Rede von Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 4: Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,.
Text
Rede von Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Emmerich, Lukas Benner, Dr. Irene Mihalic,
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Angesichts dessen, was weltweit los ist,
angesichts dessen, wie die sogenannte regelgebundene
Ordnung unter Druck steht durch Mächte, die glauben, das
Recht durch das Recht des Stärkeren zu ersetzen – man
denke an China; der immer weiter fortlaufende Angriff
Russlands auf die Ukraine ist schon erwähnt worden;
man denke aber auch die Unzuverlässigkeit der USA,
die willkürlichen Zollabkommen, die Trump mal in Kraft
setzt, mal außer Kraft setzt –, angesichts all dessen ist es
dringend notwendig, dass Europa, die Europäische Union
und ein Land wie Deutschland mit dafür sorgen, dass wir
deutlich mehr gute Handelsabkommen bekommen und
deutlich mehr regelgebundene Ordnung haben. Und
dazu trägt Mercosur seinen Teil bei.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
bei der CDU/CSU und der SPD)
Eines ist in dem Zusammenhang allerdings auch ganz
wichtig zu erwähnen. Ich kann mich noch an hier
geführte Debatten erinnern: Die ganzen Menschenrechte,
das Klima und all diese Dinge, braucht es das wirklich
in so einem Handelsabkommen? – Ja, das braucht es
dringend.
Das erhöht die Akzeptanz und ist notwendig. Wir sollten
eines nicht vergessen als Europäische Union: Wir haben
ein Interesse daran, dass Menschenrechte nicht nur
abstrakt gefordert, sondern auch konkret umgesetzt werden.
Die Indigenen im Amazonastiefland haben auch ein
Recht darauf, dass ihre Menschenrechte beachtet werden.
Deshalb war es von großer Bedeutung und ist ein Teil des
Erfolgs, dass man gesagt hat: Das ist nicht einfach nur ein
Handelsabkommen. – Man hat weitere Komponenten
hineinverhandelt. Das hat es erst ermöglicht, dass dieses
Abkommen ein Erfolg werden konnte, in Europa und
für uns alle.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Wir müssen uns insgesamt bei Handelsabkommen
weltweit darum bemühen – wir haben vorhin schon
darüber gesprochen, und es ist erwähnt worden –, dass wir
diese nicht nur aus der Perspektive Deutschlands
betrachten. Wir sind ein Land, das insbesondere industriell
getrieben ist. Aber andere Länder haben zum Teil einen
anderen Blick auf die Dinge. Ich habe die
Erwartungshaltung an die Bundesregierung, dass sie sich verstärkt
darum bemüht – hier und auch in anderen Fragen –, dass
wir insgesamt eine europäische Perspektive einnehmen.
Wir sind inzwischen zwar mit Abstand das
ökonomisch stärkste Land innerhalb der Europäischen
Union, aber gerade dann ist es in unserem ureigensten
Interesse – denn allein sind wir bei Weitem zu schwach, um in
dieser gefährlich gewordenen Welt etwas zu erreichen –,
dafür zu sorgen, dass die anderen europäischen Länder
mitgenommen werden, dass die Interessen der anderen
europäischen Länder ernst genommen werden und wir,
als das mit Abstand stärkste europäische Land, im besten
Sinne europäisch handeln. Denn am Ende sind
europäische Interessen mittelfristig und langfristig nahezu immer
auch deutsche Interessen. Deshalb habe ich eine klare
Erwartungshaltung an die Bundesregierung, dass das in
der Europapolitik insgesamt stärker ins Auge gefasst
wird.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Thomas Rachel [CDU/CSU]: Wäre schön
gewesen, wenn die Grünen im Europaparlament
auch dafür gestimmt hätten! – Dr. Inge Gräßle
[CDU/CSU]: Sie haben das Abkommen
entscheidend verzögert!)
Es war ja schon von Abstimmungsverhalten die Rede.
Man muss dazu sagen, dass wir eines bedenken müssen:
In Frankreich haben alle Abgeordneten aller Parteien
dieses Abkommen abgelehnt und sie haben im
Europarlament dagegengestimmt. Deshalb, wie gesagt, noch
mal der Appell an uns alle: Sorgen wir als Deutschland
dafür, dass bei der Ausgestaltung wichtiger
Freihandelsabkommen die Interessen unserer europäischen Partner
ausreichend berücksichtigt werden, sodass wir zügig zu
weiteren regelgebundenen Handelsabkommen kommen,
die am Ende die regelgebundene Ordnung weltweit
stärken.
Relationen
- part_of → Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Organisierte Kriminalität systematisch zerschlagen
- spoke_in ← Anton Hofreiter (Rede)