Entwicklung von Gruppenvergewaltigungen bis zum 31. Dezember 2024 (Antwort zu Drs. 21/869)
Text
Entwicklung von Gruppenvergewaltigungen bis zum 31. Dezember 2024 (Antwort zu Drs. 21/869)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1054
21. Wahlperiode 24.07.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Brandner, Martin Hess und der
Fraktion der AfD
– Drucksache 21/869 –
Entwicklung von Gruppenvergewaltigungen bis zum 31. Dezember 2024
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Mit der Kleinen Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/10719 wurde erfragt,
wie sich die Anzahl der Gruppenvergewaltigungen in den Jahren 2010 bis
2023 in den einzelnen Bundesländern entwickelt hat. Mit dieser Kleinen
Anfrage sollen die bereits vorliegenden Informationen nun um die aktuellen
Daten ergänzt werden.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
„Gruppenvergewaltigung“ ist weder ein feststehender juristischer Begriff noch
lässt sich dieser Begriff einer bestimmten Strafvorschrift zuordnen. Das
Strafgesetzbuch (StGB) kennt lediglich eine gemeinschaftliche Tatbegehung nach
§ 177 Absatz 6 Satz 2 Nummer 2 StGB. Diese bezieht sich aber auf alle
Tatbestände des § 177 StGB und erfasst demnach nicht nur Tathandlungen, die die
Voraussetzungen einer Vergewaltigung nach § 177 Absatz 6 Satz 2 Nummer 1
StGB erfüllen. Um dem Informationsbedürfnis der Fragesteller
nachzukommen, wurden Sonderauswertungen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)
erstellt.
Bei der Interpretation der Daten ist zu beachten, dass es seit 2010 mehrere
Datenbrüche gibt. Sowohl von 2016 auf 2017 als auch von 2017 auf 2018 wurde
die Methodik bzw. die Rechtsgrundlage der Erfassung von sogenannten
Gruppenvergewaltigungen geändert. Die Daten sind daher nicht exakt vergleichbar.
Im Einzelnen wurden folgende PKS-Schlüssel und Filter für die Auswertung
genutzt:
– ab 2018: Straftatenschlüssel 111700 „Vergewaltigung § 177 Absatz 6, 7, 8
StGB“ kombiniert mit dem Filter „Tatverdächtige alleinhandelnd: nein“
– 2017: Straftatenschlüssel 111200 „Vergewaltigung überfallartig (durch
Gruppen) § 177 Absatz 6 Nummer 2, Absatz 7 und 8 StGB“ sowie
Straftatenschlüssel 111300 „Vergewaltigung durch Gruppen § 177 Absatz 6
Nummer 2, Absatz 7 und 8 StGB“
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern
vom 24. Juli 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
– vor 2017: Straftatenschlüssel 111200 „Vergewaltigung überfallartig (durch
Gruppen) § 177 Absatz 2 Nummer 2 StGB“ sowie Straftatenschlüssel
111300 „Vergewaltigung durch Gruppen § 177 Absatz 2 Nummer 2 StGB“.
Zudem ist zu beachten, dass einem Fall mehrere Opfer und/oder mehrere
Tatverdächtige zugeordnet sein können. Zu den Opfern wird die
Staatsangehörigkeit erst seit 2013 detailliert erfasst, die Spezifik „Zuwanderer“ erst seit 2018.
Ferner ist zu beachten, dass im Jahr 2009 auf Bundesebene die „echte“
Tatverdächtigenzählung eingeführt wurde. Das bedeutet u. a., dass sofern derselbe
Tatverdächtige innerhalb eines Berichtszeitraumes mit unterschiedlicher
Staatsangehörigkeit ermittelt wurde, diese Person für die „echte“
Tatverdächtigenzählung auf Bundesebene nur zu dem aktuellsten Merkmal gezählt wird.
Die PKS beruht auf dem Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen
Ermittlungen. Straftaten werden zum Teil von der Polizei, insbesondere wegen
des unterschiedlichen Ermittlungsstandes, anders bewertet als von der
Staatsanwaltschaft oder den Gerichten. Für die Beantwortung der nachfolgenden Fragen
wird daher der Begriff des/der Tatverdächtigen (TV) im Sinne der PKS
zugrunde gelegt.
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl an
Gruppenvergewaltigungen in den Ländern seit dem Jahr 2010 entwickelt
(bitte nach Bundesländern und Jahresscheiben auflisten sowie auch die
Gesamtzahl für ganz Deutschland angeben)?
In der nachstehenden Tabelle sind die Fallzahlen für
„Gruppenvergewaltigungen“ im Sinne der Fragestellung dargestellt. Im Übrigen wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
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2. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil
nichtdeutscher Tatverdächtiger an den in Frage 1 erfragten Taten (bitte
nach Jahresscheiben seit dem Jahr 2010 auflisten)?
Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen unter Bezugnahme auf die in
Frage 1 erfassten Fallzahlen lag
– im Berichtsjahr 2010 bei 34 Prozent,
– im Berichtsjahr 2011 bei 38 Prozent,
– im Berichtsjahr 2012 bei 37 Prozent,
– im Berichtsjahr 2013 bei 34 Prozent,
– im Berichtsjahr 2014 bei 37 Prozent,
– im Berichtsjahr 2015 bei 46 Prozent,
– im Berichtsjahr 2016 bei 56 Prozent,
– im Berichtsjahr 2017 bei 55 Prozent,
– im Berichtsjahr 2018 bei 50 Prozent,
– im Berichtsjahr 2019 bei 50 Prozent,
– im Berichtsjahr 2020 bei 46 Prozent,
– im Berichtsjahr 2021 bei 47 Prozent,
– im Berichtsjahr 2022 bei 50 Prozent,
– im Berichtsjahr 2023 bei 47 Prozent,
– im Berichtsjahr 2024 bei 51 Prozent.
3. Welche fünf Staatsangehörigkeiten wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung bei den Tatverdächtigen seit dem Jahr 2010 am häufigsten
registriert (bitte nach Jahresscheiben seit dem Jahr 2010 auflisten)?
In der nachstehenden Tabelle sind die fünf am häufigsten in der PKS
registrierten Staatsangehörigkeiten der Tatverdächtigen, die bei
„Gruppenvergewaltigungen“ erfasst wurden, dargestellt.
Berichtsjahr Staatsangehörigkeit der/des Tatverdächtigen Tatverdächtige
2024 Deutschland 497
2024 Syrien 116
2024 Afghanistan 52
2024 Irak 40
2024 Türkei 30
2023 Deutschland 520
2023 Syrien 71
2023 Afghanistan 49
2023 Irak 43
2023 Türkei 33
2022 Deutschland 471
2022 Syrien 72
2022 Afghanistan 52
2022 Irak 51
2022 Türkei 35
2021 Deutschland 514
2021 Afghanistan 59
Berichtsjahr Staatsangehörigkeit der/des Tatverdächtigen Tatverdächtige
2021 Syrien 54
2021 Türkei 45
2021 Irak 41
2020 Deutschland 485
2020 Afghanistan 61
2020 Syrien 57
2020 Türkei 35
2020 Irak 33
2019 Deutschland 454
2019 Syrien 57
2019 Afghanistan 53
2019 Türkei 44
2019 Irak 37
2018 Deutschland 418
2018 Afghanistan 62
2018 Syrien 50
2018 Türkei 48
2018 Rumänien 28
2017 Deutschland 206
2017 Afghanistan 33
2017 Türkei 23
2017 Eritrea 18
2017 Syrien 18
2016 Deutschland 216
2016 Afghanistan 51
2016 Syrien 23
2016 Türkei 19
2016 Algerien 18
2015 Deutschland 236
2015 Türkei 40
2015 Syrien 21
2015 Polen 12
2015 Afghanistan 11
2014 Deutschland 332
2014 Türkei 52
2014 Afghanistan 11
2014 Rumänien 11
2014 Italien 10
2013 Deutschland 354
2013 Türkei 48
2013 Griechenland 12
2013 Serbien 12
2013 Afghanistan 11
2013 Rumänien 11
2012 Deutschland 396
2012 Türkei 52
2012 Polen 15
2012 Rumänien 13
2012 Afghanistan 10
2012 Irak 10
2012 Italien 10
2011 Deutschland 397
2011 Türkei 66
Berichtsjahr Staatsangehörigkeit der/des Tatverdächtigen Tatverdächtige
2011 Rumänien 15
2011 Kosovo 14
2011 Afghanistan 13
2011 Serbien 13
2010 Deutschland 521
2010 Türkei 94
2010 Serbien 22
2010 Irak 13
2010 Rumänien 12
Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
4. Wie groß war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil der
nicht aufgeklärten Fälle an den in Frage 1 erfragten Taten (bitte nach
Jahresscheiben seit dem Jahr 2010 auflisten)?
Der Anteil der nicht aufgeklärten Fälle im Sinne der Fragestellung lag
– im Berichtsjahr 2010 bei 44 Prozent,
– im Berichtsjahr 2011 bei 46 Prozent,
– im Berichtsjahr 2012 bei 46 Prozent,
– im Berichtsjahr 2013 bei 46 Prozent,
– im Berichtsjahr 2014 bei 47 Prozent,
– im Berichtsjahr 2015 bei 53 Prozent,
– im Berichtsjahr 2016 bei 69 Prozent,
– im Berichtsjahr 2017 bei 49 Prozent,
– im Berichtsjahr 2018 bei 42 Prozent,
– im Berichtsjahr 2019 bei 39 Prozent,
– im Berichtsjahr 2020 bei 38 Prozent,
– im Berichtsjahr 2021 bei 32 Prozent,
– im Berichtsjahr 2022 bei 38 Prozent,
– im Berichtsjahr 2023 bei 36 Prozent,
– im Berichtsjahr 2024 bei 36 Prozent.
Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
5. Wie viele Opfer von Gruppenvergewaltigungen gab es nach Kenntnis der
Bundesregierung jeweils seit dem Jahr 2010 in Deutschland insgesamt
(bitte zusätzlich nach Ländern aufschlüsseln)?
Die Anzahl der Opfer pro Berichtsjahr im Sinne der Fragestellung können der
nachstehenden Tabelle entnommen werden.
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6. Wie viele Tatverdächtige wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
jeweils seit dem Jahr 2010 zu den in der Frage 1 erfragten Fällen ermittelt?
Zu den in Frage 1 erfassten Fällen wurden
– im Berichtsjahr 2010 insgesamt 793 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2011 insgesamt 638 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2012 insgesamt 630 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2013 insgesamt 537 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2014 insgesamt 526 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2015 insgesamt 433 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2016 insgesamt 493 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2017 insgesamt 460 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2018 insgesamt 839 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2019 insgesamt 899 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2020 insgesamt 907 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2021 insgesamt 970 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2022 insgesamt 943 Tatverdächtige,
– im Berichtsjahr 2023 insgesamt 990 Tatverdächtige und
– im Berichtsjahr 2024 insgesamt 1 011 Tatverdächtige
in der PKS erfasst.
Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
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9. In wie vielen Fällen waren die Tatverdächtigen nach Kenntnis der
Bundesregierung bereits zuvor als Tatverdächtige in Erscheinung getreten
(bitte nach Jahren seit 2010 auflisten), und wie hoch war jeweils der
Anteil?
Die erbetenen Informationen im Sinne der Fragestellung können der
nachstehenden Tabelle entnommen werden. Das Tatverdächtigenmerkmal „
(polizeilich) in Erscheinung getreten“ wird in der PKS erfasst, wenn über einen
Tatverdächtigen in Deutschland bzw. in dem erfassenden Bundesland mindestens eine
strafrechtlich relevante und nach den datenschutzrechtlichen Vorschriften
zulässig gespeicherte Erkenntnis aus dem laufenden oder einem früheren Jahr
vorliegt. Es handelt sich hier um ein „konstantes“ Merkmal einer
tatverdächtigen Person, d. h., es gilt für alle geklärten Fälle dieser tatverdächtigen Person
innerhalb eines Berichtsjahres.
Berichtsjahr
Anzahl der aufgeklärten Fälle von
„Gruppenvergewaltigung“, bei denen
mind. eine tatverdächtige Person zuvor
bereits in Erscheinung getreten ist
Anteil an allen aufgeklärten Fällen von
„Gruppenvergewaltigungen“, bei denen
mind. eine tatverdächtige Person zuvor
bereits in Erscheinung getreten ist, in Prozent
2010 230 69,7
2011 187 67,8
2012 201 73,4
2013 173 76,2
2014 161 71,9
2015 144 76,6
2016 171 74,0
2017 139 71,3
2018 265 69,2
2019 300 69,8
2020 319 72,5
2021 340 73,6
2022 318 64,9
2023 356 73,6
2024 364 71,9
Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
10. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Fälle,
in denen die Tatverdächtigen Konsumenten harter Drogen waren (bitte
nach Jahren seit 2010 auflisten)?
Die erbetenen Informationen im Sinne der Fragestellung können der
nachstehenden Tabelle entnommen werden. Das Tatverdächtigenmerkmal „Konsument
harter Drogen“ soll einen Hinweis auf die indirekte Beschaffungskriminalität
geben („konstantes Merkmal“). Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 9
verwiesen.
Berichtsjahr
Anzahl der aufgeklärten Fälle von
„Gruppenvergewaltigung“, bei denen
mind. eine tatverdächtige Person
Konsument harter Drogen ist
Anteil an allen aufgeklärten Fällen von
„Gruppenvergewaltigungen“, bei denen
mind. eine tatverdächtige Person Konsument
harter Drogen ist, in Prozent
2010 18 5,5
2011 20 7,2
2012 20 7,3
2013 12 5,3
Berichtsjahr
Anzahl der aufgeklärten Fälle von
„Gruppenvergewaltigung“, bei denen
mind. eine tatverdächtige Person
Konsument harter Drogen ist
Anteil an allen aufgeklärten Fällen von
„Gruppenvergewaltigungen“, bei denen
mind. eine tatverdächtige Person Konsument
harter Drogen ist, in Prozent
2014 15 6,7
2015 18 9,6
2016 18 7,8
2017 14 7,2
2018 25 6,5
2019 34 7,9
2020 37 8,4
2021 37 8,0
2022 34 6,9
2023 40 8,3
2024 35 6,9
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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