Durch Erleichterung der Kohleverstromung den Erdgasbedarf im Stromsektor reduzieren und die Gasversorgung für industrielle Prozesse und Basisprodukte sicherstellen
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Durch Erleichterung der Kohleverstromung den Erdgasbedarf im Stromsektor reduzieren und die Gasversorgung für industrielle Prozesse und Basisprodukte sicherstellen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8552
21. Wahlperiode 13.10.2026
Antrag
der Abgeordneten Adam Balten, Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, Marc Bernhard,
Enrico Komning, Raimond Scheirich, Bernd Schattner, Uwe Schulz, Mathias
Weiser, Adam Balten, Dr. Rainer Kraft, Andreas Mayer, Christian Reck, Ruben
Rupp, Georg Schroeter, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos, Dr. Ingo Hahn, Karsten
Hilse, Thomas Korell, Dr. Rainer Kraft, Manuel Krauthausen, Marcel Queckemeyer,
Dr. Paul Schmidt und der Fraktion der AfD
Durch Erleichterung der Kohleverstromung den Erdgasbedarf im Stromsektor
reduzieren und die Gasversorgung für industrielle Prozesse und Basisprodukte
sicherstellen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die derzeitige und sich absehbar in der Zukunft fortsetzende Energiekrise stellt
die Bundesrepublik Deutschland, die Europäische Union sowie viele weitere
Länder weltweit vor erhebliche wirtschaftliche und soziale Herausforderungen.
Insbesondere die stark gestiegenen Energiepreise sowie Unsicherheiten in der
Energieversorgung gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, die
Versorgungssicherheit und die Stabilität zentraler Wertschöpfungsketten. So hat bereits
Deutschlands größter Ammoniakhersteller die Produktion von Ammoniak
Anfang 2025 deutlich gedrosselt1.
Nach derzeitigem Kenntnisstand sind durch Zerstörungen von Raffinerien und
Gasanlagen in den Anrainerstaaten des Persischen Golfs die Verarbeitungs- und
Verflüssigungskapazitäten signifikant und auf mehrere Jahre hinweg
beeinträchtigt, wodurch die Verfügbarkeit von Erdgas global verknappt sein wird2 und
nachhaltig zu negativen Konsequenzen der heimischen Industrie führen wird3.
Deutschlands Erdgasversorgung über Pipelines ist seit dem Ausbruch des Krieges
in der Ukraine darüber hinaus bereits stark beeinträchtigt und von amerikanischen
LNG-Transporten abhängig. Die Füllstände der Gasspeicher sind auf einem für
diese Jahreszeit historischen Tiefstand. (28,5% am 18.05.2026
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Gasspeicher-in-Deutschland-So-steht-es-
um-die-Fuellstaende,gasspeicher120.html) Um die Füllung der Speicher zu
erleichtern, sollte die Verstromung von Erdgas möglichst vermieden werden.
1 https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/energie-deutschlands-groesster-ammoniakherstel-
ler-drosselt-produktion-01/100100352.html
2 https://jpt.spe.org/25-billion-in-middle-east-war-damage-to-disrupt-energy-supply-chains-for-years
3 https://www.n-tv.de/wirtschaft/Gaspreis-Explosion-bedroht-deutsche-Industrieproduktion-
id30493063.html
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, kurzfristig wirksame Maßnahmen zu
ergreifen, um Energie kostengünstig und verlässlich verfügbar zu halten sowie
zentrale industrielle Prozesse aufrechtzuerhalten, sowie Vorkehrungen für die
nächste Heizperiode zu treffen.
Erdgas ist ein essenzieller Rohstoff für die Industrie und bildet die zentrale
Grundlage für die Herstellung wichtiger chemischer Vorprodukte. Insbesondere die
Produktion von Grundchemikalien wie Ammoniak, Synthesegas, Acetylen, Methanol
und Wasserstoff ist auf eine stabile Gasversorgung angewiesen. Diese Stoffe
bilden die Basis zahlreicher industrieller Wertschöpfungsketten und sind
unverzichtbar für die Herstellung von Kunststoffen und Polymeren, Düngemitteln,
Pharmazeutika, Klebstoffen, Lacken sowie synthetischen Fasern.
