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Protokoll der 213. Sitzung des 13. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 15.01.1998 · WP 13 · 13/213 · Original ↗

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Protokoll der 213. Sitzung des 13. Deutschen Bundestages [Plenarprotokoll 13/213 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 213. Sitzung Bonn, Donnerstag, den 15. Januar 1998 Inhalt: Nachträgliche Glückwünsche zu den Geburtstagen der Abgeordneten Peter Kurt Würzbach, Dr. Rolf Olderog und Helmut Schäfer 19385 A Eintritt der Abgeordneten Eva Folta in den Deutschen Bundestag 19385 B Bestimmung des Abgeordneten Dr. Peter Ramsauer als ordentliches Mitglied im Gemeinsamen Ausschuß und als stellvertretendes Mitglied im Vermittlungsausschuß 19385 B Erweiterung der Tagesordnung 19385 C Absetzung von Tagesordnungspunkten 19386 B Nachträgliche Ausschußüberweisungen 19386 B Begrüßung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses des Königreichs Spanien, Herrn Federico Trillo-Figueroa, und seiner Delegation 19392 B Tagesordnungspunkt 2: Eidesleistung eines Bundesministers Eduard Oswald, Bundesminister BMBau . 19387 A Tagesordnungspunkt 3: a) Abgabe einer Erklärung durch die Bundesregierung: Kioto - Erfolg und weitere Verpflichtung im weltweiten Klimaschutz b) Antrag der Abgeordneten Michaele Hustedt, Gila Altmann (Aurich), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Konsequenzen aus den Ergebnissen der Klimakonferenz in Kioto für die deutsche und europäische Umweltpolitik (Drucksache 13/9411) 19387 C c) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zu dem Antrag der Abgeordneten Helmut Wilhelm (Amberg), Franziska Eichstädt-Bohlig, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: CO2 - Minderung durch Energieeinsparung im Gebäudebereich (Drucksachen 13/ 7241, 13/8967) 19387 C d) Antrag der Abgeordneten Dietmar Schütz (Oldenburg), Marion Caspers- Merk, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Klimaschutz durch Minderung von Stand-by-Verlusten bei Elektrogeräten (Drucksache 13/ 9254) 19387 D in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 2: Antrag der Fraktion der SPD: Die Ergebnisse der Klimakonferenz in Kioto weiterentwickeln und notwendige Maßnahmen durchsetzen (Drucksache 13/9602) 19387 D Dr. Angela Merkel, Bundesministerin BMU 19388 A Michael Müller (Düsseldorf) SPD . . . . 19392 C Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach) CDU/ CSU 13394 B Michaele Hustedt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19396 B, 19404 D Birgit Homburger F D P. 19397 C Rolf Köhne PDS 19399 B Eva Bulling-Schröter PDS 19399 C Ulrike Mehl SPD 19401 A Dr. Peter Paziorek CDU/CSU 19403 A Michaele Hustedt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19403 B Albert Schmidt (Hitzhofen) BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 19405 C Jürgen W. Möllemann F.D.P. . . 19407 A, 19410 A, 19411 B Gila Altmann (Aurich) BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 19408 D Wolfgang Schmitt (Langenfeld) BÜND - NIS 90/DIE GRÜNEN 19409 C Josef Vosen SPD 19410 D Dr. Michael Meister CDU/CSU 19411 C Dr. Liesel Hartenstein SPD 19413 A Dr. Norbert Rieder CDU/CSU 19415 B Tagesordnungspunkt 4: a) Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für wi rtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Zehnter Bericht zur Entwicklungspolitik der Bundesregierung (Drucksachen 13/3342, 13/9309) . . . 19417 A b) Zweite und dritte Beratung des von den Abgeordneten Dr. Ingomar Hauchler, Brigitte Adler, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Entwicklungspolitik der Bundesrepublik Deutschland (Drucksachen 13/2223, 13/7993) 19417 A c) Antrag der Abgeordneten Wolfgang Schmitt (Langenfeld), Dr. Uschi Eid und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ablehnung einer Weltbankbeteiligung am Tschad/Kamerun Öl- und Pipeline-Projekt (Drucksache 13/8321) 19417 B d) Beschlußempfehlung und Bericht des Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Alois Graf von Waldburg-Zeil, Karl Lamers, Dr. Winfried Pinger und der Fraktion der CDU/ CSU sowie der Abgeordneten Dr. Irmgard Schwaetzer, Ulrich Irmer, Roland Kohn und der Fraktion der F.D.P.: Afrikapolitik: Für Frieden und Entwicklung (Drucksachen 13/6717, 13/ 7869) 19417 B e) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem Antrag der Abgeordneten Reinhold Hemker, Dr. Ingomar Hauchler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Gezielte Politik zugunsten der Entwicklungsländer durch die Europäische Union und Abbau der Subventionierung von Agrarexporten (Drucksachen 13/3903, 13/7944) 19417 C f) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem Antrag der Abgeordneten B rigitte Adler, Dr. Ingomar Hauchler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Intensivierung der Agrarförderung in den Entwicklungsländern - Sicherung der Welternährung und Beitrag zur Bewältigung globaler Probleme (Drucksachen 13/5143, 13/7945) 19417 C g) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Uschi Eid, Wolfgang Schmitt (Langenfeld), Dr. Angelika Köster- Loßack und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Deutsche Afrikapolitik - Solidarität mit den Menschen Afrikas ist notwendig - zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. R. Werner Schuster, Joachim Tappe, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Deutschlands Verantwortung für Subsahara Afrika (Drucksachen 13/6581, 13/6725, 13/ 7974) 19417 D h) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - zu dem Antrag der Abgeordneten Marlies Pretzlaff, Dr. Winfried Pinger und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Dr. Irmgard Schwaetzer, Roland Kohn und der Fraktion der F.D.P.: Zur Überwindung von Kinderarbeit in Entwicklungsländern beitragen - zu dem Antrag der Fraktionen SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Bekämpfung der Kinderarbeit in der Welt (Drucksachen 13/6716, 13/6732, 13/ 8108) 19418 A i) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. R. Werner Schuster, Adelheid Tröscher, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Förderung der Medien im südlichen Afrika (Drucksachen 13/6726, 13/8387) 19418 A j) Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Willibald Jacob, Dr. Gregor Gysi und der Gruppe der PDS: Schuldenerlaß für Forderungen aus Geschäften der DDR mit 29 Staaten der Dritten Welt (Drucksachen 13/6719, 13/8417) 19418 B k) Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für wi rtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Willibald Jacob, Dr. Gregor Gysi und der Gruppe der PDS: Bilateraler Schuldenerlaß für die am wenigsten entwickelten Staaten (Drucksachen 13/6720, 13/8418) . 19418 B 1) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Winfried Pinger, Jochen Feilcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Roland Kohn, Jürgen Koppelin und der Fraktion der F.D.P.: Selbsthilfeorientierte Armutsbekämpfung in der Entwicklungszusammenarbeit - zu dem Antrag der Abgeordneten Ingrid Becker-Inglau, Dr. Ingomar Hauchler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Selbsthilfeorientierte Armutsbekämpfung in der Entwicklungszusammenarbeit - zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Uschi Eid, Wolfgang Schmitt (Langenfeld), Dr. Angelika Köster- Loßack und der Fraktion BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN: Reformbedarf der selbsthilfeorientierten Armutsbekämpfung in der Entwicklungszusammenarbeit (Drucksachen 13/6381, 13/3896, 13/ 7088, 13/9261) 19418 D m) Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem Antrag der Abgeordneten B rigitte Adler, Adelheid Tröscher, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Frauen und nachhaltige Entwicklungspolitik (Drucksachen 13/6738, 13/9266) 19418 D n) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Uschi Eid, Dr. Angelika Köster - Loßack, Wolfgang Schmitt (Langen feld) und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN zu den Großen Anfragen der Abgeordneten Dr. Uschi Eid, Dr. Angelika Köster-Loßack, Wolfgang Schmitt (Langenfeld) und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Politik der Bundesregierung und entwicklungspolitische Ansätze zum Schutz der tropischen Wälder unter besonderer Berücksichtigung Brasiliens (Teil I und Teil II) (Drucksachen 13/1637, 13/1638, 13/3338, 13/4713, 13/9341) . 19419 A o) Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem Antrag der Abgeordneten Reinhold Hemker, Dr. Ingomar Hauchler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Entwicklungspolitisches Jugendprogramm „Solidarisches Lernen" (Drucksachen 13/4119, 13/9368) . . . 19419 A p) Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten - zu dem Antrag der Abgeordneten Reinhold Hemker, B rigitte Adler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Forderungen zum Welternährungsgipfel vom 13. bis 17. November 1996 in Rom - zu dem Antrag der Abgeordneten Ulrike Höfken, Dr. Uschi Eid, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Position der Bundesregierung zum Welternährungsgipfel vom 13. bis 17. November 1996 in Rom (Drucksachen 13/5809, 13/5964, 13/ 7021) 19419 B q) Antrag der Abgeordneten Dagmar Schmidt (Meschede), Dr. Christoph Zöpel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Stärkung demokratischer Institutionen und der Rolle von Nichtregierungsorganisationen in den palästinensischen Autonomiegebieten (Drucksache 13/9249) 19419 C r) Antrag der Abgeordneten Dr. R. Werner Schuster, Dr. Emil Schnell, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Für mehr Verstetigung, Flexibilität und Transparenz der Finanzierung deutscher Entwicklungszusammenarbeit (Haushalt Einzelplan 23) (Drucksache 13/9412) 19419 C in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 3: Antrag der Abgeordneten Dr. Winfried Pinter, Anneliese Augustin, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Roland Kohn, Dr. Irmgard Schwaetzer und der Fraktion der F.D.P.: Mikrofinanzierung als Mittel der Armutsbekämpfung (Drucksache 13/9601) . . . 19419 C in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 4: Antrag der Abgeordneten Dr. R. Werner Schuster, Adelheid Tröscher, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Förderung der Nichtregierungsorganisation in der Entwicklungszusammenarbeit (Drucksache 13/9603) . 19419 D Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . 19419 D Günter Verheugen SPD 19422 D Dr. Uschi Eid BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19425 B Roland Kohn F.D.P. 19427 A Dr. Willibald Jacob PDS 19428 D Dr. Otto Graf Lambsdorff F.D.P 19430 B Carl-Dieter Spranger, Bundesminister BMZ 19430 D Adelheid Tröscher SPD . . . . 19432 D, 19435 C Ingrid Matthäus-Maier SPD 19434 D Dr. Winfried Pinger CDU/CSU . 19435 B, 19442 B Dr. Christian Ruck CDU/CSU 19435 D Wolfgang Schmitt (Langenfeld) BOND- NIS 90/DIE GRÜNEN 19437 A Dr. Irmgard Schwaetzer F.D.P. 19438 B Alois Graf von Waldburg-Zeil CDU/CSU 19439 D Dagmar Schmidt (Meschede) SPD . . . 19441 B Dr. R. Werner Schuster SPD 19443 B Erika Reinhardt CDU/CSU 19444 C Tagesordnungspunkt 12: Antrag der Abgeordneten Marion Caspers-Merk, Michael Müller (Düsseldorf), weiteren Abgeordneten und der Fraktion der SPD: Eckpunkte für eine Elektronikschrottverordnung (Drucksache 13/7561) 19447 D Tagesordnungspunkt 18: Überweisungen im vereinfachten Verfahren a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen über Partnerschaft und Zusammenarbeit vom 22. April 1996 zwischen den Europäischen Gemeinschaften und ihren Mitgliedstaaten einerseits und Georgien andererseits (Drucksache 13/9343) 19447 D b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Elften Gesetzes zur Änderung des Luftverkehrsgesetzes (Drucksache 13/9513) 19447 D c) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über den Deutschen Wetterdienst (Drucksache 13/9510) . . . . 19448 A d) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Protokoll vom 18. September 1997 über den Beitritt des Königreichs Schweden zu dem Übereinkommen vom 9. Februar 1994 über die Erhebung von Gebühren für die Benutzung bestimmter Straßen mit schweren Nutzfahrzeugen sowie zu dem Zusatzübereinkommen vom 18. September 1997 zu dem vorgenannten Übereinkommen (Drucksachen 13/9511, 13/9579) 19448 A e) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Statistik der Bautätigkeit im Hochbau und die Fo rt -schreibung des Wohnungsbestandes (Hochbaustatistikgesetz) (Drucksache 13/9342) 19448 B f) Erste Beratung des von den Abgeordneten Erwin Marschewski, Wolfgang Zeitlmann und der Fraktion der CDU/ CSU sowie des Abgeordneten Dr. Max Stadler und der Fraktion der F.D.P. eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung verwaltungsverfahrensrechtlicher Vorschriften (Drucksache 13/8884) 19448 B g) Erste Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Bekämpfung der Scheinselbständigkeit (Drucksache 13/8942) . . . . 19448 B h) Erste Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines ... Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches und anderer Gesetze - Widerruf der Straf- und Strafrestaussetzung - (... StrÄndG) (Drucksache 13/9348) . 19448 B i) Erste Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines ... Strafrechtsänderungsgesetzes - § 323 a StGB (Drucksache 13/9349) 19448 C j) Erste Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Deutschen Richtergesetzes (Drucksache 13/9350) . . . 19448 C k) Erste Beratung des von den Abgeordneten Renate Jäger, Rolf Schwanitz, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Ergänzung rehabilitierungsrechtlicher Vorschriften (Rehabilitierungs-Ergänzungsgesetz) (Drucksache 13/9414) 19448 C 1) Antrag der Abgeordneten Steffen Tippach, Heinrich Graf von Einsiedel, Andrea Gysi, weiterer Abgeordneter und der Gruppe der PDS: Für eine friedliche Lösung des Konflikts am Golf (Drucksache 13/9260) 19448 D m) Antrag der Abgeordneten Ulla Jelpke, Steffen Tippach, Eva Bulling-Schröter und der Gruppe der PDS: Aufhebung des Verbots der Betätigung für die „Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK) und „Nationale Befreiungsfront Kurdistans" (ERNK) in der Bundesrepublik Deutschland (Drucksache 13/9302) . 19448 D n) Antrag der Abgeordneten Dr. Günther Maleuda, Dr. Christa Luft, Dr. Gregor Gysi und der Gruppe der PDS: Änderung des § 50 des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes (Drucksache 13/9391) Zusatztagesordnungspunkt 5: Weitere Überweisungen im vereinfachten Verfahren a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Erdölbevorratungsgesetzes (Drucksache 13/9530) 19449 A b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Zulassung von Stückaktien (Stückaktiengesetz) (Drucksache 13/9573) 19449 A c) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung des Transfusionswesens (Transfusionsgesetz) (Drucksache 13/9594) 19449 A d) Antrag der Abgeordneten Halo Saibold, Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Transparenz der Preisangaben bei Flugreisen (Drucksache 13/9447) . . 19449 B e) Antrag der Abgeordneten Gila Altmann (Aurich), Albert Schmidt (Hitzhofen), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Gefährdung durch Gefahrguttransporte minimieren (Drucksache 13/9449) . . 19449 B Zusatztagesordnungspunkt 16: Erste Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Sozialgerichtgesetzes (Drucksache 13/9609) 19449 C Tagesordnungspunkt 19: a) Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Bauproduktengesetzes (Drucksachen 13/8801, 13/9410 [neu] . . . . 19449 D b) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 22. Oktober 1996 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Sambia über den Luftverkehr (Drucksachen 13/8221, 13/9404) 19450 A c) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 28. Oktober 1996 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Indonesien über die Seeschiffahrt (Drucksachen 13/8219, 13/9405) 19450 B d) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 21. Februar 1997 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Lettland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen (Drucksachen 13/8698, 13/9440) . . . 19450 B e) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 29. November 1996 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Estland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen (Drucksachen 13/8699, 13/ 9441) 19450 C f) - Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 28. April 1997 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Finnland über Soziale Sicherheit (Drucksachen 13/8817, 13/9457) 19450 D - Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 4. Oktober 1995 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich über Soziale Sicherheit (Drucksachen 13/8818, 13/9457) 19450 D g) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 176 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 22. Juni 1995 über den Arbeitsschutz in Bergwerken (Drucksachen 13/8819, 13/9459) 19451 B h) Zweite und dritte Beratung des von der Gruppe der PDS eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Vertriebenenzuwendungsgesetzes (Drucksachen 13/5594, 13/7063) . . . 19451 B i) Beschlußempfehlung und Bericht des Haushaltsausschusses zu dem Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Veräußerung einer Teilfläche der ehemaligen US-Ferris-Kaserne in Erl an -gen an die Treuhandliegenschaftsgesellschaft mbH (TLG) bzw. die Stadt Erlangen (Drucksachen 13/8754, 13/ 9455) 19451 C j) Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für Verkehr - zu dem Antrag der Abgeordneten Albert Schmidt (Hitzhofen), Gila Altmann (Aurich), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Kein Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) - zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Enkelmann und der Gruppe der PDS: Verzicht auf den geplanten Bau eines Großflughafens Berlin-Brandenburg- International (Drucksachen 13/616, 13/1296, 13/5527) 19451 D k) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für Wirtschaft zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Sechsundzwanzigster Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" für den Zeitraum 1997 bis 2000 (2001) (Drucksachen 13/7205, 13/ 7460 Nr. 3, 13/8228) 19452 B 1) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für Verkehr zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Einführung einer Sicherheitsuntersuchung von Flugzeugen aus Drittländern, die auf Flughäfen in der Gemeinschaft landen (Drucksachen 13/ 7456 Nr. 2.11, 13/9406) 19452 B m) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für Verkehr zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Änderung von Richtlinie 96/26/EG über den Zugang zum Beruf des Gü - ter- und Personenkraftverkehrsunternehmers im innerstaatlichen und grenzüberschreitenden Verkehr sowie über die gegenseitige Anerkennung der Diplome, Prüfungszeugnisse und sonstige Befähigungsnachweise für die Beförderung von Gütern und die Beförderung von Personen im Straßenverkehr und über die Maßnahmen zur Förderung der tatsächlichen Inanspruchnahme der Niederlassungsfreiheit der betreffenden Verkehrsunternehmer (Drucksachen 13/7306 Nr. 2.9, 13/9408) 19452 C n) Beschlußempfehlung des Petitionsausschusses: Sammelübersicht 261 zu Petitionen (Drucksache 13/9258) . . 