Zukunft des Wintertourismus in Deutschland
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Zukunft des Wintertourismus in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2645
21. Wahlperiode 06.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schmidt, Matthias Gastel, Victoria Broßart, Denise
Loop, Harald Ebner, Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, Sandra Stein, Julian
Joswig und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Zukunft des Wintertourismus in Deutschland
Die Auswirkungen der menschengemachten Klimakrise werden zunehmend
auch in den deutschen Mittelgebirgen und den Alpenregionen spürbar. Dies
zeigt sich vor allem durch erhöhte Temperaturen und ausbleibenden Schneefall.
In vielen dieser Regionen gerät durch die fehlende Schneesicherheit der
Wintertourismus unter Druck. Der Tourismus hat sich vielerorts trotz seiner
umwelt- und klimapolitischen Auswirkungen in den letzten Jahrzehnten zu
einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt und neue Arbeitsplätze und
Investitionen in die ländlichen Regionen gebracht (vgl. www.deutschlandfunkk
ultur.de/wintersport-skifahren-klimawandel-schneemangel-alpen-mittelgebirge-
100.html). Um eine intakte Natur und Umwelt zu bewahren bzw.
wiederherzustellen, aber auch die positiven ökonomischen Effekte langfristig zu sichern,
muss sich das touristische Angebot in diesen Regionen an die veränderten
klimatischen Bedingungen anpassen. In vielen Fällen bedeutet dies einen
grundlegenden Wandel vom traditionellen Skitourismus hin zu einem
klimaresilienteren Ganzjahrestourismus, der auf klimafreundliche Mobilität und nachhaltige
Geschäftsmodelle setzt (vgl. www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/winterspor
t-ohne-schnee-101.html). Da sich die Bundesregierung in ihrem
Koalitionsvertrag die Erarbeitung einer neue Nationalen Tourismusstrategie zum Ziel gesetzt
hat, die sowohl wirtschaftliche als auch nachhaltige Aspekte in den Blick
nimmt, müsste sie die betroffenen Regionen bei diesem Wandel mit geeigneten
Maßnahmen unterstützen. Bisher ist allerdings unklar, welche Maßnahmen die
Bundesregierung nach einem Dreivierteljahr im Amt diesbezüglich plant.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie beurteilt die Bundesregierung die Zukunft des Winter- und
Skitourismus in den deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen vor dem
Hintergrund der menschenmachten Klimakrise und der damit verbundenen
abnehmenden Schneesicherheit (vgl. www.umweltbundesamt.de/monitorin
g-zur-das/handlungsfelder/tourismuswirtschaft/tou-i-2/indikator)?
2. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen der Klimakrise und
der wintertouristischen Nutzung auf die Biodiversität spezifischer
Lebensräume und Artengruppen in den deutschen Alpen- und
Mittelgebirgsregionen?
3. Welche Auswirkungen haben die veränderten Temperatur- und
Schneebedingungen nach Kenntnis der Bundesregierung auf die betroffenen
Unternehmen, die Arbeitsplätze und die Wertschöpfung in den Regionen?
4. Inwiefern unterstützt die Bundesregierung Klimaanpassungsstrategien und
‑maßnahmen in den deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen,
insbesondere in den Skigebieten, aktiv, und wenn ja, in welcher Form?
5. Inwiefern sind der Bundesregierung Klimaanpassungsstrategien und
-maßnahmen in den deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen bekannt,
die von der Europäischen Union gefördert werden?
6. Mit welchen zusätzlichen Maßnahmen wird die Bundesregierung die
Wintersportregionen im Wandel hin zu einem Ganzjahrestourismus
unterstützen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und welche Schutz- bzw.
Anpassungsmaßnahmen werden zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in
diesen Gebieten ergriffen oder geplant?
a) In welchem Zusammenhang stehen die anvisierten Maßnahmen mit
der geplanten Erarbeitung einer neuen Nationalen Tourismusstrategie?
b) Mit welchem Zeitplan sollen die Maßnahmen umgesetzt werden?
c) Wie plant die Bundesregierung, hier mit den für den Tourismus
zuständigen Ländern zusammenzuarbeiten und diese zu unterstützen?
d) Sollten keinerlei Maßnahmen diesbezüglich angestrebt werden, aus
welchen Gründen nicht, und welchen anderen Themen widmet sich
die Bundesregierung innerhalb ihrer tourismuspolitischen Agenda,
welche die Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
zum Ziel hat?
7. Plant die Bundesregierung ein bundesweites Monitoringsystem zur
Evaluation und Beobachtung der Klimafolgen im Tourismus, insbesondere in
Gebirgsregionen, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
8. Welchen Stellenwert wird der Wintertourismus grundsätzlich in der neuen
Nationalen Tourismusstrategie des Bundes einnehmen?
9. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Durchschnittstemperatur in den Wintermonaten in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland
entwickelt? (bitte in Grad Celsius angeben und nach Jahren
aufschlüsseln)?
10. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Durchschnittstemperaturen in den deutschen Mittelgebirgen mit alpinem Wintersportbetrieb
(Schwarzwald, Schwäbische Alb, Harz, Erzgebirge, Fichtelgebirge,
Bayerischer Wald, Sauerland, Vogelsberg, Rhön, Thüringer Wald) in den
vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte in Grad Celsius und nach Region
aufschlüsseln)?
11. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Null-Grad-Grenze in
den vergangenen 20 Jahren verschoben (bitte in Metern und nach Jahren
aufschlüsseln)?
12. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die mittlere
Schneegrenze in den deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen in den vergangenen
20 Jahren entwickelt (bitte in Metern angeben und nach Jahren
aufschlüsseln)?
13. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die alpinen Gletscher
und Dauerfrostböden in den letzten 20 Jahren entwickelt, und worin liegt
nach Ansicht der Bundesregierung die Ursache für diese Entwicklung?
14. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
Überschwemmungen, Muren und Lawinen in den deutschen Alpen- und
Mittelgebirgsregionen in den letzten 20 Jahren entwickelt (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
a) Welche Schäden und wie viele Kosten wurden in den letzten 20 Jahren
durch diese Ereignisse verursacht?
b) Wie hat sich die Zahl der Muren- und Lawinenopfer in dieser Zeit
entwickelt (bitte nach Jahren und Orten aufschlüsseln)?
15. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die natürliche
Schneesicherheit in den deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen in den
vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte nach Skigebieten und nach Jahren
aufschlüsseln)?
16. Inwieweit verändern sich die Schneesicherheit sowie auch die
durchschnittlichen Schneehöhen nach Kenntnis der Bundesregierung in den
Skigebieten der deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen bei einem
Anstieg der Mitteltemperatur um 2 Grad Celsius gegenüber dem
vorindustriellen Niveau bzw. bei einem noch stärkeren Anstieg der
Mitteltemperatur?
17. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl und die
Flächen der deutschen Skigebiete in den letzten 20 Jahren entwickelt, und
ist ein Trend zu einer Verschiebung in höhere Lagen zu beobachten (bitte
nach Jahren aufschlüsseln)?
18. In welchen Skigebieten wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die
sogenannte 100-Tage-Regel und die Weihnachtsregel in den vergangenen
20 Jahren nicht eingehalten (bitte nach Jahren und Skigebieten
aufschlüsseln)?
19. In welchen Skigebieten gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den
vergangenen 20 Jahren im Dezember ausreichend Schnee für den
Skibetrieb, und wie ist die Prognose der Bundesregierung für die kommenden
20 Jahre (bitte nach Skigebieten und Jahren aufschlüsseln)?
20. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen
der Klimakrise auf den Wintersportstandort Deutschland vor, und sind
Maßnahmen geplant, um den Wintersporttourismus im Hinblick auf
zunehmende Wetterextreme, höhere Temperaturen und Schneemangel
langfristig abzusichern?
21. Beabsichtigt die Bundesregierung, den Wintersporttourismus auszubauen
und entsprechende Infrastruktur und Veranstaltungen künftig stärker zu
unterstützen, z. B. im Bereich neuer oder wachsender Disziplinen wie
Skimo (Skimountaineering) (z. B. Olympische Winterspiele 2026),
Snowvolleyball (z. B. Makkabi Winter Games 2023) oder Schneeschuhwandern?
22. Wie haben sich die Übernachtungszahlen und die Zahl der Ankünfte nach
Kenntnis der Bundesregierung in den deutschen Alpen- und
Mittelgebirgsregionen jeweils in den Monaten November bis März in den letzten
20 Jahren entwickelt?
a) Welche Ursachen haben diese Entwicklungen nach Kenntnis der
Bundesregierung?
b) Inwieweit sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang mit der
Veränderung der mittleren Temperaturen in den Wintermonaten?
c) In welchem Verhältnis stehen die Besucherzahlen in der Wintersaison
zu den Besucherzahlen in der Sommersaison der letzten fünf Jahre?
23. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen des Ferien- und
Zweitwohnungsmarktes auf die Wohnraumsituation in Mittelgebirgs- und
Alpenregionen, und welche Möglichkeiten sieht sie, um bezahlbaren
Wohnraum für die einheimische Bevölkerung zu sichern und
Fehlentwicklungen entgegenzuwirken?
24. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung Zahl und Fläche der
Schutzgebiete in den deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen in den
letzten 20 Jahren entwickelt (bitte Schutzgebietskategorien, nach Jahren
und Bundesländern bzw. Regionen aufschlüsseln)?
25. Welche Chancen sieht die Bundesregierung für den Erhalt und die
Wiederherstellung regional typischer Flora und Fauna durch alternative Arten
des Wintertourismus?
26. Sind der Bundesregierung Vorhaben zur Renaturierung sowie zur
Neunutzung stillgelegter Skipisten bekannt, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
27. Welche alternativen Arten des Wintertourismus (z. B. Wander-, Natur-
und Wellnesstourismus) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in
den vergangenen 20 Jahren mit öffentlichen Geldern gefördert (bitte nach
Alternativen und Finanzvolumen aufschlüsseln)?
28. Inwieweit tauschen sich Bund, Länder und Kommunen über Best-
Practice-Beispiele für einen nachhaltigen Ganzjahrestourismus in
Wintersportdestinationen aus (z. B. durch Netzwerke, Modellregionen oder
Förderprogramme)?
29. Inwieweit unterstützt die Bundesregierung bereits den sanften und
nachhaltigen Ganzjahrestourismus in den Alpen- und Mittelgebirgsregionen,
und wie haben sich die vom Bund zur Verfügung gestellten Fördergelder
in den letzten 20 Jahren entwickelt?
30. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die öffentlichen
Ausgaben für Investitions-, Betriebs- und Unterhaltungskosten für
Skiinfrastruktur und Beschneiungsanlagen in den vergangenen 20 Jahren
entwickelt?
a) Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung insbesondere die
Anzahl der Speicherbecken in Skigebieten in den letzten 20 Jahren
entwickelt?
b) Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der
Skigebiete, die mit eigenen Speicherbecken arbeiten, in den letzten
20 Jahren entwickelt?
31. Welche Erkenntnisse und Daten hat die Bundesregierung bezüglich der
aktuellen und möglichen künftigen Auswirkungen der künstlichen
Beschneiung auf Energiebedarf, lokale Wasserhaushalte, Ökosysteme und
Grundwasserspiegel in den betroffenen Regionen?
32. Welche Erkenntnisse und Daten liegen der Bundesregierung zum Strom-
und Wasserverbrauch für künstliche Beschneiung vor, und wie hoch ist
der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien?
33. Inwieweit erfolgt nach Kenntnis der Bundesregierung eine Kontrolle der
künstlichen Beschneiung in der Praxis, insbesondere im Hinblick auf ihre
Vereinbarkeit mit den Zielen der Alpenkonvention?
34. Beabsichtigt die Bundesregierung, das Thema Wasserknappheit (im
Zusammenhang mit Wintertourismus) im Rahmen der gemeinsamen
Weiterentwicklung der Nationalen Wasserstrategie mit den Ländern zu
berücksichtigen, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht (www.koalitionsver
trag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf)?
35. Inwieweit unterstützt die Bundesregierung Maßnahmen zur Verbesserung
der Erreichbarkeit von touristischen Destinationen in Mittelgebirgen und
Alpenregionen (z. B. Garmisch-Partenkirchen oder Wernigerode) durch
den öffentlichen Personennahverkehr oder den Fernverkehr mit
finanziellen Mitteln z. B. aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und
Klimaschutz“ (SVIK)?
36. Welche bundespolitischen Maßnahmen sind geplant, um den Anteil
klimafreundlicher Verkehrsmittel in den Wintertourismusdestinationen zu
erhöhen?
37. Wie haben sich die saisonalen Verkehrsströme (Anreise- und
Binnenverkehre) zu den deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen in den letzten
20 Jahren verändert (bitte nach Verkehrsträgern und Regionen
aufschlüsseln)?
38. Welche Maßnahmen ergreift oder plant die Bundesregierung, um bis 2035
die Treibhausgasemissionen aus dem Anreiseverkehr zu touristischen
Destinationen in den Alpen- und Mittelgebirgsregionen zu senken und die
Verkehrsinfrastruktur dieser Regionen an die Folgen der Klimakrise
anzupassen?
39. Welche Auswirkungen haben klimakrisenbedingte Veränderungen wie
geringere Schneesicherheit und häufiger auftretende Extremwetterereignisse
(z. B. Starkregen, Muren, Hangrutschungen) auf die Verkehrswege und
die Mobilität innerhalb der deutschen Wintertourismusregionen, und
welche Maßnahmen werden zur Sicherung der Verkehrssicherheit und
Erreichbarkeit dieser Regionen umgesetzt?
Berlin, den 5. November 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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