Folgen von Dürre und Trockenheit für den Tourismus
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Folgen von Dürre und Trockenheit für den Tourismus
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/880
21. Wahlperiode 15.07.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schmidt, Dr. Ophelia Nick, Tina Winklmann, Karoline
Otte, Matthias Gastel, Victoria Broßart, Denise Loop, Julian Joswig, Julia
Schneider, Claudia Müller und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Folgen von Dürre und Trockenheit für den Tourismus
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärte im April dieses Jahres, dass der
Zeitraum von Anfang Februar bis Mitte April 2025 der trockenste in
Deutschland seit 1931 gewesen sei. Trockenheit und Dürre treten damit nicht mehr nur
ausschließlich in den Sommermonaten auf, sondern entwickeln sich
zunehmend zu einem ganzjährigen und häufiger auftretenden Problem. Die sich
verschärfende Klimakrise führt zu immer längeren Phasen mit geringen
Niederschlägen, hohen Temperaturen und ausgeprägter Boden- und
Vegetationstrockenheit – mit Folgen für die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, die
Gewässerökologie, aber auch für den Tourismus (vgl. www.umweltbundesamt.de/theme
n/wasser/extremereignisseklimawandel/trockenheit-in-deutschland-fragen-antw
orten#trockenheit-aktuelle-situation). Beliebte Tourismusregionen wie
Mittelgebirge, Flusslandschaften, Seengebiete, Küsten und Naturparks sind besonders
von den Folgen von Trockenheit und Dürreperioden betroffen. Sinkende
Pegelstände beeinträchtigen den Schiffsverkehr, die erhöhte Waldbrandgefahr führt
zur Sperrung von Wanderwegen und Campingplätzen, ausgetrocknete Böden
verringern die Aufenthaltsqualität, und hohe Temperaturen belasten sowohl die
Gesundheit der Menschen als auch die touristische Infrastruktur. Auch die
Wintersportdestinationen sind durch das Ausbleiben von Niederschlägen und
verkürzte Kälteperioden mit saisonalen Verlusten konfrontiert, die mittel- bis
langfristig die Existenz ganzer Tourismusregionen gefährden werden (vgl. www.um
weltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/duerre-starkregen-hitzewellen-bee
intraechtigen). Bisher existiert allerdings keine systematische Erfassung der
touristischen Auswirkungen klimabedingter Dürreereignisse. Ebenso ist bislang
unklar, in welchem Umfang bestehende Förderprogramme auf die durch den
Klimawandel bedingten Risiken im Tourismussektor reagieren und welche
Anpassungsstrategien auf Bundesebene entwickelt oder unterstützt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Auswirkungen von
Dürre und Trockenheit auf den Tourismussektor in Deutschland seit 2014
(z. B. auf Flusskreuzfahrten, Natur- und Wandertourismus,
Wassertourismus, Camping, Wasser- und Wintersport)?
2. a) Welche Regionen in Deutschland waren in den letzten fünf Jahren
nach Kenntnis der Bundesregierung besonders von Dürre und
Trockenheit betroffen, und wie machte sich das bemerkbar?
b) Inwieweit wurden die daraus resultierenden wirtschaftlichen Schäden
im Tourismussektor seitens der Bundesregierung erfasst?
3. a) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über touristische
Infrastrukturangebote (wie z. B. Wanderwege, Naturerlebnispfade,
Campingplätze, Bootsverleihe, Freibäder, Rasenplätze, Tennis- und
Golfanlagen), die in den letzten fünf Jahren aufgrund von Dürreperioden,
Wassermangel oder Waldbrandgefahr vorübergehend eingeschränkt
betrieben oder vollständig geschlossen wurden (bitte nach Jahr und
Grund der Schließung aufschlüsseln)?
b) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über touristische
Sportinfrastrukturangebote (wie z. B. Freibäder, Rasenplätze, Tennis- und
Golfanlagen), die in den letzten fünf Jahren aufgrund von Dürre und
Trockenheit einen wachsenden Wasserverbrauch zu verzeichnen
hatten (bitte nach Jahr, Ort, Sportart und Verbrauch aufschlüsseln)?
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bezüglich der
Auswirkungen von Dürre und Trockenheit auf touristisch relevante
Binnengewässer (z. B. Müritz, Bodensee, Chiemsee, Starnberger See, Donau,
Steinhuder Meer, Spree oder Elbe) hinsichtlich Nutzbarkeit, Attraktivität und
Besucherzahlen vor?
5. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bezüglich der
Auswirkungen von Dürre und Trockenheit auf Naturparke, Biosphärenreservate
und Nationalparke (z. B. Nationalpark Bayerischer Wald) hinsichtlich der
Auswirkungen auf Flora und Fauna sowie die touristische Attraktivität
und Besucherzahlen vor?
6. a) Welche Anpassungsstrategien und Anpassungsmaßnahmen sind der
Bundesregierung seitens der Tourismusverbände, Landesregierungen
oder kommunalen Akteure aktuell bekannt, um auf die zunehmende
Häufigkeit von Trockenperioden zu reagieren, und wie unterstützt sie
solche Maßnahmen (bitte erläutern)?
b) Inwiefern plant die Bundesregierung, Kommunen, besonders in
Tourismusregionen, bei der Erstellung von Hitzeschutzplänen besser zu
unterstützen, sind hierfür konkrete Maßnahmen geplant, die
insbesondere für die entsprechenden Kommunen finanzielle Mittel
bereitstellen?
