Humanitäre Lage in der Demokratischen Republik Kongo im Schatten des Ebola-Ausbruchs
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Humanitäre Lage in der Demokratischen Republik Kongo im Schatten des Ebola-Ausbruchs
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7466
21. Wahlperiode 04.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Vinzenz Glaser, Stella Merendino, Desiree Becker, Gökay
Akbulut, Janina Böttger, Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Ates Gürpinar,
Jan Köstering, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner,
Zada Salihović, Ulrich Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und
der Fraktion Die Linke
Humanitäre Lage in der Demokratischen Republik Kongo im Schatten des
Ebola-Ausbruchs
Im Mai 2026 wurde ein Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus in der
Demokratischen Republik Kongo (DRK) festgestellt. Stand 1. Juli 2026 wurden 1 460
Ansteckungen in der DRK festgestellt. 452 Menschen davon sind bereits an der
Krankheit gestorben (www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2
026-DON612).
Der Ebola-Ausbruch findet eingebettet in eine komplexe Gesamtsituation statt:
Der anhaltende Krieg in der DRK führt immer wieder zu Vertreibung. Viele
Menschen haben kaum Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser, Unterkünften oder
medizinischer Versorgung. Auch Gesundheitseinrichtungen werden immer
wieder zum Ziel von Angriffen (www.who.int/emergencies/disease-outbreak-new
s/item/2026-DON612 und www.tagesspiegel.de/wissen/nach-angriffen-auf-klin
iken-im-kongo-patienten-mit-ebola-verdacht-offenbar-auf-der-flucht-1563979
8.html). Etwa 15 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen,
doch mehr als die Hälfte von ihnen werden aktuell nicht durch humanitäre
Hilfe erreicht (www.unocha.org/democratic-republic-congo). Die humanitären
Bedarfe werden nicht gedeckt. Im Jahr 2025 wurde der Humanitarian Needs
und Response Plan der Vereinten Nationen (VN) nur zu 28 Prozent finanziert
(https://fts.unocha.org/plans/1509/summary).
Gegen das Bundibugyo-Virus gibt es derzeit keine zugelassene Impfung und
auch keine zugelassene spezifische Therapie (www.pei.de/DE/arzneimittel/imp
fstoffe/ebola/ebola-ausbruch-kongo-uganda-pei-informationen.html). Daher
kommt der Vermeidung weiterer Ansteckungsfälle durch
Kontaktnachverfolgung und Isolation von erkrankten Personen eine besondere Bedeutung zu
(www.who.int/emergencies/situations/ebola-outbreak---drc-2026).
Laut Hilfsorganisationen zeigen sich in der DRK aktuell die Folgen der
Kürzungen der Mittel für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit der
letzten Jahre. Das Fehlen der Mittel schwäche die ohnehin fragilen
Gesundheitssysteme und führe dazu, dass der Ausbruch des Virus zunächst nicht
erkannt wurde und erschwert die Einführung von Maßnahmen (www.dw.com/de/
ebola-virus-ausbreitung-fieber-who-entwicklungshilfe-seuchen-kongo-drk-gesu
ndheit-bmz-care-caritas/a-77318805 und www.rescue.org/de/pressemitteilung/
watchlist-flash-alert-ebola-ausbruch-osten-drk-breitet-sich-schneller-aus-als-rea
ktion). Unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) musste nach
dem Ausstieg der USA Programme im Kongo aufgrund von finanziellen
Problemen straffen oder streichen. Seitdem ist Deutschland der größte Mittelgeber
der WHO (www.dw.com/de/ebola-virus-ausbreitung-fieber-who-entwicklungs
hilfe-seuchen-kongo-drk-gesundheit-bmz-care-caritas/a-77318805). Das
Hilfswerk Misereor warnt in diesem Kontext vor einer katastrophalen Kollision von
Krankheit und Konflikt und sieht auch die Bundesregierung in der Pflicht, die
Lage zu stabilisieren (https://myconvento.com/public/mail_view.php?jid=jS3cn
nwE&t=2&l=22).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle humanitäre und
sicherheitspolitische Lage in der Demokratischen Republik Kongo?
2. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur aktuellen
humanitären Versorgungslage vor, insbesondere hinsichtlich Ernährungssicherheit
sowie der medizinischen Versorgung der Bevölkerung vor dem
Hintergrund des Ebola-Ausbruchs sowie der anhaltenden bewaffneten Konflikte
im Land?
3. Welche Auswirkungen haben die anhaltenden bewaffneten Konflikte nach
Einschätzung der Bundesregierung auf die Bekämpfung des Ebola-
Ausbruchs und den Zugang der Bevölkerung zur medizinischen
Versorgung?
4. Welche Mittel hat die Bundesregierung seit Bekanntwerden des Ebola-
Ausbruchs für Maßnahmen zu dessen Eindämmung bereitgestellt (bitte
nach Ressort, Haushaltstitel, Empfängerorganisation, Betrag und
Bewilligungsdatum aufschlüsseln)?
5. Plant die Bundesregierung angesichts des aktuellen Ebola-Ausbruchs in
der Demokratischen Republik Kongo und den betroffenen Nachbarstaaten
eine Anpassung ihrer humanitären, medizinischen oder
entwicklungspolitischen Unterstützung, wenn ja, welche zusätzlichen Maßnahmen,
Instrumente und Finanzmittel sind vorgesehen, und welche konkrete
humanitäre, medizinische sowie finanzielle Unterstützung leistet Deutschland
derzeit?
6. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung im Rahmen
internationaler Zusammenarbeit, um den Aufbau resilienter Gesundheitssysteme in
Konfliktregionen wie der Provinz Ituri zu unterstützen, in denen derzeit
Ebola-Ausbrüche stattfinden?
7. Welche Projekte finanziert oder unterstützt die Bundesregierung derzeit
zum Ausbau von Diagnostik-, Labor- und Surveillance-Kapazitäten in der
DR Kongo?
a) Welche deutschen Einrichtungen oder Durchführungsorganisationen
sind hierbei beteiligt?
b) Wie viele Labor- oder Diagnostikeinrichtungen wurden mit deutscher
Unterstützung seit Beginn des Ausbruchs aufgebaut, ausgestattet oder
personell unterstützt?
8. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der WHO und desAfrica
Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC), dass zu einer
erfolgreichen Eindämmung des aktuellen Ebola-Ausbruchs in der
Demokratischen Republik Kongo und in Uganda mindestens 518 Mio.
US‑Dollar Finanzmittel nötig wären, wenn ja, in welcher Höhe beteiligt
sie sich an der internationalen Finanzierung dieses Bedarfs, und über
welche Programme oder Organisationen werden die hierfür
bereitgestellten Mittel abgewickelt (www.fr.de/panorama/ebola-ausbruch-in-afrika-ex
perte-weist-auf-irrglauben-hin-zr-94342584.html)?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die Rolle von WHO und Africa CDC
bei der Koordination der internationalen Reaktion auf den aktuellen
Ebola-Ausbruch, und in welchem Umfang beteiligt sich Deutschland an
diesen Strukturen?
10. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen internationaler bzw.
deutscher Kürzungen der humanitären Hilfe und der Entwicklungshilfe
auf die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs?
11. Welche Gespräche haben Vertreterinnen und Vertreter der
Bundesregierung seit Beginn des Ausbruchs mit Ärzten ohne Grenzen, dem
Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, der WHO oder weiteren humanitären
Organisationen sowie mit dem United Nations Children's Fund (UNICEF)
und Sonderorganisationen der VN geführt (bitte Datum, Organisation und
Gegenstand angeben)?
