Entwicklung von Gruppenvergewaltigungen bis zum 31. Dezember 2025 (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/4602) (Antwort zu Drs. 21/6592)
Text
Entwicklung von Gruppenvergewaltigungen bis zum 31. Dezember 2025 (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/4602) (Antwort zu Drs. 21/6592)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6858
21. Wahlperiode 03.07.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Brandner, Martin Hess, Sascha
Lensing, Dr. Christian Wirth und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/6592 –
Entwicklung von Gruppenvergewaltigungen bis zum 31. Dezember 2025
(Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 21/4602)
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Mit der Kleinen Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/4351 sollte erfragt
werden, wie sich die Anzahl der Gruppenvergewaltigungen im Zeitraum vom
1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2025 entwickelt hat. Da die erfragten
Daten zum Zeitpunkt der Einreichung der Kleinen Anfrage jedoch noch nicht
vorlagen, sollen diese nun mit der vorliegenden Kleinen Anfrage erfragt
werden.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
„Gruppenvergewaltigung“ ist weder ein feststehender juristischer Begriff noch
lässt sich dieser Begriff einer bestimmten Strafvorschrift zuordnen. Das
Strafgesetzbuch (StGB) kennt lediglich eine gemeinschaftliche Tatbegehung nach
§ 177 Absatz 6 Satz 2 Nummer 2 StGB. Diese bezieht sich aber auf alle
Tatbestände des § 177 StGB und erfasst demnach nicht nur Tathandlungen, die die
Voraussetzungen einer Vergewaltigung nach § 177 Absatz 6 Satz 2 Nummer 1
StGB erfüllen. Um dem Erkenntnisinteresse der Fragesteller nachzukommen,
wurden daher Sonderauswertungen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)
erstellt. Dafür wurde für das Berichtsjahr 2025 der PKS-Straftatenschlüssel
111700 „Vergewaltigung § 177 Absatz 6, 7, 8 StGB“ kombiniert mit dem Filter
„Tatverdächtige alleinhandelnd: nein“ genutzt.
Die erbetenen Daten für die angefragten Vorjahre sind aus der Antwort der
Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 21/1054 zu entnehmen.
Die PKS beruht auf dem Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen
Ermittlungen. Straftaten werden zum Teil von der Polizei, insbesondere wegen
des unterschiedlichen Ermittlungsstandes, anders bewertet als von der
Staatsanwaltschaft oder den Gerichten. Für die Beantwortung der nachfolgenden
Fragen wird daher der Begriff des/der Tatverdächtigen (TV) im Sinne der PKS
zugrunde gelegt.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern
vom 2. Juli 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Zudem ist zu beachten, dass einem Fall mehrere Opfer und/oder mehrere
Tatverdächtige zugeordnet sein können.
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl an
Gruppenvergewaltigungen in den Ländern seit dem 1. Januar 2010 bis zum
31. Dezember 2025 entwickelt (bitte nach Bundesländern und
Jahresscheiben auflisten sowie auch die Gesamtzahl für ganz Deutschland
angeben)?
In der nachstehenden Tabelle sind die Fallzahlen für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt. Im Übrigen wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Land Anzahl Fälle im Berichtsjahr 2025
Baden-Württemberg 41
Bayern 91
Berlin 118
Brandenburg 31
Bremen 12
Hamburg 22
Hessen 34
Mecklenburg-Vorpommern 3
Niedersachsen 113
Nordrhein-Westfalen 161
Rheinland-Pfalz 46
Saarland 7
Sachsen 21
Sachsen-Anhalt 23
Schleswig-Holstein 20
Thüringen 8
Gesamt 751
2. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil
nichtdeutscher Tatverdächtiger an den in Frage 1 erfragten Taten (bitte
nach Jahresscheiben auflisten)?
Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen unter Bezugnahme auf die in
Frage 1 erfassten Fallzahlen lag im Berichtsjahr 2025 bei 53 Prozent. Im
Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
3. Welche fünf Staatsangehörigkeiten wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung bei den Tatverdächtigen seit dem 1. Januar 2010 bis zum
31. Dezember 2025 am häufigsten registriert (bitte nach Jahresscheiben
auflisten)?
In der nachstehenden Tabelle sind die fünf am häufigsten in der PKS
registrierten Staatsangehörigkeiten der Tatverdächtigen, die bei
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung erfasst wurden, dargestellt. Im Übrigen wird
auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Staatsangehörigkeit der/des Tatverdächtigen Tatverdächtige
Deutschland 509
Syrien 110
Afghanistan 64
Irak 46
Türkei 44
4. Wie groß war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil der
nicht aufgeklärten Fälle an den in Frage 1 erfragten Taten (bitte nach
Jahresscheiben auflisten)?
Der Anteil der nicht aufgeklärten Fälle im Sinne der Fragestellung lag im
Berichtsjahr 2025 bei 26 Prozent. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der
Bundesregierung verwiesen.
5. Wie viele Opfer von Gruppenvergewaltigungen gab es nach Kenntnis der
Bundesregierung jeweils seit dem 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember
2025 in Deutschland insgesamt (bitte zusätzlich nach Ländern
aufschlüsseln)?
