Protokoll der 213. Sitzung des 13. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 213. Sitzung des 13. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 13/213
Deutscher Bundestag
Stenographischer Bericht
213. Sitzung
Bonn, Donnerstag, den 15. Januar 1998
Inhalt:
Nachträgliche Glückwünsche zu den
Geburtstagen der Abgeordneten Peter Kurt
Würzbach, Dr. Rolf Olderog und Helmut
Schäfer 19385 A
Eintritt der Abgeordneten Eva Folta in den
Deutschen Bundestag 19385 B
Bestimmung des Abgeordneten Dr. Peter
Ramsauer als ordentliches Mitglied im
Gemeinsamen Ausschuß und als
stellvertretendes Mitglied im
Vermittlungsausschuß 19385 B
Erweiterung der Tagesordnung 19385 C
Absetzung von Tagesordnungspunkten 19386 B
Nachträgliche Ausschußüberweisungen 19386 B
Begrüßung des Präsidenten des
Abgeordnetenhauses des Königreichs Spanien,
Herrn Federico Trillo-Figueroa, und
seiner Delegation 19392 B
Tagesordnungspunkt 2:
Eidesleistung eines Bundesministers
Eduard Oswald, Bundesminister BMBau . 19387 A
Tagesordnungspunkt 3:
a) Abgabe einer Erklärung durch die
Bundesregierung: Kioto - Erfolg und
weitere Verpflichtung im weltweiten
Klimaschutz
b) Antrag der Abgeordneten Michaele
Hustedt, Gila Altmann (Aurich),
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Konsequenzen aus den Ergebnissen der
Klimakonferenz in Kioto für die
deutsche und europäische Umweltpolitik
(Drucksache 13/9411) 19387 C
c) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für Raumordnung,
Bauwesen und Städtebau zu dem Antrag
der Abgeordneten Helmut Wilhelm
(Amberg), Franziska Eichstädt-Bohlig,
weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: CO2
-
Minderung durch Energieeinsparung
im Gebäudebereich (Drucksachen 13/
7241, 13/8967) 19387 C
d) Antrag der Abgeordneten Dietmar
Schütz (Oldenburg), Marion Caspers-
Merk, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der SPD: Klimaschutz durch
Minderung von Stand-by-Verlusten
bei Elektrogeräten (Drucksache 13/
9254) 19387 D
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 2:
Antrag der Fraktion der SPD: Die
Ergebnisse der Klimakonferenz in Kioto
weiterentwickeln und notwendige
Maßnahmen durchsetzen (Drucksache
13/9602) 19387 D
Dr. Angela Merkel, Bundesministerin BMU 19388 A
Michael Müller (Düsseldorf) SPD . . . . 19392 C
Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach) CDU/
CSU 13394 B
Michaele Hustedt BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 19396 B, 19404 D
Birgit Homburger F D P. 19397 C
Rolf Köhne PDS 19399 B
Eva Bulling-Schröter PDS 19399 C
Ulrike Mehl SPD 19401 A
Dr. Peter Paziorek CDU/CSU 19403 A
Michaele Hustedt BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 19403 B
Albert Schmidt (Hitzhofen) BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN 19405 C
Jürgen W. Möllemann F.D.P. . . 19407 A, 19410 A,
19411 B
Gila Altmann (Aurich) BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN 19408 D
Wolfgang Schmitt (Langenfeld) BÜND
-
NIS 90/DIE GRÜNEN 19409 C
Josef Vosen SPD 19410 D
Dr. Michael Meister CDU/CSU 19411 C
Dr. Liesel Hartenstein SPD 19413 A
Dr. Norbert Rieder CDU/CSU 19415 B
Tagesordnungspunkt 4:
a) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für wi rtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu der
Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Zehnter Bericht zur
Entwicklungspolitik der Bundesregierung
(Drucksachen 13/3342, 13/9309) . . . 19417 A
b) Zweite und dritte Beratung des von
den Abgeordneten Dr. Ingomar
Hauchler, Brigitte Adler, weiteren
Abgeordneten und der Fraktion der SPD
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Entwicklungspolitik der
Bundesrepublik Deutschland (Drucksachen
13/2223, 13/7993) 19417 A
c) Antrag der Abgeordneten Wolfgang
Schmitt (Langenfeld), Dr. Uschi Eid
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Ablehnung einer
Weltbankbeteiligung am Tschad/Kamerun
Öl- und Pipeline-Projekt (Drucksache
13/8321) 19417 B
d) Beschlußempfehlung und Bericht des
Auswärtigen Ausschusses zu dem
Antrag der Abgeordneten Alois Graf von
Waldburg-Zeil, Karl Lamers, Dr.
Winfried Pinger und der Fraktion der CDU/
CSU sowie der Abgeordneten Dr.
Irmgard Schwaetzer, Ulrich Irmer, Roland
Kohn und der Fraktion der F.D.P.:
Afrikapolitik: Für Frieden und
Entwicklung (Drucksachen 13/6717, 13/
7869) 19417 B
e) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem
Antrag der Abgeordneten Reinhold
Hemker, Dr. Ingomar Hauchler,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Gezielte Politik zugunsten der
Entwicklungsländer durch die
Europäische Union und Abbau der
Subventionierung von Agrarexporten
(Drucksachen 13/3903, 13/7944) 19417 C
f) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem
Antrag der Abgeordneten B rigitte
Adler, Dr. Ingomar Hauchler, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Intensivierung der
Agrarförderung in den Entwicklungsländern -
Sicherung der Welternährung und
Beitrag zur Bewältigung globaler
Probleme (Drucksachen 13/5143, 13/7945) 19417 C
g) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Dr. Uschi Eid, Wolfgang Schmitt
(Langenfeld), Dr. Angelika Köster-
Loßack und der Fraktion BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Deutsche
Afrikapolitik - Solidarität mit den
Menschen Afrikas ist notwendig
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Dr. R. Werner Schuster, Joachim
Tappe, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der SPD: Deutschlands
Verantwortung für Subsahara Afrika
(Drucksachen 13/6581, 13/6725, 13/
7974) 19417 D
h) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Marlies Pretzlaff, Dr. Winfried
Pinger und der Fraktion der CDU/CSU
sowie der Abgeordneten Dr. Irmgard
Schwaetzer, Roland Kohn und der
Fraktion der F.D.P.: Zur
Überwindung von Kinderarbeit in
Entwicklungsländern beitragen
- zu dem Antrag der Fraktionen SPD
und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Bekämpfung der Kinderarbeit in
der Welt
(Drucksachen 13/6716, 13/6732, 13/
8108) 19418 A
i) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem
Antrag der Abgeordneten Dr. R.
Werner Schuster, Adelheid Tröscher,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Förderung der Medien im
südlichen Afrika (Drucksachen 13/6726,
13/8387) 19418 A
j) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem
Antrag der Abgeordneten Dr. Willibald
Jacob, Dr. Gregor Gysi und der Gruppe
der PDS: Schuldenerlaß für
Forderungen aus Geschäften der DDR mit 29
Staaten der Dritten Welt (Drucksachen
13/6719, 13/8417) 19418 B
k) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für wi rtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem
Antrag der Abgeordneten Dr. Willibald
Jacob, Dr. Gregor Gysi und der Gruppe
der PDS: Bilateraler Schuldenerlaß für
die am wenigsten entwickelten
Staaten (Drucksachen 13/6720, 13/8418) . 19418 B
1) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Dr. Winfried Pinger, Jochen Feilcke,
weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der CDU/CSU sowie der
Abgeordneten Roland Kohn, Jürgen
Koppelin und der Fraktion der
F.D.P.: Selbsthilfeorientierte
Armutsbekämpfung in der
Entwicklungszusammenarbeit
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Ingrid Becker-Inglau, Dr. Ingomar
Hauchler, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD:
Selbsthilfeorientierte Armutsbekämpfung
in der Entwicklungszusammenarbeit
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Dr. Uschi Eid, Wolfgang Schmitt
(Langenfeld), Dr. Angelika Köster-
Loßack und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN:
Reformbedarf der selbsthilfeorientierten
Armutsbekämpfung in der
Entwicklungszusammenarbeit
(Drucksachen 13/6381, 13/3896, 13/
7088, 13/9261) 19418 D
m) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem
Antrag der Abgeordneten B rigitte
Adler, Adelheid Tröscher, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Frauen und nachhaltige
Entwicklungspolitik (Drucksachen 13/6738,
13/9266) 19418 D
n) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem
Entschließungsantrag der
Abgeordneten Dr. Uschi Eid, Dr. Angelika Köster
-
Loßack, Wolfgang Schmitt (Langen
feld) und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN zu den Großen
Anfragen der Abgeordneten Dr. Uschi Eid,
Dr. Angelika Köster-Loßack, Wolfgang
Schmitt (Langenfeld) und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Politik
der Bundesregierung und
entwicklungspolitische Ansätze zum Schutz
der tropischen Wälder unter
besonderer Berücksichtigung Brasiliens (Teil I
und Teil II) (Drucksachen 13/1637,
13/1638, 13/3338, 13/4713, 13/9341) . 19419 A
o) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung zu dem
Antrag der Abgeordneten Reinhold
Hemker, Dr. Ingomar Hauchler,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Entwicklungspolitisches
Jugendprogramm „Solidarisches Lernen"
(Drucksachen 13/4119, 13/9368) . . . 19419 A
p) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Reinhold Hemker, B rigitte Adler,
weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der SPD: Forderungen zum
Welternährungsgipfel vom 13. bis
17. November 1996 in Rom
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Ulrike Höfken, Dr. Uschi Eid,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Position der Bundesregierung zum
Welternährungsgipfel vom 13. bis
17. November 1996 in Rom
(Drucksachen 13/5809, 13/5964, 13/
7021) 19419 B
q) Antrag der Abgeordneten Dagmar
Schmidt (Meschede), Dr. Christoph
Zöpel, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der SPD: Stärkung
demokratischer Institutionen und der Rolle von
Nichtregierungsorganisationen in den
palästinensischen Autonomiegebieten
(Drucksache 13/9249) 19419 C
r) Antrag der Abgeordneten Dr. R.
Werner Schuster, Dr. Emil Schnell, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Für mehr Verstetigung,
Flexibilität und Transparenz der Finanzierung
deutscher
Entwicklungszusammenarbeit (Haushalt Einzelplan 23)
(Drucksache 13/9412) 19419 C
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 3:
Antrag der Abgeordneten Dr. Winfried
Pinter, Anneliese Augustin, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der
CDU/CSU sowie der Abgeordneten
Roland Kohn, Dr. Irmgard Schwaetzer
und der Fraktion der F.D.P.:
Mikrofinanzierung als Mittel der
Armutsbekämpfung (Drucksache 13/9601) . . . 19419 C
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 4:
Antrag der Abgeordneten Dr. R.
Werner Schuster, Adelheid Tröscher,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Förderung der
Nichtregierungsorganisation in der
Entwicklungszusammenarbeit (Drucksache 13/9603) . 19419 D
Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . 19419 D
Günter Verheugen SPD 19422 D
Dr. Uschi Eid BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19425 B
Roland Kohn F.D.P. 19427 A
Dr. Willibald Jacob PDS 19428 D
Dr. Otto Graf Lambsdorff F.D.P 19430 B
Carl-Dieter Spranger, Bundesminister BMZ 19430 D
Adelheid Tröscher SPD . . . . 19432 D, 19435 C
Ingrid Matthäus-Maier SPD 19434 D
Dr. Winfried Pinger CDU/CSU . 19435 B, 19442 B
Dr. Christian Ruck CDU/CSU 19435 D
Wolfgang Schmitt (Langenfeld) BOND-
NIS 90/DIE GRÜNEN 19437 A
Dr. Irmgard Schwaetzer F.D.P. 19438 B
Alois Graf von Waldburg-Zeil CDU/CSU 19439 D
Dagmar Schmidt (Meschede) SPD . . . 19441 B
Dr. R. Werner Schuster SPD 19443 B
Erika Reinhardt CDU/CSU 19444 C
Tagesordnungspunkt 12:
Antrag der Abgeordneten Marion
Caspers-Merk, Michael Müller
(Düsseldorf), weiteren Abgeordneten und der
Fraktion der SPD: Eckpunkte für eine
Elektronikschrottverordnung
(Drucksache 13/7561) 19447 D
Tagesordnungspunkt 18:
Überweisungen im vereinfachten
Verfahren
a) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zu dem Abkommen
über Partnerschaft und
Zusammenarbeit vom 22. April 1996 zwischen
den Europäischen Gemeinschaften
und ihren Mitgliedstaaten einerseits
und Georgien andererseits
(Drucksache 13/9343) 19447 D
b) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Elften Gesetzes zur Änderung
des Luftverkehrsgesetzes (Drucksache
13/9513) 19447 D
c) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über den Deutschen
Wetterdienst (Drucksache 13/9510) . . . . 19448 A
d) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Protokoll vom
18. September 1997 über den Beitritt
des Königreichs Schweden zu dem
Übereinkommen vom 9. Februar 1994
über die Erhebung von Gebühren
für die Benutzung bestimmter Straßen
mit schweren Nutzfahrzeugen sowie
zu dem Zusatzübereinkommen vom
18. September 1997 zu dem
vorgenannten Übereinkommen
(Drucksachen 13/9511, 13/9579) 19448 A
e) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über die Statistik der
Bautätigkeit im Hochbau und die Fo rt
-schreibung des Wohnungsbestandes
(Hochbaustatistikgesetz) (Drucksache
13/9342) 19448 B
f) Erste Beratung des von den
Abgeordneten Erwin Marschewski, Wolfgang
Zeitlmann und der Fraktion der CDU/
CSU sowie des Abgeordneten Dr. Max
Stadler und der Fraktion der F.D.P.
eingebrachten Entwurfs eines Zweiten
Gesetzes zur Änderung
verwaltungsverfahrensrechtlicher
Vorschriften (Drucksache 13/8884) 19448 B
g) Erste Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Bekämpfung der
Scheinselbständigkeit (Drucksache 13/8942) . . . . 19448 B
h) Erste Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines ... Gesetzes
zur Änderung des Strafgesetzbuches
und anderer Gesetze - Widerruf der
Straf- und Strafrestaussetzung -
(... StrÄndG) (Drucksache 13/9348) . 19448 B
i) Erste Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines ...
