmen zur Klimaanpassung zu fördern.
Zudem sollte nach Auffassung des DTV die Zusammenarbeit der
verschiedenen Akteure deutlich verstärkt werden (vgl. www.deutschertourismusverban
d.de/presse/detail/hitze-waldbrandgefahr-unwetter-tourismus-bei-klimaanpassu
ng-mitdenken). Trotz dieser Entwicklungen und ihrer bereits heute
weitreichenden, teils existenzbedrohenden Folgen für Mensch und Natur und damit auch
für die Grundlage eines ausgewogenen Tourismus lassen die Bundesregierung
und ihr zuständiger Koordinator für maritime Wirtschaft und Tourismus nach
Ansicht der Fragestellenden bislang wenig Bereitschaft zu konkretem Handeln
in der nationalen Tourismuspolitik erkennen. Auch die Nationale
Tourismusstrategie enthält in ihren Augen kein umfassendes Gesamtkonzept, um den
inländischen Tourismus vor den Folgen der Klimakrise zu schützen. Die
Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz, alles zu tun, um den Klimawandel
zurückzudrängen, die er mit Blick auf Waldbrände in Nordrhein-Westfalen
getätigt hat, werfen nun Fragen nach ihrer tatsächlichen Umsetzung und ihrer
Rolle für den Tourismus auf (vgl. www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/mer
z-waldbrand-eifel-100.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Inwiefern hat die Bundesregierung bereits Kenntnisse zu den
Auswirkungen des diesjährigen Hitzesommers auf den Tourismus, insbesondere auf
a) die Umsätze und die Besucherzahlen touristischer Betriebe (z. B. in
der Gastronomie und Freizeitwirtschaft),
b) die regionale Auslastung und Verteilung des Besucheraufkommens in
den Destinationen,
c) die Entwicklung saisonaler Beschäftigungsverhältnisse im Tourismus
und
d) den Städte- und Kulturtourismus?
2. Inwiefern hat die Bundesregierung Kenntnisse über touristische
Infrastrukturangebote (z. B. Wanderwege, Naturerlebnispfade, Campingplätze,
Freizeitparks, Sportanlagen, Bootsverleihe), die in diesem Sommer
aufgrund von Hitzetagen, Dürreperioden, Wassermangel, Waldbrandgefahr
oder anderen hitzebedingten Schäden vorübergehend eingeschränkt
betrieben oder vollständig geschlossen wurden (bitte nach dem Grund der
Schließung aufschlüsseln), und wenn nein, aus welchen Gründen hat die
Bundesregierung in ihrer koordinierenden Funktion keine Kenntnisse?
3. Inwiefern hat die Bundesregierung Kenntnisse oder erste Schätzungen
über die Kosten für die Tourismusbranche, die im Zusammenhang mit
Extremwetterereignissen im Sommer 2026 stehen, z. B. Sturmschäden im
Elbsandsteingebirge (vgl. www.n-tv.de/panorama/Sachsenforst-sperrt-Nat
ionalpark-Saechsische-Schweiz-id31148491.html) oder Unwetter am
Bodensee (vgl. www.merkur.de/welt/aussenwelt-abgeschnitten-heftige-un
wetterzelle-schlaegt-in-alpen-und-bodensee-zu-stadtteil-von-zr-9446482
8.html)?
4. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie sich die Pegelstände in
den für die Flusskreuzfahrt und den sonstigen touristischen Verkehr
relevanten Flüssen (Rhein, Donau, Mosel, Main, Elbe und Oder) und
Gewässern (Bodensee, Müritz, Königssee, Chiemsee, Steinhuder Meer) in den
Sommermonaten entwickelt haben und welchen Einfluss diese auf die
Schiffbarkeit hatten?
5. Inwiefern sind der Bundesregierung Einschränkungen für die
Flusskreuzfahrt und den sonstigen touristischen Verkehr in Deutschland bekannt, die
durch niedrige Pegelstände oder andere klimabedingte Einflüsse bedingt
sind (vgl. www.handelsblatt.com/unternehmen/dienstleister/niedrige-pege
lstaende-was-ist-wenn-die-flussreise-ins-wasser-faellt/100244977.html),
und wenn ja, welche politischen Konsequenzen leitet sie hieraus ab?