19452 D Zusatztagesordnungspunkt 6: Weitere abschließende Beratungen ohne Aussprache a) Zweite und dritte Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung (Drucksachen 13/7383, 13/9438) 19452 D Abstimmung Seite 19485 C b) Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Siebten Gesetzes zur Änderung des Arzneimittelgesetzes (Drucksachen 13/8805, 13/9618) . . . 19453 A c) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Unidroit-Übereinkommen vom 28. Mai 1988 über das internationale Factoring (Drucksachen 13/8690, 13/9572) 19453 B d) Beschlußempfehlung und Be richt des Ausschusses für Wirtschaft zu der Verordnung der Bundesregierung: Aufhebbare Dreiundneunzigste Verordnung zur Änderung der Ausfuhrliste - Anlage AL zur Außenwirtschaftsverordnung - (Drucksachen 13/8516, 13/ 8594 Nr. 2.1, 13/9590) 19453 C Tagesordnungspunkt 5: Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und F.D.P. eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Neueinteilung der Wahlkreise für die Wahl zum Deutschen Bundestag (Wahikreisneueinteilungsgesetz) (Drucksache 13/ 9598) 19453 C Wolfgang Bosbach CDU/CSU 19453 D Wilhelm Schmidt (Salzgitter) SPD . . . 19455 A Peter Dreßen SPD 19455 B Gerald Häfner BÜNDNIS 90/DIE GRÜ - NEN 19457 A Dr. Max Stadler F D P. 19458 C Dr. Dagmar Enkelmann PDS 19459 A Zusatztagesordnungspunkt 7: Aktuelle Stunde betr. Erklärung des Bundeskanzlers, daß eine Halbierung der Arbeitslosenzahl bis zum Jahre 2000 nicht mehr zu erreichen sei Ottmar Schreiner SPD 19459 D Julius Louven CDU/CSU 19461 A Annelie Buntenbach BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19462 B Dr. Gisela Babel F.D.P 19463 A Dr. Gregor Gysi PDS 19464 B Dr. Christine Bergmann, Bürgermeiste rin (Berlin) 19465 D Dr. Norbe rt Blüm, Bundesminister BMA 19468 A Rudolf Scharping SPD 19471 B Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . 19474 A Dr. Peter Struck SPD (zur GO) 19475 D Clemens Schwalbe CDU/CSU (zur GO) 19476 A Andrea Fischer (Berlin) BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19476 C Paul K. Friedhoff F.D.P 19478 B Dr. Heidi Knake-Werner PDS 19479 C Ernst Schwanhold SPD 19480 D Dr. Heiner Geißler CDU/CSU 19482 C Gerd Andres SPD 19483 A Tagesordnungspunkt 6: a) Erste Beratung des von den Abgeordneten Gerald Häfner, Volker Beck (Köln), weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Gewährleistung des freien Zugangs zu amtlichen Informationen und zur Änderung anderer Gesetze (Informationsfreiheitsgesetz) (Drucksache 13/8432) 19485 C b) Erste Beratung des von dem Abgeordneten Manfred Such und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Bundesdatenschutzgesetzes (Drucksache 13/9082) 19485 D c) Erste Beratung des von den Abgeordneten Gerald Häfner, Gila Altmann (Aurich), weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Einführung des Verbandsklagerechtes (Drucksache 13/9323) 19485 D in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 8: Unterrichtung durch den Bundesbeauftragten für den Datenschutz: Tätigkeitsbericht 1995 und 1996 des Bundesbeauftragten für den Datenschutz - 16. Tätigkeitsbericht - (Drucksache 13/7500) 19486 A Tagesordnungspunkt 8: a) Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Vereinheitlichung des Unterhaltsrechts minderjähriger Kinder (Kindesunterhaltungsgesetz) (Drucksachen 13/7338, 13/9596, 13/9604) 19486 B b) Beschlußempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Margot von Renesse, Christel Hanewinckel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Bedarfsdeckende Unterhaltssätze für Kinder (Drucksachen 13/5211, 13/9596) 19486 C Ronald Pofalla CDU/CSU 19486 D Marlene Rupprecht SPD 19488 C Irmingard Schewe-Gerigk BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 19489 D Sabine Leutheusser-Schnarrenberger F.D.P. 19490 D Rosel Neuhäuser PDS 19491 C Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, Bundesmini ster BMJ 19492 B Tagesordnungspunkt 11: Antrag der Abgeordneten Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn), Dr. Uschi Eid, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Neuordnung der Zuständigkeiten in der Auswärtigen Kulturpolitik (Drucksache 13/8679) 19493 D in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 10: Antrag der Abgeordneten Freimut Duve, Stephan Hilsberg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Gefahren abwenden von der Auswärtigen Kulturpolitik (Drucksache 13/9450) 19493 D in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 11: Antrag des Abgeordneten Claus-Peter Grotz und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Ina Albowitz, Ulrich Irmer, Dr.-Ing. Karl-Hans Laermann und der Fraktion der F.D.P.: Neue Herausforderungen für die Auswärtige Kulturpolitik (Drucksache 13/ 9613) 19494 A Alois Graf von Waldburg-Zeil CDU/CSU 19494 A Dr. Elke Leonhard SPD 19495 B Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn) BÜND - NIS 90/DIE GRÜNEN 19497 A Dr.-Ing. Karl-Hans Laermann F.D.P. . . 19498 A Dr. Ludwig Elm PDS 19499 A Helmut Schäfer, Staatsminister AA . . 19499 D Tagesordnungspunkt 13: Antrag der Abgeordneten Dr. Barbara Höll, Dr. Christa Luft, weiterer Abgeordneter und der Gruppe der PDS: Einführung einer Steuer auf spekulative Devisenumsätze (Tobin-Steuer) (Drucksache 13/9337) 19501 A in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 12: Antrag der Abgeordneten Ludger Volmer, Helmut Lippelt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Einführung einer spekulationsdämpfenden Steuer auf Währungstransaktionen (Tobin-Steuer) (Drucksache 13/9597) 19501 B Dr. Barbara Höll PDS 19501 B Detlev von Larcher SPD 19502 C Ludger Volmer BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19504 C Zusatztagesordnungspunkt 13: Antrag der Abgeordneten Dr. Heidi Knake-Werner und der Gruppe der PDS: Bedarfsgerechte und gebührenfreie Auszahlung von Lohnersatzleistungen wiederherstellen (Drucksache 13/9592) 19505 C Dr. Heidi Knake-Werner PDS 19505 D Dr. Dagmar Enkelmann PDS 19506 D Nächste Sitzung 19507 C Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . 19508 A Anlage 2 Bundesweite Übernahme der in Baden- Württemberg eingeführten Mittelstandsrichtlinien für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen MdlAnfr 8 - Drs 13/9584 Hans-Joachim Fuchtel CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. Hein rich L. Kolb BMWi 19508 C Anlage 3 Zu Protokoll gegebene Reden zu Tagesordnungspunkt 13 (Antrag: Einführung einer Steuer auf spekulative Devisenumsätze) sowie zu dem Zusatztagesordnungspunkt 12 (Antrag: Einführung einer spekulationsdämpfenden Steuer auf Währungstransaktionen [Tobinsteuer] Gerhard Schulz (Leipzig) CDU/CSU . . . 19509 A Gisela Frick F.D.P 19511 A Anlage 4 Zu Protokoll gegebene Reden zu Zusatztagesordnungspunkt 13 (Antrag: Bedarfsgerechte und gebührenfreie Auszahlung von Lohnersatzleistungen wiederherstellen) Franz Romer CDU/CSU 19511 D Renate Jäger SPD 19513 A Annelie Buntenbach BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19514 A Dr. Gisela Babel F.D.P 19514 C 213. Sitzung Bonn, Donnerstag, den 15. Januar 1998 Beginn: 9.00 Uhr Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Meine Damen und Herren! Die Sitzung ist eröffnet. Ich möchte Ihnen und uns allen zu Beginn ein gutes Jahr 1998 wünschen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich zunächst dem Kollegen Peter Kurt Würzbach, der am 15. Dezember seinen 60. Geburtstag feierte, dem Kollegen Dr. Rolf Olderog, der am 29. Dezember ebenfalls seinen 60. Geburtstag beging, und dem Kollegen Helmut Schäfer zu seinem 65. Geburtstag am 9. Januar nachträglich die besten Glückwünsche im Namen des Hauses aussprechen. (Beifall) Sodann teile ich folgendes mit: Der Kollege Arne Börnsen (Ritterhude) hat am 6. Januar 1998 auf seine Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag verzichtet. Als seine Nachfolgerin hat die Abgeordnete Eva Folta am 9. Januar 1998 die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag erworben. Ich begrüße die neue Kollegin sehr herzlich und wünsche eine gute Zusammenarbeit. (Beifall) Aus dem Gemeinsamen Ausschuß nach Art. 53 a des Grundgesetzes scheidet der Kollege Eduard Oswald als ordentliches Mitglied aus. Als Nachfolger schlägt die Fraktion der CDU/CSU den Kollegen Dr. Peter Ramsauer vor. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Sind Sie damit einverstanden? — Kein Widerspruch. Damit ist der Kollege Dr. Peter Ramsauer als ordentliches Mitglied im Gemeinsamen Ausschuß nach Art . 53 a des Grundgesetzes bestimmt. Auch aus dem Vermittlungsausschuß scheidet der Kollege Eduard Oswald aus — hier als stellvertretendes Mitglied. Die Fraktion der CDU/CSU schlägt als seinen Nachfolger ebenfalls den Kollegen Dr. Peter Ramsauer vor. Sind Sie damit einverstanden? — Das ist der Fall. Damit ist der Kollege Dr. Peter Ramsauer als stellvertretendes Mitglied im Vermittlungsausschuß bestimmt. Interfraktionell ist vereinbart worden, die verbundene Tagesordnung um die Ihnen mit einer Zusatzpunktliste vorgelegten Punkte zu erweitern: 2. Beratung des Antrags der Fraktion der SPD: Die Ergebnisse der Klimakonferenz in Kioto weiterentwickeln und notwendige Maßnahmen durchsetzen - Drucksache 13/9602 - 3. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Winfried Pinger, Anneliese Augustin, Jochen Feilcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Roland Kohn, Dr. Irmgard Schwaetzer und der Fraktion der F.D.P.: Mikrofinanzierung als Mittel der Armutsbekämpfung - Drucksache 13/9601- 4. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. R. Werner Schuster, Adelheid Tröscher, B rigitte Adler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Förderung der Nichtregierungsorganisationen in der Entwicklungszusammenarbeit - Drucksache 13/9603 - 5. Weitere Überweisungen im vereinfachten Verfahren (Ergänzung zu TOP 18) a) Erste Beratung des von der Bundesregierung - eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Erdölbevorratungsgesetzes - Drucksache 13/ 9530- b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Zulassung von Stückaktien (Stückaktiengesetz - StückAG) - Drucksache 13/9573 - c) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung des Transfusionswesens (Transfusionsgesetz - TFG) - Drucksache 13/9594 - d) Beratung des Antrags der Abgeordneten Halo Saibold, Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn), Gila Altmann (Aurich), Albe rt Schmidt (Hitzhofen) und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Transparenz der Preisangaben bei Flugreisen - Drucksache 13/9447 - e) Beratung des Antrags der Abgeordneten Gila Altmann (Aurich), Albe rt Schmidt (Hitzhofen), Helmut Wilhelm (Amberg) weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Gefährdung durch Gefahrguttransporte minimieren - Drucksache 13/9449- 6. Weitere abschließende Beratungen ohne Aussprache (Ergänzung zu TOP 19) a) Zweite und dritte Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung - Drucksachen 13/7383, 13/9438- b) Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Siebten Gesetzes zur Änderung des Arzneimittelgesetzes - Drucksachen 13/ 8805, 13/9618- c) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Unidroit-Übereinkommen vom 28. Mai 1988 über das internationale Factoring - Drucksachen 13/ 8690, 13/9572- d) Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Wirtschaft (9. Ausschuß) zu der Verordnung der Bundesregierung: Aufhebbare Dreiundneunzigste Verordnung zur Änderung der Ausfuhrliste - Anlage AL zur Außenwirtschaftsverordnung - Drucksachen 13/8516, 13/8594 Nr. 2.1, 13/9590- 7. Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der SPD: Erklärung des Bundeskanzlers, daß eine Halbierung der Arbeitslosenzahl bis zum Jahre 2000 nicht mehr zu erreichen sei 8. Beratung der Unterrichtung durch den Bundesbeauftragten für den Datenschutz: Tätigkeitsbericht 1995 und 1996 des Bundesbeauftragten für den Datenschutz -16. Tätigkeitsbericht - Drucksache 13/7500 - 9. Beratung des Antrags der Abgeordneten Tilo Braune, Stephan Hilsberg, Doris Odendahl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Internationalität der Hochschulen - Drucksache 13/9621- 10. Beratung des Antrags der Abgeordneten Freimut Duve, Stephan Hilsberg, Dr. Elke Leonhard, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Gefahren abwenden von der Auswärtigen Kulturpolitik - Drucksache 13/9450- 11. Beratung des Antrags des Abgeordneten Claus-Peter Grotz und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Ina Albowitz, Ulrich Irmer, Dr. Karl-Hans Laermann und der Fraktion der F.D.P.: Neue Herausforde rungen für die Auswärtige Kulturpolitik - Drucksache 13/9613 - 12. Beratung des Antrags der Abgeordneten Ludger Volmer, Helmut Lippelt, Angelika Beer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Einführung einer spekulationsdämpfenden Steuer auf Währungstransaktionen (Tobinsteuer) - Drucksache 13/9597 - 13. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Heidi Knake- Werner und der Gruppe der PDS: Bedarfsgerechte und gebührenfreie Auszahlung von Lohnersatzleistungen wiederherstellen - Drucksache 13/9592 - 14. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Antje Vollmer, Andrea Fischer (Berlin), Oswald Metzger, Marina Steindor und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Modernisierung von Beamtenrecht und Beamtenversorgung - Drucksache 13/9622 - 15. Aktuelle Stunde auf Verlangen der Gruppe der PDS: Haltung der Bundesregierung zur Privatisierung von Flächen in den Nationalparks der neuen Bundesländer Von der Frist für den Beginn der Beratung soll, soweit erforderlich, abgewichen werden. Weiterhin ist vereinbart worden, die Tagesordnungspunkte 9 - Armuts- und Reichtumsbericht -, 10 a und b - Absatzförderung für Produkte aus Ostdeutschland - und 15 - Schaffung von Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor - abzusetzen. Des weiteren soll der Tagesordnungspunkt 12 - Elektronikschrottverordnung - ohne Debatte überwiesen werden. Außerdem mache ich auf- nachträgliche Überweisungen im Anhang zur Zusatzpunktliste aufmerksam: Der in der 210. Sitzung des Deutschen Bundestages am 11. Dezember 1997 überwiesene nachfolgende Gesetzentwurf soll nachträglich zusätzlich dem Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zur Mitberatung überwiesen werden: Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Einführung des Euro (Euro-Einführungsgesetz-EuroEG) - Drucksache 13/ 9347 - überwiesen: Rechtsausschuß (federführend) Finanzausschuß Ausschuß für Wirtschaft Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau Ausschuß für Fremdenverkehr und Tourismus Ausschuß für die Angelegenheiten der Europäischen Union Haushaltsausschuß mitberatend und gemäß § 96 GO Der in der 210. Sitzung des Deutschen Bundestages am 11. Dezember 1997 überwiesene nachfolgende Gesetzentwurf soll nachträglich zusätzlich dem Ausschuß für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung zur Mitberatung überwiesen werden: Gesetzentwurf der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und F.D.P. zur Änderung des Grundgesetzes (Artikel 39 GG) - Drucksache 13/9393 - überwiesen: Rechtsausschuß (federführend) Ausschuß für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung Innenausschuß Der in der 211. Sitzung des Deutschen Bundestages am 12. Dezember 1997 überwiesene nachfolgende Gesetzentwurf soll nachträglich zusätzlich dem Ausschuß für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung zur Mitberatung überwiesen werden: Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform des Güterkraftverkehrsrechts - Drucksachen 13/9314, 13/9437 - überwiesen: Ausschuß für Verkehr (federführend) Ausschuß für Wirtschaft Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Der in der 163. Sitzung des Deutschen Bundestages am 13. März 1997 überwiesene nachfolgende Antrag soll nachträglich zusätzlich dem Ausschuß für die Angelegenheiten der Europäischen Union zur Mitberatung überwiesen werden: Antrag der Abgeordneten Uta Zapf, Günter Verheugen, B ri -gitte Adler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Priorität für eine Politik der zivilen Krisenprävention und Konfliktregelung - Drucksache 13/6999 - überwiesen: Auswärtiger Ausschuß (federführend) Verteidigungsausschuß Ausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Ausschuß für die Angelegenheiten der Europäischen Union Haushaltsausschuß Der in der 203. Sitzung des Deutschen Bundestages am 13. November 1997 überwiesene nachfolgende Antrag soll nachträglich zusätzlich dem Finanzausschuß zur Mitberatung überwiesen werden: Antrag der Fraktion der SPD: Klimagipfel in Kioto: Ein neuer Anlauf zum Schutz des Klimas - Drucksache 13/ 8969 - überwiesen: Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (federführend) Finanzausschuß Ausschuß für Wirtschaft Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ausschuß für Verkehr Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau Ausschuß für Bildung, Wissenschaft, Forschung, Technologie und Technikfolgenabschätzung Ausschuß für die Angelegenheiten der Europäischen Union Sind Sie mit den Vereinbarungen einverstanden? - Ich höre keinen Widerspruch. Wir verfahren so. Ich rufe den Tagesordnungspunkt 2 auf: Eidesleistung eines Bundesministers Der Herr Bundespräsident hat mir mit Schreiben vom 14. Januar 1998 folgendes mitgeteilt: Gemäß Art. 64 Abs. 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland habe ich heute auf Vorschlag des Herrn Bundeskanzlers den Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Herrn Dr. Klaus Töpfer, aus seinem Amt als Bundesminister entlassen und Herrn Eduard Oswald zum Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau ernannt. Nach Art . 