Strafrechtsänderungsgesetzes - § 323 a
StGB (Drucksache 13/9349) 19448 C
j) Erste Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Änderung des Deutschen
Richtergesetzes (Drucksache 13/9350) . . . 19448 C
k) Erste Beratung des von den
Abgeordneten Renate Jäger, Rolf Schwanitz,
weiteren Abgeordneten und der
Fraktion der SPD eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur Ergänzung
rehabilitierungsrechtlicher Vorschriften
(Rehabilitierungs-Ergänzungsgesetz)
(Drucksache 13/9414) 19448 C
1) Antrag der Abgeordneten Steffen
Tippach, Heinrich Graf von Einsiedel,
Andrea Gysi, weiterer Abgeordneter und
der Gruppe der PDS: Für eine
friedliche Lösung des Konflikts am Golf
(Drucksache 13/9260) 19448 D
m) Antrag der Abgeordneten Ulla Jelpke,
Steffen Tippach, Eva Bulling-Schröter
und der Gruppe der PDS: Aufhebung
des Verbots der Betätigung für die
„Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK) und
„Nationale Befreiungsfront
Kurdistans" (ERNK) in der Bundesrepublik
Deutschland (Drucksache 13/9302) . 19448 D
n) Antrag der Abgeordneten Dr. Günther
Maleuda, Dr. Christa Luft, Dr. Gregor
Gysi und der Gruppe der PDS:
Änderung des § 50 des
Landwirtschaftsanpassungsgesetzes (Drucksache 13/9391)
Zusatztagesordnungspunkt 5:
Weitere Überweisungen im vereinfachten
Verfahren
a) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Zweiten Gesetzes zur Änderung des
Erdölbevorratungsgesetzes
(Drucksache 13/9530) 19449 A
b) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über die Zulassung von
Stückaktien (Stückaktiengesetz)
(Drucksache 13/9573) 19449 A
c) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Regelung des
Transfusionswesens
(Transfusionsgesetz) (Drucksache 13/9594) 19449 A
d) Antrag der Abgeordneten Halo
Saibold, Elisabeth Altmann
(Pommelsbrunn), weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Transparenz der Preisangaben bei
Flugreisen (Drucksache 13/9447) . . 19449 B
e) Antrag der Abgeordneten Gila
Altmann (Aurich), Albert Schmidt
(Hitzhofen), weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Gefährdung durch Gefahrguttransporte
minimieren (Drucksache 13/9449) . . 19449 B
Zusatztagesordnungspunkt 16:
Erste Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Änderung des
Sozialgerichtgesetzes (Drucksache 13/9609) 19449 C
Tagesordnungspunkt 19:
a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung
des Bauproduktengesetzes
(Drucksachen 13/8801, 13/9410 [neu] . . . . 19449 D
b) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Abkommen vom 22. Oktober
1996 zwischen der Regierung der
Bundesrepublik Deutschland und der
Regierung der Republik Sambia über
den Luftverkehr (Drucksachen 13/8221,
13/9404) 19450 A
c) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Abkommen vom 28. Oktober
1996 zwischen der Regierung der
Bundesrepublik Deutschland und der
Regierung der Republik Indonesien
über die Seeschiffahrt (Drucksachen
13/8219, 13/9405) 19450 B
d) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Abkommen vom 21. Februar
1997 zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Republik
Lettland zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern
vom Einkommen und vom Vermögen
(Drucksachen 13/8698, 13/9440) . . . 19450 B
e) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Abkommen vom 29.
November 1996 zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Republik
Estland zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der
Steuern vom Einkommen und vom
Vermögen (Drucksachen 13/8699, 13/
9441) 19450 C
f) - Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Abkommen vom
28. April 1997 zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der
Republik Finnland über Soziale
Sicherheit (Drucksachen 13/8817,
13/9457) 19450 D
- Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Abkommen vom 4.
Oktober 1995 zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der
Republik Österreich über Soziale
Sicherheit (Drucksachen 13/8818, 13/9457) 19450 D
g) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zu dem Übereinkommen Nr. 176 der
Internationalen Arbeitsorganisation
vom 22. Juni 1995 über den
Arbeitsschutz in Bergwerken (Drucksachen
13/8819, 13/9459) 19451 B
h) Zweite und dritte Beratung des von der
Gruppe der PDS eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung
des Vertriebenenzuwendungsgesetzes
(Drucksachen 13/5594, 13/7063) . . . 19451 B
i) Beschlußempfehlung und Bericht des
Haushaltsausschusses zu dem Antrag
des Bundesministeriums der Finanzen:
Veräußerung einer Teilfläche der
ehemaligen US-Ferris-Kaserne in Erl an
-gen an die
Treuhandliegenschaftsgesellschaft mbH (TLG) bzw. die Stadt
Erlangen (Drucksachen 13/8754, 13/
9455) 19451 C
j) Beschlußempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Albert Schmidt (Hitzhofen), Gila
Altmann (Aurich), weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN: Kein Großflughafen
Berlin Brandenburg International
(BBI)
- zu dem Antrag der Abgeordneten
Dr. Dagmar Enkelmann und der
Gruppe der PDS: Verzicht auf den
geplanten Bau eines
Großflughafens Berlin-Brandenburg-
International
(Drucksachen 13/616, 13/1296, 13/5527) 19451 D
k) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für Wirtschaft zu der
Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Sechsundzwanzigster
Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe
„Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur" für den Zeitraum 1997 bis
2000 (2001) (Drucksachen 13/7205, 13/
7460 Nr. 3, 13/8228) 19452 B
1) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für Verkehr zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Vorschlag für eine Richtlinie des Rates
zur Einführung einer
Sicherheitsuntersuchung von Flugzeugen aus
Drittländern, die auf Flughäfen in der
Gemeinschaft landen (Drucksachen 13/
7456 Nr. 2.11, 13/9406) 19452 B
m) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für Verkehr zu der
Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Vorschlag für eine Richtlinie des Rates
zur Änderung von Richtlinie 96/26/EG
über den Zugang zum Beruf des Gü -
ter- und
Personenkraftverkehrsunternehmers im innerstaatlichen und
grenzüberschreitenden Verkehr sowie
über die gegenseitige Anerkennung
der Diplome, Prüfungszeugnisse und
sonstige Befähigungsnachweise für
die Beförderung von Gütern und die
Beförderung von Personen im
Straßenverkehr und über die Maßnahmen
zur Förderung der tatsächlichen
Inanspruchnahme der
Niederlassungsfreiheit der betreffenden
Verkehrsunternehmer (Drucksachen 13/7306 Nr. 2.9,
13/9408) 19452 C
n) Beschlußempfehlung des
Petitionsausschusses: Sammelübersicht 261 zu
Petitionen (Drucksache 13/9258) . . 19452 D
Zusatztagesordnungspunkt 6:
Weitere abschließende Beratungen ohne
Aussprache
a) Zweite und dritte Beratung des vom
Bundesrat eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Änderung des
Gesetzes über die Zwangsversteigerung
und die Zwangsverwaltung
(Drucksachen 13/7383, 13/9438) 19452 D
Abstimmung Seite 19485 C
b) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten
Entwurfs eines Siebten Gesetzes zur
Änderung des Arzneimittelgesetzes
(Drucksachen 13/8805, 13/9618) . . . 19453 A
c) Zweite Beratung und
Schlußabstimmung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Unidroit-Übereinkommen
vom 28. Mai 1988 über das
internationale Factoring (Drucksachen 13/8690,
13/9572) 19453 B
d) Beschlußempfehlung und Be richt des
Ausschusses für Wirtschaft zu der
Verordnung der Bundesregierung:
Aufhebbare Dreiundneunzigste
Verordnung zur Änderung der Ausfuhrliste -
Anlage AL zur
Außenwirtschaftsverordnung - (Drucksachen 13/8516, 13/
8594 Nr. 2.1, 13/9590) 19453 C
Tagesordnungspunkt 5:
Erste Beratung des von den Fraktionen
der CDU/CSU und F.D.P.
