Rede von Nadine Heselhaus (SPD) – Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,
Teil von Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 8a bis 8g: Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,.
Das Protokoll 21/99 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 13.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.
Text
Rede von Nadine Heselhaus (SPD) – Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Stellen
Sie sich eine junge Familie vor, die jeden Monat ein
wenig zurücklegt. Irgendwann reicht es dann vielleicht
auch für die eigenen vier Wände, dafür, sich aus eigener
Kraft etwas aufzubauen.
(Jörn König [AfD]: Bei Ihrer Politik auf gar
keinen Fall! – Zuruf des Abg. Reinhard Mixl
[AfD])
Beim Kauf von Eigentum zahlt diese Familie je nach
Bundesland eine Grunderwerbsteuer von 3,5 bis – wie
in meinem Bundesland Nordrhein-Westfalen – 6,5
Prozent. Um das an einem Beispiel klarzumachen: Bei einem
Kaufpreis von 400 000 Euro sind das in Nordrhein-
Westfalen 26 000 Euro zusätzlich.
Und jetzt stellen Sie sich auf der anderen Seite einen
großen Investor vor. Er erwirbt nicht nur eine Wohnung,
sondern gleich Hunderte. Dabei kauft er nicht die
Immobilie selbst, sondern Anteile der Gesellschaft, der diese
Immobilien gehören.
(Jörn König [AfD]: Da gibt’s eine Lösung: Die
Grunderwerbsteuer abschaffen!)
Mit einer entsprechend gestalteten Share-Deal-
Konstruktion kann die Grunderwerbsteuer vermieden werden. Die
Familie kauft also eine Wohnung und zahlt. Der Investor
übernimmt Hunderte Wohnungen und zahlt nicht. Das ist
legal. Aber finden Sie das gerecht? Wir nicht.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Stefan
Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir
auch nicht! – Zuruf des Abg. Reinhard Mixl
[AfD])
Auch deshalb müssen wir über Steuergerechtigkeit reden.
Einfach wie es die AfD vorschlägt, sämtliche Steuern
abzuschaffen – das haben wir schon in diversen Debatten
hier gehört –, ist nun nicht zielführend.
(Jörn König [AfD]: Das ist wieder eine
Unterstellung! Das ist wieder eine reine
Unterstellung, Frau Heselhaus! Das ist eine
Unterstellung! – Gegenruf der Abg. Frauke
Heiligenstadt [SPD]: Das fordern Sie ständig!)
– Das ist keine Unterstellung; denn wir hatten ja schon
alle möglichen Vorschläge von Ihnen.
(Jörn König [AfD]: Das ist Unsinn, was Sie da
erzählen! – Zuruf des Abg. Marcel
Queckemeyer [AfD] – Gegenruf des Abg.
Dr. Ralf Stegner [SPD])
– Das kann ja jeder nachlesen.
Miete und Kreditrate sind für viele Menschen der
größte monatliche Ausgabenposten. Deshalb haben wir
bezahlbares Wohnen im Koalitionsvertrag nach vorne
gestellt, und deshalb haben wir gehandelt. Wir haben
die Mietpreisbremse und den Schutz vor der
Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen verlängert.
Wir beschleunigen Baugenehmigungen und stärken den
sozialen und kommunalen Wohnungsbau. Und wir gehen
weiter: Wir arbeiten an besseren Regeln für möblierte
Wohnungen, Kurzzeitvermietungen und Staffelmieten.
Denn bezahlbares Wohnen bedeutet auch mehr Geld im
Portemonnaie und die Möglichkeit, selbst Rücklagen zu
bilden. Außerdem werden wir mit der
Einkommensteuerreform gerade Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen
und Familien entlasten.
Gleichzeitig müssen wir uns bestehende Privilegien
anschauen. Beim Thema „Share Deals“ hätten wir als
SPD gerne mehr erreicht. Eine weiter gehende Reform
war leider nicht vereinbar. Aber wir haben durchgesetzt:
Share Deals sollen künftig kommunale Vorkaufsrechte
nicht länger einfach aushebeln können. Das ist wichtig,
damit Städte und Gemeinden ihre Wohnungspolitik
überhaupt wirksam gestalten können.
Auch Steuerbetrug und aggressive Gestaltungen
nehmen wir mit dem Aktionsplan gegen Steuer- und
Finanzkriminalität in den Blick. Denn Steuergerechtigkeit
bedeutet beides: Menschen mit kleinen und mittleren
Einkommen entlasten, und dafür sorgen, dass sich
niemand seiner Verantwortung entzieht. Viele Fragen,
die die Grünen heute aufwerfen, sind deshalb berechtigt,
und bei einigen teilen wir ausdrücklich die Zielrichtung.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN – Katharina Beck
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Einer redet
hier vernünftig!)
Aber in einer Koalition müssen Lösungen gemeinsam
vereinbart und tragfähig umgesetzt werden. Deshalb
werden wir den vorliegenden Anträgen nicht zustimmen.
Unser Maßstab als SPD bleibt jedoch derselbe: Es
kann nicht richtig sein, dass die Familie, die eine einzige
Wohnung kauft, selbstverständlich Grunderwerbsteuer
zahlt, während ein großer Investor beim Erwerb
Hunderter Wohnungen die Möglichkeit hat, genau diese Steuer
zu vermeiden. Wir wollen, dass Menschen durch ihre
Arbeit nicht nur ihre Rechnungen zahlen, sondern sich
auch etwas aufbauen können. Arbeit entlasten,
Vermögensaufbau ermöglichen, Schlupflöcher schließen,
das ist unser Verständnis von Steuergerechtigkeit, und
daran arbeiten wir weiter.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Relationen
- part_of → Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - 300-Wohneinheiten-Regelung in der Erbschaftsteuer abschaffen
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - Share Deals reformieren, steuerliche Privilegierung von Immobilienkonzernen abschaffen
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - Verschonungsbedarfsprüfung ab 26 Millionen Euro in der Erbschaft- und Schenkungsteuer abscha
- part_of_vorgang → Gesetz zu der Zusatzvereinbarung vom 8. Juni 2023 zur Mehrseitigen Vereinbarung vom 29. Oktober 2014 zwischen den zuständigen Behörden über
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Immobilienveräußerungen
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Kryptowerten
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- part_of_vorgang → Kleine und mittlere Einkommen tatsächlich entlasten und Rücklagen- und Vermögensaufbau stärken
- part_of_vorgang → Kryptowerte streng regulieren und gerecht besteuern
- part_of_vorgang → Organisierte Steuerhinterziehung wie Cum-Cum, Cum-Ex und Umsatzsteuerkarusselle auf Bundesebene stärker bekämpfen
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