Rede von Daniela Rump (SPD) – Migrationsbilanz für Deutschland – Kosten und Nutzen der Zuwanderung erfassen
Teil von Protokoll der 102. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 9: Migrationsbilanz für Deutschland – Kosten und Nutzen der Zuwanderung erfassen.
Das Protokoll 21/102 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 20.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.
Text
Rede von Daniela Rump (SPD) – Migrationsbilanz für Deutschland – Kosten und Nutzen der Zuwanderung erfassen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist ein Einwanderungsland. Das ist keine abstrakte Feststellung, sondern Teil unseres Alltags und unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit. Menschen, die in den vergangenen Jahrzehnten zu uns gekommen sind, haben hier eine Heimat gefunden, haben hier Familien gegründet, Unternehmen aufgebaut und gearbeitet. Menschen mit Migrationshintergrund gehören zu uns.
Sie leben hier, gestalten unser Zusammenleben und tragen maßgeblich dazu bei, dass unser Land funktioniert.
Und natürlich müssen wir darüber sprechen, wie wir unsere Sozialsysteme langfristig finanzieren. Wir müssen darüber sprechen, wie wir mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bringen und wie Integration besser gelingen kann. Das sind die entscheidenden Fragen.
Die AfD verweist in ihrem Antrag auf den hohen Anteil ausländischer Staatsangehöriger unter den Grundsicherungsbeziehenden und auf höhere Arbeitslosenquoten. Daraus leitet sie ab, dass Zuwanderung unsere Sozialsysteme destabilisiert. Aber diese Zahlen erzählen nur einen kleinen Teil der Geschichte, und sie erzählen einen falschen Teil. Sie übertragen dänische Berechnungen zu den finanziellen Auswirkungen von Zuwanderung auf rund 3,2 Millionen Menschen mit türkischer, syrischer, afghanischer und irakischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Aus einer solchen Modellrechnung anhand Dänemarks eine konkrete Belastung für Deutschland abzuleiten, ist wissenschaftlich nicht belastbar und absurd, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Die Unterschiede zwischen beiden Ländern und ihren Sozialsystemen lassen sich nicht einfach wegrechnen. Und noch etwas fehlt in Ihrer Berechnung: der Blick auf die Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, die Steuern zahlen, Sozialversicherungsbeiträge leisten, Unternehmen gründen und unsere Gesellschaft tragen – und die sich von Ihrer Politik und von Ihren Ausgrenzungen und Anschuldigungen verachtet fühlen.
Fakt ist: Im Dezember 2025 waren rund 5,9 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt, bei insgesamt knapp 35 Millionen Beschäftigten. Das entspricht rund jeder sechsten Person in Deutschland.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, gerechte Löhne, gute Qualifizierung und eine schnelle Integration in Beschäftigung. Wir setzen auf den Ausbau der beruflichen Qualifizierung und die schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.
Deshalb wollen wir mit der Work-and-Stay-Agentur die Digitalisierung und Beschleunigung der Fachkräfteeinwanderung vorantreiben. Wir modernisieren die Arbeitsförderung, damit Menschen schneller und unkomplizierter Unterstützung auf dem Weg in die Beschäftigung erhalten. Denn wenn wir mehr Menschen in gute, in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bringen, dann stärkt das auch die finanziellen Grundlagen unseres Sozialsystems.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit Hass und Hetze werden wir die Herausforderungen in der Sozialpolitik nicht bewältigen können. Die Antworten auf die Herausforderungen sind: gute Arbeit, gerechte Löhne und eine Politik, die alle Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Vielen Dank.
Relationen
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- part_of_vorgang → Migrationsbilanz für Deutschland - Kosten und Nutzen der Zuwanderung erfassen
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