Rede von Marina Schuster (FDP) – Plenarprotokoll 16/95
Teil von Protokoll der 95. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Marina Schuster (FDP) – Plenarprotokoll 16/95
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Die Bundeswehr leistet mit ihrer Beteiligung
am UNMIS-Einsatz im Südsudan trotz der sehr
schwierigen Bedingungen vor Ort eine gute und sehr wertvolle
Arbeit. Ich möchte eines gleich zu Beginn deutlich
machen: Wer diesen Einsatz als Symbolik bezeichnet, weiß
nicht, wie die tägliche Arbeit dort aussieht. Ich konnte
mich – genauso wie die Kollegin Irber und andere – in
Juba im Südsudan davon überzeugen, dass die
Bundeswehr sehr hohes Ansehen genießt.
Nach 20 Jahren Bürgerkrieg und schätzungsweise
2 Millionen Toten ist der Nord-Süd-Friedensvertrag
die einzige Chance auf dem Weg zu dauerhaftem
Frieden. Die Umsetzung des Comprehensive Peace
Agreements hinkt leider hinterher, gerade bei solchen
wichtigen Institutionen wie der National Petroleum
Commission. Auch aufgrund der Spannungen um die
Region Abyei und der zunehmenden Sorge hinsichtlich
der Wahlen 2009 bildet der UNMIS-Einsatz einen
wichtigen Stabilitätsfaktor. Trotz aller Schwierigkeiten vor
Ort gibt es deutliche Zwischenerfolge. Es ist deutlicher
denn je: Nur mit dem Comprehensive Peace Agreement
geht man den Weg zu dauerhaftem Frieden. Die FDP-
Fraktion wird dem vorliegenden Verlängerungsantrag
zustimmen, weil wir diesen langfristigen Prozess
unterstützen wollen.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN)
Es stellt sich allerdings die Frage, ob sich die
Rahmenbedingungen des Einsatzes nicht verändert haben,
wie es im Mandatsantrag heißt. Ein Beispiel:
Glücklicherweise kehren zunehmend mehr Flüchtlinge in den
Süden des Landes zurück. Aber wie geht es dort für die
Menschen weiter? Die entscheidende politische Frage
ist: Spüren die Menschen vor Ort die Friedensdividende?
Zudem hat die Bundesregierung zu Recht darauf
hingewiesen, dass die Situation im Südsudan nicht losgelöst
von der Lage in Darfur betrachtet werden kann. Die
Situation in dieser Krisenregion ist nach wie vor
alarmierend. Die hoffnungsvollen Signale von Präsident Baschir
hat er leider kurz darauf wieder relativiert. Nun spricht
er nicht mehr von 3 000 UN-Blauhelmen, sondern nur
noch von Technikern und Ingenieuren. Diese gezielte
Verzögerungstaktik scheint sich also leider
fortzusetzen.
Ich begrüße es daher und freue mich, dass sich die
Fraktionen im Deutschen Bundestag mit Ausnahme der
Linksfraktion nach intensiven Verhandlungen auf einen
interfraktionellen Entschließungsantrag geeinigt haben,
der den Druck verstärken kann. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN)
Denn das ist ein deutliches Signal in Richtung
Khartoum.
Ich vermisse allerdings von der Bundesregierung und
der EU-Ratspräsidentschaft bislang eine deutliche
Reaktion auf einen aktuellen, sehr ernsten Vorgang. Nach
Erkenntnissen der Vereinten Nationen hat der Sudan
Flugzeuge weißlackiert, mit UN-Hoheitszeichen versehen
und hat damit illegal Waffen und Munition nach Darfur
transportiert und wohl auch zivile Ziele bombardiert.
Die „New York Times“ hat ein Foto von einer solchen
Maschine veröffentlicht. Der Missbrauch von UN-
Kennzeichen zu Kriegszwecken ist nicht nur ein
unglaublicher politischer Skandal, sondern auch ein schwerer
Verstoß gegen das Völkerrecht.
(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Herr Staatsminister Erler, Sie haben sich bei meiner
Frage danach im Auswärtigen Ausschuss darauf
bezogen, dass dies eine UN-interne Angelegenheit sei, der
man nun nachgehe. Ich verlange von der EU-
Ratspräsidentschaft allerdings etwas mehr als solche allgemeinen
Verweise.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)