Rede von Isabelle Vandre (DIE LINKE) – Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,
Teil von Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 8a bis 8g: Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,.
Das Protokoll 21/99 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 13.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.
Text
Rede von Isabelle Vandre (DIE LINKE) – Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks,
Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Werte
Zuschauende! Die Steuergerechtigkeitslücken, über die
wir heute sprechen, sind durch nichts zu rechtfertigen
und müssen endlich weg.
(Beifall bei der Linken sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Jeder Euro, der dem Staat durch Steuerschlupflöcher oder
ungerechtfertigte Bevorteilung besonders Vermögender
entgeht, fehlt in unseren Kommunen, um Schulen zu
sanieren, Schwimmbäder und Jugendklubs offen zu
halten oder eine flächendeckende wohnortnahe
Gesundheitsversorgung abzusichern.
Mindestens genauso schwer wiegt allerdings, dass
diese Steuergerechtigkeitslücken die gesellschaftliche
Ungleichheit verschärfen und massive Folgen für die
demokratische Verfasstheit des Staates haben. Bereits im
Oktober 2025 kam die Universität Konstanz in ihrem
„Ungleichheitsbarometer“ zu dem Schluss, dass das
Vertrauen der deutschen Bevölkerung in den Sozialstaat
nachhaltig erschüttert sei. Zudem betonen die
Verfasserinnen und Verfasser der Studie – ich zitiere –: „Eine
Vertrauenskrise des Sozialstaates kann langfristig das
Vertrauen in die Demokratie unterminieren.“ Zitat Ende.
Und all das stellten Sie fest, bevor Sie von CDU/CSU
und SPD in diesem Jahr begonnen haben, die Axt an den
Sozialstaat zu legen und ihn in seinen Grundfesten zu
erschüttern, bevor Sie eine Krankenkassenreform durch
den Bundestag brachten, die Mehrkosten für die
Versicherten bedeutet, gleichzeitig Lücken in die
Gesundheitsversorgung reißt und dann auch noch die
Beschäftigten nicht ent-, sondern sogar mehr belastet, bevor Sie
anfingen, das Vertrauen darauf, dass die gesetzliche
Rente ein würdevolles Leben im Alter absichert, zerstört
haben.
Wenn wir also heute über die Anträge der Grünen
beraten, müssen wir eines festhalten: Diese Anträge
sind das bare Minimum in der Beseitigung der größten,
durch nichts zu rechtfertigenden Ungerechtigkeiten in
diesem Land, in dem Sie die Reichsten immer weiter
entlasten und alle anderen mit ihren Ängsten und Sorgen
alleine lassen.
Versuchen Sie doch ein einziges Mal einer Familie, die
gerade dabei ist, ein Haus zu kaufen, zu erklären, dass sie
eine Grunderwerbsteuer zu entrichten hat, während
Vonovia das Land Berlin um 1 Milliarde Euro geprellt hat
durch Share Deals, die es ermöglicht haben, genau diese
Grunderwerbsteuer zu umgehen. Das ist doch absurd.
(Beifall bei der Linken sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Oder erklären Sie den Mietern und Mieterinnen in
Ihrem Wahlkreis, dass jemand, der ein Haus kauft, es
am besten leer stehen lässt und nach mehr als zehn Jahren
zu einem höheren Preis weiterverkauft, keinen Cent
Steuer auf die Gewinne zahlt. Mit genau solchen
Absurditäten muss doch endlich – verdammt noch einmal –
Schluss sein.
Ja, wir sind dabei, wenn es darum geht, Share Deals zu
verbieten. Aber ich sage Ihnen auch: Wir müssen
mindestens genauso dringend Wohnungskonzerne daran
hindern, noch mehr Bestände zu schlucken, und anfangen, zu
vergesellschaften, liebe Grüne.
(Beifall bei der Linken – Lachen bei
Abgeordneten der AfD)
Ja, wir sind auch dabei, wenn es darum geht, die
Grenze von 300 Wohneinheiten zu streichen.
(Kay Gottschalk [AfD]: Jetzt ist die Katze aus
dem Sack!)
Aber wir wollen natürlich Erbschaften und Vermögen
insgesamt stärker besteuern.
Wir sind dabei, wenn es darum geht, Organisierte
Finanzkriminalität
(Kay Gottschalk [AfD]: Da kommt die
Mauer! – Jörn König [AfD]: AGW und KWV, so
wie früher!])
wie bei Cum-Cum und Cum-Ex stärker zu verfolgen und
fordern die Umsetzung der Empfehlungen der Cum-
Cum-Ermittelnden.
Und ja, auch wir fordern seit Langem: Die Haltefrist
bei Kryptowerten muss endlich fallen.
(Beifall bei der Linken sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Aber wir schlagen dazu ehrlicherweise einen anderen
Weg als die Kolleginnen und Kollegen der Grünen vor.
Statt Kryptowerte in § 23 Einkommensteuergesetz zu
belassen und sie damit wie Einkommen zu besteuern,
wollen wir zunächst die Überführung in § 20. Das bietet
den Vorteil, dass die Abzugsbesteuerung gleich auf dem
Kapitalmarkt durch eine automatische Steuerabführung
seitens der Kryptobörsen erfolgt. Außerdem fordern wir
eine Koppelung an die Wegzugsbesteuerung, um
Steuerflucht ins steuerbegünstigte Ausland zu unterbinden. Wir
fordern eine europäische Aufsicht mit echten
Durchgriffsrechten und ein Handelsverbot für ökologisch
schädliche Coins sowie hoch volatile Zocker-Assets
ohne volkswirtschaftlichen Nutzen.
Kolleginnen und Kollegen, was sich hier sehr
kleinteilig anhört, ist ein hochbrisantes Thema. Erstens ist es eine
Frage der Steuergerechtigkeit, wenn nur 3 Prozent der
Kryptonutzenden ihre Gewinne korrekt in der
Steuererklärung angeben, und es vor allem Wohlhabende sind, die
dank der Haltefrist ihr Vermögen weiter vergrößern
können.
Zweitens wissen wir, dass der Kryptomarkt nicht nur
für Geldwäsche anfällig ist, sondern aktiv genutzt wird,
um Sanktionen zu umgehen, vor allem durch Putins
Oligarchen.
Relationen
- part_of → Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - 300-Wohneinheiten-Regelung in der Erbschaftsteuer abschaffen
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - Share Deals reformieren, steuerliche Privilegierung von Immobilienkonzernen abschaffen
- part_of_vorgang → Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen - Verschonungsbedarfsprüfung ab 26 Millionen Euro in der Erbschaft- und Schenkungsteuer abscha
- part_of_vorgang → Gesetz zu der Zusatzvereinbarung vom 8. Juni 2023 zur Mehrseitigen Vereinbarung vom 29. Oktober 2014 zwischen den zuständigen Behörden über
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Immobilienveräußerungen
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Kryptowerten
- part_of_vorgang → Gesetz zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke in der Immobilienbesteuerung
- part_of_vorgang → Kleine und mittlere Einkommen tatsächlich entlasten und Rücklagen- und Vermögensaufbau stärken
- part_of_vorgang → Kryptowerte streng regulieren und gerecht besteuern
- part_of_vorgang → Organisierte Steuerhinterziehung wie Cum-Cum, Cum-Ex und Umsatzsteuerkarusselle auf Bundesebene stärker bekämpfen
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