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur
Neueinteilung der Wahlkreise für die Wahl
zum Deutschen Bundestag
(Wahikreisneueinteilungsgesetz) (Drucksache 13/
9598) 19453 C
Wolfgang Bosbach CDU/CSU 19453 D
Wilhelm Schmidt (Salzgitter) SPD . . . 19455 A
Peter Dreßen SPD 19455 B
Gerald Häfner BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
-
NEN 19457 A
Dr. Max Stadler F D P. 19458 C
Dr. Dagmar Enkelmann PDS 19459 A
Zusatztagesordnungspunkt 7:
Aktuelle Stunde betr. Erklärung des
Bundeskanzlers, daß eine Halbierung
der Arbeitslosenzahl bis zum Jahre
2000 nicht mehr zu erreichen sei
Ottmar Schreiner SPD 19459 D
Julius Louven CDU/CSU 19461 A
Annelie Buntenbach BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 19462 B
Dr. Gisela Babel F.D.P 19463 A
Dr. Gregor Gysi PDS 19464 B
Dr. Christine Bergmann, Bürgermeiste rin
(Berlin) 19465 D
Dr. Norbe rt Blüm, Bundesminister BMA 19468 A
Rudolf Scharping SPD 19471 B
Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . 19474 A
Dr. Peter Struck SPD (zur GO) 19475 D
Clemens Schwalbe CDU/CSU (zur GO) 19476 A
Andrea Fischer (Berlin) BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 19476 C
Paul K. Friedhoff F.D.P 19478 B
Dr. Heidi Knake-Werner PDS 19479 C
Ernst Schwanhold SPD 19480 D
Dr. Heiner Geißler CDU/CSU 19482 C
Gerd Andres SPD 19483 A
Tagesordnungspunkt 6:
a) Erste Beratung des von den
Abgeordneten Gerald Häfner, Volker Beck
(Köln), weiteren Abgeordneten und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Gewährleistung des freien
Zugangs zu amtlichen Informationen und
zur Änderung anderer Gesetze
(Informationsfreiheitsgesetz) (Drucksache
13/8432) 19485 C
b) Erste Beratung des von dem
Abgeordneten Manfred Such und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
eingebrachten Entwurfs eines
Bundesdatenschutzgesetzes (Drucksache 13/9082) 19485 D
c) Erste Beratung des von den
Abgeordneten Gerald Häfner, Gila Altmann
(Aurich), weiteren Abgeordneten und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Einführung des
Verbandsklagerechtes (Drucksache 13/9323) 19485 D
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 8:
Unterrichtung durch den
Bundesbeauftragten für den Datenschutz:
Tätigkeitsbericht 1995 und 1996 des
Bundesbeauftragten für den Datenschutz
- 16. Tätigkeitsbericht - (Drucksache
13/7500) 19486 A
Tagesordnungspunkt 8:
a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur
Vereinheitlichung des Unterhaltsrechts
minderjähriger Kinder
(Kindesunterhaltungsgesetz) (Drucksachen 13/7338, 13/9596,
13/9604) 19486 B
b) Beschlußempfehlung und Bericht des
Rechtsausschusses zu dem Antrag der
Abgeordneten Margot von Renesse,
Christel Hanewinckel, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Bedarfsdeckende Unterhaltssätze für
Kinder (Drucksachen 13/5211, 13/9596) 19486 C
Ronald Pofalla CDU/CSU 19486 D
Marlene Rupprecht SPD 19488 C
Irmingard Schewe-Gerigk BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN 19489 D
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger F.D.P. 19490 D
Rosel Neuhäuser PDS 19491 C
Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, Bundesmini
ster BMJ 19492 B
Tagesordnungspunkt 11:
Antrag der Abgeordneten Elisabeth
Altmann (Pommelsbrunn), Dr. Uschi
Eid, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Neuordnung der Zuständigkeiten in
der Auswärtigen Kulturpolitik
(Drucksache 13/8679) 19493 D
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 10:
Antrag der Abgeordneten Freimut
Duve, Stephan Hilsberg, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Gefahren abwenden von der
Auswärtigen Kulturpolitik (Drucksache 13/9450) 19493 D
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 11:
Antrag des Abgeordneten Claus-Peter
Grotz und der Fraktion der CDU/CSU
sowie der Abgeordneten Ina Albowitz,
Ulrich Irmer, Dr.-Ing. Karl-Hans
Laermann und der Fraktion der F.D.P.:
Neue Herausforderungen für die
Auswärtige Kulturpolitik (Drucksache 13/
9613) 19494 A
Alois Graf von Waldburg-Zeil CDU/CSU 19494 A
Dr. Elke Leonhard SPD 19495 B
Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn) BÜND
-
NIS 90/DIE GRÜNEN 19497 A
Dr.-Ing. Karl-Hans Laermann F.D.P. . . 19498 A
Dr. Ludwig Elm PDS 19499 A
Helmut Schäfer, Staatsminister AA . . 19499 D
Tagesordnungspunkt 13:
Antrag der Abgeordneten Dr. Barbara
Höll, Dr. Christa Luft, weiterer
Abgeordneter und der Gruppe der PDS:
Einführung einer Steuer auf
spekulative Devisenumsätze (Tobin-Steuer)
(Drucksache 13/9337) 19501 A
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 12:
Antrag der Abgeordneten Ludger
Volmer, Helmut Lippelt, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Einführung einer
spekulationsdämpfenden Steuer auf
Währungstransaktionen (Tobin-Steuer)
(Drucksache 13/9597) 19501 B
Dr. Barbara Höll PDS 19501 B
Detlev von Larcher SPD 19502 C
Ludger Volmer BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 19504 C
Zusatztagesordnungspunkt 13:
Antrag der Abgeordneten Dr. Heidi
Knake-Werner und der Gruppe der
PDS: Bedarfsgerechte und
gebührenfreie Auszahlung von
Lohnersatzleistungen wiederherstellen (Drucksache
13/9592) 19505 C
Dr. Heidi Knake-Werner PDS 19505 D
Dr. Dagmar Enkelmann PDS 19506 D
Nächste Sitzung 19507 C
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten . 19508 A
Anlage 2
Bundesweite Übernahme der in Baden-
Württemberg eingeführten
Mittelstandsrichtlinien für die Vergabe von
öffentlichen Aufträgen
MdlAnfr 8 - Drs 13/9584
Hans-Joachim Fuchtel CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Hein rich L. Kolb
BMWi 19508 C
Anlage 3
Zu Protokoll gegebene Reden zu
Tagesordnungspunkt 13 (Antrag: Einführung
einer Steuer auf spekulative
Devisenumsätze) sowie zu dem
Zusatztagesordnungspunkt 12 (Antrag: Einführung einer
spekulationsdämpfenden Steuer auf
Währungstransaktionen [Tobinsteuer]
Gerhard Schulz (Leipzig) CDU/CSU . . . 19509 A
Gisela Frick F.D.P 19511 A
Anlage 4
Zu Protokoll gegebene Reden zu
Zusatztagesordnungspunkt 13 (Antrag:
Bedarfsgerechte und gebührenfreie Auszahlung
von Lohnersatzleistungen
wiederherstellen)
Franz Romer CDU/CSU 19511 D
Renate Jäger SPD 19513 A
Annelie Buntenbach BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN 19514 A
Dr. Gisela Babel F.D.P 19514 C
213. Sitzung
Bonn, Donnerstag, den 15. Januar 1998
Beginn: 9.00 Uhr
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Meine Damen und
Herren! Die Sitzung ist eröffnet. Ich möchte Ihnen
und uns allen zu Beginn ein gutes Jahr 1998
wünschen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich zunächst dem
Kollegen Peter Kurt Würzbach, der am 15. Dezember
seinen 60. Geburtstag feierte, dem Kollegen Dr. Rolf
Olderog, der am 29. Dezember ebenfalls seinen
60. Geburtstag beging, und dem Kollegen Helmut
Schäfer zu seinem 65. Geburtstag am 9. Januar
nachträglich die besten Glückwünsche im Namen des
Hauses aussprechen.
(Beifall)
Sodann teile ich folgendes mit: Der Kollege Arne
Börnsen (Ritterhude) hat am 6. Januar 1998 auf seine
Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag verzichtet.
Als seine Nachfolgerin hat die Abgeordnete Eva
Folta am 9. Januar 1998 die Mitgliedschaft im
Deutschen Bundestag erworben. Ich begrüße die neue
Kollegin sehr herzlich und wünsche eine gute
Zusammenarbeit.
(Beifall)
Aus dem Gemeinsamen Ausschuß nach Art. 53 a
des Grundgesetzes scheidet der Kollege Eduard
Oswald als ordentliches Mitglied aus. Als Nachfolger
schlägt die Fraktion der CDU/CSU den Kollegen
Dr. Peter Ramsauer vor.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Sind Sie damit einverstanden? — Kein Widerspruch.
Damit ist der Kollege Dr. Peter Ramsauer als
ordentliches Mitglied im Gemeinsamen Ausschuß nach
Art . 53 a des Grundgesetzes bestimmt.
Auch aus dem Vermittlungsausschuß scheidet der
Kollege Eduard Oswald aus — hier als
stellvertretendes Mitglied. Die Fraktion der CDU/CSU schlägt als
seinen Nachfolger ebenfalls den Kollegen Dr. Peter
Ramsauer vor. Sind Sie damit einverstanden? — Das
ist der Fall. Damit ist der Kollege Dr. Peter Ramsauer
als stellvertretendes Mitglied im
Vermittlungsausschuß bestimmt.
Interfraktionell ist vereinbart worden, die
verbundene Tagesordnung um die Ihnen mit einer
Zusatzpunktliste vorgelegten Punkte zu erweitern:
2. Beratung des Antrags der Fraktion der SPD: Die Ergebnisse
der Klimakonferenz in Kioto weiterentwickeln und
notwendige Maßnahmen durchsetzen - Drucksache 13/9602 -
3. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Winfried
Pinger, Anneliese Augustin, Jochen Feilcke, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU sowie der
Abgeordneten Roland Kohn, Dr. Irmgard Schwaetzer und der
Fraktion der F.D.P.: Mikrofinanzierung als Mittel der
Armutsbekämpfung - Drucksache 13/9601-
4. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. R. Werner
Schuster, Adelheid Tröscher, B rigitte Adler, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Förderung der
Nichtregierungsorganisationen in der
Entwicklungszusammenarbeit - Drucksache 13/9603 -
5. Weitere Überweisungen im vereinfachten Verfahren
(Ergänzung zu TOP 18)
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung -
eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur
Änderung des Erdölbevorratungsgesetzes - Drucksache 13/
9530-
b) Erste Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Zulassung
von Stückaktien (Stückaktiengesetz - StückAG) -
Drucksache 13/9573 -
c) Erste Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung des
Transfusionswesens (Transfusionsgesetz - TFG) -
Drucksache 13/9594 -
d) Beratung des Antrags der Abgeordneten Halo Saibold,
Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn), Gila Altmann
(Aurich), Albe rt Schmidt (Hitzhofen) und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Transparenz der
Preisangaben bei Flugreisen - Drucksache 13/9447 -
e) Beratung des Antrags der Abgeordneten Gila Altmann
(Aurich), Albe rt Schmidt (Hitzhofen), Helmut Wilhelm
(Amberg) weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Gefährdung durch
Gefahrguttransporte minimieren - Drucksache 13/9449-
6. Weitere abschließende Beratungen ohne Aussprache
(Ergänzung zu TOP 19)
a) Zweite und dritte Beratung des vom Bundesrat
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des
Gesetzes über die Zwangsversteigerung und die
Zwangsverwaltung - Drucksachen 13/7383, 13/9438-
b) Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Siebten Gesetzes zur
Änderung des Arzneimittelgesetzes - Drucksachen 13/
8805, 13/9618-
c) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Unidroit-Übereinkommen vom 28. Mai 1988
über das internationale Factoring - Drucksachen 13/
8690, 13/9572-
d) Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des
Ausschusses für Wirtschaft (9. Ausschuß) zu der
Verordnung der Bundesregierung: Aufhebbare
Dreiundneunzigste Verordnung zur Änderung der Ausfuhrliste -
Anlage AL zur Außenwirtschaftsverordnung -
Drucksachen 13/8516, 13/8594 Nr. 2.1, 13/9590-
7. Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der SPD:
Erklärung des Bundeskanzlers, daß eine Halbierung der
Arbeitslosenzahl bis zum Jahre 2000 nicht mehr zu erreichen
sei
8. Beratung der Unterrichtung durch den Bundesbeauftragten
für den Datenschutz: Tätigkeitsbericht 1995 und 1996 des
Bundesbeauftragten für den Datenschutz -16.
Tätigkeitsbericht - Drucksache 13/7500 -
9. Beratung des Antrags der Abgeordneten Tilo Braune,
Stephan Hilsberg, Doris Odendahl, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der SPD: Internationalität der Hochschulen -
Drucksache 13/9621-
10. Beratung des Antrags der Abgeordneten Freimut Duve,
Stephan Hilsberg, Dr. Elke Leonhard, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Gefahren abwenden von der
Auswärtigen Kulturpolitik - Drucksache 13/9450-
11. Beratung des Antrags des Abgeordneten Claus-Peter Grotz
und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten
Ina Albowitz, Ulrich Irmer, Dr. Karl-Hans Laermann und der
Fraktion der F.D.P.: Neue Herausforde rungen für die
Auswärtige Kulturpolitik - Drucksache 13/9613 -
12. Beratung des Antrags der Abgeordneten Ludger Volmer,
Helmut Lippelt, Angelika Beer, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Einführung einer
spekulationsdämpfenden Steuer auf
Währungstransaktionen (Tobinsteuer) - Drucksache 13/9597 -
13. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Heidi Knake-
Werner und der Gruppe der PDS: Bedarfsgerechte und
gebührenfreie Auszahlung von Lohnersatzleistungen
wiederherstellen - Drucksache 13/9592 -
14. Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Antje Vollmer,
Andrea Fischer (Berlin), Oswald Metzger, Marina Steindor
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Modernisierung von Beamtenrecht und Beamtenversorgung -
Drucksache 13/9622 -
15. Aktuelle Stunde auf Verlangen der Gruppe der PDS:
Haltung der Bundesregierung zur Privatisierung von Flächen
in den Nationalparks der neuen Bundesländer
Von der Frist für den Beginn der Beratung soll,
soweit erforderlich, abgewichen werden.
Weiterhin ist vereinbart worden, die
Tagesordnungspunkte 9 - Armuts- und Reichtumsbericht -,
10 a und b - Absatzförderung für Produkte aus
Ostdeutschland - und 15 - Schaffung von Arbeitsplätzen
im Dienstleistungssektor - abzusetzen. Des weiteren
soll der Tagesordnungspunkt 12 -
Elektronikschrottverordnung - ohne Debatte überwiesen werden.
Außerdem mache ich auf- nachträgliche
Überweisungen im Anhang zur Zusatzpunktliste
aufmerksam:
Der in der 210. Sitzung des Deutschen Bundestages am
11. Dezember 1997 überwiesene nachfolgende
Gesetzentwurf soll nachträglich zusätzlich dem Ausschuß für
Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zur Mitberatung
überwiesen werden:
Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Einführung des
Euro (Euro-Einführungsgesetz-EuroEG) - Drucksache 13/
9347 -
überwiesen:
Rechtsausschuß (federführend)
Finanzausschuß
Ausschuß für Wirtschaft
Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
Ausschuß für Fremdenverkehr und Tourismus
Ausschuß für die Angelegenheiten der Europäischen Union
Haushaltsausschuß mitberatend und gemäß § 96 GO
Der in der 210. Sitzung des Deutschen Bundestages am
11. Dezember 1997 überwiesene nachfolgende
Gesetzentwurf soll nachträglich zusätzlich dem Ausschuß für
Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung zur
Mitberatung überwiesen werden:
Gesetzentwurf der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN und F.D.P. zur Änderung des Grundgesetzes
(Artikel 39 GG) - Drucksache 13/9393 -
überwiesen:
Rechtsausschuß (federführend)
Ausschuß für Wahlprüfung, Immunität
und Geschäftsordnung
Innenausschuß
Der in der 211. Sitzung des Deutschen Bundestages am
12. Dezember 1997 überwiesene nachfolgende
Gesetzentwurf soll nachträglich zusätzlich dem Ausschuß für
Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung zur
Mitberatung überwiesen werden:
Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform des
Güterkraftverkehrsrechts - Drucksachen 13/9314, 13/9437 -
überwiesen:
Ausschuß für Verkehr (federführend)
Ausschuß für Wirtschaft
Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Der in der 163. Sitzung des Deutschen Bundestages am
13. März 1997 überwiesene nachfolgende Antrag soll
nachträglich zusätzlich dem Ausschuß für die Angelegenheiten
der Europäischen Union zur Mitberatung überwiesen
werden:
Antrag der Abgeordneten Uta Zapf, Günter Verheugen, B ri
-gitte Adler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
SPD: Priorität für eine Politik der zivilen Krisenprävention
und Konfliktregelung - Drucksache 13/6999 -
überwiesen:
Auswärtiger Ausschuß (federführend)
Verteidigungsausschuß
Ausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung
Ausschuß für die Angelegenheiten
der Europäischen Union
Haushaltsausschuß
Der in der 203. Sitzung des Deutschen Bundestages am
13. November 1997 überwiesene nachfolgende Antrag soll
nachträglich zusätzlich dem Finanzausschuß zur
Mitberatung überwiesen werden:
Antrag der Fraktion der SPD: Klimagipfel in Kioto: Ein
neuer Anlauf zum Schutz des Klimas - Drucksache 13/
8969 -
überwiesen:
Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
(federführend)
Finanzausschuß
Ausschuß für Wirtschaft
Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Ausschuß für Verkehr
Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
Ausschuß für Bildung, Wissenschaft, Forschung,
Technologie und Technikfolgenabschätzung
Ausschuß für die Angelegenheiten der Europäischen Union
Sind Sie mit den Vereinbarungen einverstanden? -
Ich höre keinen Widerspruch. Wir verfahren so.