12. Welche Maßnahmen ergreift oder unterstützt die Bundesregierung, um
den sicheren Zugang humanitärer Organisationen und den Transport von
Personal, Medikamenten und Hilfsgütern in schwer erreichbaren Gebieten
zu gewährleisten?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Auswirkungen von
Grenzschließungen und Einschränkungen des Luftverkehrs auf die
Lieferung medizinischer Hilfsgüter und den Einsatz humanitären Personals
vor?
14. Welche Einschätzung hat die Bundesregierung zu der Gefahr einer
weiteren internationalen Ausbreitung des aktuellen Ebola-Ausbruchs, und
welche präventiven Maßnahmen werden in Zusammenarbeit mit
internationalen Partnern ergriffen?
15. Welche Lehren zieht die Bundesregierung aus den Erfahrungen der Ebola-
Epidemie in Westafrika von 2014 bis 2016 sowie den Ebola-Ausbrüchen
von 2018 bis 2020 in der Demokratischen Republik Kongo für die
Entwicklung und Verfügbarkeit von Impfstoffen und Therapien gegen
verschiedene Ebola-Virusarten, und inwieweit wurden diese Lehren bis zum
aktuellen Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus in der Demokratischen
Republik Kongo und in Uganda umgesetzt?
16. Welche der während der Ebola-Krise von 2014 bis 2016 von Deutschland
bereitgestellten Unterstützungsmaßnahmen (z. B. medizinische
Evakuierungen, logistische Unterstützung oder Behandlungskapazitäten) stehen
auch im aktuellen Ausbruch zur Verfügung oder sollen erneut aktiviert
werden?
17. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Wirksamkeit,
Sicherheit und zum Entwicklungsstand der von der WHO empfohlenen bzw.
diskutierten Wirkstoffe und Impfstoffkandidaten (insbesondere
Obeldesivir, MBP134 sowie rVSV- und ChAdOx1-Bundibugyo-Impfstoffe) vor?
18. Unterstützt die Bundesregierung die Forschung und Entwicklung von
Impfstoffen und Therapien gegen das Bundibugyo-Ebola-Virus, und wenn
ja, in welchem Umfang (bitte Projekt, Fördersumme, Laufzeit und
Zuwendungsempfänger angeben)?
19. Beteiligen sich Einrichtungen des Bundes oder durch Bundesmittel
geförderte Institutionen an der wissenschaftlichen Bewertung, Entwicklung
oder Durchführung klinischer Studien zu den genannten Wirkstoffen oder
Impfstoffkandidaten, insbesondere zu Obeldesivir?
20. Wie haben sich die Bundesmittel für den Bereich globale Gesundheit und
Seuchenprävention im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des
Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) seit 2020 jährlich entwickelt (bitte
jeweils nach Jahren, Einzelplänen, Haushaltstiteln und Zweckbindung
aufschlüsseln)?
21. Welche Verantwortung sieht die Bundesregierung als größter Geldgeber
der WHO, die WHO finanziell und politisch zu stärken, um
Gesundheitskrisen wie in der Demokratischen Republik Kongo zu bekämpfen?
22. Welche freiwilligen und zweckgebundenen Beiträge hat Deutschland seit
2020 jährlich an die WHO geleistet, und welcher Anteil hiervon entfiel
jeweils auf Programme zur Ebola- bzw. Ausbruchsbekämpfung (bitte nach
Jahr und Programm aufschlüsseln)?
23. Welche Rolle spielen deutsche staatliche und zivilgesellschaftliche
Akteure bei der Stärkung lokaler Gesundheitsstrukturen im Osten der
Demokratischen Republik Kongo, und wie werden diese Maßnahmen finanziell
ausgestaltet (bitte jährliche Entwicklung seit 2020 darstellen)?
24. Welchen Stellenwert nimmt für die Bundesregierung die Kooperation mit
lokalen Organisationen und Akteuren bei der Eindämmung des Ebola-
Ausbruchs in der DRK ein, und welche finanziellen Mittel stellt die
Bundesregierung lokalen Organisation hierfür zur Verfügung?
Berlin, den 20. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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