Erdgas ist in Deutschland der wichtigste Energieträger zum Heizen in privaten
Haushalten. Dies muss auch in Zukunft gewährleitet werden.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. den EU-Emissionshandel (EU ETS) sowie nationale CO₂-
Bepreisungsmechanismen auf nationaler Ebene abzuschaffen, um die Energiepreise
zu senken und die industrielle Verwendung von CO2-intensiven
Brennstoffen wieder wirtschaftlich zu machen;
2. durch Aktivierung der Versorgungsreserve sowie Anpassung von
Stilllegungsfristen im Rahmen des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes
(KVBG) Kohlekraftwerke für den Strommarkt nutzbar zu machen und
hierzu Genehmigungs- und Betriebsauflagen temporär zu flexibilisieren;
3. den laufenden Kohleausstieg rückgängig zu machen, den Kohletagebau
in Deutschland nicht stillzulegen und die geplanten Abschaltungen und
den Rückbau der Kohlekraftwerke sofort zurückzunehmen;
4. die Düngemittelproduktion in Deutschland zu unterstützen und
Maßnahmen zu ergreifen, um die inländische Produktion von Düngemitteln,
insbesondere stickstoffbasierter Dünger, aufrechtzuerhalten, z.B. durch den
Einsatz auf EU-Ebene zur Aussetzung von Importzöllen und Streichung
des Grenzausgleichs (CBAM) für Vorprodukte (Ammoniak, Harnstoff);
energieintensive Produktionsanlagen durch Aufhebung von
Energieeinsparungs- und Klimaschutzauflagen zu stabilisieren, strategische
Produktionskapazitäten als systemrelevant einzustufen und entsprechend zu
schützen, um die Versorgung der Landwirtschaft mit bezahlbaren
Düngemitteln sicherzustellen;
5. die Gasvorräte als essenziellen Rohstoff für die Industrie vorübergehend
zu schonen, Maßnahmen zu ergreifen, um die industrielle
Rohstoffversorgung zu sichern, Produktionsausfälle zu vermeiden und strategisch
bedeutsame chemische Produktionskapazitäten als systemrelevant
einzustufen und zu schützen.
Berlin, den 13. Oktober 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Begründung
Die aktuelle Energiekrise durch die Beeinträchtigung der internationalen Schifffahrtswege und Zerstörung an
Förderanlagen der Golfregion zeigt eindringlich, dass die Versorgungssicherheit eine grundlegende
Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Wohlstand ist.
Mechanismen wie der CO₂-Emissionshandel führen zu zusätzlichen Preissteigerungen, die sowohl Verbraucher
als auch Unternehmen übermäßig belasten. Darüber hinaus fördern sie die Verwendung weniger karbonintensiver
Kohlenwasserstoffe wie Erdgas statt Kohle. Die Verfügbarkeit von Erdgas wiederum ist aufgrund der
Beschädigung von Gaspiplines und der Gasverflüssigungskapazitäten global erheblich knapper und teurer geworden, im
Gegensatz beispielsweise zur in großen Mengen auf dem Weltmarkt und in Deutschland verfügbaren Kohle.
Die temporäre Priorisierung konventioneller Energieträger wie Stein- und Braunkohle stellt sicher, dass
Grundlastkapazitäten verfügbar bleiben. Gleichzeitig wird hierdurch Erdgas eingespart, das nicht nur Energieträger,
sondern auch ein unverzichtbarer Rohstoff für zahlreiche industrielle Prozesse ist, die nicht kurzfristig
elektrifiziert oder substituiert werden können.
