Rede von Hans Raidel (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/95
Teil von Protokoll der 95. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Hans Raidel (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/95
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Wer den Menschen im Sudan, in Darfur,
wirklich helfen will, muss dem Antrag der Bundesregierung
heute zustimmen. Der deutsche Beitrag war bisher
notwendig. Er ist auch in der Zukunft weiterhin wichtig und
hilfreich. Auch ich danke der Bundeswehr sehr herzlich.
Ich freue mich als Verteidigungspolitiker, dass dieser
Einsatz hier so gelobt wird. Wenn Sie das bei den
Haushaltsberatungen 2008 mit dem notwendigen Geld
unterfüttern, hat die Sache Hand und Fuß. Ich bin gespannt.
Wir unterstützen die Bundesregierung in ihrem
Bemühen, den Friedensprozess voranzutreiben,
fraktionsübergreifend mit einem entsprechenden Antrag. Die
Linken schließen sich weiter aus und erweisen sich damit
wieder einmal als Maulhelden; ich will das einmal so
sagen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Wer den Antrag ablehnt, untergräbt die
Friedensbemühungen im Allgemeinen und damit auch die Autorität
der UNO, der AU, der EU und vielleicht auch der G 8.
Er schränkt vor allem deren Handlungsfähigkeit ein. Wir
wären durch eine Ablehnung in keiner besonders guten
Position, da man die Hilfswilligkeit Deutschlands
kritisch betrachten und unter Umständen infrage stellen
würde. Weil wir derzeit den Vorsitz des EU-Rates und
auch der G 8 haben, beobachtet man genau, wie wir uns
in diesen Fragen verhalten.
Hier wurden positive Signale gesetzt. Ich will das gar
nicht kleinreden. Aber die internationalen Beobachter,
die internationale Presse sehen das etwas kritischer. Wer
den Antrag heute ablehnt, muss wissen, dass dem
Genozid in Darfur dadurch weiter Vorschub geleistet wird.
Wer wegschaut, wenn Kinder, Frauen und Männer
weiter wahllos getötet werden und Vergewaltigungen an der
Tagesordnung sind, erweist der Sache keinen guten
Dienst. Dörfer werden nach wie vor dem Erdboden
gleichgemacht, Viehherden werden gestohlen oder
getötet, Ernten werden vernichtet und ganze
Bevölkerungsgruppen werden vertrieben. Das ist die Realität.
Hans RaidelWer ablehnt, muss wissen, dass der Konflikt sich auch
auf die Nachbarregionen, zum Beispiel den Tschad,
auszuweiten beginnt und dass damit eine Destabilisierung
der ganzen Region stattfindet. Dieser Brandherd droht
sich möglicherweise in ganz Afrika auszubreiten. Auch
das muss man zur Kenntnis nehmen.
Um was geht es eigentlich? Neben religiösen und
ethnischen Fragen geht es – wie immer – um viel Geld, da
Öl, Kupfer, Uran und andere Bodenschätze reichlich
vorhanden sind. Es geht dabei natürlich auch um einen
gerechten Finanzausgleich zwischen Nord und Süd. Wir
wissen, dass es sich nicht um einen reinen Rebellenkrieg
handelt, sondern dass die Regierung an vielen
Gräueltaten selbst beteiligt ist und dafür verantwortlich
gemacht werden muss.
Wir wissen auch, dass diese Regierung alle
Friedensbemühungen mehr hintertreibt, als dass sie sie fördert,
und dass nach wie vor eine mangelnde
Kooperationsbereitschaft besteht. Im Prinzip sabotiert sie alle
Friedenspläne und hält sich nicht an bereits geschlossene
Abmachungen. Selbst wenn in Bereichen Fortschritte erzielt
worden sind, ist das Friedensabkommen weiter wackelig
und in vielen Punkten in seiner Wirksamkeit fraglich.
Die Überwachung des Friedensabkommens
gestaltet sich also sehr schwierig. Das gilt auch für die
Auflösung und Rückführung der Truppen. Unsere
Bundeswehr leistet im ihr zugedachten Rahmen nach wie vor
einen wichtigen Beitrag bei Logistik und Beratung.
Wir wissen aber, dass ausländische Soldaten, zum
Beispiel in Darfur, die Lage nicht beherrschen und die
Sicherheit nicht garantieren können. Dafür ist Darfur viel
zu groß. Die Kongomission lässt grüßen. Der Frieden
muss also von innen kommen. Zunächst muss es für
Darfur eine politische Lösung geben.
Erst dann kann Militär helfen und zur Stabilisierung
beitragen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Natürlich sind wir dafür, dass politischer Druck
ausgeübt wird und dass es zu Sanktionen über die UNO, die
EU, die G 8, die USA und auch andere kommen sollte
und müsste. Aber Somalia lässt grüßen. Wir dürfen,
können und wollen uns ein zweites Somalia auf keinen Fall
leisten. Daraus müssen wir für unsere weiteren
diplomatischen und sonstigen Bemühungen lernen.
Lassen Sie mich auch China und Russland
ansprechen. Der Widerstand gegen verschärfte Maßnahmen
beispielsweise der UNO muss von diesen Ländern
eingestellt werden. Sie müssen ihre wirtschaftlichen
Interessen hintanstellen. Es darf nicht passieren, dass China
und Russland die Ausbeutung der Rohstoffe betreiben
und der Rest der Welt – insbesondere die UNO, die EU
und damit auch wir – für die humanitären Fragen von
der medizinischen Versorgung bis hin zur Welthunger-hilfe zuständig ist. Auch darüber muss man in diesem
Zusammenhang reden.
Unser gemeinsames Anliegen muss es sein, Hilfe zur
Selbsthilfe für den Sudan, insbesondere für Darfur, zu
organisieren, aber langfristig auch für ganz Afrika
anzubieten. Das heißt, die bisherigen Instrumentarien und
Hilfen sind zu überdenken, neu zu formulieren und
effizienter zu gestalten. Good Governance wäre ein gutes
Stichwort dafür.
Wir begrüßen deshalb ausdrücklich, dass die Frau
Bundeskanzlerin in Heiligendamm das Thema Darfur
und das Thema Sudan auf die Tagesordnung nehmen
wird und hier neue Perspektiven aufzeigen will, –