polradar

Schriftliche Frage 135 von Vinzenz Glaser (DIE LINKE): Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Lage in den vom Ausbruch des Ebola- Virus betroffenen Regionen der Demokratischen Repu…

dip / schriftliche_frage 05.06.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 1. Juni 2026 eingegangenen Antworten der Bundesregierung · Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

Im Graph öffnen

Text

Schriftliche Frage 135 von Vinzenz Glaser (DIE LINKE): Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Lage in den vom Ausbruch des Ebola- Virus betroffenen Regionen der Demokratischen Repu… Frage 135 (Vinzenz Glaser, Die Linke): Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Lage in den vom Ausbruch des Ebola- Virus betroffenen Regionen der Demokratischen Republik Kongo dar, und plant die Bundesregierung konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie sowie zur Verhinderung einer weiteren internationalen Ausbreitung durch finanzielle und technische Unterstützung, und falls ja, welche (bitte geplante Maßnahmen sowie deren jeweiliges Finanzvolumen auflisten), und falls nein, warum nicht? Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Georg Kippels vom 5. Juni 2026: Der Ebola-Ausbruch durch die sogenannte Bundibugyo-Variante in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und in Uganda ist nicht unter Kontrolle. Die Zahl der durch das nationale Institut für öffentliche Gesundheit der DR Kongo bestätigten Fälle ist weiter steigend und liegt derzeit bei 344 Fällen (Stand: 3. Juni 2026, 12 Uhr). Gleichzeitig gibt es weitere 116 noch nicht bestätigte Verdachtsfälle sowie 60 Todesfälle. Aus Uganda werden laut Weltgesundheitsorganisation 15 bestätigte Fälle gemeldet, von denen eine Person verstorben ist (ebenfalls Stand: 3. Juni, 12 Uhr). Das Ausbruchsgeschehen hat seinen Schwerpunkt in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu. Die Region ist von bewaffneten Konflikten, Flüchtlingsbewegungen und hoher Handelsaktivität gekennzeichnet. Die Gesundheitsversorgung ist auf einem vergleichsweisen niedrigen Niveau. Besonderes die andauernden bewaffneten Konflikte erschweren den Zugang für humanitäre Hilfe zur Region. Verstärkend kommt hinzu, dass es – anders als bei der Zaire-Variante – keine Impfstoffe und keine zugelassenen spezifischen antiviralen Medikamente gibt. Eine Therapie kann häufig – wenn überhaupt – nur symptomatisch durch Flüssigkeitszufuhr, Bluttransfusionen und Antibiotika gegen sekundäre Infektionen durchgeführt werden. Die Bundesregierung setzt vor diesem Hintergrund eine ganze Reihe unterschiedlicher Maßnahmen um: So wurde eine laufende afrikaweite Förderung zur Bewältigung akuter Gesundheitskrisen um weitere 2 Mio. Euro aufgestockt und dabei auch ein Beitrag zur Aufrechterhaltung der Basisgesundheitsversorgung für die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten geleistet. Weitere 2 Mio. Euro werden kurzfristig dem Nothilfefonds der Weltgesundheitsorganisation (WHO Contingency Funds for Emergencies – CFE) zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gehört Deutschland zu den größten Gebern des Nothilfefonds der Vereinten Nationen (Central Emergency Response Fund – CERF), der bereits 10 Mio. US-Dollar für die Bekämpfung des Ebola Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo zur Verfügung gestellt hat. Der ebenfalls aus Mitteln der humanitären Hilfe geförderte Disaster Response Emergency Fund (DREF) des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) hat bislang mehr als 2,5 Mio. Schweizer Franken (CHF) für die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs in der Region ausgeschüttet. Der Pandemiefonds der Weltbank (Pandemic Fund) stellt 220,6 Mio. US-Dollar durch kurzfristige Reprogrammierung von Projekten und schnelle Bewilligung von Förderanträgen bereit. Hier ist Deutschland nach den USA und der EU drittgrößter Geber. Unterstützungsmaßnahmen sind auch über bestehende bilaterale und regionale Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit angelaufen, insbesondere zur Pandemieprävention in der Ostafrikanischen Gemeinschaft sowie über die „Schnell Einsetzbare Expertengruppe Gesundheit“ (SEEG). So wird aktuell u. a. Schutzausrüstung beschafft, Schulungen zum sicheren Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen vorbereitet sowie die länderübergreifende Zulassung eines möglichen Impfstoffs und spezifischer Medikamente vorangetrieben. An mehreren Grenzübergängen in der Region werden mit deutscher Unterstützung mobile Labore aktiviert, die schnelle Labordiagnostik und damit mittelfristig eine effektivere Eindämmung grenzüberschreitender Übertragungsketten ermöglichen können. Auch die Kompetenzen und das Wissen spezialisierter deutscher Fachinstitutionen wie das Robert Koch-Institut und das Bernhard-Nocht- Institut für Tropenmedizin zu Labordiagnostik, Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) sowie Maßnahmen der Risikokommunikation werden genutzt, um auf den Ebola-Ausbruch zu reagieren. Da es insbesondere auch an Tests mangelt, bereitet die Bundesregierung die Umsetzung einer Lieferung von 1.000 PCR-Testkits an das Referenzlabor in Kinshasa vor. Auch auf die Anfrage des Global Outbreak Alert and Response Network (GOARN) wurde reagiert und Fachexperten angeboten (Modellierer und Feldepidemiologen). Die Impfallianz Gavi, die durch die Bundesregierung signifikant unterstützt wird, stellt bis zu 50 Mio. US-Dollar aus dem First Response Fund für den Zugang zu möglichen Impfstoffen sowie für die Ausbruchsreaktion vor Ort bereit. Die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), dessen größter Geber Deutschland ist, stellt u. a. bis zu 62 Mio. US-Dollar für die Weiterentwicklung von drei Impfstoff-Kandidaten bereit, die spezifisch gegen das Bundibugyo-Virus gerichtet sind. Auf übergeordneter Ebene trägt Deutschlands langjährige Zusammenarbeit in der Pandemievorsorge und im Bereich Pharma- und Impfstoffproduktion mit dem Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC) zur Bekämpfung dieser Epidemie bei.

Relationen