In der nachstehenden Tabelle sind die Anzahl der Opfer für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt. Im Übrigen wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Land Anzahl Opfer im
Berichtsjahr 2025
Baden-Württemberg 41
Bayern 91
Berlin 118
Brandenburg 32
Bremen 12
Hamburg 22
Hessen 35
Mecklenburg-Vorpommern 5
Niedersachsen 116
Nordrhein-Westfalen 170
Rheinland-Pfalz 47
Saarland 8
Sachsen 23
Sachsen-Anhalt 23
Schleswig-Holstein 21
Thüringen 8
Gesamt 772
6. Wie viele Tatverdächtige wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
jeweils seit dem 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2025 zu den in
Frage 1 erfragten Fällen ermittelt?
Zu den in der Antwort zu Frage 1 erfassten Fällen wurden im Berichtsjahr 2025
insgesamt 1.087 Tatverdächtige in der PKS erfasst. Im Übrigen wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
7. In wie vielen Fällen waren die Opfer nach Kenntnis der Bundesregierung
jeweils
a) Deutsche,
In der nachstehenden Tabelle sind die Anzahl der Opfer für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt, die mit einer deutschen
Staatsangehörigkeit in der PKS erfasst wurden. Im Übrigen wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Anzahl an Opfern Anteil an allen Opfern
(in Prozent)
männlich 54 7
weiblich 565 73
Gesamt 619 80
b) Nichtdeutsche,
In der nachstehenden Tabelle sind die Anzahl der Opfer für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt, die mit einer nichtdeutschen
Staatsangehörigkeit in der PKS erfasst wurden. Im Übrigen wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Anzahl an Opfern Anteil an allen Opfern
(in Prozent)
männlich 25 3
weiblich 128 17
Gesamt 153 20
c) Zuwanderer
(bitte nach Geschlecht auflisten), und wie hoch war jeweils ihr Anteil?
In der nachstehenden Tabelle sind die Anzahl der Opfer für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt, die als Zuwanderer im Sinne
der jeweils geltenden PKS-Definition in der PKS erfasst wurden. Im Übrigen
wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Anzahl an Opfern Anteil an allen Opfern
(in Prozent)
männlich 2 0
weiblich 26 3
Gesamt 28 4
8. In wie vielen Fällen waren die Täter nach Kenntnis der Bundesregierung
jeweils
a) Deutsche,
In der nachstehenden Tabelle sind die Anzahl der Tatverdächtigen für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt, die mit einer
deutschen Staatsangehörigkeit in der PKS erfasst wurden. Im Übrigen wird auf
die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Anzahl an
Tatverdächtigen
Anteil an allen Tatverdächtigen
(in Prozent)
männlich 469 43,1
weiblich 40 3,7
Gesamt 509 46,8
b) Nichtdeutsche,
In der nachstehenden Tabelle sind die Anzahl der Tatverdächtigen für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt, die mit einer
nichtdeutschen Staatsangehörigkeit in der PKS erfasst wurden. Im Übrigen
wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Anzahl an
Tatverdächtigen
Anteil an allen Tatverdächtigen
(in Prozent)
männlich 562 51,7
weiblich 16 1,5
Gesamt 578 53,2
c) Zuwanderer
(bitte nach Geschlecht auflisten), und wie hoch war jeweils ihr Anteil?
In der nachstehenden Tabelle sind die Anzahl der Tatverdächtigen für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt, die als
Zuwanderer im Sinne der jeweils geltenden PKS-Definition in der PKS erfasst wurden.
Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Anzahl an
Tatverdächtigen
Anteil an allen Tatverdächtigen
(in Prozent)
männlich 197 18,1
weiblich 3 0,3
Gesamt 200 18,4
9. In wie vielen Fällen waren die Tatverdächtigen nach Kenntnis der
Bundesregierung bereits zuvor als Tatverdächtige in Erscheinung getreten
(bitte nach Jahren seit 2010 auflisten), und wie hoch war jeweils der
Anteil?
Das Tatverdächtigenmerkmal „(polizeilich) in Erscheinung getreten“ wird in
der PKS erfasst, wenn über einen Tatverdächtigen in Deutschland bzw. in dem
erfassenden Land mindestens eine strafrechtlich relevante und nach den
datenschutzrechtlichen Vorschriften zulässig gespeicherte Erkenntnis aus dem
laufenden oder einem früheren Jahr vorliegt. Es handelt sich hier um ein
„konstantes“ Merkmal einer tatverdächtigen Person, d. h. es gilt für alle geklärten Fälle
dieser tatverdächtigen Person innerhalb eines Berichtsjahres.
Im Berichtsjahr 2025 ist in 399 aufgeklärten Fällen von
„Gruppenvergewaltigung“ im Sinne der Fragestellung mindestens ein Tatverdächtiger oder eine
Tatverdächtige erfasst worden, der oder die das Merkmal „in Erscheinung
getreten“ trug. Dies entspricht einem Anteil von 72 Prozent an allen aufgeklärten
Fällen. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung
verwiesen.
10. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Fälle,
in denen die Tatverdächtigen Konsumenten harter Drogen waren (bitte
nach Jahren seit 2010 auflisten)?
Das Tatverdächtigenmerkmal „Konsument harter Drogen“ soll einen Hinweis
auf die indirekte Beschaffungskriminalität geben. Hinsichtlich der Erfassung
wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen („konstantes Merkmal“).
Im Berichtsjahr 2025 ist in 47 aufgeklärten Fällen von
„Gruppenvergewaltigung“ im Sinne der Fragestellung mindestens ein Tatverdächtiger oder eine
Tatverdächtige erfasst worden, der oder die das Merkmal „Konsument harter
Drogen“ trug. Dies entspricht einem Anteil von 8,5 Prozent an allen
aufgeklärten Fällen. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung
verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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