7. Sind der Bundesregierung Anpassungsstrategien und
Anpassungsmaßnahmen, um auf die zunehmende Häufigkeit von Trockenperioden zu
reagieren, im europäischen Ausland bekannt, und wenn ja, welche?
8. Welche wirtschaftlichen Effekte der klimabedingten Trockenheit auf den
Tourismussektor, insbesondere in Bezug auf Beschäftigung und
Wertschöpfung, wurden von der Bundesregierung oder beauftragten Instituten
ermittelt oder modelliert?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die Resilienz der Tourismusbranche
und der Tourismusdestinationen insgesamt gegenüber
klimawandelbedingten Extremereignissen wie Dürre und Hitzewellen?
10. a) Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen hoher
Temperaturen auf den Tourismussektor im Zusammenhang mit nationalen
sowie internationalen Sportveranstaltungen in Deutschland (vgl. www.sp
ortschau.de/regional/hr/hr-aerger-beim-tischtennis-finale-frankfurter-t
alent-neumann-drohte-hitze-kollaps-100.html, bzw. www.sportscha
u.de/regional/wdr/wdr-carsten-upadek-aus-aachen-hitze-zum-chio-auft
akt-100.html)?
b) Wie ist nach Auffassung der Bundesregierung sichergestellt, dass
Zuschauerinnen und Zuschauer zukünftig bei Sportgroßveranstaltungen
in Deutschland vor Hitze geschützt sind, und plant die
Bundesregierung hier eigene Maßnahmen, und wenn ja, welche?
c) Inwiefern ist nach Auffassung der Bundesregierung sichergestellt,
dass bei der klimagerechten Sanierung und dem nachhaltigen
Sportstättenbau der Schutz vor Hitze für die Zuschauerinnen und Zuschauer
zukünftig gewährleistet ist, und plant die Bundesregierung hier eigene
Maßnahmen, und wenn ja, welche?
d) Wie hoch wird der Investitionsbedarf für klimafeste Sportstätten
geschätzt?
11. Gibt es Erkenntnisse darüber, ob saisonale Beschäftigungsverhältnisse im
Tourismussektor durch klimawandelbedingte Verluste (z. B. durch einen
Rückgang der Gästezahlen infolge von Extremwettereignissen oder durch
verkürzte Saisonzeiten im Wintertourismus) unter Druck geraten, und
wenn ja, welche?
12. Welche Fördermittel aus Bundesprogrammen (z. B. LIFT-Transformation,
Nationale Klimaanpassungsstrategie oder Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur (GRW)) wurden seit 2018 für die klimaangepasste
Umgestaltung touristischer Infrastrukturen bereitgestellt (bitte nach Jahr
und Förderprogramm aufschlüsseln)?
13. Welche Anforderungen hinsichtlich Klimaanpassung und Hitzeschutz
stellt die Bundesregierung bei der Förderung von Tourismusprojekten im
Rahmen von Bund-Länder-Programmen, und plant sie, dieses Thema in
Zukunft weiter zu adressieren, und wenn ja, in welcher Form?
14. Plant die Bundesregierung bei der Fortschreibung der Nationalen
Tourismusstrategie die Berücksichtigung klimawandelbedingter Risiken wie
Dürre und Trockenheit, und wenn ja, inwieweit (bitte erläutern)?
15. In welchem Umfang betreibt oder fördert die Bundesregierung Forschung
zur Klimawirkungskette Trockenheit und Tourismus, etwa durch das
Umweltbundesamt, das Bundesamt für Naturschutz oder das Bundesinstitut
für Bau-, Stadt- und Raumforschung?
16. Beabsichtigt die Bundesregierung, die Forschung zur Klimawirkungskette
Trockenheit und Tourismus auszuweiten, und wenn nein, aus welchen
Gründen nicht?
17. Plant die Bundesregierung die Einführung eines bundesweiten
Monitorings zur Klimaanfälligkeit touristischer Destinationen und
Infrastrukturen, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
18. Welche Rolle spielen Dürre und Trockenheit als Risikofaktoren in der
Weiterentwicklung der Klimaanpassungsstrategie im Handlungsfeld
Tourismus?
19. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Auswirkungen von
Dürre und Hitzeperioden auf die Nutzbarkeit und den Zustand von
touristisch frequentierten Sportinfrastrukturen im Außenbereich (z. B.
Multifunktionssportplätze, Reitwege, Kanu- oder Ruderstrecken), insbesondere
in Ferienregionen?
20. Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung im Rahmen der
Sportstättenförderung und Tourismuspolitik die klimawandelbedingte
Doppelbelastung von Sportanlagen, die sowohl dem organisierten Sport als auch
dem touristischen Freizeitbetrieb dienen (z. B. Strandbäder, Loipen,
Tennisplätze, Bikeparks oder Golfplätze)?
Berlin, den 8. Juli 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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