Rede von Johann-Henrich Krummacher (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Johann-Henrich Krummacher (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!
Sehr geehrte Gäste! Zweifelsfrei ist Kultur eine jener
elementaren Kohäsionskräfte, die gesellschaftliches
Leben und ein Dasein im Miteinander überhaupt erst
ermöglichen. Insofern ist Kultur wie das täglich Brot oder
die Luft, die wir atmen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Denn was wäre dieses Land ohne die Sprache der
Lutherbibel, ohne Beethovens Neunte, ohne Schillers
Räuber, ohne die Bilderwelt von Lucas Cranach oder
Georg Baselitz? Was wäre es ohne die Berliner
Museumsinsel oder ohne einen Film wie Das Leben der
Anderen? Was ohne die Gedichte eines Friedrich Hölderlin
oder eines Heinrich Heine? Was ohne die vielen
Musikvereine und Theatergruppen? Was ohne das Engagement
der Kirchen, vom Mittelalter über die Neuzeit bis hin zur
Gegenwart?
Nebenbei bemerkt: Die Enquete-Kommission konnte
feststellen, dass die beiden großen christlichen Kirchen
in unserem Land mehr für die Kulturförderung ausgeben
als die öffentliche Hand.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
Was also wäre dieses Land ohne seine kulturelle
Vielfalt? Folgerichtig hat die Arbeit der Enquete-
Kommission dazu beigetragen, den Reichtum unserer
Kulturlandschaft zu erfassen. Aus der Mitte des Bundestages,
unter Mitwirkung namhafter Sachverständiger und
natürlich auch unter Einbeziehung der Länder ist eine
umfassende Bestandsaufnahme gelungen, die die
Kultur noch stärker in das Zentrum des politischen
Bewusstseins rückt.
Neben dieser umfassenden und deutlichen
Bestandsaufnahme ist der Bericht der Enquete-Kommission aber
auch mit konkreten Empfehlungen verbunden: mit
klaren Aufforderungen an alle staatlichen und
gesellschaftlichen Akteure, Kultur quasi immer mitzudenken und in
das Alltagshandeln zu integrieren.Dabei fangen wir nicht bei null an. Mit Staatsminister
Bernd Neumann haben wir auf Bundesebene einen
engagierten Fürsprecher und Motor für kulturelle Belange.
Im Bundesministerium für Bildung und Forschung ist
die Kultur ebenfalls präsent, von der Förderung der
Geisteswissenschaften bis hin zur Grundlagenforschung.
Auch sonst hat die Bundesregierung stets bewiesen, dass
die Kultur bei ihr in guten Händen ist. Nein, wir fangen
wirklich nicht bei null an. Aber gerade deswegen
kommen wir gemeinsam und auf der Grundlage des Berichts
der Enquete-Kommission noch viel weiter.
Aus Sicht der Union war von Anfang an wichtig, der
Breite des kulturellen Spektrums gerecht zu werden und
gleichzeitig auf die entsprechende Schärfentiefe zu
achten.
Kulturelle Bildung muss insbesondere für öffentlich
geförderte Kultureinrichtungen eine Kernaufgabe sein.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
Kultur macht nicht an Grenzpfählen halt, und darum
betreffen die empfohlenen Weichenstellungen auch die
europäische und die internationale Ebene. Genauso richtet
sich der Blick auf die gesellschaftlichen und lokalen
Wurzeln der Kultur. Alle kulturschaffenden, alle
kulturfördernden und alle kulturtragenden Kräfte sollen sich
möglichst frei entfalten können.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der FDP)
Bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement
sind tragende Pfeiler der Kultur in Deutschland, und
viele Empfehlungen setzen zu Recht genau hier an. Neue
Formen der Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen
Hand und den Privaten – aber ebenso zwischen Bund,
Ländern und Kommunen – sind geeignet, auch in
Zukunft eine kulturelle Infrastruktur auf höchstem Niveau
zu gewährleisten.
Kurz: Die Faktoren gegenwärtiger Kulturpolitik
wurden präzise erfasst und die Perspektiven der zukünftigen
Kulturpolitik ebenso plausibel wie vielversprechend
skizziert. Jetzt haben wir eine klare Vorstellung, und gut
vorbereitet gehen wir an die Umsetzung.
Die Zahlen sind genannt worden, aber die
Wiederholung des Bedeutsamen hilft der Wahrnehmung: vier
Jahre Arbeit, über 400 Handlungsempfehlungen,
eingebettet in 1 200 Seiten Bestandsaufnahme. Das ist der
Bericht der Enquete-Kommission, mit dem sich auch der
Bund als Akteur der Kulturpolitik zu Wort meldet, nicht
als föderaler Besserwisser im bestehenden Gefüge,
sondern als echter Partner. Insofern gleicht der Bericht der
Enquete-Kommission einer Partitur, durch die das
kulturelle Geschehen überschaubar wird. Das zu spielende
Werk richtet sich nicht an einen Solisten, sondern zielt
auf ein harmonisches Ineinandergreifen der
verschiedenen Akteure.
Johann-Henrich KrummacherWir haben die Chance auf ein neues, prosperierendes
kulturelles Miteinander. Wenn wir alle die Bewahrung,
Weitergabe und Förderung der Kultur weiterhin als
etwas Essenzielles begreifen, dann wird sich auch der
zukünftige Einsatz wirklich lohnen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)