Konsequenzen der Blockade der Straße von Hormus für Düngertransporte nach Deutschland - Auswirkungen auf Landwirtschaft und Ernährungssicherheit reduzieren
Text
Konsequenzen der Blockade der Straße von Hormus für Düngertransporte nach Deutschland - Auswirkungen auf Landwirtschaft und Ernährungssicherheit reduzieren
Antrag
der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Christian Reck, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan
Schröder, Adam Balten, Dr. Christoph Birghan, Joachim Bloch, René
Bochmann, Erhard Brucker, Thomas Dietz, Alexis L. Giersch, Dr. Ingo Hahn,
Udo Theodor Hemmelgarn, Dr. Malte Kaufmann, Dr. Michael Kaufmann,
Martina Kempf, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch, Achim
Köhler, Edgar Naujok, Tobias Matthias Peterka, Dr. Rainer Rothfuß, Dr. Paul
Schmidt, Martina Uhr und der Fraktion der AfD
Konsequenzen der Blockade der Straße von Hormus für Düngertransporte
nach Deutschland – Auswirkungen auf Landwirtschaft und
Ernährungssicherheit reduzieren
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Am 17. Mai 2023 legte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer
Begrüßungsrede zur Eröffnung der „Beyond Growth Konferenz“ mit folgenden
Worten die strategische Ausrichtung ihrer Wirtschaftspolitik offen:
„…Wirtschaftswachstum und Bevölkerungswachstum müssen gestoppt werden –
sonst wird unser Planet es nicht verkraften… Anstatt diese Debatten weiterzuführen,
möchte ich mich heute auf einen Punkt konzentrieren…: Die klare Botschaft lautet,
dass ein auf fossilen Brennstoffen basierendes Wachstumsmodell schlichtweg überholt
ist... Der jüngste IPCC-Bericht ist nur die jüngste Mahnung, dass wir unsere
Wirtschaften so schnell wie möglich dekarbonisieren müssen… Und genau deshalb haben
wir unseren Europäischen Green Deal vorgelegt… Der Europäische Green Deal …
unser Plan … der erste klimaneutrale Kontinent zu werden.“1
Es ist damit das eingestandene Ziel der EU-Kommission das Wirtschaftswachstum zu
stoppen. Als Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, gibt die EU-Kommission an, die EU-
Staaten und deren Bürger von fossilen Rohstoffen abzuschneiden.
Dies betrifft auch die Herstellung von stickstoffbasiertem Dünger für die
Landwirtschaft, da dieser aus Ammoniak gewonnen wird. Mit einem Anteil von 1 bis 3 Prozent
am weltweiten Energiebedarf ist die Ammoniaksynthese einer der größten
industriellen Energieverbraucher. Rund 80 Prozent des hergestellten NH3 werden als
Düngemittel eingesetzt. Ohne NH3 wäre es nicht möglich, die stetig wachsende Bevölkerung
mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Parallel zur Düngemittelindustrie spielt NH3
1 www.clubofrome.org/blog-post/von-der-leyen-beyond-growth/
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4946
21. Wahlperiode 24.03.2026
auch als Grundstoff für zahlreiche Feinchemikalien und als Zwischenstoff zur Energie-
und Wasserstoffspeicherung eine wichtige Rolle.2
Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen stellt sich die Frage, ob die EU-Kommission
die Sperrung der Straße von Hormus dazu nutzt, ihr eigentliches Ziel voranzutreiben,
den Kontinent Europa und seine Staaten zum „ersten klimaneutralen Kontinent“
umzubauen, indem die Sperrung dieser Wasserstraße dazu genutzt wird, die von der EU-
Kommission politisch gewollte Verdrängung von energieintensiven Düngern für die
Landwirtschaft zu beschleunigen:
Die Straße von Hormus gehört zu den strategisch wichtigsten maritimen
Handelsrouten der Welt. Über diese Meerenge wird ein erheblicher Teil des weltweiten Handels
mit Energie- und chemischen Rohstoffen abgewickelt, darunter auch Vorprodukte für
die Herstellung von Düngemitteln. Eine Einschränkung des Schiffsverkehrs kann
daher erhebliche Auswirkungen auf globale Lieferketten und Rohstoffmärkte haben
(www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/irankrieg-droht-
deutschen-landwirten-ein-duenger-desaster/100206234.html).
Neben möglichen Störungen internationaler Transportwege stellt jedoch auch die
zunehmende strukturelle Importabhängigkeit der Staaten Europas bei zentralen
landwirtschaftlichen Betriebsmitteln ein wachsendes Risiko dar. In den vergangenen Jahren ist
die Produktionskapazität für Stickstoffdünger in Deutschland und den EU-Staaten
teilweise zurückgegangen. Ursachen hierfür sind unter anderem hohe Energiepreise,
steigende regulatorische Belastungen sowie wirtschaftliche Unsicherheiten für
energieintensive Industrien (www.agrarheute.com/markt/duengemittel/duengerindustrie-
faehrt-voll-gegen-wand-kostenexplosion-kaeuferstreik-629352). Die Herstellung von
Stickstoffdüngern basiert auf Ammoniak, dessen Produktion große Mengen Erdgas
benötigt. Wettbewerbsfähige Energiepreise sind daher eine zentrale Voraussetzung für
eine stabile und wirtschaftliche Produktion von Düngemitteln in den EU-Staaten.
