Rede von Nicolas Zippelius (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 1: Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew –.
Text
Rede von Nicolas Zippelius (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen
und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Moskau
wettet auf unsere Schwäche“: Dieses Zitat stammt vom
Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes
(Stephan Brandner [AfD]: Ist der nicht
festgenommen worden?)
bei der öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen
Kontrollgremiums des Deutschen Bundestages. Wir
sollten diesen Satz sehr ernst nehmen; denn er beschreibt
Russlands Kalkül: die Ukraine zermürben, Europa
einschüchtern, unsere Gesellschaft spalten und darauf
bauen, dass wir dem nichts entgegensetzen.
Unsere Nachrichtendienste warnen vor Spionage,
Sabotage und Gewalt gegen Ziele in Deutschland.
Verkehrswege, Rüstungsunternehmen und militärische
Einrichtungen stehen im Visier. Aber nicht nur das: Wir
erleben hybride Angriffe genauso wie Terror. Darauf
brauchen wir eine klare Antwort, und genau darauf gibt
diese Bundesregierung klare Antworten, meine Damen
und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg.
Derya Türk-Nachbaur [SPD])
Deutschland braucht ein Europa, in dem Grenzen
gelten, in dem Verträge zählen und Staaten ihre Zukunft
selbst bestimmen; unsere Sicherheit und unser Wohlstand
hängen nämlich genau davon ab. Wenn sich militärische
Unterwerfung auszahlt, dann wächst die Gefahr weiterer
Aggression. Wenn Russland erlebt, dass es mit Gewalt
und Einschüchterung seine Ziele erreicht, wird Europa
unsicherer und Deutschland gleich mit. Unsere
finanzielle und materielle Unterstützung der Ukraine ist
Sicherheitsvorsorge. Eine unterworfene Ukraine macht
Deutschland nicht sicherer, es macht Deutschland
unsicherer.
Bemerkenswert hierbei ist doch: 1941 bekam die
Sowjetunion im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes Hilfe
aus den USA: Militärfahrzeuge, Waffen, Flugzeuge,
Kommunikationsmittel und Industriegüter. Dabei ging
es explizit um das Verkaufen, um das Vermieten und
um das Verschenken. Dieselbe Art von Hilfe nennen
Moskau und die AfD heute Kriegstreiberei. Und das ist
schäbig, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD – Stephan Brandner [AfD]: Der
Vergleich hinkt aber auch, oder?)
Dennoch tut sich die AfD in der Debatte immer als
besonders lautstarker Kritiker der Ukrainehilfe hervor.
Vorgestern bezeichneten Sie die deutsche Unterstützung
und die Reise des Bundeskanzlers als „Tribute für
Kyjiw“.
Von der billigen Polemik abgesehen:
Wer deutsche Interessen für sich beansprucht, muss die
ganze Rechnung aufmachen: Was kostet uns eine weitere
Destabilisierung Europas?
(Markus Frohnmaier [AfD]: Ach so! Wir
lassen uns erpressen, ja?)
Was kostet zusätzliche Aufrüstung unter schlechteren
Sicherheitsbedingungen? Was kosten neue wirtschaftliche
Verwerfungen und Fluchtbewegungen in Europa?
(Steffen Kotré [AfD]: Es kostet nur den
Grenzschutz!)
Wer nur die Kosten der Hilfe nennt und nicht, warum
diese Hilfe nötig wird,
(Markus Frohnmaier [AfD]: Dann macht doch
einfach mal die Grenzen zu!)
verschweigt die Risiken seines eigenen Vorschlags.
Ein Sieg Russlands in der Ukraine verschärft nicht nur
unsere Sicherheitslage. Ein Sieg Russlands bedeutet
Abermilliarden zusätzliche Kosten für Deutschland.
Und vom Leid der Menschen in den besetzten Gebieten
möchte ich gar nicht erst anfangen. Aber immerhin
erkennen die Vertreter der AfD an, dass Russland diesen
völkerrechtswidrigen Krieg begonnen hat. Aber dann
muss Ihnen auch klar sein, wer ihn durch das Ende seiner
Angriffe sofort beenden kann.
Meine Damen und Herren, selbstverständlich müssen
wir zu Verhandlungen bereit sein. Ich bin dem
Außenminister dankbar, dass er in New York mit Sergej
Lawrow gesprochen hat: über den Krieg, über
Getreideexporte und über russische Aktivitäten gegen
Deutschland. Dieses Gespräch des deutschen Außenministers
war absolut richtig, und er hat die Bereitschaft zu einer
friedlichen Lösung deutlich gemacht. Aber es ist auch
einmal mehr klar geworden, dass Russland daran aktuell
kein Interesse hat.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Wir müssen und wir werden die diplomatischen
Bemühungen natürlich fortsetzen: beharrlich, ernsthaft,
abgestimmt. Aber Diplomatie braucht auf beiden Seiten die
Bereitschaft zu einer Vereinbarung. Und solange Moskau
glaubt, militärisch mehr erreichen zu können, bleibt diese
Bereitschaft fraglich. In dem Sinne ist eine Einigung
unmöglich.
Tatsächlich weitet sich die rhetorische und physische
Aggressivität Russlands sogar noch weiter aus. Im
September schrieb Dimitrij Medwedew, Deutschland
verdiene einen direkten Schlag gegen seine
Rüstungsbetriebe und Orte in Berlin. Am selben Tag zweifelte
Markus Frohnmaier im Deutschlandfunk an Russlands
Verantwortung für den versuchten Anschlag in Leipzig.
Medwedew droht allen deutschen Produktionsstätten für
Militärtechnik. Beispiel: Das Flugabwehrsystem IRIS-T,
das ukrainische Städte schützt, kommt aus Überlingen am
Bodensee.
Herr Frohnmaier, Sie sind ja Landesvorsitzender der
AfD in Baden-Württemberg und wollten
Ministerpräsident werden. Aber Ihr Agieren ist eines Parlamentariers
absolut unwürdig. Es ist eine Gefahr für Baden-
Württemberg,
eine Gefahr für ganz Deutschland. Und Ihr Kuschen
gegenüber Herrn Medwedew zeigt eins:
(Markus Frohnmaier [AfD]: Der hat doch gar
nichts zu melden dort!)
Ihr Herz liegt nicht in der deutschen Heimat. Ihr Herz
liegt schon gar nicht in der baden-württembergischen
Heimat.
Ihr Herz liegt einzig und allein in Russland, und das ist
heute einmal mehr klar geworden. Aber dann wandern
Sie doch einfach dahin aus.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Relationen
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