Besonders kritisch ist die Versorgung mit Düngemitteln, da diese unmittelbar mit der landwirtschaftlichen
Produktion und damit der Ernährungssicherheit verbunden sind. Eine Reduktion der Düngemittelproduktion hätte
direkte Auswirkungen auf Erträge und Preise von Lebensmitteln, in Deutschland, wie auch global. Durch die
Beeinträchtigung der Düngemittelproduktion in der Golfregion unmittelbar, wie auch Drittstaaten wie Indien oder
Bangladesch mittelbar durch das Ausbleiben der Gaslieferungen aus den Golfstaaten droht eine globalen
Düngemittelknappheit. Deutschland hat historisch bedeutende chemische Kapazitäten zur Herstellung von
Düngemitteln, sofern die Versorgung von Erdgas sichergestellt ist und dieses nicht anderweitig, wie zum Beispiel durch
Verstromung verbraucht wird und kann somit einen entscheidenden Beitrag zur Sicherstellung der deutschen
Lebensmittelversorgung liefern.
Zu II 1.
Kohle setzt bei der Verbrennung je produzierter Einheit Energie deutlich mehr CO2 frei als Erdgas.4 Die
Beendigung der CO2-Bepreisung im Rahmen des Emissionsrechtehandels würde daher Strom aus Kohlekraftwerken
relativ zu Strom aus Gaskraftwerken verbilligen. Dies würde aufgrund des Merit-Order Prinzips im Strommarkt zu
einer verstärkten Nutzung von Kohle und zur Reduktion der Nutzung von Erdgas führen.
Zu II 2 und 3.
Die Einbindung zusätzlicher Kohlekraftwerke in den Strommarkt würde zu einem erhöhten Angebot an
Kohlestrom führen. Dies würde die Nachfrage nach Strom aus Gaskraftwerken reduzieren und somit den Verbrauch
an Erdgas für die Stromerzeugung deutlich reduzieren, insbesondere in Kombination mit den in II 1. genannten
Maßnahmen.
Zu II 4.
Düngemittel sind die Basis der Ernährungssicherheit. Die Produktion von stickstoffbasierten Düngemitteln ist
sehr strom- und erdgasintensiv; hohe Produktionskosten und Abgaben haben bereits zu Werksschließungen
geführt. Durch die Aussetzung von Importzöllen auf Vorprodukte (Ammoniak) und die Entlastung von Kosten des
CBAM („Klimazoll“) wird die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und die Produktion von Düngemitteln in
Deutschland gesichert.
Zu II 5.
4 Sachstand CO2 – Bilanzen Einzelfragen zu Energieträgern, insbesondere Flüssiggas, Dt. Bundestag 2018
https://www.bundestag.de/resource/blob/550728/61522d07688eb301e4edf6b8d2e68f41/wd-8-
003-18-pdf-data.pdf
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Die chemische Industrie in Deutschland ist auf Erdgas nicht nur als Energieträger, sondern als unverzichtbaren
Grundstoff angewiesen. Während Erdgas im Stromsektor durch verstärkte Kohleverstromung kurzfristig
substituiert werden kann, gibt es für viele industrielle Prozesse und stoffliche Anwendungen (z. B. Ammoniak- oder
Düngemittelproduktion) keine technischen Alternativen. Eine Verknappung des Rohstoffs Gas führt unmittelbar
zu Produktionsstopps, gefährdet die Versorgungssicherheit nachgelagerter Branchen und provoziert die
Abwanderung strategisch wichtiger Industrien. Um irreversible Strukturbrüche und die Abhängigkeit von Importen in
kritischen Sektoren zu verhindern, muss die stoffliche Nutzung von Gas weiter ermöglicht werden. Die Einstufung
chemischer Produktionskapazitäten als systemrelevant ist daher eine notwendige Schutzmaßnahme für den Erhalt
des gesamten Wirtschaftsstandorts.
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