Ich rufe den Tagesordnungspunkt 2 auf:
Eidesleistung eines Bundesministers
Der Herr Bundespräsident hat mir mit Schreiben
vom 14. Januar 1998 folgendes mitgeteilt:
Gemäß Art. 64 Abs. 1 des Grundgesetzes für die
Bundesrepublik Deutschland habe ich heute auf
Vorschlag des Herrn Bundeskanzlers den
Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und
Städtebau, Herrn Dr. Klaus Töpfer, aus seinem
Amt als Bundesminister entlassen und Herrn
Eduard Oswald zum Bundesminister für
Raumordnung, Bauwesen und Städtebau ernannt.
Nach Art . 64 Abs. 2 des Grundgesetzes leistet ein
Bundesminister bei der Amtsübernahme den in
Art . 56 vorgesehenen Eid. Herr Bundesminister
Oswald, ich darf Sie zur Eidesleistung zu mir bitten. -
Herr Bundesminister, ich bitte Sie, den vorgesehenen
Eid zu sprechen.
Eduard Oswald, Bundesminister für Raumordnung,
Bauwesen und Städtebau: Ich schwöre, daß ich
meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes
widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm
wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes
wahren und verteidigen, meine Pflichten
gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann
üben werde. So wahr mir Gott helfe.
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Sie haben den im
Grundgesetz vorgesehenen Eid gesprochen. Ich
wünsche Ihnen im Namen des ganzen Hauses für
das neue Amt viel Glück, Erfolg und eine gute Hand!
Eduard Oswald, Bundesminister für Raumordnung,
Bauwesen und Städtebau: Vielen Dank, Frau
Präsidentin.
(Beifall)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Zugleich danke ich
ganz herzlich dem ausgeschiedenen Bundesminister
Dr. Töpfer für seine verdienstvolle Tätigkeit als
Mitglied der Bundesregierung und für das, was er in
bezug auf die Umsetzung unserer Beschlüsse über den
Umzug unseres Parlaments von Bonn nach Berlin
sowie für den Ausbau Berlins geleistet hat.
(Beifall)
Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Glück bei
Ihrer neuen internationalen Aufgabe, die
gleichwertig ist!
Ich rufe die Tagesordnungspunkte 3 a bis 3 d sowie
Zusatzpunkt 2 auf:
3. a) Abgabe einer Erklärung durch die
Bundesregierung
Moto - Erfolg und weitere Verpflichtung im
weltweiten Klimaschutz
b) Beratung des Antrags der Abgeordneten
Michaele Hustedt, Gila Altmann (Aurich),
Franziska Eichstädt-Bohlig, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Konsequenzen aus den Ergebnissen der
makonferenz in Kioto für die deutsche und
europäische Umweltpolitik
- Drucksache 13/9411-
Überweisungsvorschlag:
Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
(federführend)
Ausschuß für Wirtschaft
Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Ausschuß für Verkehr
Ausschuß für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
c) Beratung der Beschlußempfehlung und des
Berichts des Ausschusses für Raumordnung,
Bauwesen und Städtebau (18. Ausschuß) zu
dem Antrag der Abgeordneten Helmut
Wilhelm (Amberg), Franziska Eichstädt-Bohlig,
Gila Altmann (Aurich), weiterer Abgeordneter
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
CO2-Minderung durch Energieeinsparung im
Gebäudebereich
- Drucksachen 13/7241, 13/8967 -
Berichterstattung:
Abgeordnete Dr. Michael Meister
Norbert Formanski
d) Beratung des Antrags der Abgeordneten
Dietmar Schütz (Oldenburg), Marion Caspers-
Merk, Friedhelm Julius Beucher, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD
Klimaschutz durch Minderung von Stand-by-
Verlusten bei Elektrogeräten
- Drucksache 13/9254 —
Überweisungsvorschlag:
Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
(federführend)
Ausschuß für Wirtschaft
ZP2 Beratung des Antrags der Fraktion der SPD
Die Ergebnisse der Klimakonferenz in Kioto
weiterentwickeln und notwendige
Maßnahmen durchsetzen
- Drucksache 13/9602 —
Überweisungsvorschlag:
Ausschuß für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
(federführend)
Ausschuß für Wi rtschaft
Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Ausschuß für Verkehr
Ausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung
Zur Regierungserklärung liegt ein
Entschließungsantrag der Fraktionen von CDU/CSU und F.D.P. vor.
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind
für die Aussprache im Anschluß an die
Regierungserklärung eineinhalb Stunden vorgesehen. - Dazu gibt
es keinen Widerspruch. Dann ist dies so beschlossen.
Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung
hat die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit, Dr. Angela Merkel.
Dr. Angela Merkel, Bundesministerin für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit: Frau Präsidentin!
Meine Damen und Herren! 1997 - das kann man
sagen - war ein Jahr des internationalen
Umweltschutzes. Der weltweite Klimaschutz spielte dabei vielfach
eine zentrale Rolle. Schon im Juni 1997 zog die
Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen auf
der Ebene der Staats- und Regierungschefs in New
York eine erste umfassende Bilanz des Gipfels von
Rio im Jahre 1992.
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Frau Ministerin,
ich bitte Sie, einen Augenblick zu warten.
Ich verstehe, daß jetzt Glückwünsche ausgetauscht
werden sollen. Aber vielleicht kann das vor dem
Plenarsaal fortgeführt werden; denn sonst ist es hier zu
laut. - Frau Ministe rin.
Dr. Angela Merkel, Bundesministerin für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit: Fünf Jahre nach
dem Gipfel von Rio hat Bundeskanzler Helmut Kohl
in einer gemeinsamen Initiative mit seinen Kollegen
aus Brasilien, Südafrika und Singapur sehr klare
Zeichen für den Klimaschutz gesetzt. Diese Initiative ist
ein Beispiel dafür, was wir in Deutschland schaffen
müssen und wofür ich Klaus Töpfer guten Erfolg
wünsche, nämlich diese Fragen auch weltweit
voranzutreiben.
(Beifall bei der CDU/CSU, der F.D.P. und
der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS)
Unmittelbar vor dem Treffen in New York hatten
die Staats- und Regierungschefs der acht wichtigsten
Industriestaaten auf dem Wirtschaftsgipfel in Denver
intensiv auch die Fragen des Klimaschutzes erörtert.
Beide Konferenzen machten einmal mehr deutlich,
wie schwierig es ist, in den internationalen
Klimaverhandlungen die sehr unterschiedlichen Interessen
und Positionen nicht nur zwischen den Industrie-
und den Entwicklungsländern, sondern auch im
Kreise der Industrieländer miteinander in Einklang
zu bringen. Gerade die Behandlung auf höchster
politischer Ebene und vor den Augen der
Weltöffentlichkeit hat noch einmal nachdrücklich deutlich
gemacht, daß wir Fortschritte auf dem Gebiet des
Umwelt- und insbesondere des Klimaschutzes brauchen.
In Kioto ist uns mit der Einigung auf das
Klimaprotokoll der Fortschritt gelungen, den wir dringend
brauchten. Es ist auch gelungen, einen vorläufigen
Abschluß der Konferenz von Berlin im Jahre 1995 zu
finden, nämlich das Berliner Mandat ein Stück weit
in die Tat umzusetzen.
Alle, die dabei waren, werden wissen, daß der
Verhandlungsprozeß von starken Widerständen geprägt
war. Dies ist nicht überraschend; denn zum erstenmal
ging es um rechtsverbindliche
Reduktionsverpflichtungen der Industrieländer. Zwar verpflichtete
bereits die Klimarahmenkonvention, die in Rio de
Janeiro abgeschlossen wurde, die Industrieländer zu
Politiken und Maßnahmen; aber die Verpflichtung,
die Treibhausgas-Emissionen auf das Niveau von
1990 zurückzuführen, war nicht rechtsverbindlich.
Genau dies haben wir in den Verhandlungen in Kioto
auch gemerkt.
Erst sehr kurz vor Kioto haben die
nichteuropäischen Indstrieländer überhaupt Zielvorstellungen
quantifiziert. Die USA und Japan haben damals
gesagt: Stabilisierung bzw. Reduktion um 3 Prozent bis
zum Jahre 2012, obwohl wir in Rio bereits gesagt
hatten: Rückführung auf das Niveau von 1990 bis zum
Jahre 2000.
Die Europäische Union hat den
Verhandlungsprozeß von Anfang an forciert und im März und Juni
1997 bereits eine Verringerung der Emissionen der
drei wichtigsten Treibhausgase gegenüber 1990 um
mindestens 7,5 Prozent bis zum Jahre 2005 und um
15 Prozent bis zum Jahre 2010 vorgeschlagen. Es hat
sich gezeigt, daß die Europäische Union in diesem
Prozeß zum einen in der Abwehr der von anderen
Industrieländern immer wieder vorgeschlagenen
unzureichenden Verpflichtungen und zum anderen - das
halte ich für genauso wichtig - als Brückenbauer
zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern
einmal mehr die treibende Kraft war. Dies ist eine
Aufgabe, die Europa in den nächsten Jahren mit
wachsender Dringlichkeit erfüllen muß. Dies ist auch
die Grundlage dafür, daß wir in Zukunft in einem
Zeitalter der Globalisierung weltweit in Frieden
leben können. Die entwicklungspolitische Debatte
heute wird dies noch einmal unterstreichen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Wenn man sich diese schwierige Situation vor
Augen führt, wird man sagen: Kioto war ein klarer
Erfolg für den weltweiten Klimaschutz; Kioto hat uns
einen beträchtlichen Schritt vorangebracht. Der Zug
fährt jetzt auf den richtigen Gleisen. Aber - um im
Bild zu bleiben - Kioto ist selbstverständlich nicht die
Endstation dessen, was wir erreichen müssen. Wir
haben bei anderen Verpflichtungen bereits gelernt -
das Montrealer Protokoll zur Bannung der
Fluorchlorkohlenwasserstoffe ist hierfür ein Beispiel -:
Wenn ein solcher Prozeß einmal eingeleitet ist, ist er
unumkehrbar. Er wird weitergehen. Ich bin sicher,
daß dies auch mit dem Kioto-Protokoll gelungen ist.
Die wesentlichen Inhalte des Protokolls möchte ich
an sechs Beispielen darstellen: Erstens geht es
natürlich um die Reduktionsziele. Die Industrieländer
müssen ihre Treibhausgase insgesamt um
mindestens 5 Prozent reduzieren, und zwar nicht nur die
drei, die wir in unserer Diskussion immer wieder in
den Mittelpunkt gestellt haben, nämlich CO 2,
Methan und Distickstoffoxid, sondern auch HFCs, PFCs
und Schwefelhexafluorid, drei weniger bekannte
Substanzen. Die Reduktion um mindestens 5 Prozent
soll in der Periode von 2008 bis 2012 erreicht sein,
wobei das Basisjahr für die ersten drei Gase das Jahr
1990 ist und für die zweiten drei Gase auch das Jahr
1995 gewählt werden kann. Jedes Indust rieland hat
eine spezifische Reduktionsverpflichtung, die
Mitgliedstaaten der Europäische Union in diesem
Zusammenhang 8 Prozent. Aber die Europäische Union
hat es geschafft - das war für uns ganz wichtig -, das
sogenannte EU-Bubble, also die gemeinsame
Umsetzung dieser Ziele in unserer Staatengemeinschaft, zu
realisieren. Wir hatten das EU-Bubble gegen sehr
aggressive Angriffe zu verteidigen. Das ist uns
gelungen.