64 Abs. 2 des Grundgesetzes leistet ein Bundesminister bei der Amtsübernahme den in Art . 56 vorgesehenen Eid. Herr Bundesminister Oswald, ich darf Sie zur Eidesleistung zu mir bitten. - Herr Bundesminister, ich bitte Sie, den vorgesehenen Eid zu sprechen. Eduard Oswald, Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau: Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe. Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Sie haben den im Grundgesetz vorgesehenen Eid gesprochen. Ich wünsche Ihnen im Namen des ganzen Hauses für das neue Amt viel Glück, Erfolg und eine gute Hand! Eduard Oswald, Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau: Vielen Dank, Frau Präsidentin. (Beifall) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Zugleich danke ich ganz herzlich dem ausgeschiedenen Bundesminister Dr. Töpfer für seine verdienstvolle Tätigkeit als Mitglied der Bundesregierung und für das, was er in bezug auf die Umsetzung unserer Beschlüsse über den Umzug unseres Parlaments von Bonn nach Berlin sowie für den Ausbau Berlins geleistet hat. (Beifall) Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Glück bei Ihrer neuen internationalen Aufgabe, die gleichwertig ist! Ich rufe die Tagesordnungspunkte 3 a bis 3 d sowie Zusatzpunkt 2 auf: 3. a) Abgabe einer Erklärung durch die Bundesregierung Moto - Erfolg und weitere Verpflichtung im weltweiten Klimaschutz b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Michaele Hustedt, Gila Altmann (Aurich), Franziska Eichstädt-Bohlig, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Konsequenzen aus den Ergebnissen der makonferenz in Kioto für die deutsche und europäische Umweltpolitik - Drucksache 13/9411- Überweisungsvorschlag: Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (federführend) Ausschuß für Wirtschaft Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ausschuß für Verkehr Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau c) Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (18. Ausschuß) zu dem Antrag der Abgeordneten Helmut Wilhelm (Amberg), Franziska Eichstädt-Bohlig, Gila Altmann (Aurich), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN CO2-Minderung durch Energieeinsparung im Gebäudebereich - Drucksachen 13/7241, 13/8967 - Berichterstattung: Abgeordnete Dr. Michael Meister Norbert Formanski d) Beratung des Antrags der Abgeordneten Dietmar Schütz (Oldenburg), Marion Caspers- Merk, Friedhelm Julius Beucher, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD Klimaschutz durch Minderung von Stand-by- Verlusten bei Elektrogeräten - Drucksache 13/9254 — Überweisungsvorschlag: Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (federführend) Ausschuß für Wirtschaft ZP2 Beratung des Antrags der Fraktion der SPD Die Ergebnisse der Klimakonferenz in Kioto weiterentwickeln und notwendige Maßnahmen durchsetzen - Drucksache 13/9602 — Überweisungsvorschlag: Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (federführend) Ausschuß für Wi rtschaft Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ausschuß für Verkehr Ausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Zur Regierungserklärung liegt ein Entschließungsantrag der Fraktionen von CDU/CSU und F.D.P. vor. Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für die Aussprache im Anschluß an die Regierungserklärung eineinhalb Stunden vorgesehen. - Dazu gibt es keinen Widerspruch. Dann ist dies so beschlossen. Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung hat die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Dr. Angela Merkel. Dr. Angela Merkel, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! 1997 - das kann man sagen - war ein Jahr des internationalen Umweltschutzes. Der weltweite Klimaschutz spielte dabei vielfach eine zentrale Rolle. Schon im Juni 1997 zog die Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs in New York eine erste umfassende Bilanz des Gipfels von Rio im Jahre 1992. Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Frau Ministerin, ich bitte Sie, einen Augenblick zu warten. Ich verstehe, daß jetzt Glückwünsche ausgetauscht werden sollen. Aber vielleicht kann das vor dem Plenarsaal fortgeführt werden; denn sonst ist es hier zu laut. - Frau Ministe rin. Dr. Angela Merkel, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Fünf Jahre nach dem Gipfel von Rio hat Bundeskanzler Helmut Kohl in einer gemeinsamen Initiative mit seinen Kollegen aus Brasilien, Südafrika und Singapur sehr klare Zeichen für den Klimaschutz gesetzt. Diese Initiative ist ein Beispiel dafür, was wir in Deutschland schaffen müssen und wofür ich Klaus Töpfer guten Erfolg wünsche, nämlich diese Fragen auch weltweit voranzutreiben. (Beifall bei der CDU/CSU, der F.D.P. und der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS) Unmittelbar vor dem Treffen in New York hatten die Staats- und Regierungschefs der acht wichtigsten Industriestaaten auf dem Wirtschaftsgipfel in Denver intensiv auch die Fragen des Klimaschutzes erörtert. Beide Konferenzen machten einmal mehr deutlich, wie schwierig es ist, in den internationalen Klimaverhandlungen die sehr unterschiedlichen Interessen und Positionen nicht nur zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern, sondern auch im Kreise der Industrieländer miteinander in Einklang zu bringen. Gerade die Behandlung auf höchster politischer Ebene und vor den Augen der Weltöffentlichkeit hat noch einmal nachdrücklich deutlich gemacht, daß wir Fortschritte auf dem Gebiet des Umwelt- und insbesondere des Klimaschutzes brauchen. In Kioto ist uns mit der Einigung auf das Klimaprotokoll der Fortschritt gelungen, den wir dringend brauchten. Es ist auch gelungen, einen vorläufigen Abschluß der Konferenz von Berlin im Jahre 1995 zu finden, nämlich das Berliner Mandat ein Stück weit in die Tat umzusetzen. Alle, die dabei waren, werden wissen, daß der Verhandlungsprozeß von starken Widerständen geprägt war. Dies ist nicht überraschend; denn zum erstenmal ging es um rechtsverbindliche Reduktionsverpflichtungen der Industrieländer. Zwar verpflichtete bereits die Klimarahmenkonvention, die in Rio de Janeiro abgeschlossen wurde, die Industrieländer zu Politiken und Maßnahmen; aber die Verpflichtung, die Treibhausgas-Emissionen auf das Niveau von 1990 zurückzuführen, war nicht rechtsverbindlich. Genau dies haben wir in den Verhandlungen in Kioto auch gemerkt. Erst sehr kurz vor Kioto haben die nichteuropäischen Indstrieländer überhaupt Zielvorstellungen quantifiziert. Die USA und Japan haben damals gesagt: Stabilisierung bzw. Reduktion um 3 Prozent bis zum Jahre 2012, obwohl wir in Rio bereits gesagt hatten: Rückführung auf das Niveau von 1990 bis zum Jahre 2000. Die Europäische Union hat den Verhandlungsprozeß von Anfang an forciert und im März und Juni 1997 bereits eine Verringerung der Emissionen der drei wichtigsten Treibhausgase gegenüber 1990 um mindestens 7,5 Prozent bis zum Jahre 2005 und um 15 Prozent bis zum Jahre 2010 vorgeschlagen. Es hat sich gezeigt, daß die Europäische Union in diesem Prozeß zum einen in der Abwehr der von anderen Industrieländern immer wieder vorgeschlagenen unzureichenden Verpflichtungen und zum anderen - das halte ich für genauso wichtig - als Brückenbauer zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern einmal mehr die treibende Kraft war. Dies ist eine Aufgabe, die Europa in den nächsten Jahren mit wachsender Dringlichkeit erfüllen muß. Dies ist auch die Grundlage dafür, daß wir in Zukunft in einem Zeitalter der Globalisierung weltweit in Frieden leben können. Die entwicklungspolitische Debatte heute wird dies noch einmal unterstreichen. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Wenn man sich diese schwierige Situation vor Augen führt, wird man sagen: Kioto war ein klarer Erfolg für den weltweiten Klimaschutz; Kioto hat uns einen beträchtlichen Schritt vorangebracht. Der Zug fährt jetzt auf den richtigen Gleisen. Aber - um im Bild zu bleiben - Kioto ist selbstverständlich nicht die Endstation dessen, was wir erreichen müssen. Wir haben bei anderen Verpflichtungen bereits gelernt - das Montrealer Protokoll zur Bannung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe ist hierfür ein Beispiel -: Wenn ein solcher Prozeß einmal eingeleitet ist, ist er unumkehrbar. Er wird weitergehen. Ich bin sicher, daß dies auch mit dem Kioto-Protokoll gelungen ist. Die wesentlichen Inhalte des Protokolls möchte ich an sechs Beispielen darstellen: Erstens geht es natürlich um die Reduktionsziele. Die Industrieländer müssen ihre Treibhausgase insgesamt um mindestens 5 Prozent reduzieren, und zwar nicht nur die drei, die wir in unserer Diskussion immer wieder in den Mittelpunkt gestellt haben, nämlich CO 2, Methan und Distickstoffoxid, sondern auch HFCs, PFCs und Schwefelhexafluorid, drei weniger bekannte Substanzen. Die Reduktion um mindestens 5 Prozent soll in der Periode von 2008 bis 2012 erreicht sein, wobei das Basisjahr für die ersten drei Gase das Jahr 1990 ist und für die zweiten drei Gase auch das Jahr 1995 gewählt werden kann. Jedes Indust rieland hat eine spezifische Reduktionsverpflichtung, die Mitgliedstaaten der Europäische Union in diesem Zusammenhang 8 Prozent. Aber die Europäische Union hat es geschafft - das war für uns ganz wichtig -, das sogenannte EU-Bubble, also die gemeinsame Umsetzung dieser Ziele in unserer Staatengemeinschaft, zu realisieren. Wir hatten das EU-Bubble gegen sehr aggressive Angriffe zu verteidigen. Das ist uns gelungen. Die anderen Staaten in Europa müssen die Emissionen zum größten Teil ebenfalls um 8 Prozent reduzieren. Die USA müssen um 7 Prozent reduzieren, Japan, Kanada, Polen und Ungarn um 6 Prozent. Rußland - das ist, sage ich, bedauerlich - sowie die Ukraine und Neuseeland müssen ihre Emissionen lediglich stabilisieren. Norwegen darf sie sogar um 1 Prozent steigern, Australien um 8 Prozent. Man kann sicherlich nicht mit jeder dieser Größen zufrieden sein. Bis zum Jahre 2005 müssen alle Industrieländer belegbare Fortschritte bei der Umsetzung dieser Ziele erreichen. Ich will ganz klar sagen: Damit diese Ziele erreicht werden können, müssen viele Industrieländer scharfe und starke Anstrengungen unternehmen; denn die 5 Prozent Reduktion, die sich relativ wenig anhören, entspricht einer rund 30 prozentigen Reduktion der Emissionen, die heute für das Jahr 2010 prognostizie rt werden. Wir müssen uns nämlich mit dem sehr unangenehmen Tatbestand auseinandersetzen, daß beispielsweise in Amerika, Kanada, Japan und Australien die CO 2-Emissionen bereits im Jahre 1996 um 5 bis 10 Prozent über denen von 1990 lagen. Das heißt, daß man nicht auf dem richtigen Pfad zur Stabilisierung ist. Es gibt also sehr viel zu tun. Die Europäische Union wird aller Voraussicht nach die Verpflichtungen von Rio erreichen, nämlich im Jahr 2000 die Rückführung geschafft haben. Wir haben hier wirklich einen großen Vorsprung vor anderen Industrienationen. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Zum zweiten ist es der Europäischen Union mit Unterstützung der assoziierten Länder und der Schweiz in Kioto gelungen, Politiken und Maßnahmen zu vereinbaren. Natürlich ist es richtig, daß jeder national etwas tut. Aber in einer globalisierten Wirtschaft ist es natürlich auch wichtig, daß wir uns auf gemeinsame Maßnahmen einigen. Es ist gelungen, eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft zu verankern sowie die Emissionen von Treibhausgasen in den Bereichen Verkehr, Abfall und Energie zu begrenzen. Es ist auch wichtig, daß es uns gelungen ist, eine Regelung über die Emissionen durch Flug- und Schiffstreibstoffe aufzunehmen. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation bzw. die Internationale Schiffahrtsorganisation müssen Maßnahmen in diesem Sektor vorantreiben. Wir und die ganze Europäische Union haben angestrebt, diese Maßnahmen sehr viel detaillierter und präziser zu vereinbaren. Das ist uns leider nicht gelungen. Wir werden weiter daran arbeiten. Drittens. Ein vieldiskutierter Punkt in Kioto war der Handel mit Emissionsrechten, das sogenannte Trading. Beim Handel mit Emissionen können die einzelnen Länder untereinander Emissionsreduktionen kaufen. Damit wird ein Markt geschaffen, um effizient und konstengünstig Treibhausgasemissionen zu senken. Das heißt, man kann Zertifikate in Ländern kaufen, in denen eine CO 2-Reduktion noch leichter machbar ist und damit billiger wird. So kann man Kosteneffizienz zum Klimaschutz nutzen. Insofern ist das ein vernünftiges Instrument. Es hat gar keinen Sinn, es von vornherein zu verdammen. Man muß es vernünftig nutzen. Aber dieses Instrument muß natürlich zu vernünftiger und wirklicher Kosteneffizienz führen. Das heißt, man darf nicht die sogenannte heiße Luft, also das, was schon in der Vergangenheit reduziert wurde, nun einfach zum Verkauf anbieten, sondern man darf nur wirkliche, noch zu erbringende Reduktionen handeln. Wir haben - das war sehr wichtig - festgelegt, daß nur der Handel zwischen den Industrieländern erlaubt ist, und wir haben festgelegt, daß ein solcher Handel nationale Anstrengungen natürlich nicht ersetzen darf. Denn unser Ziel muß sein, daß die Länder, die über die beste Technologie verfügen, diese Technologie weiter verbessern und dann insbesondere in die Entwicklungsländer exportieren. Das heißt, der Druck auf die einzelnen Nationen muß erhalten bleiben. Wir haben auch erreicht, daß nicht mit Emissionsreduktionen gehandelt werden darf, die vor Beginn der Zielperiode, also vor 2008, erreicht werden. Die sogenannten Schlupflöcher sind damit eingeschränkt worden. Allerdings haben wir uns nicht einigen können - das bleibt auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz in Buenos Aires im November dieses Jahres zu behandeln -, in welchem Verhältnis denn nun nationale Reduktionen zu den gehandelten Emissionen stehen müssen, das heißt, welchen Prozentsatz man national erreichen muß und welchen man außerhalb des eigenen Landes erbringen darf. Darüber muß weiter gesprochen werden. Ein noch kritischerer Punkt sind - viertens - die Senken. Senken bieten die Möglichkeit, CO 2 zu speichern. Hier kommen vor allen Dingen die Wälder in Frage. Die Einbeziehung von Senken ist methodisch umstritten. Man kann sich mit den verschiedenen Methoden - ich sage das einmal etwas platt - fast jede Reduktion ausrechnen, die man braucht. Deshalb ist es ganz wichtig, daß wir uns in Kioto darauf geeinigt haben, daß bei der Erfüllung von Reduktionsverpflichtungen nur die CO 2-Emissionen, die durch den Menschen verursacht werden, einbezogen werden dürfen und daß wir uns auf die Bereiche Aufforstung, . Wiederaufforstung und Entwaldung beschränken. Das heißt, es geht im wesentlichen um die Bindung von Kohlendioxid in Wäldern. Wir müssen uns darum kümmern, daß wir bis zur Konferenz von Buenos Aires - damit sehen Sie schon, daß wir bis zum November 1998 noch eine Menge zu tun haben - auch auf diesem Gebiet vernünftige Methoden vereinbaren und keine Schlupflöcher zulassen. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Ein fünfter, ganz wichtiger Punkt ist die gemeinsame Umsetzung von Klimaschutzprojekten, die sogenannte Joint Implementation. Hier befinden wir uns zur Zeit in einer Erprobungsphase, die wir in Berlin vereinbart haben. Es ist uns gelungen, daß das Instrument der Joint Implementation auch im Protokoll verankert wird. Das heißt, im Ausland kostengünstiger zu erzielende Reduktionen durch Investitionen in konkrete Projekte können angerechnet werden. Auch hier haben wir sehr viel zu tun. Ich will betonen, daß es vor allem durch die sehr gute Kooperation mit Brasilien inzwischen gelungen ist, im Rahmen des sogenannten Clean Development Mechanism zum ersten Mal mit den Entwicklungsländern, gemeinsame Mechanismen zu vereinbaren. (Monika Ganseforth [SPD]: Ablaßhandel nennt man das!) - Wissen Sie, man kann alle zur Verfügung stehenden Instrumente, die anderen Ländern dienen, sofort mit einem europäisch-historisierten, pönalisierenden Begriff bedenken und sagen, damit sei das Instrument erledigt. Niemand kann ignorieren, daß es vernünftig ist, bestimmte Projekte zur Treibhausgas- Reduktion außerhalb von Deutschland zu verwirklichen, damit Technologie exportiert und Bildung, Ausbildung und Know-how transferiert werden. Wer das als „Ablaßhandel" bezeichnet, der muß sich auf anderen Veranstaltungen bewegt haben als ich. Ich halte das für völlig absurd. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abge - ordneten der F.D.P.) Damit zu dem sechsten Punkt, nämlich der Einbeziehung von Entwicklungsländern. Dies ist ein schwieriges Feld. Die Entwicklungsländer sind voller Skepsis, weil sie fragen: Wollt ihr eure Reduktion auf unsere Kosten und unter Begrenzung unseres Wachstums erbringen? Natürlich muß man dieser Frage vernünftig und redlich begegnen. Deshalb bestehen wir von deutscher und europäischer Seite darauf, vorrangig nationale Maßnahmen zu ergreifen. Aber es ist doch inzwischen unbest ritten, daß in kurzer Zeit die Emissionen Chinas höher sein werden als die der Amerikaner. Darüber kann man im internationalen Rahmen doch nicht hinweggehen. Deshalb ist es richtig zu sagen: Natürlich müssen die Entwicklungsländer, so wie im Montrealer Protokoll vereinbart, in absehbarer Zeit einbezogen werden, insbesondere jene, die über hohe jährliche Wirtschaftswachstumsraten, die mehr Wohlstand versprechen, verfügen. Die Entwicklungsländer selber wissen dies. Wenn man mit ihnen redlich spricht, wird es uns gelingen, ein ganzes Stück voranzukommen. Wichtig für Kioto war auch, daß das Berliner Mandat keine zusätzlichen Verpflichtungen für die Entwicklungsländer vorsah. Die bestehenden Verpflichtungen werden wir erstmals bei der zweiten Vertragsstaatenkonferenz des Protokolls überprüfen, voraussichtlich spätestens im Jahre 2002. Ich denke, dies wird sogar sehr viel früher der Fall sein. Ich wi ll aber auch ganz klar sagen: Wer von den Entwicklungsländern etwas ultimativ forde rt , wird nichts erreichen. Es geht um Partnerschaft, um Kooperation. Wenn man so verfährt, wird der Weg auch offen sein. