Rede von Gabriele Groneberg (SPD) – Plenarprotokoll 16/95
Teil von Protokoll der 95. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Gabriele Groneberg (SPD) – Plenarprotokoll 16/95
Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich setze meine
Ausführungen fort. Wir haben die jahrelang praktizierte
Entwicklungszusammenarbeit, die wir aufgrund des
Bürgerkriegs eingestellt hatten, im Jahr 2005 wieder
aufgenommen. Seitdem unterstützen wir mit 10 Millionen
Euro den Multi-Donor Trust Fund für den Südsudan.
Dieser Fonds, der von vielen Gebern gespeist wird, sorgt
für den Aufbau der dringend notwendigen Infrastruktur
in den Bereichen Agrar, Wasserversorgung, Bildung und
Gesundheit. Hiermit wird ein Leben und Arbeiten in
einer total zerstörten Region erst überhaupt wieder
möglich.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)Zwei deutsche Experten kümmern sich vor Ort explizit
um die Koordination der Maßnahmen der Geber im
Bereich Wasserversorgung.
Darüber hinaus kümmern wir uns auf Basis einer
bilateralen Vereinbarung ebenfalls mit deutschen Experten
vor Ort um den Aufbau eines Staatswesens. Dieses
Projekt unterstützen wir mit einer Summe von 3 Millionen
Euro. Natürlich ist es neben dem Aufbau der
lebensnotwendigen Infrastruktur ganz wichtig, der Regierung im
Südsudan dabei zu helfen, rechtsstaatliche
demokratische Strukturen und eine entsprechende Verwaltung
aufzubauen. Nur dadurch kann dafür gesorgt werden, dass
die Menschen auf Dauer unabhängig von ausländischer
Hilfe werden und sich selber helfen können. Bis dies
möglich ist, wollen wir natürlich unseren Beitrag leisten.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Alle Kolleginnen und Kollegen, die bereits vor Ort
gewesen sind – man muss natürlich einmal vor Ort
gewesen sein, um beurteilen zu können, was da vor sich
geht –, sind davon überzeugt, dass der unbedingte Wille
der Menschen zum Aufbau vorhanden ist. Wir haben
Menschen erlebt, die mit aller Kraft daran arbeiten,
ihrem Land eine rechtsstaatliche und demokratische
Verfassung zu geben und ihrer Bevölkerung damit auch eine
Perspektive zum Leben, vor allen Dingen natürlich erst
einmal zum Überleben zu geben. Wir wollen unseren
Anteil dazu leisten. Ich sage das hier noch einmal ganz
deutlich.
Die positiven Entwicklungen machen Mut, Hilfe auch
in der Zukunft zu leisten. Das ist die positive und
mutmachende Seite. Die andere Seite, das Elend in Darfur,
vergessen wir darüber natürlich nicht. Ich bin froh, dass
wir uns auf einen gemeinsamen Antrag verständigen
konnten. Hierzu wurde ja schon sehr viel gesagt, ebenso
zum konkreten Handlungsbedarf. Damit wird deutlich,
was wir noch zu leisten haben.
Ich bin Herrn Erler dankbar, dass er insbesondere auf
einen Punkt eingegangen ist: Im Zusammenhang mit den
schlimmen Dingen, die da passieren, findet häufig eine
Legendenbildung statt. Sie haben die Geschichte mit den
vermutlich als UN-Flugzeuge getarnten
Waffentransporten erwähnt. Ich sage bewusst: vermutlich. Es gibt
nämlich Anzeichen dafür, dass es sich hierbei nicht um
Flugzeuge der Regierung des Nordens gehandelt hat,
sondern hier andere Umstände eine Rolle spielten. Ich
möchte das an dieser Stelle nicht erläutern, weil es
untersucht wird. Ich bin froh darüber, dass wir uns darum
kümmern. Man muss auch vorsichtig sein, wenn man
solche Legenden bildet, weil es nicht hilft, bei den
Menschen Verständnis dafür zu wecken, dass wir uns um
solche Sachen intensiv kümmern und auch mit einer
Regierung zusammenarbeiten müssen, um den Menschen dort
zu helfen.
Wir alle sind der festen Überzeugung, dass eine
positive Entwicklung im Süden nicht nur die Voraussetzung
für einen dauerhaften Frieden in der Region ist; sie ist
sicherlich ebenso ausschlaggebend für eine Lösung des
Gabriele GronebergDarfurkonflikts. Wir stimmen der Verlängerung der
Beteiligung an der Friedensmission natürlich zu.
Wir wollen das noch einmal verbinden mit einem von
Herzen kommenden Dank an alle dort tätigen
internationalen Soldaten und Helfer, aber natürlich ganz speziell
an diejenigen darunter, die aus Deutschland kommen
und sich unter wirklich schwierigen Bedingungen
bemühen, zu helfen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der FDP und des BÜND-
NISSES 90/DIE GRÜNEN)