Die anderen Staaten in Europa müssen die
Emissionen zum größten Teil ebenfalls um 8 Prozent
reduzieren. Die USA müssen um 7 Prozent reduzieren,
Japan, Kanada, Polen und Ungarn um 6 Prozent.
Rußland - das ist, sage ich, bedauerlich - sowie die
Ukraine und Neuseeland müssen ihre Emissionen
lediglich stabilisieren. Norwegen darf sie sogar um
1 Prozent steigern, Australien um 8 Prozent. Man
kann sicherlich nicht mit jeder dieser Größen
zufrieden sein. Bis zum Jahre 2005 müssen alle
Industrieländer belegbare Fortschritte bei der Umsetzung
dieser Ziele erreichen.
Ich will ganz klar sagen: Damit diese Ziele erreicht
werden können, müssen viele Industrieländer
scharfe und starke Anstrengungen unternehmen;
denn die 5 Prozent Reduktion, die sich relativ wenig
anhören, entspricht einer rund 30 prozentigen
Reduktion der Emissionen, die heute für das Jahr 2010
prognostizie rt werden. Wir müssen uns nämlich mit
dem sehr unangenehmen Tatbestand
auseinandersetzen, daß beispielsweise in Amerika, Kanada,
Japan und Australien die CO 2-Emissionen bereits im
Jahre 1996 um 5 bis 10 Prozent über denen von 1990
lagen. Das heißt, daß man nicht auf dem richtigen
Pfad zur Stabilisierung ist. Es gibt also sehr viel zu
tun.
Die Europäische Union wird aller Voraussicht nach
die Verpflichtungen von Rio erreichen, nämlich im
Jahr 2000 die Rückführung geschafft haben. Wir
haben hier wirklich einen großen Vorsprung vor
anderen Industrienationen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Zum zweiten ist es der Europäischen Union mit
Unterstützung der assoziierten Länder und der
Schweiz in Kioto gelungen, Politiken und
Maßnahmen zu vereinbaren. Natürlich ist es richtig, daß
jeder national etwas tut. Aber in einer globalisierten
Wirtschaft ist es natürlich auch wichtig, daß wir uns
auf gemeinsame Maßnahmen einigen. Es ist
gelungen, eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft zu
verankern sowie die Emissionen von Treibhausgasen
in den Bereichen Verkehr, Abfall und Energie zu
begrenzen. Es ist auch wichtig, daß es uns gelungen ist,
eine Regelung über die Emissionen durch Flug- und
Schiffstreibstoffe aufzunehmen. Die Internationale
Zivilluftfahrtorganisation bzw. die Internationale
Schiffahrtsorganisation müssen Maßnahmen in
diesem Sektor vorantreiben. Wir und die ganze
Europäische Union haben angestrebt, diese Maßnahmen
sehr viel detaillierter und präziser zu vereinbaren.
Das ist uns leider nicht gelungen. Wir werden weiter
daran arbeiten.
Drittens. Ein vieldiskutierter Punkt in Kioto war der
Handel mit Emissionsrechten, das sogenannte
Trading. Beim Handel mit Emissionen können die
einzelnen Länder untereinander Emissionsreduktionen
kaufen. Damit wird ein Markt geschaffen, um
effizient und konstengünstig Treibhausgasemissionen zu
senken. Das heißt, man kann Zertifikate in Ländern
kaufen, in denen eine CO 2-Reduktion noch leichter
machbar ist und damit billiger wird. So kann man
Kosteneffizienz zum Klimaschutz nutzen. Insofern ist
das ein vernünftiges Instrument. Es hat gar keinen
Sinn, es von vornherein zu verdammen. Man muß es
vernünftig nutzen. Aber dieses Instrument muß
natürlich zu vernünftiger und wirklicher
Kosteneffizienz führen. Das heißt, man darf nicht die sogenannte
heiße Luft, also das, was schon in der Vergangenheit
reduziert wurde, nun einfach zum Verkauf anbieten,
sondern man darf nur wirkliche, noch zu erbringende
Reduktionen handeln.
Wir haben - das war sehr wichtig - festgelegt, daß
nur der Handel zwischen den Industrieländern
erlaubt ist, und wir haben festgelegt, daß ein solcher
Handel nationale Anstrengungen natürlich nicht
ersetzen darf. Denn unser Ziel muß sein, daß die
Länder, die über die beste Technologie verfügen, diese
Technologie weiter verbessern und dann
insbesondere in die Entwicklungsländer exportieren. Das
heißt, der Druck auf die einzelnen Nationen muß
erhalten bleiben.
Wir haben auch erreicht, daß nicht mit
Emissionsreduktionen gehandelt werden darf, die vor Beginn
der Zielperiode, also vor 2008, erreicht werden. Die
sogenannten Schlupflöcher sind damit eingeschränkt
worden. Allerdings haben wir uns nicht einigen
können - das bleibt auf der nächsten
Vertragsstaatenkonferenz in Buenos Aires im November dieses
Jahres zu behandeln -, in welchem Verhältnis denn nun
nationale Reduktionen zu den gehandelten
Emissionen stehen müssen, das heißt, welchen Prozentsatz
man national erreichen muß und welchen man
außerhalb des eigenen Landes erbringen darf. Darüber
muß weiter gesprochen werden.
Ein noch kritischerer Punkt sind - viertens - die
Senken. Senken bieten die Möglichkeit, CO 2 zu
speichern. Hier kommen vor allen Dingen die Wälder in
Frage. Die Einbeziehung von Senken ist methodisch
umstritten. Man kann sich mit den verschiedenen
Methoden - ich sage das einmal etwas platt - fast
jede Reduktion ausrechnen, die man braucht.
Deshalb ist es ganz wichtig, daß wir uns in Kioto darauf
geeinigt haben, daß bei der Erfüllung von
Reduktionsverpflichtungen nur die CO 2-Emissionen, die
durch den Menschen verursacht werden, einbezogen
werden dürfen und daß wir uns auf die Bereiche
Aufforstung, . Wiederaufforstung und Entwaldung
beschränken. Das heißt, es geht im wesentlichen um
die Bindung von Kohlendioxid in Wäldern. Wir
müssen uns darum kümmern, daß wir bis zur Konferenz
von Buenos Aires - damit sehen Sie schon, daß wir
bis zum November 1998 noch eine Menge zu tun
haben - auch auf diesem Gebiet vernünftige Methoden
vereinbaren und keine Schlupflöcher zulassen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Ein fünfter, ganz wichtiger Punkt ist die
gemeinsame Umsetzung von Klimaschutzprojekten, die
sogenannte Joint Implementation. Hier befinden wir
uns zur Zeit in einer Erprobungsphase, die wir in
Berlin vereinbart haben. Es ist uns gelungen, daß das
Instrument der Joint Implementation auch im Protokoll
verankert wird. Das heißt, im Ausland
kostengünstiger zu erzielende Reduktionen durch Investitionen in
konkrete Projekte können angerechnet werden.
Auch hier haben wir sehr viel zu tun.
Ich will betonen, daß es vor allem durch die sehr
gute Kooperation mit Brasilien inzwischen gelungen
ist, im Rahmen des sogenannten Clean Development
Mechanism zum ersten Mal mit den
Entwicklungsländern, gemeinsame Mechanismen zu vereinbaren.
(Monika Ganseforth [SPD]: Ablaßhandel
nennt man das!)
- Wissen Sie, man kann alle zur Verfügung
stehenden Instrumente, die anderen Ländern dienen, sofort
mit einem europäisch-historisierten, pönalisierenden
Begriff bedenken und sagen, damit sei das
Instrument erledigt. Niemand kann ignorieren, daß es
vernünftig ist, bestimmte Projekte zur Treibhausgas-
Reduktion außerhalb von Deutschland zu
verwirklichen, damit Technologie exportiert und Bildung,
Ausbildung und Know-how transferiert werden. Wer
das als „Ablaßhandel" bezeichnet, der muß sich auf
anderen Veranstaltungen bewegt haben als ich. Ich
halte das für völlig absurd.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abge
-
ordneten der F.D.P.)
Damit zu dem sechsten Punkt, nämlich der
Einbeziehung von Entwicklungsländern. Dies ist ein
schwieriges Feld. Die Entwicklungsländer sind voller
Skepsis, weil sie fragen: Wollt ihr eure Reduktion auf
unsere Kosten und unter Begrenzung unseres
Wachstums erbringen? Natürlich muß man dieser
Frage vernünftig und redlich begegnen. Deshalb
bestehen wir von deutscher und europäischer Seite
darauf, vorrangig nationale Maßnahmen zu ergreifen.
Aber es ist doch inzwischen unbest ritten, daß in
kurzer Zeit die Emissionen Chinas höher sein werden als
die der Amerikaner. Darüber kann man im
internationalen Rahmen doch nicht hinweggehen. Deshalb
ist es richtig zu sagen: Natürlich müssen die
Entwicklungsländer, so wie im Montrealer Protokoll
vereinbart, in absehbarer Zeit einbezogen werden,
insbesondere jene, die über hohe jährliche
Wirtschaftswachstumsraten, die mehr Wohlstand versprechen,
verfügen. Die Entwicklungsländer selber wissen
dies. Wenn man mit ihnen redlich spricht, wird es
uns gelingen, ein ganzes Stück voranzukommen.
Wichtig für Kioto war auch, daß das Berliner
Mandat keine zusätzlichen Verpflichtungen für die
Entwicklungsländer vorsah. Die bestehenden
Verpflichtungen werden wir erstmals bei der zweiten
Vertragsstaatenkonferenz des Protokolls überprüfen,
voraussichtlich spätestens im Jahre 2002. Ich denke,
dies wird sogar sehr viel früher der Fall sein. Ich wi ll
aber auch ganz klar sagen: Wer von den
Entwicklungsländern etwas ultimativ forde rt , wird nichts
erreichen. Es geht um Partnerschaft, um Kooperation.
Wenn man so verfährt, wird der Weg auch offen sein.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Es ist mitnichten so, daß die Europäische Union als
Vorreiter dieser Verhandlungen keinerlei Aufgaben
mehr zu erfüllen hat. Auch wir müssen sicherstellen,
daß wir unser Reduktionsziel von 8 Prozent
erreichen. Hierzu müssen wir die wichtigen EU-
Richtlinien und -Verordnungen überprüfen und gemeinsam
weiterentwickeln. Es ist natürlich wichtig, nationale
Maßnahmen durchzuführen. Aber in einer Wi rt
-schaftsunion, zukünftig auch in einer
Währungsunion, wird es unerläßlich sein, daß wir hier
gemeinsam vorangehen.
Alle für den Klimaschutz relevanten Maßnahmen
im Bereich der Europäischen Union müssen auf den
Prüfstand gestellt werden. Das betrifft die
Energieeffizienz, die Kennzeichnung von Geräten, die
Maßnahmen zur Energieeinsparung, die Entwicklung
von erneuerbaren Energien, eine CO-
Energiebesteuerung, Selbstverpflichtungen der Wi rtschaft,
Forschung und Entwicklung, natürlich den Verkehr
einschließlich des Luftverkehrs, die Landwirtschaft,
Chemie und Abfallfragen.
Wir müssen die interne Aufteilung unseres
europäischen Ziels von 8 Prozent jetzt rechtsverbindlich
regeln. Bis jetzt haben wir unter den Mitgliedstaaten
der Europäischen Union ein „burden sha ring"
vereinbart, das aber noch nicht rechtsverbindlich war.
Die vom Umweltministerrat im vergangenen Jahr
vereinbarte Lastenteilung, bei der Deutschland für
das von der EU vorgeschlagene
Gesamtreduktionsziel von 15 Prozent einen Beitrag von 25 Prozent für
die drei Gase, die wir bis dahin betrachtet hatten,
zugesagt hat, hatte nur indikativen Charakter. Nun
müssen wir diese Lastenteilung im Lichte von Kioto,
aber auch im Lichte der neu einzubeziehenden Gase
und Senken überprüfen. Dadurch verändert sich
natürlich die Reduktionslast insgesamt.
Die Einbeziehung der drei einbezogenen Gase
führt dazu, daß die Reduktionen und die Zielwerte
sich ändern, weil die drei Gase, insbesondere die
HFCs als Ersatz für die FCKWs, in den nächsten
Jahren ansteigen werden. Deshalb müssen wir im
übrigen größere Reduktionen erbringen. Die EU-
Kommission hat bereits in Kioto den Auftrag erhalten zu
klären, was das nun genau für das „burden sha ring"
in Europa bedeutet.
Wir müssen ganz klar sagen: Deutschland steht mit
seinem 25-Prozent-Reduktionsziel in der EU und
weltweit vorbildlich da.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Wir erbringen innerhalb der Europäischen Union
bei dem „burden sharing" einen überproportionalen
Anteil. Deshalb werden wir natürlich die nationalen
Beiträge der anderen Länder überprüfen. Wir stehen
zu unserem Angebot, aber wir werden unseren
Beitrag nicht erhöhen können. Es geht darum, daß sich
alle Länder beteiligen. Ich bin sicher, daß eine ganz
große Zahl von Mitgliedstaaten noch einige
Spielräume hat.