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Es ist mitnichten so, daß die Europäische Union als Vorreiter dieser Verhandlungen keinerlei Aufgaben mehr zu erfüllen hat. Auch wir müssen sicherstellen, daß wir unser Reduktionsziel von 8 Prozent erreichen. Hierzu müssen wir die wichtigen EU- Richtlinien und -Verordnungen überprüfen und gemeinsam weiterentwickeln. Es ist natürlich wichtig, nationale Maßnahmen durchzuführen. Aber in einer Wi rt -schaftsunion, zukünftig auch in einer Währungsunion, wird es unerläßlich sein, daß wir hier gemeinsam vorangehen. Alle für den Klimaschutz relevanten Maßnahmen im Bereich der Europäischen Union müssen auf den Prüfstand gestellt werden. Das betrifft die Energieeffizienz, die Kennzeichnung von Geräten, die Maßnahmen zur Energieeinsparung, die Entwicklung von erneuerbaren Energien, eine CO- Energiebesteuerung, Selbstverpflichtungen der Wi rtschaft, Forschung und Entwicklung, natürlich den Verkehr einschließlich des Luftverkehrs, die Landwirtschaft, Chemie und Abfallfragen. Wir müssen die interne Aufteilung unseres europäischen Ziels von 8 Prozent jetzt rechtsverbindlich regeln. Bis jetzt haben wir unter den Mitgliedstaaten der Europäischen Union ein „burden sha ring" vereinbart, das aber noch nicht rechtsverbindlich war. Die vom Umweltministerrat im vergangenen Jahr vereinbarte Lastenteilung, bei der Deutschland für das von der EU vorgeschlagene Gesamtreduktionsziel von 15 Prozent einen Beitrag von 25 Prozent für die drei Gase, die wir bis dahin betrachtet hatten, zugesagt hat, hatte nur indikativen Charakter. Nun müssen wir diese Lastenteilung im Lichte von Kioto, aber auch im Lichte der neu einzubeziehenden Gase und Senken überprüfen. Dadurch verändert sich natürlich die Reduktionslast insgesamt. Die Einbeziehung der drei einbezogenen Gase führt dazu, daß die Reduktionen und die Zielwerte sich ändern, weil die drei Gase, insbesondere die HFCs als Ersatz für die FCKWs, in den nächsten Jahren ansteigen werden. Deshalb müssen wir im übrigen größere Reduktionen erbringen. Die EU- Kommission hat bereits in Kioto den Auftrag erhalten zu klären, was das nun genau für das „burden sha ring" in Europa bedeutet. Wir müssen ganz klar sagen: Deutschland steht mit seinem 25-Prozent-Reduktionsziel in der EU und weltweit vorbildlich da. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Wir erbringen innerhalb der Europäischen Union bei dem „burden sharing" einen überproportionalen Anteil. Deshalb werden wir natürlich die nationalen Beiträge der anderen Länder überprüfen. Wir stehen zu unserem Angebot, aber wir werden unseren Beitrag nicht erhöhen können. Es geht darum, daß sich alle Länder beteiligen. Ich bin sicher, daß eine ganz große Zahl von Mitgliedstaaten noch einige Spielräume hat. Damit bin ich bei unserer nationalen Klimaschutzpolitik. Ich will ganz klar sagen: Deutschland bleibt bei seinem nationalen 25 prozentigen Minderungsziel für Kohlendioxid zwischen 1990 und 2005. Das darf aber nicht mit dem verwechselt werden, was wir an Lastenteilung in die Europäische Gemeinschaft einbringen. Wir haben anläßlich der Debatte über den Vierten Bericht, den Be richt der Interministeriellen Arbeitsgruppe, „CO 2-Reduktion" unterstrichen, daß wir unser nationales Klimaschutzprogramm fortschreiben werden. Wir hatten in Deutschland zwischen 1990 und 1996 eine Reduktion der CO2- Emissionen von ungefähr 10,3 Prozent. Viel wichtiger aber ist die Tatsache, daß zwischen 1990 und 1996 das Verhältnis der energiebedingten Kohlendioxidemissionen zu unserem Bruttoinlandsprodukt, das heißt zur Summe unserer Wirtschaftsleistung, in Deutschland um rund 19 Prozent gesunken ist. Dies belegt eben, daß sich die Entkopplung von Wi rt -schaftswachstum und Energieverbrauch - das ist das eigentlich Entscheidende - fortgesetzt hat. Daran müssen wir weiter arbeiten. Pro Einwohner haben sich die CO 2-Emissionen in Deutschland zwischen 1990 und 1996 um 13,3 Prozent verringert. Auch das ist eine ganz wichtige Größe. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abge - ordneten der F.D.P.) Um abzuschätzen, was unsere Maßnahmen bewirkt haben und was wir in Zukunft noch tun müssen, haben verschiedene Bundesressorts in zwei Studien ein ganzes Bündel von Maßnahmen getestet. Daraufhin haben wir neue Beschlüsse gefaßt. Wir haben festgelegt: Mit den bisher ergriffenen Maßnahmen schaffen wir es, bis zum Jahre 2005 eine Reduktion von 15 bis 17 Prozent zu erreichen. Hätten wir keine Maßnahmen ergriffen, dann hätten wir bis zum Jahre 2005 nur eine Reduktion von drei Prozent erreicht. Das sagen beide Studien übereinstimmend. Auch hieran sieht man, daß unsere Politik etwas bewegt. 15 bis 17 Prozent sind aber nicht 25 Prozent. Deshalb brauchen wir weitere Maßnahmen. Auf der Basis des von mir schon angesprochenen Berichtes, der Ihnen vorliegt, haben wir solche Maßnahmen beschlossen. Ich will sie hier kurz nennen: Erstens. Die Weiterentwicklung der Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft. Ich will ganz deutlich sagen: In Kioto hat die Weltöffentlichkeit mit staunenden Augen wahrgenommen, daß in Deutschland eine Zusammenarbeit zwischen Regierung und Wirtschaft über die Reduktion von CO 2-Emissionen möglich ist. So etwas gibt es in diesem Umfang in keinem anderen Land. Dafür interessiert man sich sehr, denn man muß nicht immer die Keule des Ordnungsrechtes benutzen, man kann auch flexiblere Maßnahmen ergreifen, um Reduktionen zu erreichen. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Zweitens. Die Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien. Hier möchte ich insbesondere die Novellierung des Stromeinspeisungsgesetzes und des Energiewirtschaftsgesetzes nennen. Entgegen vielen Unkenrufen sind dies wichtige Meilensteine, um den Umweltgedanken im Energierecht besser zu verankern. (Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ NEN]: Das ist nicht Ihnen zu verdanken!) Drittens. Die Novellierung der Wärmeschutzverordnung und der Heizungsanlagen-Verordnung, die wir in Kürze vornehmen werden und die uns wirtschaftliche Anreize eingeschlossen Reduktionen von 16 bis 24 Millionen Tonnen bringen wird. Die Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien bringt übrigens 5 bis 7 Millionen Tonnen, und auch die Selbstverpflichtung der Wirtschaft leistet einen großen Beitrag. Viertens. Die verstärkte Nutzung der industriellen und kommunalen Kraft-Wärme-Kopplung. Hierin liegen Reduktionspotentiale von 30 bis 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Fünftens. Fortbildungsprogramme, Beratungs- und Informationskampagnen zu Klimaschutz. Als weitere Maßnahme halten wir daran fest, zumindest EU-weit eine aufkommens- und wettbewerbsneutrale CO2-/Energiesteuer einzuführen oder ein vergleichbares steuerliches Instrument unter Nutzung der vorhandenen Verbrauchsteuerstrukturen voranzutreiben. Dies ist national, aber natürlich auch im Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wi rt -schaft außerordentlich wichtig, um nicht Wettbewerbsverzerrungen innerhalb des wi rtschaftlichen Systems der Europäischen Union zuzulassen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der F.D.P.) Meine Damen und Herren, die Aufzählung zeigt, daß die in den Anträgen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen angesprochenen Bereiche von der Bundesregierung längst als wichtige Bereiche erkannt sind. (Albert Schmidt [Hitzhofen] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Was ist denn mit der Mineralölsteuer und der Automobilindustrie?) - Darüber können wir nachher noch debattieren. Wir haben ja noch viel Zeit für die Debatte. Ich habe die Maßnahmen eben genannt. Sie entsprechen weitestgehend dem Themenkatalog, den Sie in Ihren Anträgen ansprechen. Die SPD hat die Leerlaufverluste bei Elektrogeräten angesprochen: Dabei basieren sämtliche in ihrem Antrag genannten Fakten und Daten auf der Studie, die das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben haben. Das heißt, uns sind die Ergebnisse bekannt. Deshalb werden wir genau auf diesem Gebiet weiterarbeiten. Wir haben dieses auch in dem 4. Be richt der Interministeriellen Arbeitsgruppe berücksichtigt. In der Tat ist die Vermeidung der Leerlaufverluste von Elektrogeräten ein fast idealtypisches Beispiel dafür, wie man durch technische Innovationen gleichzeitig Kostensenkung, nämlich weniger Stromverbrauch, und Reduktion von CO 2-Emissionen schaffen kann. Das heißt, wir haben der Senkung des Energieverbrauchs von TV- und Videogeräten im Stand-by-Betrieb durch verschiedene Maßnahmen - ich nenne das Umweltzeichen „Blauer Engel" für solche Elektrogeräte, die unter anderem auch einen niedrigen Stand-by-Verbrauch haben, und die freiwilligen Vereinbarungen aller europäischen Hersteller mit der EU-Kommission - ein Stück weit Rechnung getragen. Wir sind selbstverständlich für jeden Gedanken auf diesem Gebiet offen. Die Bundesregierung hält konsequent an ihrer anspruchsvollen internationalen, EU-weiten und nationalen Klimaschutzpolitik fest. Es gilt dabei, alle die Treibhausgase im Auge zu behalten, deren Reduktion im Montrealer Protokoll nicht geregelt ist. Den Hauptbeitrag wird weiterhin die Reduktion von Kohlendioxid durch Energieeinsparung, Verbesserung der Energieeffizienz und Beibehaltung eines ausgewogenen Energiemixes unter Einschluß der friedlichen Nutzung der Kernenergie leisten. Ich sage all denen, die mit dem gestrigen Tag im Gegensatz zu mir zufrieden sind: Wer glaubt, daß wir auf die Nutzung der Kernenergie verzichten können, der irrt gewaltig. (Zuruf von der CDU/CSU: Sehr richtig!) Wer auch noch „stolz" darauf ist, wenn ein großes Investitionsprojekt in Deutschland nicht in Bet rieb genommen werden kann, sorgt nur dafür, daß andere uns den Strom liefern und wir zahllose Arbeitsplätze gefährden und anschließend als Standort und als Exporteur ausfallen. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Wenn ich die Diskussion um Mülheim -Kärlich dann noch mit dem verbinde, was sich um Garzweiler abspielt, kann ich nur feststellen: Wir können sämtlichen Strom auch außerhalb Deutschlands einkaufen, wenn uns das paßt. Ob wir aber damit etwas für den Standort Deutschland gewonnen haben, weiß ich nicht. Ich kann nur sagen: Die Bundesregierung wird zusammen mit den Koalitionsfraktionen dafür sorgen, daß Energiesparen und Energieeffizienz und gleichzeitig technologischer Fortschritt und Arbeitsplätze keinen Gegensatz bilden. Zusammen helfen sie uns vielmehr bei der Bewältigung der Aufgaben der Zukunft. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Bevor ich die Aussprache eröffne, möchte ich auf der Ehrentribüne den Präsidenten des spanischen Abgeordnetenhauses, Herrn Federico Trillo-Figueroa, mit seiner Delegation ganz herzlich begrüßen. Herzlich willkommen. (Beifall) Nach den Gesprächen, die Sie in Brandenburg und Berlin geführt haben und seit gestern hier in Bonn führen, können wir aus eigener Erfahrung sagen, daß die Spanier eng mit uns Deutschen verbunden sind und daß sie sich gemeinsam mit uns für eine europäische Zukunftsordnung einsetzen. Wir wünschen Ihnen, daß Sie in diesem Jahr, 20 Jahre nach Einführung der demokratischen Verfassung, an Ihrer Zuversicht festhalten und daß es Ihnen auch mit der Unterstützung aller Europäer gelingen möge, den Terror und den Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung von politischen Zielen einzudämmen und zu vermeiden. Wir sind auch in diesem Punkt an Ihrer Seite. Gute Gespräche in Bonn! (Beifall) Ich eröffne die Aussprache. Es spricht der Kollege Michael Müller. Michael Müller (Düsseldorf) (SPD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Vor 10 Jahren hat die Vorsitzende der Unabhängigen Kommission Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen, Gro Harlem Brundtland, von der Weltgemeinschaft gefordert, die ganzen Kräfte darauf zu konzentrieren, eine real mögliche Klimakatastrophe zu verhindern. Sie hat damals die möglichen Folgen einer Klimaänderung mit den Gefahren eines Atomkrieges im Nuklearzeitalter verglichen. Ich erwähne das, um deutlich zu machen, welche gewaltige globale und alle Anstrengungen fordernde Aufgabe vor uns liegt. In den letzten 10 Jahren haben sich die Zahlen und Fakten einer vom Menschen verursachten Klimaänderung weiter verdichtet. Auf der anderen Seite ist aber die Bereitschaft, wirklich etwas für die Verhinderung einer Klimakatastrophe zu tun, deutlich zurückgegangen. Es tut sich eine Schere auf: Anfang der 90er Jahre haben wir weltweit noch eine große Bereitschaft gehabt. Aber heute scheint die Welt wegen der Sorge um die Lösung der Alltagsprobleme ausgebrannt und nicht mehr fähig zu sein, weitergehende Perspektiven zu entwickeln. In Kioto haben wir eklatante Rückwärtsbewegungen erlebt, die Welt ist gefangen in den Gegenwartsproblemen. Viele erkennen gar nicht, daß die Zukunftsprobleme ein zentraler Teil unserer Gegenwartsprobleme sind. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Klimaschutz ist nichts Abstraktes, das in der fernen Zukunft liegt. Klimaschutz ist vielmehr eine Chance, um auch die heutigen Probleme zu lösen. Wer Klimaschutz ernst nimmt, hat einen strategischen Ansatz, um wieder Reformpolitik, Innovationen und Modernisierung in unserer Gesellschaft voranzutreiben. Der eigentliche und für uns wichtige Punkt ist, daß wir nicht nur auf die internationale Ebene schielen dürfen, sondern daß wir erkennen müssen, daß Klimaschutz die große Chance zur ökologischen Modernisierung auf nationaler und europäischer Ebene ist. Das ist bisher jedoch nicht der Fall. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Die Daten einer Klimaänderung haben sich weiter verdichtet. Ich will die wichtigsten nennen: Wir haben heute bereits eine von Menschen verursachte Erwärmung um 0,7 Grad bezogen auf das natürliche Niveau. Auf der Basis der drei großen Indikatoren für die reale Gefahr einer Klimakatastrophe - nämlich erstens der Klimasimulationsrechnungen, zweitens der klimahistorischen Vergleiche und drittens der konkreten Beobachtungen der Wettermessungen aus den letzten 130 Jahren - ist es wahrscheinlich, daß bis zum Ende des nächsten Jahrhunderts eine Erhöhung der mittleren Temperatur der Erde um 2,5 Grad eintreten wird. Wir erreichen dann erstens ein Temperaturniveau, das deutlich über der Temperaturspitze der letzten 200 000 Jahre liegt. Und zweitens - was noch sehr viel wichtiger ist -: Durch diesen Klimaschock pressen wir Veränderungen, die im natürlichen Prozeß über mehrere tausend Jahre ablaufen, auf wenige hundert Jahre zusammen. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist die größte Gefahr, weil sie nämlich die Anpassungsfähigkeit des Klimasystems und der Ökosysteme gewaltig überfordert. In diesem Geschwindigkeitsproblem liegt die eigentliche große Herausforderung. Die Klimaforschung sagt, die kritische Erwärmungsobergrenze liegt bei 1,5 Grad oder maximal 2 Grad pro Jahrhundert. Wenn Sie sehen, daß wir erstens bereits 0,7 Grad Erwärmung und zweitens eine Zeitverzögerung von 40 bis 50 Jahren in der Anpassung des Klimasystems an die veränderte Anreicherung von wärmestauenden Gasen in der Atmosphäre haben, dann können Sie feststellen: Wir können bereits eine Erwärmung um rund 1 Grad nicht mehr verhindern. Das heißt, wir sind knapp unter der kritischen Erwärmungsgrenze. Was noch hinzukommt: Allein die bisherige Erwärmung ruft bereits gewaltige Veränderungen auf der Erde und im Klimasystem hervor. Sehen Sie nur die Zunahme der Wetterextreme überall in der Welt. Die Zunahme der Wetterextreme ist der Indikator dafür, daß sich das Klimasystem neu einpendelt. Es ist nicht so, daß die Klimaveränderung langsam und kontinuierlich erfolgt, sondern gerade die Extreme im Wettergeschehen sind der alarmierende Hinweis darauf, daß das Klimasystem aus dem Lot gerät. Dies geschieht vor dem Hintergrund, daß ungefähr 75 bis 80 Prozent der Verursachung von Klimagefahren auf nur ein Viertel der Menschheit entfallen, nämlich auf die, die in den Industriestaaten leben. Die Zeitdimension und die Verteilungsdimension bedeuten: Klimaschutz wird die zentrale Aufgabe für das friedliche Zusammenleben der Menschen werden. Und die Nationen und die Staatengemeinschaften, die hierauf Antworten geben, sind innovativ, modern und zukunftsfähig, nicht die anderen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne - ten der PDS) Deshalb auch an dieser Stelle unsere Kritik: Was die USA und andere Wirtschaftsstaaten in Moto gemacht haben, war Ausdruck eines gestrigen Denkens. Die USA haben sich do rt nicht als Weltmacht profiliert, sondern als eine Macht von gestern mit antiquierter Interessenpolitik und unfähig, wirklich das Tor in die Zukunft aufzustoßen. Umgekehrt muß in aller Deutlichkeit erkannt werden, daß damit eine gewaltige Chance für die Europäische Union eröffnet wird, allerdings nur unter der Voraussetzung, daß sie endlich begreift: Europa kann nicht sein, daß wir Staaten um eine Bank herum bauen; Europa muß auch zu einer sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsunion werden und damit eine zentrale Rolle für eine f riedliche Weltordnung spielen. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der PDS) Das ist die große Chance für Europa, die sich in Kioto gezeigt hat. Ich will einen weiteren kritischen Punkt nennen. Frau Ministerin, Sie haben gesagt, es seien jetzt neue Stoffe hinzugekommen. Pardon, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben in der Aufarbeitung der Ozonzerstörung stets darauf hingewiesen, daß die Ersatzstoffe, obwohl sie zwar ein weniger ozonzerstörendes Potential haben, dennoch zum großen Teil nicht in Frage kommen, weil sie als genauso klimaschädlich zu bewerten sind wie die Halonen und FCKWs. Das steht in allen Berichten, daß der treibhausrelevante Wert dieser Stoffe genauso problematisch zu sehen ist wie die FCKWs und die Halonen. Jetzt zu sagen, da gebe es neue Stoffe - Entschuldigung, das ist ein Zeichen dafür, daß die Berichte nicht ausreichend zur Kenntnis genommen wurden. Das kann ich nicht nachvollziehen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ein weiterer Punkt: Sie, Frau Merkel, haben gesagt, wir hätten beim Klimaschutz auch in den neuen Bundesländern einen erheblichen Fortschritt gemacht, der nur deshalb nicht richtig zum Tragen gekommen sei, weil es eine starke Bevölkerungswanderung von den neuen in die alten Bundesländer gegeben habe. Auch da muß ich sagen: Die Mima- Enquete-Berichte haben die Bevölkerungswanderung mit berücksichtigt. Sie ist in die Szenarien einbezogen. Wir haben dort eine Bevölkerungswanderung von zwei bis zweieinhalb Millionen von Ost nach West unterstellt. Sie liegt nur geringfügig höher. Insofern ist falsch, was Sie sagen, daß durch die Wanderungsbewegung innerhalb der Bundesrepublik die Erfolge nicht deutlich werden. Die Wahrheit ist anders. Wir haben in der Bundesrepublik in den alten Bundesländern seit 1990 nicht in einem einzigen Jahr eine Absenkung der absoluten CO2-Emissionen erreicht. Der Beschluß vom November 1990 forderte jedoch für die alten Bundesländer die Absenkung um 25 Prozent und für die neuen Bundesländer eine Absenkung um einen sehr viel höheren Prozentsatz. Ich stelle fest: Das ist nicht erfüllt worden. Hierbei kann ich mich auch an dem Gutachten des RWI orientieren, das sagt, daß die spezifischen Emissionsminderungen in vielen Branchen im wesentlichen auf den Zusammenbruch der Grundstoffindustrie in den neuen Bundesländern zurückzuführen sind. Wir begrüßen dort die ökologische Verbesserung, die damit verbunden ist. Dies aber als Klimaschutzpolitik darzustellen, geht an den Tatsachen vorbei. (Beifall bei der SPD und der PDS sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Der RWI-Bericht weist übrigens auch nach, daß die Investitionen im wesentlichen im Rahmen der normalen Investitionszyklen erfolgt sind und nicht auf zusätzlichen Anstrengungen beruhen. Er folgert, daß es wichtig sei, mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit bei der Datenerhebung zu erreichen. Ich kann mich dem nur anschließen. Meine Damen und Herren, wir wollen die ökologischen, sozialen und beschäftigungspolitischen Dividenden, die ein nationales Klimaschutzprogramm erbringt, nutzen. Wir wollen deshalb eine ökologische Steuerreform. Wir lehnen deshalb das Energiegesetz von Herrn Rexrodt ab. Wir wollen deshalb die Brücke ins Solarzeitalter bauen. Wir machen das doch nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil wir wissen: Die entscheidende Zukunftsfrage ist die ökologische Modernisierung der Industriestaaten. Sie wird nicht von selbst kommen, sondern ist nur zu erreichen, wenn wichtige Länder vorangehen und andere mitziehen. Das können nach Kioto nur Deutschland und Europa sein. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Wir sollten Klimaschutz nicht als Belastung für die Menschen sehen, sondern als große Chance für eine solidarische Welt und als Verpflichtung für zukünftige Generationen. Klimaschutz ist die beste Innovations- und Modernisierungspolitik, die wir uns vorstellen können. Klimaschutz ist ein Teil des neuen Fortschrittsverständnisses, das wir heute brauchen. Deshalb fordern wir: Hört auf mit der Halbherzigkeit! Hört auf, Klimaschutz nur auf andere Politikfelder aufzusetzen! Seid endlich bereit und fähig, Klimaschutz in das Zentrum einer Modernisierungspolitik von Ökonomie, Technik und Gesellschaft zu stellen! Wir sind bereit, jeden, der dies will, zu unterstützen. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der PDS) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Es spricht jetzt der Kollege Dr. Klaus Lippold. Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach) (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Lassen Sie mich vorweg sagen: Der Dank des Hauses allgemein ist das eine; der Dank der Umweltpolitiker dieses Hauses an Klaus Töpfer ist das andere. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. sowie des Abg. Albert Schmidt [Hitzhofen] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Klaus, wir danken dir für jahrelange freundschaftliche, gute, kollegiale und auch erfolgreiche Zusammenarbeit. Dein neues Tätigkeitsfeld bedeutet für uns, daß für die Zukunft Felder der Zusammenarbeit vorgezeichnet sind. Ich gehe davon aus, daß das so freundschaftlich, wie es in der Vergangenheit war, auch in Zukunft stattfinden und zu einem generellen Erfolg weltweiter Umweltschutzpolitik führen wird, die wir hier gemeinsam vertreten haben und für die wir von dir auch in deiner neuen Funktion zusätzliche Impulse erwarten, wie du sie auch in der Vergangenheit gegeben hast. Ganz herzlichen Dank, Klaus! (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Kollege Müller, es ist sehr wichtig, vorweg noch einmal darauf hinzuweisen, daß der Ausdruck der Halbherzigkeit in Sachen weltweiter Klimapolitik allenfalls von einem Sozialdemokraten und vielleicht noch von ein paar anderen Oppositionellen in den Mund genommen werden kann. Aber wenn ich die weltweite Diskussion betrachte, dann stelle ich fest, daß die Führungsposition der internationalen deutschen Klimaschutzpolitik uneingeschränkt respektiert und die Verdienste des Bundeskanzlers und der Umweltministerin in vollem Umfang anerkannt werden. Sie werden permanent aufgefordert, in diesem Sinne weiterzuarbeiten und auf ihre jeweiligen Regierungen einzuwirken. Gerade im Vorfeld von Kioto, lieber Kollege Müller, haben uns die japanischen Kollegen noch einmal um reichhaltige Unterstützung gebeten, weil sie meinten, daß wir seitens unserer Bundesregierung viel mehr Verständnis und Hilfestellung bekämen, als sie es je von ihrer Regierung erwarten könnten. Sie haben uns gefragt, wie wir gemeinschaftlich Druck auf Medien ausüben könnten, um ihre Regierung in dieser Frage zu einem ganz anderen Marschtempo zu bewegen. Wenn diese internationalen Erfolge hier durch septemberorientierte Überlegungen auf den Punkt „Halbherzigkeit" zurückgedrängt werden, dann ist dies, lieber Kollege Müller, nicht angemessen; (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) denn wir sind uns doch in der Notwendigkeit der Klimaschutzpolitik uneingeschränkt einig. Ich will gar nicht in die Details gehen, wo ich die Risiken durch die zeitliche Zusammendrängung der Prozesse, die uns zu schnelleren Fragestellungen und zu schnelleren Lösungsmöglichkeiten zwingen, als noch größer empfinde als Sie, Kollege Müller. Wir sind bereit, diesen Weg mitzugehen. Die Konferenzen der UN in der Vergangenheit haben deutlich gemacht, daß es gelungen ist, den Bewußtseinsprozeß weltweit anders zu verankern, als dies früher der Fall war. Bedauerlicherweise handelt es sich in vielen Fällen nur um den Bewußtseinsprozeß, nicht aber um die Änderungen, die unabweisbar erforderlich sind, wenn wir auf diese Herausforderungen reagieren wollen. Deshalb meine Bitte, daß wir alle Möglichkeiten gemeinschaftlich nutzen, um im internationalen Bereich für die Position, die wir als deutsches Parlament einnehmen, zu werben und dafür Verständnis und Unterstützung herbeizuführen; denn das wird die Position sein, die wir brauchen. In diesem Zusammenhang danke ich noch einmal der Präsidentin für die Unterstützung, die sie uns in diesen Politikfragen in der Vergangenheit hat angedeihen lassen. Die Ergebnisse der Enquete- Kommission wären ohne die Unterstützung von Frau Professor Süssmuth so nicht möglich gewesen. (Beifall bei der CDU/CSU) Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Kioto-Konferenz war ein Erfolg, weil nur diejenigen, die sich mit der realen internationalen Entwicklung nicht auseinandergesetzt haben, mehr erwarten konnten. Es gab härtesten Widerstand nicht nur von der USA, nicht nur von Ländern wie Australien und auch der OPEC. Es gab auch die mangelnde Bereitschaft vieler anderer, unseren Weg mitzugehen. Wenn ich vorhin die Parlamentarierbeteiligung angesprochen habe, dann aus zwei Aspekten. Ich glaube, daß es notwendig sein wird, insbesondere mit den US-amerikanischen Kollegen die Probleme noch einmal zu vertiefen. Wir haben am Rande des Kioto-Prozesses mit ihnen diskutiert und haben festgestellt, daß sie einen Bewußtseinsstand haben, der dem unsrigen vor etwa 15 Jahren entspricht, daß von ihrer Seite überhaupt kein Verständnis besteht für die Grundproblematik generell und erst recht kein Verständnis dafür, daß dies eine Frage des internationalen Wettbewerbs ist. Wenn nämlich alle entwickelten Länder, alle Industrienationen, diesen Weg einer erfolgreichen Klimaschutzpolitik im Gleichschritt gehen, ändert dies nichts an den Wettbewerbsbedingungen, wovor diese Senatoren dort gewarnt haben. Wir werden auch deshalb werben müssen, weil die Verunsicherungskampagne, die über einige Wissenschaftler gesteuert läuft, do rt besonders greift und weil zum Beispiel die Ratifikation dieses Ergebnisses im US-Kongreß nach wie vor noch nicht gesichert ist. Wer sich an die Byrd-Hagel-Resolution erinnert, wird wissen, daß hier noch einiges an Arbeit zu leisten ist, damit das in dieser Frage wichtigste Land, gerade was die Emissionen angeht, dieses Ergebnis ratifiziert. Hier einen Beitrag zur dortigen Bewußtseinsänderung zu leisten wird notwendig sein. Das heißt aber auch, daß sich deutsche Parlamentarier verstärkt in die internationalen Diskussionen einschalten müssen. Ich weiß, daß das in diesem unserem Lande manchmal etwas kritisch gesehen wird. Wer aber beobachtet hat, wie wenig konzertiert zum Beispiel die Europarlamentarier in diesen Diskussionsprozeß gegangen sind und wie sie auf eine geschlossene Fronde US-amerikanischer Senatoren und Kongreßabgeordneter trafen, der weiß, daß wir, wenn wir erfolgreich sein wollen, erst einmal die Lücken im eigenen Bereich schließen und die Defizite aufarbeiten müssen, bevor wir diese Fragen konzertiert, taktisch und strategisch orientiert als europäische Parlamentarier der Nationalparlamente angehen, und daß wir nicht innerhalb von fünf Minuten Zukunftsabstimmungen versuchen dürfen; denn das bringt nichts. Hier haben wir nachzuarbeiten. (Beifall bei der CDU/CSU) Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich will nicht alles das im einzelnen nachzeichnen, was die Umweltministerin hier angesprochen hat. Aber eines möchte ich sagen: Es darf natürlich keine Zeit verlorengehen, in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und der Wirtschaft die Ergebnisse von Kioto aufzu - greifen. Wir müssen die Thematik der Senken in die politischen Überlegungen einbeziehen. Wir müssen zusammen mit unseren Wissenschaftlern - ich denke hier insbesondere an die Potsdamer Wissenschaftler, die ja in dieser Frage weltweit führend sind - jetzt die Konditionen und die Eckpunkte formulieren, um deren Umsetzung wir uns - möglichst sofort - in der internationalen Diskussion bemühen sollten. Ziel sollte sein, zu verhindern, daß über eine Steuerung der Randbedingungen eine Verfälschung der Ergebnisse möglich gemacht wird. Das wird ein ganz wesentlicher Punkt sein. Dabei handelt es sich um eine wissenschaftlich schwierige, aber unter Beteiligung von deutschen Wissenschaftlern gut zu leistende Arbeit. Frau Ministe rin, gerade in dieser Frage bitte ich Sie noch einmal um eine ganz besondere und konkrete Unterstützung. Hieran müssen wir arbeiten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der F.D.P.) Das gleiche gilt auch in bezug auf die Emissionszertifikate. Die „joint implementation" muß weiterentwickelt werden. Hier ergeben sich für die Zukunft Chancen; die Risiken werden wir aussteuern müssen. Aber, Frau Ganseforth, um Ihre Zwischenrufe von vorhin aufzugreifen: In vielen dieser Fragen waren wir uns ja ursprünglich einmal einig. Es wäre gut, wenn wir zu dieser Einigkeit zurückkehren würden. Ich denke dabei an den ersten Be richt der zweiten Enquete-Kommission zum Klimaschutz, in dem wir uns in einer ganzen Reihe von Fragen noch einvernehmlich geäußert haben. Ich glaube, zu dieser einvernehmlichen Haltung sollten wir wieder zurückkehren. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der F.D.P.) Natürlich sind wir auch gefordert, die Dinge national weiterzuentwickeln. Ich möchte etwas zu den Überlegungen hinsichtlich des Ziels einer Reduktion um 25 Prozent sagen. Ich komme jetzt zu dem Punkt zurück, den ich vorhin aufgegriffen habe. Ich habe direkt im Anschluß an die Konferenz von Moto noch einmal sehr ausführlich mit dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Indust rie über Klimaschutz und Weiterentwicklung gesprochen. (Albert Schmidt [Hitzhofen] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Das wird auch nötig sein!) Seine Meinung, wonach vor dem Hintergrund des erzielten Ergebnisses eine Reduzierung der Anforderungen national und in Europa zu erwägen sei, weil andere ja auch nur zu weniger verpflichtet seien, habe ich entschieden zurückgewiesen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der F.D.P.) Ich glaube, hier werden wir gemeinsam dafür werben müssen, daß das Ziel, das zu erreichen wir uns vorgenommen haben, uneingeschränkt gültig bleibt. Es wird unter den Kolleginnen und Kollegen, auch in den eigenen Reihen und nicht nur bei uns, den einen oder anderen geben, der von einer solchen Argumentation angekränkelt werden könnte. Auch hier werden wir noch deutlich nacharbeiten müssen. Herr Kollege Müller, bei der Diskussion der Analyse, die Sie hierzu geleistet haben, werden wir das hoffentlich auch gemeinschaftlich tun. Denn dann wird es von Erfolg gekrönt sein. Wir werden an dem Ziel der Reduktion festhalten. Nur dadurch ist auch ein Erreichen der für Europa gesetzten Ziele möglich, weil dies maßgeblich auf unseren Anstrengungen, nicht auf denen anderer, basiert. Wir sollten versuchen, die Vorstöße der Ministerin insbesondere im Blick auf Großbritannien, das dazu gebracht werden sollte, die eine oder andere Reserve zu mobilisieren, auf parlamentarischer Ebene mitzutragen. Dies ist unabweisbar notwendig. Wir sollten die Möglichkeiten, die sich uns national bieten, ausschöpfen. Hier geht es auch um den folgenden Punkt: Parlamentarier der Koalitionsfraktionen haben die Auseinandersetzung zum Beispiel mit den Stand-by-Geräten angeregt. Die Bundesregierung hat dies dankenswerterweise zügig aufgegriffen; das muß man einmal lobend hervorheben. Ich sage ganz deutlich: Hier stecken eine ganze Menge Reserven, nämlich 1,5 Prozent dessen, was möglich ist. Denn allein von den Stand-by-Geräten wird Strom in einer Größenordnung der Leistung von zwei Großkraftwerken verbraucht. Wir sollten mit einem Appell hinsichtlich der Selbstverpflichtungen der Indust rie, die diese Geräte herstellt, den deutschen Ingenieurgeist dazu anhalten, neue Lösungen zu finden, die für den Konsumenten praktikabel sind und die gleichzeitig keine Energie verschleudern, was bei den jetzigen Geräten noch nicht der Fall ist. Man kann Bequemlichkeit auch mit weniger Energieeinsatz erzielen. Das werden wir hoffentlich geschlossen gegenüber den Betroffenen vertreten. Dies ist nur ein Punkt von vielen, die möglich sind. Bei aller Unterschiedlichkeit der Auffassungen glaube ich, daß wir geschlossen vorangehen sollten. Die Bundesrepublik kann einen guten Beitrag zum Klimaschutz leisten; wir haben ihn schon geleistet. Wir sprechen der Ministe rin in dieser Form noch einmal unseren Dank für die kluge und erfolgreiche Vorgehensweise in Kioto aus. Ganz herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Das Wort hat jetzt die Kollegin Michaele Hustedt. Michaele Hustedt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! El Niño, der Eisregen in Kanada und an der Westküste der USA, aber auch, daß wir hier in Deutschland und weltweit das wärmste Jahr seit der Temperaturerfassung haben, machen deutlich, daß es sehr wohl Anzeichen dafür gibt, daß der Treibhauseffekt schon jetzt begonnen hat, daß wir bereits mitten im Treibhauseffekt sind. Darauf haben - nicht beachtet hier in Deutschland -104 Nobelpreisträger - zwei Drittel aller lebenden Nobelpreisträger - parallel zu Kioto hingewiesen. Ihrer Meinung nach hat der Treibhaus - effekt schon begonnen, und jetzt ist dringend schnellstmögliches Handeln notwendig. Kioto wurde aus meiner Sicht und auch aus der Sicht der Nobelpreisträger dieser Herausforderung nicht gerecht. Die Reduktionsziele sind wesentlich zu niedrig. Es gibt viel zu viele Schlupflöcher, so daß diese zu niedrigen Reduktionsziele noch unterlaufen werden können. Meine Meinung ist, daß wir dieses Protokoll nur ratifizieren sollten, wenn sich die Industrieländer von ihren Reduktionspflichten nicht - wie im Beispiel die USA von Rußland - freikaufen können. Ich übe dabei keine Kritik an dem persönlichen Auftreten von Frau Merkel. Im Gegenteil: Ich fand, daß Frau Merkel in Kioto tatsächlich gekämpft hat. Was ich besonders gut fand, war, daß sie auch sehr harte Worte gegenüber den USA gefunden hat. Aber jetzt ist es so, daß im Windschatten von Kioto - Herr Lippold hat es angesprochen - der BDI-Präsident Henkel auch hier in Deutschland ein Abrücken vom Klimaschutzziel fordert . Wenn solche Berufsprovokateure Morgenluft wittern, dann ist das ein Alarmzeichen. Ich finde, es ist ein absolut falsches Signal, wenn wir uns jetzt hinter den Bremsern verstecken und das als Argument nehmen, in Deutschland von unseren Zielen abzurücken. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Herr Henkel hat aber auch gesagt - da muß ich ihm leider recht geben -: Das Erreichen dieses Ziels in Deutschland ist leider ein frommer Wunsch. „Leider" hat er nicht gesagt; das sage ich. Herr Henkel hat gesagt: Das ist ein frommer Wunsch. Da muß ich ihm recht geben. Denn Frau Merkel hat zwar Kämpferqualitäten in Kioto gezeigt, aber diese Kämpferqualitäten vermisse ich leider, so muß ich sagen, von ihr als Umweltministerin hier in Deutschland. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS) Ihre Kollegen sind da überhaupt nicht zurückhaltend, siehe Blüm gegen Rexrodt, Gerhardt und Henkel, Kohl gegen Nolte, Stoiber gegen den Euro. (Joseph Fischer [Frankfu rt] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Stoiber gegen alle!) Da ist eine heftige Streitkultur im Gange. Aber Frau Merkel ist doch - es ist außerordentlich -, wenn es um Streit hier geht, absolut nicht mehr die Kämpferin, sondern mutiert langsam zum pflegeleichten Feigling. Da kann man nur Adenauer zitieren: Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Die Bilanz der pflegeleichten Ministerin ist deswegen dramatisch schlecht. Die Selbstverpflichtungen sind doch, ehrlich gesagt, nur Show. Gemacht wurde das, was sowieso gemacht werden sollte, nämlich Deindustrialisierung im Osten und dann noch die Energieeinsparungen, die sich tatsächlich rechnen. Jetzt, wo es ernst wird, wo man sich nicht mehr durch Deindustrialisierung retten kann, machen Sie sich langsam vom Acker. Der Automobilverband hat schon angekündigt, daß er sich nicht mehr an die Selbstverpflichtung gebunden fühlt. Die nächste wird wahrscheinlich die Energiewi rtschaft sein; denn sie hat ihre Selbstverpflichtungserklärung von Millheim-Kärlich abhängig gemacht. Das ist ja Gott sei Dank jetzt endgültig - ein Hoch den Gerichten - abgeschaltet. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der PDS) Das heißt, jetzt, wo es ernst wird, werden Sie auf härteren Widerstand stoßen. Sie werden genau auf das Problem stoßen, das Sie bisher nie in Angriff genommen haben und das Ihr Grundproblem ist: daß Sie nie Konsequenzen für den Fall angedroht haben, daß diese Selbstverpflichtungserklärungen nicht eingehalten werden. Staatliche Konsequenzen müssen dann sein, sonst funktionieren die Selbstverpflichtungserklärungen nicht. Der zweite Bereich ist Verkehr. Da sieht es noch viel schlimmer aus. Von wegen Entkoppelung! Wir haben in diesem Bereich eine heftige Steigerung der Emissionen. Es gibt keinerlei Maßnahmen - auch heute habe ich von Frau Merkel keine einzige Maßnahme gehört -, wie in dem Verkehrsbereich die Emissionen überhaupt stabilisiert werden könnten. Da müßte sie sich, wie gesagt, sehr heftig mit Herrn Wissmann anlegen, und das scheut sie. (Joachim Hörster [CDU/CSU]: Nicht so gif - tig!) Auch die Privathaushalte haben keinerlei Anreiz, Energie einzusparen. Da liegen Riesenpotentiale. Ich kann diese Ankündigungen, ehrlich gesagt, nicht mehr hören. Die Wärmeschutzverordnung ist schon im Koalitionsvertrag enthalten und noch immer nicht umgesetzt. Machen Sie endlich in diesem Bereich, was das Wichtigste und Entscheidendste wäre: die Energiesteuer. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Meine Bilanz ist deshalb sehr traurig. Da dies die letzte große Klimadebatte in dieser Legislaturpe riode ist, möchte ich folgendes sagen: Vier wertvolle Jahre wurden durch diese Bundesregierung auf dem Gebiet des Klimaschutzes verschenkt, vier wertvolle Jahre, die wir, wenn im September Rotgrün die Regierung übernimmt, als Altlasten übernehmen werden. Wir übernehmen nicht nur die Altlasten in Form der Haushaltslöcher von Waigel, wir übernehmen nicht nur die Altlasten in Form der hohen Arbeitslosigkeit von mehr als fünf Millionen Menschen; vielmehr übernehmen wir auch dergestalt Altlasten, daß vier Jahre für den Klimaschutz nichts getan wurde. (Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Wenn ihr nicht wollt, machen wir weiter! Ihr müßt nicht!) Deswegen wird Rotgrün ein Klimaschutzgesetz verabschieden und ein aktives, wirksames Klimaschutzaktionsprogramm erstellen. Es muß dann Schluß sein mit dem Verharmlosen, mit dem Verwalten, mit dem Schönreden; wir werden Rahmenbedingungen schaffen, zum Beispiel durch die Energiesteuer, durch ein wirklich ökologisches Energiewirtschaftsgesetz, so daß sich umwelt- bzw. klimafreundliches Verhalten sowohl für die Verbraucher als auch für die Wirtschaft lohnt und für Öko-Pioniere, die Innovationen in diesem Bereich anzubieten haben, tatsächlich Absatzmärkte geschaffen werden. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es wird - das will ich gar nicht leugnen - nach diesen vier Jahren des Nichtstuns nicht leicht sein, in den dann verbleibenden Jahren das Klimaschutzziel noch zu erreichen. Ich bin aber optimistisch, daß, wenn der politische Wille nach der Bundestagswahl da ist, es noch erreichbar ist - dann allerdings mit Frau Merkel auf der Oppositionsbank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der PDS) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Als nächste Rednerin die Kollegin Birgit Homburger. Birgit Homburger (F.D.P.): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich möchte zunächst mit einem Dank an Frau Bundesministerin Dr. Merkel und auch an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnen. Nicht nur auf der Klimakonferenz in Kioto, sondern bereits weit im Vorfeld wurde mit großem Geschick und Einsatz für eine wirksame internationale Klimaschutzstrategie gekämpft. Nicht zuletzt dem Einsatz der deutschen Delegation ist es zu verdanken, daß die Europäische Union in Kioto die treibende Kraft war. Die Ergebnisse des 3. Klimagipfels haben leider nicht den großen Durchbruch gebracht. Sie sind besser, als zu befürchten war, aber nicht so, wie wir uns es erhofft haben. Insbesondere die USA als weltweit größter CO 2-Emittent haben sich vehement gegen vernünftige Reduktionsziele gewandt und sich damit vermeintlichen wirtschaftlichen Interessen gebeugt. Ich habe absichtlich „vermeintliche" wirtschaftliche Interessen gesagt; denn eine vernünftige Klimaschutzstrategie und wi rtschaftliche Interessen sind kein Gegensatz. Das beweist auch das Konzept, das die Bundesregierung in den letzten Jahren gefahren hat. In der Welt werden in Zukunft energiesparende Techniken und Produkte gefragt sein. Wer da die Nase vorn hat, hat auch den Absatzmarkt. Deshalb begreift die F.D.P. Klimaschutz auch als Chance zur technologischen Innovation und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Deutschland und die EU dürfen jetzt nicht von ihren selbstgesteckten höheren Reduktionszielen abrücken: erstens, weil sich der Handlungsbedarf im Klimaschutz - das wurde ja schon ausführlich erläutert - mit den Beschlüssen von Kioto nicht verringert hat und Fehlentwicklungen in diesem Bereich nicht beliebig umkehrbar sind, und zweitens, weil Anstrengungen im Klimaschutz auch technischen Fortschritt und damit Vorsprung auf Zukunftsmärkten bedeuten. (Beifall bei der F.D.P. sowie des Abg. Hans - Peter Repnik [CDU/CSU]) Es ist deshalb unverständlich und ökonomisch unvernünftig, wenn Herr Henkel die bisherigen Anstrengungen und das Klimaschutzziel in Frage stellt. Die F.D.P. hält am nationalen Klimaschutzziel fest. Wir werden die Indust rie weiter beim Wo rt nehmen und die Erfüllung ihrer Selbstverpflichtungen einfordern. Immerhin brachte Kioto eine Neuerung: den Einsatz handelbarer Emissionen. Dieses Instrument wurde ja schon vorher in der Rede von Frau Ministerin Merkel erklärt. Damit werden neue Wege in der internationalen Umweltpolitik beschritten, und das von der F.D.P. seit den 80er Jahren vertretene Modell der ökologischen Marktwirtschaft erfährt damit internationale Anerkennung. (Beifall bei der F.D.P. sowie bei Abgeordne ten der CDU/CSU) So kann mehr Effizienz und Flexibilität im Umweltschutz erreicht werden. Wir müssen aber darauf achten - da sind wir uns offensichtlich einig, wenn ich an die Äußerungen der Vorredner denke -, daß das nicht zu Mißbrauch führt und einige Staaten sich sozusagen von ihrer Reduktionsverpflichtung freikaufen. Deshalb findet die F.D.P. es wichtig, daß der Handel nur ergänzend zu nationalen Maßnahmen stattfinden darf. Noch besser wäre es natürlich, wenn sich bei der nächsten Vertragsstaatenkonferenz die EU-Forderung nach einer prozentualen Begrenzung der Zielerfüllung durch Trading durchsetzen würde. Es gibt natürlich vielfältige Vorschläge darüber, wie wir unser Reduktionsziel erreichen können. Im Gebäudebereich muß das große Potential zur Energieeinsparung besser erschlossen werden; deswegen bereitet die Bundesregierung eine Energieeinsparverordnung vor. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für den Klimaschutz müssen verbessert werden. Dazu hat die F.D.P. bereits seit langem ein Konzept entwickelt und vorgelegt. Ich hoffe, daß sich das jetzt in Europa durchsetzen läßt. Die F.D.P. bleibt dabei, daß die Abschaffung der Kfz-Steuer und deren Umlegung auf die Mineralölsteuer ein Anreiz zur Verkehrsvermeidung und zum Kauf verbrauchsärmerer Fahrzeuge sowie gleichzeitig zum Bürokratieabbau wäre. Auch das läßt sich nämlich miteinander verbinden. (Beifall bei der F.D.P.) Nur, die im letzten Jahr via Bundesrat und Vermittlungsauschuß in großer Koalition erzwungene Änderung ist ein bürokratisches Monstrum, aber ein umweltpolitisches Mäuschen. (Beifall bei Abgeordneten der F.D.P.) Hier bieten SPD und Grüne ein schwaches Bild. Sie fordern im Bundestag den Einstieg - Frau Hustedt, Sie haben das gerade wieder einmal getan - in die ökologisch-soziale Steuerreform, schaffen aber nicht einmal einen kleinen Anfang, wenn wir denn anfangen wollen. So sind zum Beispiel die Umwandlung der Kfz-Steuer oder die Umwandlung der Kilometerpauschale in eine verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale Ansätze in diese Richtung. Diese haben Sie jedoch verhindert, indem Sie diese Ziele rot-grünen Länderinteressen geopfe rt haben. Etwas anderes war das doch nicht. (Beifall bei der F.D.P. sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU - Ingrid Matthäus-Maier [SPD]: Das glaubt ja kein Mensch!) Schwerpunkte müssen in Zukunft nicht nur im Verkehrssektor, sondern auch im Gebäudebestand gesetzt werden, (Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Machen Sie doch einmal! Sie regieren!) aber das Rezept der Grünen dazu ist unbrauchbar. Es zeugt von Staatsgläubigkeit und obrigkeitsstaatlichem Staatsverständnis. Das kann man sehr gut dokumentieren, wenn man die gestrige Umweltausschußsitzung und die Ausführungen des Herrn Kollegen Rochlitz Revue passieren läßt. Genau das finden wir auch in dem heute gestellten Antrag wieder. Darin werden die alten Rezepte angeboten. Sie reden wieder einmal vom Ausstieg aus der Kernenergie in der Klimadebatte. (Beifall der Abg. Michaele Hustedt [BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN]) Zum Thema Kohle sagen Sie allerdings nichts. Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Frau Homburger, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Köhne? Birgit Homburger (F.D.P.): Ich bin gerade bei den Grünen und würde das gern fertigmachen. Dann können wir zum Kollegen Köhne kommen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU - Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Jetzt zittere ich aber!) Ich halte es für wichtig, im Zusammenhang vorzutragen, weil es sonst auseinandergerissen wird. Sie haben in Ihrem Antrag wieder einmal den Ausstieg aus der Kernenergie gefordert. Sie wissen, daß das sehr wohl Relevanz für die CO 2-Emissionen hat. Über Ihr Verhältnis zur Kohle sagen Sie nichts. Ich würde das an Ihrer Stelle wahrscheinlich auch nicht tun; denn zuerst haben Sie einen drastischen Subventionsabbau bei der Kohle gefordert, dann haben Sie über Nacht den Beschluß gekippt, damit sich Herr Fischer von den Kumpels hat feiern lassen können, anschließend haben Sie dem Steinkohleförderungsgesetz nicht zugestimmt, und jetzt steht im Entwurf des Wahlprogramms wieder die Reduzierung der Kohleförderung. Ich finde es schon erstaunlich, wie man nach einem Umfaller so oft wieder aufstehen kann, um erneut wieder umzufallen. (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU - Ingrid Matthäus-Maier [SPD]: Das Wo rt „Umfaller" ist mit einer anderen Partei ver - bunden! - Gegenruf des Abg. Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Das Wo rt hat eine neue Heimat, Frau Matthäus-Maier!) Grüne Politik läßt sich auf drei Kernpunkte reduzieren: ein staatliches Steuererhöhungs- und Umverteilungsprogramm unter dem Deckmantel der sogenannten Ökosteuerreform und Ausbau anstatt Abbau der staatlichen Subventionen und Verbote. Das ist Politik von gestern. Was wir brauchen, sind Ideen. Davon gibt es eine ganze Reihe. Ich habe sie mehrfach vorgetragen. Leider reicht meine Redezeit nicht aus, um das noch einmal zu tun. Wir haben eine ganze Reihe von Beispielen genannt, wie man intelligentere Wege gehen kann, die nicht auf Staatsknete, sondern auf Eigenverantwortung und selbstregulierende Prozesse setzen. Dazu gehören beispielsweise der Einbau von Energieverbrauchszählern in Heizungsanlagen, die jährliche Erstellung eines Energiespiegels analog zum Mietspiegel, die Einführung von Wärme- oder Energiebedarfsausweisen für Gebäude, die Deckelung der Umlagefähigkeit von Heizkosten und vieles mehr. Es gibt eine ganze Latte von Vorstellungen. (Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ NEN]: Wer regiert denn das Land?) In Zeiten knapper öffentlicher Kassen hilft die Fixierung auf staatliche Förderprogramme nicht weiter. Hier versagt Ihre politische Phantasie. (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Das Wort zu einer Kurzintervention hat jetzt der Abgeordnete Köhne. Rolf Köhne (PDS): Frau Kollegin Homburger, Sie haben das Thema verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale angesprochen. (Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: So unge fähr!) Erinnern Sie sich: Vor ungefähr zwei Jahren hat die PDS einen entsprechenden Antrag eingebracht. Im Umweltausschuß gab es folgende Debatte: Sie haben unseren Antrag mit der Begründung abgelehnt, das habe unkalkulierbare Auswirkungen auf den Staatshaushalt. Daraufhin hat der Kollege Müller von der SPD den Änderungsantrag eingebracht, die Pauschale so zu berechnen, daß sie auf den Staatshaushalt keine Auswirkungen habe. Wir haben diesen Änderungsantrag übernommen. Sie haben diesen Änderungsantrag abgelehnt. Sie können sich jetzt also nicht hier hinstellen und den Grünen und der SPD vorwerfen, sie hätten das blockiert. (Ingrid Matthäus-Maier [SPD]: Selbstblok kade!) Das ist doch wohl der reine Hohn. (Beifall bei der PDS) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Frau Homburger. Birgit Homburger (F.D.P.): Herr Kollege Köhne, wir können das sehr wohl. Wenn Sie die Güte hätten, in unseren Steuervorschlägen nachzulesen, dann würden Sie feststellen, daß die verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale do rt vorgesehen gewesen ist, (Beifall bei Abgeordneten der F.D.P.) und zwar so, daß sie für den Staatshaushalt keine zusätzliche Belastung bringt. Diese Steuerbeschlüsse sind abgelehnt worden. Deswegen kann ich diesen Punkt hier heute sehr wohl anführen. (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Wir setzen in der Rednerliste fo rt . Jetzt hat die Kollegin Eva Bulling- Schröter das Wort . Eva Bulling-Schröter (PDS): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Weltweit sind in den letzten acht Jahren wertmäßig genauso viele Güter produziert und verbraucht worden wie seit Beginn der menschlichen Zivilisation bis zum Jahre 1950. Dieses Anwachsen zerstörerischer Produktion kennt keine Grenzen. Im Gegenteil: Vom konservativsten Friedman-Anhänger bei der CDU/CSU oder der F.D.P. bis zum Links-Keynesianer in der SPD alle sehen ihr Heil zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Lösung der Umweltprobleme letztlich in der Verteilung vermeintlicher Wachstumsdividenden. Dieses ständige Mehr an Waren und Dienstleistungen, dieser Wahnsinn an Naturverbrauch frißt nicht nur ungezügelt Ressourcen. Diese Wirtschaftsweise schleudert auch Klimagase in die Atmosphäre, die selbst mit ausgeklügelter Technik und ausgeklügelten Technologien nur teilweise vermieden werden können. Während sich die Industrieländer auf dem Gebiet des Gewässerschutzes vergleichsweise zügig auf halbwegs wirksame Standards einigen konnten, liegt die Sache bei den Klimagasen - wie wir das in Kioto gerade erleben konnten - völlig anders. Der Ausstoß dieser Gase ist so eng mit den jeweiligen Produktionsvolumina, Technologie- und Verkehrsstrukturen verbunden, daß sich die jewei ligen Wirtschaftslobbys mit Zähnen und Klauen an den Status quo klammern. Ohne Zweifel: Der härteste Widerstand gegen wirksame Klimaschutzziele kam aus den USA, Australien, Neuseeland und Japan - ein Kniefall vor der heimischen Auto-, Erdöl- und Kohleindustrie. Die Forderung Präsident Clintons, auch die Entwicklungsländer hätten einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, gehörte dabei sicher zu den zynischsten Beiträgen der Konferenz. Die Nummer eins des Landes, in dem nur 4 Prozent der Weltbevölkerung leben, das aber mit 5 Milliarden Tonnen 24 Prozent der weltweiten CO 2-Emissionen in die Atmosphäre pustet, fordert Gleichbehandlung - ein Witz. Die Verhandlungsposition der EU ging weiter als die der USA. Aber aus den ohnehin mageren 15 Prozent bis zum Jahre 2010 wurden am Ende nur 8 Prozent Reduktion. Die USA und Japan genehmigen sich noch etwas weniger. Damit manifestiert das in Kioto beschlossene Protokoll die Unfähigkeit und den Unwillen der Wirtschaftslobby führender Industriestaaten, langfristige Menschheitsinteressen in ihre Entscheidungsfindungen zu integ rieren. Mit der geplanten Reduzierung der Treibhausgase um durchschnittlich 5,2 Prozent im Zeitraum 2008 bis 2012 gegenüber dem Jahre 1990 liegt das Ergebnis meilenweit unter den Forderungen von Klimaforschern und Umwelt-NGOs. Es liegt auch unter der Forderung der von den Auswirkungen einer Erwärmung am stärksten betroffenen Inselstaaten. Ihnen würde das Wasser als erste in die Stube laufen. Deshalb wurde von diesen Gruppen als Minimalziel eine Reduktion von 20 Prozent bis zum Jahre 2005 gefordert. Der faule Kompromiß beinhaltet zudem Schlupflöcher, deren Dimensionen heute noch gar nicht abzusehen sind. Durch die Möglichkeit des Handelns mit Emissionszertifikaten könnten westliche Industriestaaten nicht ausgenutzte Emissionsquoten anderer Länder aufkaufen. Viele osteuropäische Länder übererfüllen aber durch den Zusammenbruch ihrer Industrien seit 1990 schon jetzt die beschlossenen Einsparungen um 30 bis 40 Prozent. Somit könnten die größten Dreckschleudern der Erde, beispielsweise die USA, von Rußland oder der Ukraine ungenutzte Verschmutzungsrechte erwerben, um weiter CO 2 in die Atmosphäre blasen zu können. Ein ähnliches Schlupfloch ist die Verrechnung von Aufforstungen als CO 2-Einsparung. Ich frage mich, ob im Gegenzug die gigantischen Abholzungen beispielsweise in Rußland für finnische Firmen, die Papier für deutsche Zeitungen und Drucksachen produzieren, gar als CO 2-Ausstoß für Deutschland oder Finnland gerechnet werden. In der Summe aller Hintertüren - das ist wohl realistisch - werden die Hauptverschmutzer nicht einmal ihre in Kioto vereinbarten niedrigen nationalen Reduktionsziele einzuhalten brauchen. Die PDS-Bundestagsgruppe forde rt die Bundesregierung auf, endlich an der Selbstverpflichtung festzuhalten, den CO 2-Ausstoß auf der Basis von 1990 bis zum Jahre 2005 um 25 Prozent zu senken. (Beifall bei der PDS) Dabei sollten alle Klimagase zugrunde gelegt werden. Letztlich ist jedoch weltweit der Ausstoß an den naturwissenschaftlich begründeten Notwendigkeiten auszurichten. Das bedeutet als Mindestforderung eine weltweite Halbierung dieser Emissionen bis Mitte des nächsten Jahrhunderts. Für die Industriestaaten heißt das - so der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen" in seinem Sondergutachten vom Dezember - eine Reduktion von 77 Prozent bis zum Jahre 2050. Nur so kann auch den Entwicklungsländern eine Chance zur Entwicklung gegeben werden. Das bedeutet, daß bei einem Wachstumsfaktor von jährlich nur 2,5 Prozent jede Einheit Sozialprodukt in 50 Jahren mit 17mal weniger Klimaemissionen hergestellt werden muß. Umgerechnet auf jährliche Reduktionsraten hieße das, diesen Ausstoß in jedem Jahr um durchschnittlich 5,5 Prozent zu reduzieren. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie sich diese Zahl noch einmal auf der Zunge zergehen: 5,5 Prozent. In den fünf Jahren von 1990 bis 1995 hat die Bundesrepublik ihren CO 2-Ausstoß nach Regierungsangaben trotz des Zusammenbruchs der ostdeutschen Indust rie gerade einmal insgesamt um 11,8 Prozent verringert. Ich möchte nun aber nicht weiter mit Prozenten agieren. Klar ist, daß die Bundesrepublik ohne einen Wandel in der Wirtschafts- und Verkehrspolitik nicht nur das vom WBGU gestellte Ziel meilenweit verfehlen wird. Auch das Zwischenziel bis zum Jahre 2005 steht in den Sternen. Damit bin ich wieder beim Ausgangspunkt: Eine radikale Energie- und Verkehrswende ist nur eine Säule einer langfristigen Klimapolitik. Die zweite Säule muß ein Ende der Wachstumsspirale sein. Die Bevölkerung der Industriestaaten leidet nicht an zu wenig Gütern und zu wenig Arbeit, sondern an deren ungerechter Verteilung. (Beifall bei der PDS) Unter diesen weltweit vom Norden diktierten Produktions- und Verteilungsverhältnissen leiden aber vor allem die Länder des Südens; denn sie tragen als Lieferanten von Rohstoffen und Halbfertigprodukten einen großen Teil des ökologischen Rucksacks, der überhaupt nicht in die Bilanzen der Industrieländer eingeht, seien es abgeholzte Wälder, geplünderte Bergwerke oder das ausgestoßene CO 2 beim Transport in die erste Welt. Ferner leiden sie unter Abhängigkeit und diktierten Weltpreisen, die eine sozial gerechte und ökologisch verträgliche Entwicklung der meisten afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Länder nachhaltig verhindern. Klimapolitik ist also mehr als Umwelt- und Verkehrspolitik. Sie ist im Kern Wirtschafts- und Sozialpolitik und rüttelt, wenn sie konsequent bet rieben wird, an den Grundfesten dessen, was die Mehrheit in diesem Hause für selbstverständlich und ewige Wahrheit hält. (Beifall bei der PDS) Abschließend möchte ich mich beim Herrn Bundeskanzler - er ist leider nicht mehr da - und bei Frau Merkel recht herzlich dafür bedanken, daß sie mich, stellvertretend für die PDS, von der offiziellen deutschen Delegation in Kioto ausgeschlossen haben. Ein wahrlich souveräner Umgang mit der Opposition! Danke. (Beifall bei der PDS sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Als nächste spricht in der Debatte die Kollegin Ul rike Mehl. Ulrike Mehl (SPD): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Vertreter der Bundestagsmehrheit haben es auf internationalen Umweltkonferenzen immer recht gut - man hörte dies auch von Herrn Lippold, er hat sich richtig darüber gefreut -, (Eckart Kuhlwein [SPD]: Aber er hört jetzt nicht zu!) weil sie von den Kolleginnen und Kollegen der anderen Staaten häufig gesagt bekommen, was in Deutschland für eine tolle Umweltpolitik gemacht würde. Abgesehen davon, daß das zum Teil in die Rubrik „Schmeicheleien zwischen den Kollegen" fällt, ist den Kollegen nicht bewußt, daß ein großer Teil Ihrer Umweltpolitik nur auf dem Papier steht. Wir haben sie darüber auch im dunkeln gelassen. (Beifall bei der SPD) Aber weil das so ist, werden Sie sich, liebe Kolleginnen und Kollegen, im Deutschen Bundestag der rauhen Wirklichkeit stellen müssen. Das ist unsere Aufgabe. Ich möchte noch einen Moment bei der Konferenz von Kioto bleiben. Das Gute an dieser dritten Folgekonferenz war, daß alle, die keine Klimaschutzmaßnahmen wollten - beispielsweise aus der Energie- und Erdöllobby -, immerhin große Angst gehabt haben müssen, daß es diesmal mit dem Klimaschutz richtig ernst wird. Dieser Eindruck konnte sich aufdrängen, weil es bei dieser Konferenz eine große Zahl von Lobbyisten gab. Am Ende sollen dort 10 000 Menschen gewesen sein. Gemessen an dieser Zahl war es sicher eine große und wichtige Konferenz. Das Schlechte an der Konferenz war, daß diese Interessengruppen ihrem Ziel, ein wirksames und schnelles Umsetzen der Klimaschutzbeschlüsse zu verhindern oder wenigstens zu behindern, leider recht nahe gekommen sind. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne - ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Gerade in der ersten Woche drängte sich manchmal der Eindruck auf, daß es hier überhaupt nicht um Klimaschutz ging, sondern darum, wer am Ende das beste Geschäft gemacht hat. Denjenigen, denen wegen des drohenden Meeresspiegelanstieges das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht, standen diejenigen gegenüber, die unter allen Umständen besondere Maßnahmen und Anstrengungen zur Senkung der Treibhausgase vermeiden wollten, allen voran die USA. Sie standen inhaltlich sehr weit auseinander. Die Entwicklungsländer sahen sich einem enormen Druck ausgesetzt, weil vor allem die USA erklärten, daß sie keine Klimagasreduktion akzeptieren würden, wenn nicht auch die Entwicklungsländer - und zwar entgegen bestehender vertraglicher Vereinbarung, Berliner Mandat - neue Verpflichtungen auferlegt bekämen. Nun hat solch eine Konferenz sicherlich ihre eigene Dynamik. Ich habe großen Respekt vor den Be amtinnen und Beamten, die dort während der ganzen Zeit rund um die Uhr verhandelt haben. Angesichts so mancher skurriler Maßnahmenvorschläge hatte diese Konferenz allerdings manchmal den Hauch eines orientalischen Basars. Zu solchen Vorschlägen zähle ich den Begriff der sogenannten „superheated air" . Dahinter verbirgt sich, daß die bereits eingetretenen Klimagassenkungen wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs in den osteuropäischen Ländern für zukünftige Reduktionsziele als bereits angesparte Mengen hätten in den Handel gebracht werden können. Dies ist Gott sei Dank verhindert worden. Dieser Vorschlag kommt mir so vor, als würde man Geld, das schon längst ausgegeben worden ist, so behandeln, als läge es auf dem Sparbuch. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Die Konferenzroutiniers hat das relativ kalt gelassen. Das ist sicherlich auch gut so. Man muß allerdings wissen, daß solche Vorschläge, die einem völlig abwegig vorkommen, immerhin auch deswegen gemacht werden, um am Ende ein möglichst niedriges Reduktionsniveau ausgehandelt zu haben. Am Ende ist man froh, daß überhaupt ein Vertrag zustande gekommen ist. So ähnlich war das auch hier der Fall. Natürlich kann man sagen, daß ein Protokoll mit kleinen Schritten besser ist als gar keines. Aber man muß immer wieder allen ins Bewußtsein rufen, daß wir keine Zeit haben, jahrzehntelang zu verhandeln. Wir müssen vielmehr schnellstens Ergebnisse erzielen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Der weltweite Wettlauf um ökonomische Entwicklungen wird unter Inkaufnahme der massiven weltweiten Umweltzerstörung offenbar als gottgegeben hingenommen. Daß wir uns damit aber im von Menschen gemachten Wettlauf um die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlage befinden, scheint viele überhaupt nicht zu interessieren. Darum bereitet es jedenfalls mir große Schwierigkeiten, das Ergebnis von Kioto als einen Erfolg zu sehen. Es ist, wie gesagt, das mindeste, was herauskommen mußte. Noch dazu, wenn bisher keiner weiß, ob die USA das Protokoll überhaupt ratifizieren. Herr Lippold hat das zu Recht angesprochen und kritisiert. Es kommt hinzu, daß in diesem Protokoll zwei Dinge geregelt sind, die diesen Prozeß möglicherweise konterkarieren können. Das ist zum einen der Handel mit Treibhausgaszertifikaten und zum anderen die Anrechnung von Waldflächen als CO 2- Senken. Beim Handel mit Zertifikaten kann ich mir sogar noch vorstellen, daß es eine akzeptable Lösung geben kann, wenn man ihn denn will. Es muß aber allen bewußt sein, daß hier die große Gefahr des modernen Ablaßhandels besteht. Es muß in den Verhandlungen, die im Grunde schon jetzt anlaufen müssen, verhindert werden, daß genau dies eintritt. Auch muß verhindert werden, daß das, was in dem Handel akzeptiert wird, auf die nationalen Reduktionsziele angerechnet wird. Für viel problematischer halte ich die Anerkennung der CO2-Senken, was insbesondere für die großen borealen und tropischen Waldgebiete gelten würde. Natürlich ist das Thema Erhaltung und Schutz der Wälder enorm wichtig. Aber wir müssen dann erst einmal anfangen, wesentlich intensiver über Abholzungen und das Waldsterben zu reden. (Beifall bei der SPD) Inzwischen wird beides doch schon als normal hingenommen, und wir reden dann über irgendwelche anderen Probleme. Wenn Waldflächen durch das Waldsterben entfallen, entfallen natürlich auch CO 2- Senken. Nach Aussagen von Fachwissenschaftlern zum Thema CO2-Senken gibt es im Moment nicht die leiseste Idee, wie die Anrechnung gehandhabt werden könnte. Ich halte es für absurd, die Bindung von CO 2 in Wäldern berechnen, messen und vor allen Dingen kontrollieren zu können und festzulegen, welche Wälder, welche Baumarten in welchen Altersgruppen welche Mengen CO 2 binden können, und im Gegenzug dann so zu tun, als könnten wir mit allem so weitermachen wie bisher, wenn wir entsprechende Wälder anpflanzen. Das ist die völlig falsche Richtung. Deswegen bin ich der Meinung, daß das verhindert werden muß. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Gerade hier ist die Gefahr am größten, daß die Industrieländer versuchen werden, ihre Reduktionsverpflichtungen billig zu erkaufen, statt im eigenen Land die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung zu stellen. Aber genau das ist der entscheidende Punkt. Nur dann, wenn wir Industriestaaten es schaffen, unsere Wirtschaftssysteme insgesamt auf Nachhaltigkeit umzustellen, können wir die drohenden Klimaveränderungen abwenden. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Nur so können wir auch die Entwicklungsländer mit ins Boot bekommen. Das ist ganz entscheidend, da gebe ich Ihnen völlig recht. Wir dürfen nicht ignorieren, daß do rt Entwicklungen stattfinden, die in zehn oder 15 Jahren global massive Schwierigkeiten verursachen werden. Deswegen ist es so wichtig, die Entwicklungsländer ins Boot zu bekommen. Aber die Entwicklungsländer sagen zu Recht: Wenn diejenigen, die heute mit großem Abstand die Hauptverursacher der klimaschädigenden Gasentwicklungen sind, sagen, wir machen erst etwas, wenn auch ihr anfangt, allen voran die USA, aber auch andere, dann werden auch wir nichts machen. Das heißt, die Industrieländer müssen mit großen Schritten vorangehen, die Industrieländer müssen Wohlstandsmodelle entwickeln, die garantieren, daß Natur und Umwelt erhalten bleiben. Das müssen wir auch vorleben. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Damit komme ich noch einmal auf das eingangs erwähnte geduldige Papier zurück, nämlich auf die Umweltschutzpolitik der Bundesregierung. Ich will gar nicht unterstellen, daß Sie nichts täten oder daß die Umweltpolitiker und -politikerinnen bei Ihnen nichts tun wollten. Aber der Unterschied zwischen Theorie und Praxis bleibt; Herr Lippold hat das schon angedeutet. Bei der Diskussion, ob unsere bisherigen Reduktionsziele gecancelt werden, wird sich der Streit, den Sie schon seit Monaten in Ihren eigenen Reihen führen, sicherlich fortsetzen. Sie haben zwar über 130 Maßnahmen zur Klimagasreduzierung beschlossen, aber ich habe den Eindruck, daß nicht alle Kollegen im Kabinett diese Beschlüsse ernst nehmen. Sonst müßten wir nämlich eine andere Verkehrs-, Wirtschafts- und Raumordnungspolitik haben, ganz zu schweigen von Ihrer Landwirtschaftspolitik. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der PDS) Die Landwirtschaftspolitik ist von einer Nachhaltigkeit weit entfernt. Frau Merkel, Sie haben gesagt, Sie haben die Nachhaltigkeit auch in der Landwirtschaft beschlossen. Dann versuchen Sie doch nach dem Kampf, den Sie gerade ausstehen mußten, Ihren Kollegen nun davon zu überzeugen, daß er auch wirklich das Prinzip der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaftspolitik durchsetzt. Davon ist er weit entfernt. Ich erwähne dieses Thema, weil es a) aktuell ist und b) die Landwirtschaft mit 15 Prozent an der Erzeugung klimaschädigender Gase beteiligt ist, und dies nicht etwa nur in fernen Reisfeldern, sondern auch in Europa. Darüber gibt es auch schriftliche Unterlagen. Methan und Lachgas sind die beiden Gase, die zu erheblichen Teilen - mit 45 Prozent - am Ausstoß von Treibhausgasen beteiligt sind. Da Methan eine 62mal stärkere Wirkung hat als CO 2, handelt es sich um ein bedeutendes Gas. Deswegen müssen wir auch über die Landwirtschaftspolitik und die Nachhaltigkeit derselben reden. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie der Abg. Eva Bulling- Schröter [PDS]) Ich habe jetzt mein Zeitbudget leider ausgeschöpft. Aber lassen Sie mich am Ende noch sagen: Es gibt möglicherweise doch ein paar Lernfähige im Kabinett. (Dr. Peter Struck [SPD]: Na, na! - Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh!) Ich habe gestern gelesen, daß Herr Kinkel entdeckt hat, daß die größte Gefahr für die Antarktis die Zunahme der Treibhausgasemissionen sei (Eckart Kuhlwein [SPD]: Hört, hört!) und das Abschmelzen der Antarktis ein Horrorszenario sei, das unter allen Umständen verhindert werden müsse. (Eckart Kuhlwein [SPD]: Hört, hört! - Michael Müller [Düsseldorf] [SPD]: Etwas ganz Neues!) Sehr gut! Ich kann Ihnen allen empfehlen: Setzen Sie sich einmal zusammen, und überlegen Sie, wie Sie diesen Horror verhindern! (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der PDS) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Herr Kollege Paziorek. Dr. Peter Paziorek (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Seit dem Weihnachtsfest des letzten Jahres, an dem der parteipolitische Frieden zwischen Rot und Grün in Nordrhein-Westfalen, zwischen den Ministern Frau Höhn und Clement, wegen Garzweiler II zerbrochen ist, glaubt doch niemand mehr, daß das, was von Rot und Grün hier im Bundestag zur Umweltpolitik gesagt wird, jemals Grundlage für ein gemeinsames Regierungsprogramm werden könnte. (Dr. Peter Struck [SPD]: Warten Sie mal ab!) Es reicht eben nicht, bei jeder umweltpolitischen Debatte hier in diesem Hause weitgehende umweltpolitische Zielvorstellungen zu formulieren und dann kläglich zu scheitern, wenn eine konsequente, solide und ernsthafte Umweltpolitik in einem Regierungsamt betrieben werden muß. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Das Bild der rotgrünen Koalition in Düsseldorf zur Energie- und Umweltpolitik ist das Bild einer Streitkoalition und hat mit einer Sachkoalition nichts mehr zu tun. Es gibt keine klare gemeinsame rotgrüne Sicht in der Energie- und Umweltpolitik. Das ist das Ergebnis der Regierungskoalition in Düsseldorf. (Beifall des Abg. Jörg van Essen [F.D.P.] - Dr. Renate Hellwig [CDU/CSU]: Man sieht nur noch rot!) Nur damit Frau Höhn und Herr Vesper beim Scheitern der rotgrünen Landesregierung in Düsseldorf nicht arbeitslos werden, nur damit eigene Minister bei den Grünen die Vorteile eines Regierungsdienstwagens weiter nutzen können, muß - sowohl nach Ansicht der grünen Landtagsfraktion in Düsseldorf als auch nach Ansicht der Realos hier in der grünen Bundestagsfraktion - die völlig gescheiterte Landesregierung in Düsseldorf weiter gestützt werden. (Beifall des Abg. Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.] - Albert Schmidt [Hitzhofen] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt reden Sie mal zur Sache!) Wer kann überhaupt noch ernst nehmen, was die Opposition hier im Bundestag zur Umweltpolitik geäußert hat, wenn man sich vor Augen führt, welche konzeptionslose Energie- und Umweltpolitik sie in Düsseldorf betreibt? Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Herr Paziorek, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Hustedt? Dr. Peter Paziorek (CDU/CSU): Ja, gerne. Michaele Hustedt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Paziorek, ich finde es ja ganz klasse, daß Sie unsere Position vertreten, daß Garzweiler II unter Umständen mit dem Klimaschutzziel nicht zu vereinbaren ist. Aber ist Ihnen bekannt, daß sowohl die CDU als auch die F.D.P. wie die SPD für Garzweiler II und nicht - aus Gründen des Klimaschutzes oder aus industrie- und wirtschaftspolitischen Gründen; Garzweiler II ist ja auch Ausdruck einer schlechten Wi rt -schaftspolitik - gegen Garzweiler II sind? Dr. Peter Paziorek (CDU/CSU): Mir ist natürlich bekannt, wie sich unsere CDU und wie sich F.D.P. und SPD in Nordrhein-Westfalen dazu einlassen. Mir ist aber auch bekannt, mit welch fadenscheinigen Argumenten die Grünen versuchen, ihr Umfallen in Nordrhein-Westfalen zu kaschieren. Ich finde es bezeichnend, Frau Hustedt, daß Sie mit dieser Zwischenfrage von Ihrem eigenen Versagen in Nordrhein-Westfalen ablenken wollen. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Denn eines ist doch ganz klar: Vom Aufbruch zu neuen Ufern ist in Düsseldorf noch nicht einmal im Ansatz etwas zu spüren. Bei Rotgrün gilt nur noch der Grundsatz: Machterhalt geht vor Prinzipientreue! Warum spricht sich der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen dafür aus, daß der Umweltministerin Frau Höhn noch 2 Millionen DM aus dem Landeshaushalt für eine wasserrechtliche Prüfung zur Verfügung gestellt werden sollen, obwohl klar ist, daß nach der Inkraftsetzung des Rahmenbetriebsplanes Ende letzten Jahres für ein eigenständiges und ergebnisoffenes Wasserrechtsverfahren kein Raum mehr ist? Die Antwort ist ganz einfach: Der Ministerpräsident Johannes Rau hat zwar von seiner Staatskanzlei aus den Rhein im Blick, aber die Ruhr und Garzweiler im Nacken und leider nur noch die Spree im Kopf. Das ist die landespolitische Situation. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Sie von der Opposition, Rot und Grün gemeinsam, haben hier in Bonn jede umweltpolitische Glaubwürdigkeit durch diesen Regierungszirkus in Düsseldorf, den Sie dort veranstalten, verloren. Dem Landtagsabgeordneten Kreutz von den Grünen ist nur zuzustimmen, wenn er erklärt, er habe Verständnis, wenn Leute sagen, eine Landesregierung in einem solchen Zustand ist eigentlich gescheitert, wenn sie es auch nicht zugibt. (Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) - Ich verstehe die Reaktion der Realos in Ihrer Fraktion, daß sie jetzt gequält aufschreien, aber wo der Mann recht hat, da hat er recht. (Beifall bei der CDU/CSU) Der Bauminister von Nordrhein-Westfalen, Herr Vesper, schreibt in der „FAZ" vom 13. Januar 1998: „Wer die Energiewende will, braucht Stehvermögen." Dann schreibt er sinngemäß weiter: Jetzt gibt es erstmals die Chance, eine neue Prüfung des Garzweiler-Vorhabens durchzuführen. Gleichzeitig ist aber am 22. Dezember letzten Jahres unter der Fachaufsicht des SPD-Wirtschaftsministers Wolfgang Clement der Rahmenbetriebsplan für den Tagebaubetreiber Rheinbraun genehmigt worden, wodurch eine klare Rechtsgrundlage für den Tagebau eröffnet worden ist. Solche Äußerungen eines Spitzenpolitikers der Grünen machen deutlich, daß hier mit gezinkten Karten gespielt wird; denn es gibt keine ergebnisoffene wasserrechtliche Prüfung mehr, nachdem der Rahmenbetriebsplan gemäß § 55 des Bundesberggesetzes genehmigt ist. Daraus kann es nur eine Schlußfolgerung geben. Die lautet: Wer eine wirklich umweltorientierte Energiepoli tik will, braucht keine grünen Umfaller in Düsseldorf und erst recht nicht hier in Bonn. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.) Frau Müller und Herr Fischer können noch so viele politische Rachegefühle gegen den SPD-Minister Clement entwickeln. Sie können noch so oft androhen, daß er in Nordrhein-Westfalen seine landespolitischen Hoffnungen begraben muß. (Albert Schmidt [Hitzhofen] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Sie sind auf der falschen Veranstaltung! - Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) - Sie werden auch durch Ihre Zwischenrufe nicht verhindern, daß die politische Glaubwürdigkeit der Grünen im Tagebau Garzweiler II versinken wird. Erstaunlich finde ich auch die Haltung einiger SPD-Umweltpolitiker in Bonn, obwohl ich nicht verhehlen kann, daß ich sie persönlich durchaus schätze. Sie, Herr Müller, sind umweltpolitischer Sprecher Ihrer Fraktion, kommen aus Nordrhein- Westfalen und sogar direkt aus Düsseldorf. Wie kommen Sie überhaupt damit klar, daß Sie hier in Bonn eine radikal neue Energiepolitik fordern, während Sie gleichzeitig akzeptieren müssen, daß Ihre eigene Partei in Nordrhein-Westfalen Sie trotz Ihrer täglichen Presseerklärungen einfach links liegen läßt und eine andere, eine realistische Energiepolitik betreibt? Wer das Düsseldorfer Bündnis als eine Musterkoalition und als einen Probelauf für Bonn ansieht, dem kann man nur noch sagen, daß das Trainingslager Düsseldorf für Rotgrün Endstation sein wird. Bedauerlicherweise leidet unser schönes Land Nordrhein-Westfalen darunter. Für Nordrhein-Westfalen ist dieses Trainingslager eine verlorene Zeit. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der F.D.P.) Es geht nicht nur um die Sicherung von nahezu 10 000 Arbeitsplätzen im Braunkohlentagebau. Es geht auch darum, mit Garzweiler II ein Kraftwerkserneuerungsprogramm umzusetzen, wodurch die Wirkungsgrade der Braunkohlenkraftwerke enorm verbessert werden. Das wäre endlich einmal ein positiver Beitrag Nordrhein-Westfalens zu einer wirkungsvollen nationalen Klimaschutzpolitik. Das RWE hat nämlich Investitionen in Höhe von ca. 20 Milliarden DM für den Neubau und die Modernisierung von Braunkohlenkraftwerken zugesagt, wodurch die Umweltbelastung insgesamt um mehr als 25 Prozent gesenkt werden könnte. Die Grünen argumentieren natürlich, daß der Verzicht auf Braunkohlenstrom bei der Emission klimawirksamer Spurengase zu noch positiveren Umwelteffekten führen müßte. Aber, meine Damen und Her - ren, nach allen ernsthaften Untersuchungen kann auch zukünftig nicht auf Braunkohlenstrom verzichtet werden. Die Gedankenskizze des Wuppertaler Instituts, die von den Grünen ja immer wieder zitiert wird, geht von falschen Grundannahmen aus, sowohl in bezug auf den Gesamtmarkt als auch in bezug auf die Wettbewerbssituation der Braunkohle. Die Folgen und Kosten Ihres Alternativprogramms werden in dieser Studie weder zutreffend noch vollständig untersucht. Dagegen zeigt gerade das Investitionsprogramm von Rheinbraun, daß erhebliche Wirkungsgradsteigerungen zu einer markanten Minderung der CO 2-Emissionen in Deutschland führen können. Den Vogel in dieser Diskussion hat aber der SPD- Vorsitzende Oskar Lafontaine abgeschossen: Laut Pressemeldungen rief er Clement und Höhn auf, sich im Streit um Garzweiler II gesetzeskonform zu verhalten. - Das kann ich in bezug auf Frau Höhn durchaus verstehen und nachvollziehen. Mich erstaunt aber dieser Hinweis gegenüber seinem eigenen Parteifreund Clement. (Ingrid Matthäus-Maier [SPD]: Das glaube ich nicht, daß er das gesagt hat!) War das nur ein Wink mit dem Zaunpfahl, vom Kurs abzulassen? Gleichzeitig betonte Lafontaine aber, daß es trotz Düsseldorfer Querelen grundsätzlich keinen Dissens in der Energiepolitik zwischen SPD und Grünen gebe. (Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Das kann ja heiter werden!) - Da kann man in der Tat nur fragen, Herr Westerwelle: Hat Herr Lafontaine aus dem Saarland inzwischen den Überblick verloren? Das ist die einzige Frage, die nach dieser Äußerung gestellt werden kann. (Jörg van Essen [F.D.P.]: Den hat er noch nie gehabt, Herr Paziorek!) - Ich glaube das auch, Herr van Essen. Ich sehe das auch so, daß seine Äußerungen nichts anderes als ein rhetorischer Trick sind. Mit solchen rheto rischen Tricks will die SPD die Öffentlichkeit nur über die Handlungsunfähigkeit von Rot und Grün täuschen. Seit Weihnachten 1997 sind Sie von der Opposition umweltpolitische Märchenerzähler. Solche Märchenerzähler haben in Regierungsämtern sowohl in Düsseldorf als auch erst recht hier in Bonn nichts zu suchen'. (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. - Zuruf von der SPD: Da hat er eine Rede aus Düsseldorf abgeschrieben!) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Das Wort zu einer Kurzintervention hat die Kollegin Hustedt. Michaele Hustedt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Erstens. Die Alte rnative zu Garzweiler II stellen Energieeinsparungen, die Nutzung von regenerativen Energien und vor allen Dingen GuD-Kraftwerke dar. Dieses ist nicht nur wesentlich ökologischer, sondern auch gute Wirtschafts- und Industriepolitik, weil wir, wie es Ihnen vielleicht entgangen ist, inzwischen einen Wettbewerb im Energiebereich haben. Selbst die Stromkonzerne sagen in ihrer eigenen Studie, die Braunkohlenkraftwerke werden gegenüber GuD - Kraftwerken nicht mehr konkurrenzfähig sein. Wenn CDU, F.D.P. und SPD weiter auf Braunkohle und Garzweiler II setzen, ist die Konsequenz, daß im Energieland Nummer eins Energie von außen benötigt wird und dadurch die Arbeitsplätze woanders entstehen und eben nicht mehr in Nordrhein- Westfalen. Zweitens. Ein Umfallen von Bündnis 90/Die Grünen in der Frage Garzweiler II wird es nicht geben. Wir sind und waren uns immer einig und werden es sein in dem Ziel, Garzweiler II zu verhindern. Wir streiten uns lediglich über den Weg, auf dem das am besten erreicht werden kann. Der eigentliche Umfalber ist nach wie vor und natürlich auch in dieser Frage die F.D.P. (Widerspruch bei der F.D.P.) - Sie haben 1996, um sich bei der SPD für eine Koalition in Nordrhein-Westfalen anzubiedern, inhaltlich Ihren Beschluß von einem eindeutigen Nein zu Garzweiler II - diesen haben Sie aus ähnlichen Gründen wie wir gefaßt - zu einem Ja zu Garzweiler II geändert. Die F.D.P. ist nach wie vor die Umfallerpartei des Jahres. Wer im Glashaus sitzt, sollte also nicht über Elche witzeln. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS SES 90/DIE GRÜNEN) Drittens. Ich kann Ihnen auch eine Begründung für die Krokodilstränen von Linssen, Paziorek, Westerwelle, Möllemann & Co. liefern. Möllemann sagt, ihm wäre es lieb, wir würden aus der rotgrünen Koalition austreten, weil es dann Neuwahlen gäbe und die jetzige Opposition gute Chancen hätte, an die Regierungsverantwortung zu kommen. Das ist der Grund für Ihre Krokodilstränen. Sie behaupten, Sie seien fähiger zu einem Konsens mit der SPD. Das stimmt genau deswegen, weil Sie vorsorglich Ihren Beschluß geändert haben. Im übrigen muß ich Ihnen sagen: Sie haben den Eichtest vielleicht nicht genau mitverfolgt. Da sind nicht die Elche umgefallen. Die Elche sind stehengeblieben, aber die Autos sind umgefallen. Die netten Elche, die Sie uns geschenkt haben, sind für uns ein Symbol der Standhaftigkeit bei unserem Nein zu Garzweiler II. Vielen Dank, daß Sie dieses genauso sehen wie wir. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Abg. Gila Altmann [Aurich] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN] zeigt ein Elch-Stofftier - Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Als nächstes bringen wir euch einen Mercedes!) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Ich möchte Herrn Westerwelle schon jetzt auffordern, weder einen Elch noch einen Mercedes mitzubringen, (Joseph Fischer [Frankfu rt ] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Die F.D.P. ähnelt immer mehr einem Trabbi!) denn was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Was für T-Shirts mit Emblemen gilt, das gilt auch für die Stoff-Elche. Wollen Sie antworten, Herr Paziorek? - Nein. Dann spricht als nächster der Kollege Albe rt Schmidt. (Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Noch ein Elch!) Albert Schmidt (Hitzhofen) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nachdem nun geklärt ist, wer 1996 seine Position um 180 Grad geändert hat, ist dieses Thema erledigt. Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche. So sieht es mit Ihnen aus, Herr Möllemann! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Nun aber zurück zur Sache. Ich fand es beschämend, Herr Kollege Paziorek, daß Sie hier eine Rede gehalten haben, ohne inhaltlich mit einem einzigen Satz auf das bezug zu nehmen, um was es heute geht, nämlich um die Auswertung und die Bewertung des Abkommens von Kioto und um den Verlauf der Klimakonferenz. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Was dieses Abkommen von Moto wirklich we rt ist, wird erst der weitere Verhandlungsprozeß zeigen; denn bei den Beratungen sowohl im Juni in Bonn als auch im November in Buenos Aires wird es um all die strittigen Fragen gehen, die in Kioto offengeblieben sind, genauer: um die Schließung all der Schlupflöcher, die selbst das bescheidene Reduktionsziel von 5,2 Prozent vorerst entwe rten. Lassen Sie mich ganz klar sagen, welche Position wir hier zu vertreten haben werden: Erstens. Der zwischenstaatliche Handel mit Emissionslizenzen - Stichwort: Trading - darf nicht als Ersatz für eine reale Minderung von Treibhausgasen im eigenen Land gelten. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Das wäre Betrug, Frau Merkel, um es mit den Worten des dänischen Umweltministers Svend Auken zu sagen. Es widerspräche dem ursprünglichen Sinn des gesamten Rio-Prozesses, bei dem es um die Verminderung von Treibhausgasen und nicht um einen Ablaßhandel geht. Zweitens. Es darf nicht durchgehen, daß sich die Industrieländer durch ihre eigenen wi rtschaftlichen Exportaktivitäten ihre CO 2-Bilanz zu Hause schönrechnen. Das Stichwort dafür heißt Joint implementation. Wir müssen darauf bestehen, daß jedes Land seine Pflichten in bezug auf die CO 2-Minderung durch echte Reduktionsmaßnahmen im eigenen Hause erfüllen muß. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD) Drittens. Die Einbeziehung der sogenannten CO2 -Senken - Stichwort: Aufforstung - in die Emissionsbilanz muß so lange ausgeschlossen bleiben, solange das tatsächliche Ausmaß der Bindung von Kohlendioxid durch forstwirtschaftliche Maßnahmen weder methodisch erfaßbar noch exakt berechenbar ist. Schließlich werden wir vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadaten des amerikanischen Wetterdienstes auch für ein anspruchsvolleres globales Reduktionsziel kämpfen müssen. Die USA - ich möchte das ganz deutlich sagen; es ist schon mehrfach angeklungen - haben in Kioto in ihrer Führungsrolle versagt. Sie waren nicht die Protagonisten, sondern die Bremser der Bewegung, die immer nur von den Lasten anstatt von den Chancen einer modernen Energiepolitik geredet haben. Herr Kollege Lippold hat es angesprochen. In Kioto ist statt dessen so etwas wie eine globale Leadership der Europäer in Sachen Umweltschutz deutlich geworden, und zwar nicht aus einem falsch verstandenen Eurozentrismus, sondern aus der Wahrnehmung der Verantwortung der entwickelten Industriestaaten in enger Abstimmung und Kooperation mit den Entwicklungsländern . Dieser zukunftsweisende Trend ist auch ein Verdienst, Frau Dr. Merkel, Ihrer beharrlichen Anstrengungen. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS - SES 90/DIE GRÜNEN sowie bei der CDU/ CSU und der F.D.P.) Frau Dr. Merkel, eines sollten Sie aber sehr ernst nehmen. Wir werden auf die Dauer im weiteren Verhandlungsprozeß im globalen Umweltmanagement nur Durchsetzungschancen haben, wenn wir in Deutschland und Europa mit unserer eigenen Klimaschutzpolitik glaubwürdig sind. Wir werden in Europa eine Diskussion um das 15-Prozent-Ziel bekommen. Ich sage allen, die dieses Ziel nach unten korrigieren wollen: Wir brauchen überhaupt nicht mehr nach Buenos Aires zu fahren, wenn wir vorher dieses Ziel reduziert haben. Wir werden sogar unsere Position von Kioto im nachhinein als ein taktisches Manöver entlarvt haben; wir werden nicht mehr ernst genommen werden. Deshalb müssen wir auf diesem Ziel bestehen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der PDS) Zur Glaubwürdigkeit der Klimaschutzpolitik gehört nicht nur, hehre Ziele auf geduldigem Papier zu schreiben - in einer Rollenverteilung und nach dem Muster: Die Verantwortlichen für das Umweltressort sind für das Gute und Schöne zuständig, und die anderen im Wirtschafts-, Finanz- und Verkehrsressort sind für die reale Gestaltung der Welt zuständig. Deshalb frage ich Sie, Frau Merkel: Wo ist Ihr Vorstoß im Kabinett für eine schrittweise Erhöhung der Mineralölsteuer, nachdem das DIW in Ihrem Auftrag ausgerechnet hat, daß ein Benzinpreis von 3 DM bis zum Jahre 2005 - das entspricht in etwa dem Erhöhungsvorschlag der Grünen - 23 Millionen Tonnen an Schadstoffemissionen verhindern würde, während ein Nichtstun à la Wissmann und Waigel 40 Millionen Tonnen mehr an CO2 allein im Straßenverkehr verursachen wird? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Wo ist Ihre Initiative zur Umsetzung des EU- Weißbuches zu den erneuerbaren Energien? Wo ist Ihr Powerplay für eine europäische Energiesteuer, die nicht nur das Klima in Europa schützt, sondern Millionen neuer Arbeitsplätze schafft? Was ist eigentlich mit Bundeskanzler Helmut Kohl, der bei jeder Gelegenheit Schulterschluß mit seinem Männerfreund Suharto demonstriert , dem diktatorischen Chef eines korrupten Systems, dessen Familienclan nicht nur für die Verletzung von Menschenrechten, sondern auch für ungeheure Umweltschäden verantwortlich ist? Wer gemeinsame Sache mit notorischen Umweltfrevlern und notorischen Menschenrechtsverletzern macht, die obendrein noch ökonomische Geisterfahrer sind, hat wenig Glaubwürdigkeit auf der internationalen Bühne, wenn es um Klimaschutzpolitik geht. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der PDS - Eckart Kuhlwein [SPD]: Die haben doch nur zusammen geangelt!) Nein, wir brauchen den Gleichklang zwischen einer fairen und gerechten Wirtschafts- und Handelsordnung, einer ökologischen Strukturpolitik und der strikten Beachtung der Menschenrechte. Nun haben wir in Europa inzwischen drei grüne Umweltministerinnen. Frau Merkel, bald werden es vier sein. (Beifall bei Abgeordneten der PDS) Ich kann Ihnen schon heute versprechen - ich hoffe, das ist in Ihrem Sinne -, daß die grüne Umweltachse Paris-Bonn bzw. Paris-Berlin ein zentraler Motor einer glaubwürdigen und wirksamen internationalen Klimaschutzpolitik sein wird. Lassen Sie mich zuletzt eine persönliche Anmerkung machen. Am Rande der Klimakonferenz in Kioto gab es eine Veranstaltung, die wenig Aufsehen erregt hat, die aber auf die schlichte Tatsache aufmerksam gemacht hat, daß es bei solchen Verhandlungen nicht nur um Prozente und Märkte geht, sondern auch um Menschenleben. 400 Mediziner aus 30 Ländern, darunter einige Nobelpreisträger, haben darauf aufmerksam gemacht, daß bei einer Fortführung des Status quo bis zum Jahre 2020 acht Millionen Menschen durch Wassermangel, Naturkatastrophen, Luftverschmutzung und Ernteeinbußen ihr Leben verlieren werden. Die Hauptbetroffenen werden die Ärmsten der Armen, vor allem in Af rika, sein. Lassen Sie uns also nie vergessen: Wir verhandeln nicht nur über Prozente, Märkte und Technologien, sondern wir verhandeln auch über Menschenleben. Das muß der eigentliche Ansporn sein, wenn wir zu größerer Wirksamkeit kommen wollen. Ich danke Ihnen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der PDS) Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Jetzt spricht der Kollege Möllemann. (Joseph Fischer [Frankfurt] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Jetzt spricht der Oberöko - loge!) Jürgen W. Möllemann (F.D.P.): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man sich die Entschließungsanträge anschaut, die von den denkbaren Schlußfolgerungen aus den Arbeiten und Ergebnissen von Kioto handeln und wenn man daran die Vorschläge und die Bemerkungen mißt, die in dieser Debatte vorgetragen worden sind, gerade in den letzten Minuten, dann kann man doch eine gewisse Diskrepanz nicht übersehen. Es ist sehr wichtig, zu sehen, daß Klima- und Umweltschutz nur wirkungsvoll verbessert werden können, wenn es gelingt, ökonomische und ökologische Aspekte in einer vernünftigen, einem Industriestaat angemessenen Weise zu verzahnen. (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU) Das bedeutet, daß man die Akzeptanz umweltpolitischer Zielvorstellungen nicht durch eine Überforderung der Bürger oder der Betriebe gefährden sollte. Wenn in diesen Tagen als Vorschlag zur Reduktion der Schadstoffemissionen allen Ernstes vorgeschlagen wird, auf einen Liter Sp rit fürs Auto 5 DM Steuer draufzuknallen, dann kann ich nur sagen: Das mögen Sie, Herr Fischer, und die paar Minister, die die Grünen haben - hoffentlich nicht mehr allzulan

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