6. Inwiefern ist eine Fortsetzung des sogenannten Spitzengesprächs
Niedrigwasser (www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/K/spitzengespraech-niedrig
wasser.html) geplant, sollen zukünftig touristische Akteure und Verbände
ebenfalls beteiligt werden, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
7. Plant die Bundesregierung, in ihrer koordinierenden Funktion weiterhin
kein dauerhaftes Monitoring in Kooperation mit den Bundesländern zu
möglichen Umwelt- und Klimafolgen sowie zur Klimaanfälligkeit
touristischer Destinationen und Infrastrukturen einzuführen (vgl. Antwort der
Bundesregierung zu Frage 17 der Kleinen Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 21/969, S. 9), und wenn ja, aus welchen Gründen nicht?
8. Inwieweit hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
(BMWE) in diesem Sommer Termine oder Gesprächsformate mit der
Branche sowie mit Vertreterinnen und Vertretern von Ländern und
Kommunen zu aktuellen touristischen Themen durchgeführt (z. B. ein
Tourismuspolitisches Forum), wenn ja, zu welchen konkreten Themen und mit
welchen Akteuren, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht (bitte
einzeln angeben)?
9. Plant die Bundesregierung in den nächsten Wochen ein Gesprächsformat
(z. B. ein Tourismuspolitisches Forum), das sich mit den Folgen der
Klimakrise auf den Tourismus und mit dem vergangenen Hitzesommer
befasst, wenn ja, inwiefern, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
10. Inwiefern beabsichtigt die Bundesregierung, die Empfehlungen von
Verbänden wie dem Deutschen Tourismusverband (vgl. www.deutschertouris
musverband.de/presse/detail/hitze-waldbrandgefahr-unwetter-tourismus-b
ei-klimaanpassung-mitdenken) zur Stärkung der touristischen Perspektive
bei der Klimaanpassung aufzugreifen, und wenn nein, aus welchen
Gründen nicht?
11. Plant die Bundesregierung, die Folgen der Klimakrise, wie zunehmende
Extremwetterereignisse, noch stärker in der Nationalen
Tourismusstrategie zu berücksichtigen, wenn ja, inwiefern, und wenn nein, aus welchen
Gründen nicht?
12. Welche konkreten Folgen haben die Aussagen des Bundeskanzlers, alles
zu tun, um den Klimawandel zurückzudrängen (vgl. www.tagesschau.de/i
nland/innenpolitik/merz-waldbrand-eifel-100.html), für den Tourismus,
und welche politischen Maßnahmen plant die Bundesregierung, in diesem
Zusammenhang kurz- und mittelfristig umzusetzen?
13. Inwiefern plant die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Aussagen
des Bundeskanzlers, alles zu tun, um den Klimawandel zurückzudrängen
(vgl. ebd.), auch vergangene, nach Ansicht der Fragestellenden
klimaschädliche Maßnahmen, wie etwa die Senkung der Luftverkehrsteuer (vgl.
www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/senkung-luftverkehrsteuer-24
18542) oder die Abschaffung der nationalen PtL-Quote (PtL = Power-to-
Liquid), wieder rückgängig zu machen, und wenn nein, aus welchen
Gründen nicht?
14. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um Reisende
und Beschäftigte im Tourismus künftig besser vor den Folgen von
Extremwetterereignisse, wie beispielsweise Hitze oder Trockenheit, zu
schützen?
15. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um
touristische Destinationen, Betriebe und Infrastrukturen künftig besser vor den
Folgen von Extremwetterereignissen, wie beispielsweise Hitze oder
Trockenheit, zu schützen?
16. Inwiefern plant die Bundesregierung, finanzielle Anreize oder
Förderprogramme zu schaffen bzw. aufzustocken, um touristische Betriebe bei
investiven Klimaanpassungsmaßnahmen (z. B. Beschattung,
Wassermanagement, Hitzeschutz) zu unterstützen (bitte nach Einzelplan, Kapitel,
Titel [inklusive Titelnummer] sowie Betrag [Soll-Ansatz und
Verpflichtungsermächtigungen] aufschlüsseln), und wenn nein, aus welchen
Gründen nicht?
Berlin, den 3. September 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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