Damit bin ich bei unserer nationalen
Klimaschutzpolitik. Ich will ganz klar sagen: Deutschland bleibt
bei seinem nationalen 25 prozentigen
Minderungsziel für Kohlendioxid zwischen 1990 und 2005. Das
darf aber nicht mit dem verwechselt werden, was wir
an Lastenteilung in die Europäische Gemeinschaft
einbringen. Wir haben anläßlich der Debatte über
den Vierten Bericht, den Be richt der
Interministeriellen Arbeitsgruppe, „CO 2-Reduktion" unterstrichen,
daß wir unser nationales Klimaschutzprogramm
fortschreiben werden. Wir hatten in Deutschland
zwischen 1990 und 1996 eine Reduktion der CO2-
Emissionen von ungefähr 10,3 Prozent. Viel wichtiger
aber ist die Tatsache, daß zwischen 1990 und 1996
das Verhältnis der energiebedingten
Kohlendioxidemissionen zu unserem Bruttoinlandsprodukt, das
heißt zur Summe unserer Wirtschaftsleistung, in
Deutschland um rund 19 Prozent gesunken ist. Dies
belegt eben, daß sich die Entkopplung von Wi rt
-schaftswachstum und Energieverbrauch - das ist das
eigentlich Entscheidende - fortgesetzt hat. Daran
müssen wir weiter arbeiten.
Pro Einwohner haben sich die CO 2-Emissionen in
Deutschland zwischen 1990 und 1996 um 13,3
Prozent verringert. Auch das ist eine ganz wichtige
Größe.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abge
-
ordneten der F.D.P.)
Um abzuschätzen, was unsere Maßnahmen
bewirkt haben und was wir in Zukunft noch tun
müssen, haben verschiedene Bundesressorts in zwei
Studien ein ganzes Bündel von Maßnahmen getestet.
Daraufhin haben wir neue Beschlüsse gefaßt. Wir
haben festgelegt: Mit den bisher ergriffenen
Maßnahmen schaffen wir es, bis zum Jahre 2005 eine
Reduktion von 15 bis 17 Prozent zu erreichen. Hätten wir
keine Maßnahmen ergriffen, dann hätten wir bis zum
Jahre 2005 nur eine Reduktion von drei Prozent
erreicht. Das sagen beide Studien übereinstimmend.
Auch hieran sieht man, daß unsere Politik etwas
bewegt.
15 bis 17 Prozent sind aber nicht 25 Prozent.
Deshalb brauchen wir weitere Maßnahmen. Auf der
Basis des von mir schon angesprochenen Berichtes, der
Ihnen vorliegt, haben wir solche Maßnahmen
beschlossen. Ich will sie hier kurz nennen:
Erstens. Die Weiterentwicklung der
Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft. Ich will ganz
deutlich sagen: In Kioto hat die Weltöffentlichkeit mit
staunenden Augen wahrgenommen, daß in
Deutschland eine Zusammenarbeit zwischen Regierung und
Wirtschaft über die Reduktion von CO 2-Emissionen
möglich ist. So etwas gibt es in diesem Umfang in
keinem anderen Land. Dafür interessiert man sich sehr,
denn man muß nicht immer die Keule des
Ordnungsrechtes benutzen, man kann auch flexiblere
Maßnahmen ergreifen, um Reduktionen zu erreichen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Zweitens. Die Förderung des Einsatzes
erneuerbarer Energien. Hier möchte ich insbesondere die
Novellierung des Stromeinspeisungsgesetzes und des
Energiewirtschaftsgesetzes nennen. Entgegen vielen
Unkenrufen sind dies wichtige Meilensteine, um den
Umweltgedanken im Energierecht besser zu
verankern.
(Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
NEN]: Das ist nicht Ihnen zu verdanken!)
Drittens. Die Novellierung der
Wärmeschutzverordnung und der Heizungsanlagen-Verordnung, die
wir in Kürze vornehmen werden und die uns
wirtschaftliche Anreize eingeschlossen Reduktionen von
16 bis 24 Millionen Tonnen bringen wird. Die
Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien bringt
übrigens 5 bis 7 Millionen Tonnen, und auch die
Selbstverpflichtung der Wirtschaft leistet einen
großen Beitrag.
Viertens. Die verstärkte Nutzung der industriellen
und kommunalen Kraft-Wärme-Kopplung. Hierin
liegen Reduktionspotentiale von 30 bis 60 Millionen
Tonnen Kohlendioxid.
Fünftens. Fortbildungsprogramme, Beratungs-
und Informationskampagnen zu Klimaschutz.
Als weitere Maßnahme halten wir daran fest,
zumindest EU-weit eine aufkommens- und
wettbewerbsneutrale CO2-/Energiesteuer einzuführen oder
ein vergleichbares steuerliches Instrument unter
Nutzung der vorhandenen
Verbrauchsteuerstrukturen voranzutreiben. Dies ist national, aber natürlich
auch im Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wi rt
-schaft außerordentlich wichtig, um nicht
Wettbewerbsverzerrungen innerhalb des wi rtschaftlichen
Systems der Europäischen Union zuzulassen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU
und der F.D.P.)
Meine Damen und Herren, die Aufzählung zeigt,
daß die in den Anträgen der Fraktion Bündnis 90/Die
Grünen angesprochenen Bereiche von der
Bundesregierung längst als wichtige Bereiche erkannt sind.
(Albert Schmidt [Hitzhofen] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Was ist denn mit der
Mineralölsteuer und der Automobilindustrie?)
- Darüber können wir nachher noch debattieren. Wir
haben ja noch viel Zeit für die Debatte. Ich habe die
Maßnahmen eben genannt. Sie entsprechen
weitestgehend dem Themenkatalog, den Sie in Ihren
Anträgen ansprechen.
Die SPD hat die Leerlaufverluste bei
Elektrogeräten angesprochen: Dabei basieren sämtliche in ihrem
Antrag genannten Fakten und Daten auf der Studie,
die das Bundesumweltministerium und das
Umweltbundesamt in Auftrag gegeben haben. Das heißt,
uns sind die Ergebnisse bekannt. Deshalb werden
wir genau auf diesem Gebiet weiterarbeiten. Wir
haben dieses auch in dem 4. Be richt der
Interministeriellen Arbeitsgruppe berücksichtigt.
In der Tat ist die Vermeidung der Leerlaufverluste
von Elektrogeräten ein fast idealtypisches Beispiel
dafür, wie man durch technische Innovationen
gleichzeitig Kostensenkung, nämlich weniger
Stromverbrauch, und Reduktion von CO 2-Emissionen
schaffen kann. Das heißt, wir haben der Senkung des
Energieverbrauchs von TV- und Videogeräten im
Stand-by-Betrieb durch verschiedene Maßnahmen -
ich nenne das Umweltzeichen „Blauer Engel" für
solche Elektrogeräte, die unter anderem auch einen
niedrigen Stand-by-Verbrauch haben, und die
freiwilligen Vereinbarungen aller europäischen
Hersteller mit der EU-Kommission - ein Stück weit
Rechnung getragen. Wir sind selbstverständlich für jeden
Gedanken auf diesem Gebiet offen.
Die Bundesregierung hält konsequent an ihrer
anspruchsvollen internationalen, EU-weiten und
nationalen Klimaschutzpolitik fest. Es gilt dabei, alle die
Treibhausgase im Auge zu behalten, deren
Reduktion im Montrealer Protokoll nicht geregelt ist. Den
Hauptbeitrag wird weiterhin die Reduktion von
Kohlendioxid durch Energieeinsparung, Verbesserung
der Energieeffizienz und Beibehaltung eines
ausgewogenen Energiemixes unter Einschluß der
friedlichen Nutzung der Kernenergie leisten.
Ich sage all denen, die mit dem gestrigen Tag im
Gegensatz zu mir zufrieden sind: Wer glaubt, daß wir
auf die Nutzung der Kernenergie verzichten können,
der irrt gewaltig.
(Zuruf von der CDU/CSU: Sehr richtig!)
Wer auch noch „stolz" darauf ist, wenn ein großes
Investitionsprojekt in Deutschland nicht in Bet rieb
genommen werden kann, sorgt nur dafür, daß andere
uns den Strom liefern und wir zahllose Arbeitsplätze
gefährden und anschließend als Standort und als
Exporteur ausfallen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Wenn ich die Diskussion um Mülheim -Kärlich dann
noch mit dem verbinde, was sich um Garzweiler
abspielt, kann ich nur feststellen: Wir können
sämtlichen Strom auch außerhalb Deutschlands einkaufen,
wenn uns das paßt. Ob wir aber damit etwas für den
Standort Deutschland gewonnen haben, weiß ich
nicht.
Ich kann nur sagen: Die Bundesregierung wird
zusammen mit den Koalitionsfraktionen dafür sorgen,
daß Energiesparen und Energieeffizienz und
gleichzeitig technologischer Fortschritt und Arbeitsplätze
keinen Gegensatz bilden. Zusammen helfen sie uns
vielmehr bei der Bewältigung der Aufgaben der
Zukunft.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Bevor ich die
Aussprache eröffne, möchte ich auf der Ehrentribüne
den Präsidenten des spanischen
Abgeordnetenhauses, Herrn Federico Trillo-Figueroa, mit seiner
Delegation ganz herzlich begrüßen. Herzlich
willkommen.
(Beifall)
Nach den Gesprächen, die Sie in Brandenburg und
Berlin geführt haben und seit gestern hier in Bonn
führen, können wir aus eigener Erfahrung sagen,
daß die Spanier eng mit uns Deutschen verbunden
sind und daß sie sich gemeinsam mit uns für eine
europäische Zukunftsordnung einsetzen.
Wir wünschen Ihnen, daß Sie in diesem Jahr,
20 Jahre nach Einführung der demokratischen
Verfassung, an Ihrer Zuversicht festhalten und daß es
Ihnen auch mit der Unterstützung aller Europäer
gelingen möge, den Terror und den Einsatz von Gewalt
zur Durchsetzung von politischen Zielen
einzudämmen und zu vermeiden. Wir sind auch in diesem
Punkt an Ihrer Seite. Gute Gespräche in Bonn!
(Beifall)
Ich eröffne die Aussprache. Es spricht der Kollege
Michael Müller.
Michael Müller (Düsseldorf) (SPD): Frau
Präsidentin! Meine Damen und Herren! Vor 10 Jahren hat die
Vorsitzende der Unabhängigen Kommission Umwelt
und Entwicklung der Vereinten Nationen, Gro
Harlem Brundtland, von der Weltgemeinschaft gefordert,
die ganzen Kräfte darauf zu konzentrieren, eine real
mögliche Klimakatastrophe zu verhindern. Sie hat
damals die möglichen Folgen einer Klimaänderung
mit den Gefahren eines Atomkrieges im
Nuklearzeitalter verglichen. Ich erwähne das, um deutlich zu
machen, welche gewaltige globale und alle
Anstrengungen fordernde Aufgabe vor uns liegt.
In den letzten 10 Jahren haben sich die Zahlen und
Fakten einer vom Menschen verursachten
Klimaänderung weiter verdichtet. Auf der anderen Seite ist
aber die Bereitschaft, wirklich etwas für die
Verhinderung einer Klimakatastrophe zu tun, deutlich
zurückgegangen. Es tut sich eine Schere auf: Anfang
der 90er Jahre haben wir weltweit noch eine große
Bereitschaft gehabt. Aber heute scheint die Welt
wegen der Sorge um die Lösung der Alltagsprobleme
ausgebrannt und nicht mehr fähig zu sein,
weitergehende Perspektiven zu entwickeln.
In Kioto haben wir eklatante
Rückwärtsbewegungen erlebt, die Welt ist gefangen in den
Gegenwartsproblemen. Viele erkennen gar nicht, daß die
Zukunftsprobleme ein zentraler Teil unserer
Gegenwartsprobleme sind.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Klimaschutz ist nichts Abstraktes, das in der fernen
Zukunft liegt. Klimaschutz ist vielmehr eine Chance,
um auch die heutigen Probleme zu lösen. Wer
Klimaschutz ernst nimmt, hat einen strategischen Ansatz,
um wieder Reformpolitik, Innovationen und
Modernisierung in unserer Gesellschaft voranzutreiben.
Der eigentliche und für uns wichtige Punkt ist, daß
wir nicht nur auf die internationale Ebene schielen
dürfen, sondern daß wir erkennen müssen, daß
Klimaschutz die große Chance zur ökologischen
Modernisierung auf nationaler und europäischer Ebene
ist. Das ist bisher jedoch nicht der Fall.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Die Daten einer Klimaänderung haben sich weiter
verdichtet. Ich will die wichtigsten nennen: Wir
haben heute bereits eine von Menschen verursachte
Erwärmung um 0,7 Grad bezogen auf das natürliche
Niveau. Auf der Basis der drei großen Indikatoren für
die reale Gefahr einer Klimakatastrophe - nämlich
erstens der Klimasimulationsrechnungen, zweitens
der klimahistorischen Vergleiche und drittens der
konkreten Beobachtungen der Wettermessungen aus
den letzten 130 Jahren - ist es wahrscheinlich, daß
bis zum Ende des nächsten Jahrhunderts eine
Erhöhung der mittleren Temperatur der Erde um 2,5 Grad
eintreten wird.
