Rede von Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/133
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Mit sehr viel Sachverstand und Engagement konnte
die Enquete-Kommission zur Migrantenkultur/
Interkultur eine sehr gelungene Arbeit leisten. Der Bericht
wurde von allen Fraktionen gemeinsam beschlossen.
Auch ich möchte mich ganz herzlich bei allen
Beteiligten bedanken.
Die kulturelle Vielfalt Deutschlands wird von der
Kommission als eine Realität, als Fakt anerkannt, und
zwar von allen Fraktionen, auch von der Union. Das ist
ein Novum. Ich begrüße diesen Fortschritt. Bekanntlich
haben wir über die Tatsache, dass Deutschland längst
eine multikulturelle Gesellschaft geworden ist,
jahrzehntelang kontrovers diskutiert. Nunmehr musste diese
Erkenntnis als gemeinsame Position auch von der Union
öffentlich mitgetragen werden.
Die Kommission kommt einstimmig zu der
Feststellung, dass die Kulturen der Migrantinnen und Migranten
als Bestandteil der Kultur in Deutschland und als
Bereicherung für Deutschland zu bewerten sind. Ausdrücklich
wird diese kulturelle Vielfalt bejaht und begrüßt. Die
Enquete-Kommission stellt weiterhin fest, dass es gerade
die kulturelle Vielfalt ist, die den Reichtum der Kultur in
Deutschland ausmacht. Es wird daher unterstrichen, dass
die unterschiedlichen Kulturen in Deutschland
gleichberechtigt gefördert werden müssen.
Die Integration funktioniert nicht von selbst. Der
Staat und die Mehrheitsgesellschaft sind hier gefordert,
aktiv tätig zu werden.
Rechts- und Sozialstaat, Geschichte und Sprache müssen
aktiv und wechselseitig vermittelt werden. Auch in der
Bildungspolitik muss eine Kehrtwende vollzogen
werden, damit die Menschen von den Chancen der
kulturellen Vielfalt profitieren können: Interkulturelle Bildung
und Erziehung müssen so ausgerichtet werden, dass die
Ressourcen der Menschen in vielfältiger Weise zur
Geltung kommen können.
Selbstverständlich gehört neben dem Erlernen der
deutschen Sprache auch das Erlernen der Mutterspracheder Migrantenkinder zu diesen Bildungsansätzen.
Wissenschaftlich wurde bewiesen: Wer seine Muttersprache
gut beherrscht, kann auch die deutsche Sprache leichter
erlernen. Aus dieser Tatsache müssen die notwendigen
Konsequenzen gezogen werden.
Der überparteiliche Konsens, der sich im Bereich der
Kulturpolitik erfreulicherweise herstellen ließ, sollte
Anreiz und Ermutigung auch für andere Politikbereiche
sein.
Es ist nicht nur im Hinblick auf die Integration
erforderlich, sondern auch ein Gebot der Demokratie,
Menschen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben oder
sogar hier geboren und aufgewachsen sind, die vollen
bürgerlichen Rechte zu gewähren.
Daher fordert die Linke, dass der Erwerb der deutschen
Staatsbürgerschaft auch unter Beibehaltung der alten
Staatsangehörigkeit erleichtert wird.
Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.