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Rede von Rasha Nasr (SPD) – Migrationsbilanz für Deutschland – Kosten und Nutzen der Zuwanderung erfassen

dip / rede 15.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 102. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 9: Migrationsbilanz für Deutschland – Kosten und Nutzen der Zuwanderung erfassen.

Das Protokoll 21/102 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 20.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.

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Text

Rede von Rasha Nasr (SPD) – Migrationsbilanz für Deutschland – Kosten und Nutzen der Zuwanderung erfassen Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister Schweitzer, ich hätte mir für Sie eine andere erste Fachdebatte gewünscht. Und ich will auch ehrlich zu Ihnen sein: Ich hätte diese Rede heute am liebsten überhaupt nicht gehalten, nicht weil ich keine Antwort auf diesen Antrag hätte, sondern weil ich es leid bin, immer wieder dieselben schrecklichen Debatten führen zu müssen. Immer wieder geht es um Menschen, die angeblich zu viel kosten, um Menschen, die angeblich nicht hierhergehören, um Menschen, deren Herkunft plötzlich wichtiger sein soll als alles andere, was sie ausmacht. Und während wir hier darüber diskutieren, sitzen draußen Menschen, die uns zuhören, Menschen, die Angst haben, die sich fragen, ob sie in diesem Land noch willkommen sind, ob sie und ihre Kinder hier eine Zukunft haben. Ich frage mich manchmal, ob uns eigentlich noch bewusst ist, was unsere Worte hier da draußen anrichten können. Und ja, ich sage es Ihnen heute ganz offen: Ich habe die Schnauze voll. Ich habe es satt. Ich habe es satt, dass wir hier immer wieder über Anträge sprechen müssen, in denen Menschen nach ihrer Herkunft sortiert und gegeneinander ausgespielt werden. Ich habe es satt, dass wir immer wieder erklären sollen, warum Menschen mehr sind als eine Zahl in einer Statistik. Und ich habe es satt, dass Menschen in diesem Land Angst haben, während andere hier am Rednerpult so tun, als würden sie mit solchen Debatten einfach sachliche Probleme lösen. Meine Damen und Herren von der AfD, Sie wollen heute die Kosten und Nutzen von Migration berechnen. Dann lassen Sie uns doch mal über Kosten sprechen. Die Bundesagentur für Arbeit hat festgestellt: Seit 2024 wurde das Beschäftigungswachstum in Deutschland ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen. Ich frage Sie: Was kostet es unsere Wirtschaft, wenn Menschen gar nicht erst zu uns kommen, wenn Stellen unbesetzt bleiben, Betriebe keine Fachkräfte finden und Menschen fehlen, die in unsere Sozialversicherungen einzahlen? Dazu steht in Ihrem Antrag nichts. Aber wissen Sie was? Selbst wenn es anders wäre, selbst wenn Ihre Rechnung irgendwie aufgehen würde, würde das nichts an einer grundlegenden Wahrheit ändern, nämlich dass der Wert eines Menschen sich nicht danach bemisst, wie viel er diesem Staat einbringt. Deshalb werde ich mich heute gar nicht länger mit Ihrem Antrag beschäftigen. Ich möchte lieber zu den Menschen sprechen, die uns gerade zuhören, zu denen, die sich fragen, ob sie noch dazugehören, die sich Sorgen um ihre Kinder machen, die müde sind, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen, obwohl Deutschland längst ihre Heimat ist: Ich weiß, dass viele von Ihnen Angst haben. Ich weiß, dass Worte allein diese Angst nicht nehmen. Aber ich möchte Ihnen sagen: Sie sind nicht allein. Auch hier im Deutschen Bundestag sitzen Menschen, die Ihre Sorgen hören, die Ihre Rechte verteidigen und die nicht bereit sind, Ihre Würde zur Verhandlungsmasse zu machen. Und allen, die gerade Angst haben, möchte ich sagen: Lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie nicht hierhergehören! Das ist auch Ihr Land; das ist auch Ihre Heimat. Und niemand hat das Recht, Ihnen das abzusprechen. Vielen Dank.

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