Wir erreichen dann erstens ein Temperaturniveau,
das deutlich über der Temperaturspitze der letzten
200 000 Jahre liegt. Und zweitens - was noch sehr
viel wichtiger ist -: Durch diesen Klimaschock
pressen wir Veränderungen, die im natürlichen Prozeß
über mehrere tausend Jahre ablaufen, auf wenige
hundert Jahre zusammen. Die Geschwindigkeit der
Veränderung ist die größte Gefahr, weil sie nämlich
die Anpassungsfähigkeit des Klimasystems und der
Ökosysteme gewaltig überfordert. In diesem
Geschwindigkeitsproblem liegt die eigentliche große
Herausforderung.
Die Klimaforschung sagt, die kritische
Erwärmungsobergrenze liegt bei 1,5 Grad oder maximal
2 Grad pro Jahrhundert. Wenn Sie sehen, daß wir
erstens bereits 0,7 Grad Erwärmung und zweitens eine
Zeitverzögerung von 40 bis 50 Jahren in der
Anpassung des Klimasystems an die veränderte
Anreicherung von wärmestauenden Gasen in der Atmosphäre
haben, dann können Sie feststellen: Wir können
bereits eine Erwärmung um rund 1 Grad nicht mehr
verhindern. Das heißt, wir sind knapp unter der
kritischen Erwärmungsgrenze.
Was noch hinzukommt: Allein die bisherige
Erwärmung ruft bereits gewaltige Veränderungen auf der
Erde und im Klimasystem hervor. Sehen Sie nur die
Zunahme der Wetterextreme überall in der Welt. Die
Zunahme der Wetterextreme ist der Indikator dafür,
daß sich das Klimasystem neu einpendelt. Es ist nicht
so, daß die Klimaveränderung langsam und
kontinuierlich erfolgt, sondern gerade die Extreme im
Wettergeschehen sind der alarmierende Hinweis darauf,
daß das Klimasystem aus dem Lot gerät.
Dies geschieht vor dem Hintergrund, daß ungefähr
75 bis 80 Prozent der Verursachung von
Klimagefahren auf nur ein Viertel der Menschheit entfallen,
nämlich auf die, die in den Industriestaaten leben.
Die Zeitdimension und die Verteilungsdimension
bedeuten: Klimaschutz wird die zentrale Aufgabe für
das friedliche Zusammenleben der Menschen
werden. Und die Nationen und die
Staatengemeinschaften, die hierauf Antworten geben, sind innovativ,
modern und zukunftsfähig, nicht die anderen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
-
ten der PDS)
Deshalb auch an dieser Stelle unsere Kritik: Was
die USA und andere Wirtschaftsstaaten in Moto
gemacht haben, war Ausdruck eines gestrigen
Denkens. Die USA haben sich do rt nicht als Weltmacht
profiliert, sondern als eine Macht von gestern mit
antiquierter Interessenpolitik und unfähig, wirklich das
Tor in die Zukunft aufzustoßen.
Umgekehrt muß in aller Deutlichkeit erkannt
werden, daß damit eine gewaltige Chance für die
Europäische Union eröffnet wird, allerdings nur unter der
Voraussetzung, daß sie endlich begreift: Europa
kann nicht sein, daß wir Staaten um eine Bank herum
bauen; Europa muß auch zu einer sozialen und
ökologischen Nachhaltigkeitsunion werden und damit
eine zentrale Rolle für eine f riedliche Weltordnung
spielen.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der PDS)
Das ist die große Chance für Europa, die sich in Kioto
gezeigt hat.
Ich will einen weiteren kritischen Punkt nennen.
Frau Ministerin, Sie haben gesagt, es seien jetzt neue
Stoffe hinzugekommen. Pardon, aber das kann ich
nicht nachvollziehen. Wir haben in der Aufarbeitung
der Ozonzerstörung stets darauf hingewiesen, daß
die Ersatzstoffe, obwohl sie zwar ein weniger
ozonzerstörendes Potential haben, dennoch zum großen
Teil nicht in Frage kommen, weil sie als genauso
klimaschädlich zu bewerten sind wie die Halonen und
FCKWs. Das steht in allen Berichten, daß der
treibhausrelevante Wert dieser Stoffe genauso
problematisch zu sehen ist wie die FCKWs und die Halonen.
Jetzt zu sagen, da gebe es neue Stoffe -
Entschuldigung, das ist ein Zeichen dafür, daß die Berichte
nicht ausreichend zur Kenntnis genommen wurden.
Das kann ich nicht nachvollziehen.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ein weiterer Punkt: Sie, Frau Merkel, haben
gesagt, wir hätten beim Klimaschutz auch in den neuen
Bundesländern einen erheblichen Fortschritt
gemacht, der nur deshalb nicht richtig zum Tragen
gekommen sei, weil es eine starke
Bevölkerungswanderung von den neuen in die alten Bundesländer
gegeben habe. Auch da muß ich sagen: Die Mima-
Enquete-Berichte haben die Bevölkerungswanderung
mit berücksichtigt. Sie ist in die Szenarien
einbezogen. Wir haben dort eine Bevölkerungswanderung
von zwei bis zweieinhalb Millionen von Ost nach
West unterstellt. Sie liegt nur geringfügig höher.
Insofern ist falsch, was Sie sagen, daß durch die
Wanderungsbewegung innerhalb der Bundesrepublik die
Erfolge nicht deutlich werden.
Die Wahrheit ist anders. Wir haben in der
Bundesrepublik in den alten Bundesländern seit 1990 nicht
in einem einzigen Jahr eine Absenkung der
absoluten CO2-Emissionen erreicht. Der Beschluß vom
November 1990 forderte jedoch für die alten
Bundesländer die Absenkung um 25 Prozent und für die neuen
Bundesländer eine Absenkung um einen sehr viel
höheren Prozentsatz.
Ich stelle fest: Das ist nicht erfüllt worden. Hierbei
kann ich mich auch an dem Gutachten des RWI
orientieren, das sagt, daß die spezifischen
Emissionsminderungen in vielen Branchen im wesentlichen
auf den Zusammenbruch der Grundstoffindustrie in
den neuen Bundesländern zurückzuführen sind. Wir
begrüßen dort die ökologische Verbesserung, die
damit verbunden ist. Dies aber als Klimaschutzpolitik
darzustellen, geht an den Tatsachen vorbei.
(Beifall bei der SPD und der PDS sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Der RWI-Bericht weist übrigens auch nach, daß die
Investitionen im wesentlichen im Rahmen der
normalen Investitionszyklen erfolgt sind und nicht auf
zusätzlichen Anstrengungen beruhen. Er folgert, daß es
wichtig sei, mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit
bei der Datenerhebung zu erreichen. Ich kann mich
dem nur anschließen.
Meine Damen und Herren, wir wollen die
ökologischen, sozialen und beschäftigungspolitischen
Dividenden, die ein nationales Klimaschutzprogramm
erbringt, nutzen. Wir wollen deshalb eine ökologische
Steuerreform. Wir lehnen deshalb das Energiegesetz
von Herrn Rexrodt ab. Wir wollen deshalb die Brücke
ins Solarzeitalter bauen. Wir machen das doch nicht
aus Jux und Dollerei, sondern weil wir wissen: Die
entscheidende Zukunftsfrage ist die ökologische
Modernisierung der Industriestaaten. Sie wird nicht von
selbst kommen, sondern ist nur zu erreichen, wenn
wichtige Länder vorangehen und andere mitziehen.
Das können nach Kioto nur Deutschland und Europa
sein.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Wir sollten Klimaschutz nicht als Belastung für die
Menschen sehen, sondern als große Chance für eine
solidarische Welt und als Verpflichtung für
zukünftige Generationen. Klimaschutz ist die beste
Innovations- und Modernisierungspolitik, die wir uns
vorstellen können. Klimaschutz ist ein Teil des neuen
Fortschrittsverständnisses, das wir heute brauchen.
Deshalb fordern wir: Hört auf mit der
Halbherzigkeit! Hört auf, Klimaschutz nur auf andere
Politikfelder aufzusetzen! Seid endlich bereit und fähig,
Klimaschutz in das Zentrum einer
Modernisierungspolitik von Ökonomie, Technik und Gesellschaft zu
stellen! Wir sind bereit, jeden, der dies will, zu
unterstützen.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der PDS)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Es spricht jetzt der
Kollege Dr. Klaus Lippold.
Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach) (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Lassen Sie mich vorweg sagen: Der Dank
des Hauses allgemein ist das eine; der Dank der
Umweltpolitiker dieses Hauses an Klaus Töpfer ist das
andere.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie des Abg. Albert Schmidt [Hitzhofen]
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Klaus, wir danken dir für jahrelange
freundschaftliche, gute, kollegiale und auch erfolgreiche
Zusammenarbeit. Dein neues Tätigkeitsfeld bedeutet für
uns, daß für die Zukunft Felder der Zusammenarbeit
vorgezeichnet sind. Ich gehe davon aus, daß das so
freundschaftlich, wie es in der Vergangenheit war,
auch in Zukunft stattfinden und zu einem generellen
Erfolg weltweiter Umweltschutzpolitik führen wird,
die wir hier gemeinsam vertreten haben und für die
wir von dir auch in deiner neuen Funktion
zusätzliche Impulse erwarten, wie du sie auch in der
Vergangenheit gegeben hast. Ganz herzlichen Dank, Klaus!
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.
sowie bei Abgeordneten der SPD und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Kollege Müller, es ist sehr wichtig, vorweg noch
einmal darauf hinzuweisen, daß der Ausdruck der
Halbherzigkeit in Sachen weltweiter Klimapolitik
allenfalls von einem Sozialdemokraten und vielleicht
noch von ein paar anderen Oppositionellen in den
Mund genommen werden kann. Aber wenn ich die
weltweite Diskussion betrachte, dann stelle ich fest,
daß die Führungsposition der internationalen
deutschen Klimaschutzpolitik uneingeschränkt
respektiert und die Verdienste des Bundeskanzlers und der
Umweltministerin in vollem Umfang anerkannt
werden. Sie werden permanent aufgefordert, in diesem
Sinne weiterzuarbeiten und auf ihre jeweiligen
Regierungen einzuwirken.
Gerade im Vorfeld von Kioto, lieber Kollege Müller,
haben uns die japanischen Kollegen noch einmal um
reichhaltige Unterstützung gebeten, weil sie
meinten, daß wir seitens unserer Bundesregierung viel
mehr Verständnis und Hilfestellung bekämen, als sie
es je von ihrer Regierung erwarten könnten. Sie
haben uns gefragt, wie wir gemeinschaftlich Druck auf
Medien ausüben könnten, um ihre Regierung in
dieser Frage zu einem ganz anderen Marschtempo zu
bewegen.
Wenn diese internationalen Erfolge hier durch
septemberorientierte Überlegungen auf den Punkt
„Halbherzigkeit" zurückgedrängt werden, dann ist
dies, lieber Kollege Müller, nicht angemessen;
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
denn wir sind uns doch in der Notwendigkeit der
Klimaschutzpolitik uneingeschränkt einig.
Ich will gar nicht in die Details gehen, wo ich die
Risiken durch die zeitliche Zusammendrängung der
Prozesse, die uns zu schnelleren Fragestellungen
und zu schnelleren Lösungsmöglichkeiten zwingen,
als noch größer empfinde als Sie, Kollege Müller. Wir
sind bereit, diesen Weg mitzugehen.
Die Konferenzen der UN in der Vergangenheit
haben deutlich gemacht, daß es gelungen ist, den
Bewußtseinsprozeß weltweit anders zu verankern, als
dies früher der Fall war. Bedauerlicherweise handelt
es sich in vielen Fällen nur um den
Bewußtseinsprozeß, nicht aber um die Änderungen, die unabweisbar
erforderlich sind, wenn wir auf diese
Herausforderungen reagieren wollen. Deshalb meine Bitte, daß
wir alle Möglichkeiten gemeinschaftlich nutzen, um
im internationalen Bereich für die Position, die wir als
deutsches Parlament einnehmen, zu werben und
dafür Verständnis und Unterstützung herbeizuführen;
denn das wird die Position sein, die wir brauchen.
In diesem Zusammenhang danke ich noch einmal
der Präsidentin für die Unterstützung, die sie uns in
diesen Politikfragen in der Vergangenheit hat
angedeihen lassen. Die Ergebnisse der Enquete-
Kommission wären ohne die Unterstützung von Frau
Professor Süssmuth so nicht möglich gewesen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Meine sehr verehrten Damen und Herren, die
Kioto-Konferenz war ein Erfolg, weil nur diejenigen,
die sich mit der realen internationalen Entwicklung
nicht auseinandergesetzt haben, mehr erwarten
konnten. Es gab härtesten Widerstand nicht nur von
der USA, nicht nur von Ländern wie Australien und
auch der OPEC. Es gab auch die mangelnde
Bereitschaft vieler anderer, unseren Weg mitzugehen.