Anhaltend hohe Energiepreise können dazu führen, dass Produktionskapazitäten
stillgelegt oder in andere Weltregionen verlagert werden.
Eine zunehmende Abhängigkeit von Importen aus wenigen Regionen erhöht die
Verwundbarkeit gegenüber geopolitischen Krisen, Handelskonflikten und Störungen
internationaler Transportwege. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Sicherung der
Versorgung mit zentralen landwirtschaftlichen Produktionsmitteln zunehmend an
strategischer Bedeutung. Düngemittel sind ein zentraler Produktionsfaktor der modernen
Landwirtschaft. Einschränkungen der Versorgung oder starke Preissteigerungen
können zu sinkenden Erträgen, steigenden Produktionskosten und höheren
Lebensmittelpreisen führen. Damit berühren Entwicklungen auf den Märkten für
landwirtschaftliche Betriebsmittel nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft, sondern
auch Fragen der Ernährungssicherheit und wirtschaftlichen Stabilität. Deshalb ist es
erforderlich, die Versorgung mit landwirtschaftlichen Produktionsmitteln langfristig
zu sichern, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferregionen zu reduzieren und die
Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige Produktion in Deutschland und den EU-
Staaten zu verbessern.
Hinzu kommt, dass die Regierung Chinas – Berichten zufolge – als größter Exporteur
von Düngemitteln inzwischen den Export von Stickstoff-Kalium-
Düngemittelmischungen eingestellt habe: In den ersten drei Monaten des Jahres 2022 exportierte
China 950.000 Tonnen Harnstoff. Bis März 2025 brach diese Zahl auf 13.000 Tonnen
ein – ein Rückgang von über 98 Prozent. Allein im Jahr 2025 sanken die
Phosphatexporte um 18 Prozent, was einem Verlust von über 1 Million Tonnen entspricht.3
2 www.bundestag.de/resource/blob/567976/bb4895f14291074b0a342d4c714b47f8/wd-8-088-18-pdf-
data.pdf
3 https://ddgeopolitics.substack.com/p/the-famine-signal-chinas-fertilizer?r=2k2821&utm_cam-
paign=post&utm_medium=web&triedRedirect=true
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. eine umfassende Risikoanalyse über die Auswirkungen geopolitischer Konflikte,
möglicher Blockaden internationaler Handelsrouten sowie steigender
Energiepreise auf die Versorgung Deutschlands mit Düngemitteln vorzulegen;
2. in den EU-Instanzen darauf hinzuwirken, die Produktion von Düngemitteln aus
der CO2-Bilanzierung herauszunehmen;
3. auf EU-Ebene zu prüfen, inwiefern bestehende Handelsbeschränkungen oder
Sanktionsregelungen die Versorgung der europäischen Landwirtschaft mit
Düngemitteln beeinträchtigen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen;
4. Maßnahmen zu entwickeln, um die Importabhängigkeit bei Stickstoffdüngern
und deren Vorprodukten zu reduzieren und die Produktionskapazitäten für
Ammoniak und Stickstoffdünger in Deutschland zu stärken und Handelshemmnisse
für Stickstoffdünger und deren Vorprodukte abzubauen;
5. die Rahmenbedingungen für energieintensive Industrien so zu verbessern, dass
eine wettbewerbsfähige Produktion von Düngemitteln in Deutschland langfristig
erhalten bleibt;
6. Programme zur Förderung energieeffizienter und technologisch innovativer
Verfahren in der Düngerproduktion technologieoffen auszubauen;
7. die Diversifizierung internationaler Lieferketten für landwirtschaftliche
Betriebsmittel voranzutreiben und Kooperationen mit verlässlichen Handelspartnern zu
stärken;
8. Maßnahmen zu erarbeiten, um landwirtschaftliche Betriebe bei
außergewöhnlichen und kurzfristigen Preissprüngen bei zentralen Betriebsmitteln zu entlasten;
9. Forschung und Innovation im Bereich effizienter Düngetechnologien,
Präzisionslandwirtschaft und Nährstoffrecycling auszubauen;
10. gemeinsam mit den EU-Partnern eine koordinierte Strategie zur Sicherung der
Versorgung mit landwirtschaftlichen Produktionsmitteln zu entwickeln;
11. Bericht darüber zu erstatten, in welchem Ausmaß aktuell die deutschen Landwirte
vom Exportstopp von Stickstoff-Kalium-Düngemittelmischungen durch die
Volksrepublik China betroffen sind und ob die Bundesregierung durch China
über diesen Schritt vorab informiert wurde und welche Gegenmaßnahmen die
Bundesregierung hierzu einleitet.
Berlin, den 24. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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