polradar

Rede von David Schliesing (DIE LINKE) – Vereinbarte Debatte

dip / rede 24.09.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 18: Vereinbarte Debatte:.

Das Protokoll 21/96 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 29.09.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.

Im Graph öffnen

Text

Rede von David Schliesing (DIE LINKE) – Vereinbarte Debatte Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Zupke! Ich weiß noch sehr genau, wo ich am Abend des 9. November 1989 gewesen bin. Ich, sechs Jahre alt, saß mitfiebernd, mitfeiernd, mitgerissen auf den Schultern meines Vaters hier in Ostberlin vor der Mauer, als die Grenze geöffnet wurde. Ein Moment, dessen historische Bedeutung mir seinerzeit natürlich nicht klar war. In der Folge – das habe ich sehr wohl wahrgenommen – hat sich aber vieles für die Menschen in meinem Umfeld verändert – und nicht immer zum Guten. Aber wer heute von Sachsen-Anhalt nach Niedersachsen fährt, der überquert keine Grenze – es gibt keine Wachtürme, keine Minenfelder, keine Todesstreifen –, der durchquert das Grüne Band. Dass das heute möglich ist, verdanken wir vor allem den mutigen Menschen in der DDR, die Freiheit und Demokratie erkämpft haben. Ihnen gilt unser Dank. Wenn wir an den Bau der Mauer erinnern, dann gedenken wir der Opfer und des Leids, das über viele Menschen gebracht wurde. Die DDR-Bürgerinnen und -Bürger wurden ihrer individuellen Freiheit beraubt. Familien wurden zerrissen und Freundschaften zerstört. Biografien wurden verbogen, Menschen gebrochen, oder sie starben für den Wunsch, von einem Teil des Landes in den anderen zu gelangen. Diese Verletzung elementarer Menschenrechte ist durch nichts zu rechtfertigen. Ein Staat, der seine Bürgerinnen und Bürger einsperrt, ist weder demokratisch noch sozialistisch. Diese Lehre ist für meine Partei unumstößlich. Gleichzeitig ist sie politischer Auftrag, den Einsatz für individuelle Freiheit, Selbstbestimmung, Menschen- und Bürgerrechte und die Demokratie ins Zentrum des eigenen politischen Handelns zu stellen. Ich bin daher sehr stolz, dass sich meine Partei konsequent für einen humanitären Umgang mit Flüchtenden und die Verteidigung des Grundrechts auf Asyl einsetzt. Die Mauer um Europa, an der allein in diesem Jahr bereits mehr als 2 000 Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Armut gestorben sind, ist ein Verbrechen. Nie wieder darf ein Staat auf Menschen schießen, weil sie eine Grenze überwinden wollen. Und nie wieder darf der Schutz einer Grenze mehr zählen –

Relationen