Wenn ich vorhin die Parlamentarierbeteiligung
angesprochen habe, dann aus zwei Aspekten. Ich
glaube, daß es notwendig sein wird, insbesondere
mit den US-amerikanischen Kollegen die Probleme
noch einmal zu vertiefen. Wir haben am Rande des
Kioto-Prozesses mit ihnen diskutiert und haben
festgestellt, daß sie einen Bewußtseinsstand haben, der
dem unsrigen vor etwa 15 Jahren entspricht, daß von
ihrer Seite überhaupt kein Verständnis besteht für
die Grundproblematik generell und erst recht kein
Verständnis dafür, daß dies eine Frage des
internationalen Wettbewerbs ist. Wenn nämlich alle
entwickelten Länder, alle Industrienationen, diesen Weg einer
erfolgreichen Klimaschutzpolitik im Gleichschritt
gehen, ändert dies nichts an den
Wettbewerbsbedingungen, wovor diese Senatoren dort gewarnt haben.
Wir werden auch deshalb werben müssen, weil die
Verunsicherungskampagne, die über einige
Wissenschaftler gesteuert läuft, do rt besonders greift und
weil zum Beispiel die Ratifikation dieses Ergebnisses
im US-Kongreß nach wie vor noch nicht gesichert ist.
Wer sich an die Byrd-Hagel-Resolution erinnert, wird
wissen, daß hier noch einiges an Arbeit zu leisten ist,
damit das in dieser Frage wichtigste Land, gerade
was die Emissionen angeht, dieses Ergebnis
ratifiziert. Hier einen Beitrag zur dortigen
Bewußtseinsänderung zu leisten wird notwendig sein.
Das heißt aber auch, daß sich deutsche
Parlamentarier verstärkt in die internationalen Diskussionen
einschalten müssen. Ich weiß, daß das in diesem
unserem Lande manchmal etwas kritisch gesehen wird.
Wer aber beobachtet hat, wie wenig konzertiert zum
Beispiel die Europarlamentarier in diesen
Diskussionsprozeß gegangen sind und wie sie auf eine
geschlossene Fronde US-amerikanischer Senatoren
und Kongreßabgeordneter trafen, der weiß, daß wir,
wenn wir erfolgreich sein wollen, erst einmal die
Lücken im eigenen Bereich schließen und die
Defizite aufarbeiten müssen, bevor wir diese Fragen
konzertiert, taktisch und strategisch orientiert als
europäische Parlamentarier der Nationalparlamente
angehen, und daß wir nicht innerhalb von fünf Minuten
Zukunftsabstimmungen versuchen dürfen; denn das
bringt nichts. Hier haben wir nachzuarbeiten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich will
nicht alles das im einzelnen nachzeichnen, was die
Umweltministerin hier angesprochen hat. Aber eines
möchte ich sagen: Es darf natürlich keine Zeit
verlorengehen, in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft
und der Wirtschaft die Ergebnisse von Kioto aufzu
-
greifen. Wir müssen die Thematik der Senken in die
politischen Überlegungen einbeziehen. Wir müssen
zusammen mit unseren Wissenschaftlern - ich denke
hier insbesondere an die Potsdamer Wissenschaftler,
die ja in dieser Frage weltweit führend sind - jetzt
die Konditionen und die Eckpunkte formulieren, um
deren Umsetzung wir uns - möglichst sofort - in der
internationalen Diskussion bemühen sollten. Ziel
sollte sein, zu verhindern, daß über eine Steuerung
der Randbedingungen eine Verfälschung der
Ergebnisse möglich gemacht wird. Das wird ein ganz
wesentlicher Punkt sein. Dabei handelt es sich um eine
wissenschaftlich schwierige, aber unter Beteiligung
von deutschen Wissenschaftlern gut zu leistende
Arbeit. Frau Ministe rin, gerade in dieser Frage bitte
ich Sie noch einmal um eine ganz besondere und
konkrete Unterstützung. Hieran müssen wir
arbeiten.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P.)
Das gleiche gilt auch in bezug auf die
Emissionszertifikate. Die „joint implementation" muß
weiterentwickelt werden. Hier ergeben sich für die Zukunft
Chancen; die Risiken werden wir aussteuern müssen.
Aber, Frau Ganseforth, um Ihre Zwischenrufe von
vorhin aufzugreifen: In vielen dieser Fragen waren
wir uns ja ursprünglich einmal einig. Es wäre gut,
wenn wir zu dieser Einigkeit zurückkehren würden.
Ich denke dabei an den ersten Be richt der zweiten
Enquete-Kommission zum Klimaschutz, in dem wir
uns in einer ganzen Reihe von Fragen noch
einvernehmlich geäußert haben. Ich glaube, zu dieser
einvernehmlichen Haltung sollten wir wieder
zurückkehren.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU
und der F.D.P.)
Natürlich sind wir auch gefordert, die Dinge
national weiterzuentwickeln. Ich möchte etwas zu den
Überlegungen hinsichtlich des Ziels einer Reduktion
um 25 Prozent sagen. Ich komme jetzt zu dem Punkt
zurück, den ich vorhin aufgegriffen habe. Ich habe
direkt im Anschluß an die Konferenz von Moto noch
einmal sehr ausführlich mit dem Präsidenten des
Bundesverbandes der Deutschen Indust rie über
Klimaschutz und Weiterentwicklung gesprochen.
(Albert Schmidt [Hitzhofen] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Das wird auch nötig sein!)
Seine Meinung, wonach vor dem Hintergrund des
erzielten Ergebnisses eine Reduzierung der
Anforderungen national und in Europa zu erwägen sei, weil
andere ja auch nur zu weniger verpflichtet seien,
habe ich entschieden zurückgewiesen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der F.D.P.)
Ich glaube, hier werden wir gemeinsam dafür
werben müssen, daß das Ziel, das zu erreichen wir uns
vorgenommen haben, uneingeschränkt gültig bleibt.
Es wird unter den Kolleginnen und Kollegen, auch in
den eigenen Reihen und nicht nur bei uns, den einen
oder anderen geben, der von einer solchen
Argumentation angekränkelt werden könnte. Auch hier
werden wir noch deutlich nacharbeiten müssen. Herr
Kollege Müller, bei der Diskussion der Analyse, die
Sie hierzu geleistet haben, werden wir das
hoffentlich auch gemeinschaftlich tun. Denn dann wird es
von Erfolg gekrönt sein.
Wir werden an dem Ziel der Reduktion festhalten.
Nur dadurch ist auch ein Erreichen der für Europa
gesetzten Ziele möglich, weil dies maßgeblich auf
unseren Anstrengungen, nicht auf denen anderer,
basiert. Wir sollten versuchen, die Vorstöße der
Ministerin insbesondere im Blick auf Großbritannien,
das dazu gebracht werden sollte, die eine oder
andere Reserve zu mobilisieren, auf parlamentarischer
Ebene mitzutragen. Dies ist unabweisbar notwendig.
Wir sollten die Möglichkeiten, die sich uns national
bieten, ausschöpfen. Hier geht es auch um den
folgenden Punkt: Parlamentarier der
Koalitionsfraktionen haben die Auseinandersetzung zum Beispiel mit
den Stand-by-Geräten angeregt. Die
Bundesregierung hat dies dankenswerterweise zügig
aufgegriffen; das muß man einmal lobend hervorheben. Ich
sage ganz deutlich: Hier stecken eine ganze Menge
Reserven, nämlich 1,5 Prozent dessen, was möglich
ist. Denn allein von den Stand-by-Geräten wird
Strom in einer Größenordnung der Leistung von zwei
Großkraftwerken verbraucht.
Wir sollten mit einem Appell hinsichtlich der
Selbstverpflichtungen der Indust rie, die diese Geräte
herstellt, den deutschen Ingenieurgeist dazu
anhalten, neue Lösungen zu finden, die für den
Konsumenten praktikabel sind und die gleichzeitig keine
Energie verschleudern, was bei den jetzigen Geräten
noch nicht der Fall ist. Man kann Bequemlichkeit
auch mit weniger Energieeinsatz erzielen. Das
werden wir hoffentlich geschlossen gegenüber den
Betroffenen vertreten. Dies ist nur ein Punkt von vielen,
die möglich sind.
Bei aller Unterschiedlichkeit der Auffassungen
glaube ich, daß wir geschlossen vorangehen sollten.
Die Bundesrepublik kann einen guten Beitrag zum
Klimaschutz leisten; wir haben ihn schon geleistet.
Wir sprechen der Ministe rin in dieser Form noch
einmal unseren Dank für die kluge und erfolgreiche
Vorgehensweise in Kioto aus.
Ganz herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Das Wort hat jetzt
die Kollegin Michaele Hustedt.
Michaele Hustedt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! El
Niño, der Eisregen in Kanada und an der Westküste
der USA, aber auch, daß wir hier in Deutschland und
weltweit das wärmste Jahr seit der
Temperaturerfassung haben, machen deutlich, daß es sehr wohl
Anzeichen dafür gibt, daß der Treibhauseffekt schon
jetzt begonnen hat, daß wir bereits mitten im
Treibhauseffekt sind. Darauf haben - nicht beachtet hier
in Deutschland -104 Nobelpreisträger - zwei Drittel
aller lebenden Nobelpreisträger - parallel zu Kioto
hingewiesen. Ihrer Meinung nach hat der Treibhaus
-
effekt schon begonnen, und jetzt ist dringend
schnellstmögliches Handeln notwendig.
Kioto wurde aus meiner Sicht und auch aus der
Sicht der Nobelpreisträger dieser Herausforderung
nicht gerecht. Die Reduktionsziele sind wesentlich zu
niedrig. Es gibt viel zu viele Schlupflöcher, so daß
diese zu niedrigen Reduktionsziele noch unterlaufen
werden können. Meine Meinung ist, daß wir dieses
Protokoll nur ratifizieren sollten, wenn sich die
Industrieländer von ihren Reduktionspflichten nicht - wie
im Beispiel die USA von Rußland - freikaufen
können.
Ich übe dabei keine Kritik an dem persönlichen
Auftreten von Frau Merkel. Im Gegenteil: Ich fand,
daß Frau Merkel in Kioto tatsächlich gekämpft hat.
Was ich besonders gut fand, war, daß sie auch sehr
harte Worte gegenüber den USA gefunden hat. Aber
jetzt ist es so, daß im Windschatten von Kioto - Herr
Lippold hat es angesprochen - der BDI-Präsident
Henkel auch hier in Deutschland ein Abrücken vom
Klimaschutzziel fordert . Wenn solche
Berufsprovokateure Morgenluft wittern, dann ist das ein
Alarmzeichen. Ich finde, es ist ein absolut falsches Signal,
wenn wir uns jetzt hinter den Bremsern verstecken
und das als Argument nehmen, in Deutschland von
unseren Zielen abzurücken.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Herr Henkel hat aber auch gesagt - da muß ich ihm
leider recht geben -: Das Erreichen dieses Ziels in
Deutschland ist leider ein frommer Wunsch. „Leider"
hat er nicht gesagt; das sage ich. Herr Henkel hat
gesagt: Das ist ein frommer Wunsch. Da muß ich ihm
recht geben.
Denn Frau Merkel hat zwar Kämpferqualitäten in
Kioto gezeigt, aber diese Kämpferqualitäten vermisse
ich leider, so muß ich sagen, von ihr als
Umweltministerin hier in Deutschland.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der PDS)
Ihre Kollegen sind da überhaupt nicht
zurückhaltend, siehe Blüm gegen Rexrodt, Gerhardt und
Henkel, Kohl gegen Nolte, Stoiber gegen den Euro.
(Joseph Fischer [Frankfu rt] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Stoiber gegen alle!)
Da ist eine heftige Streitkultur im Gange. Aber Frau
Merkel ist doch - es ist außerordentlich -, wenn es
um Streit hier geht, absolut nicht mehr die
Kämpferin, sondern mutiert langsam zum pflegeleichten
Feigling. Da kann man nur Adenauer zitieren:
Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie
auch ernst genommen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Die Bilanz der pflegeleichten Ministerin ist
deswegen dramatisch schlecht. Die
Selbstverpflichtungen sind doch, ehrlich gesagt, nur Show. Gemacht
wurde das, was sowieso gemacht werden sollte,
nämlich Deindustrialisierung im Osten und dann noch
die Energieeinsparungen, die sich tatsächlich
rechnen. Jetzt, wo es ernst wird, wo man sich nicht mehr
durch Deindustrialisierung retten kann, machen Sie
sich langsam vom Acker. Der Automobilverband hat
schon angekündigt, daß er sich nicht mehr an die
Selbstverpflichtung gebunden fühlt. Die nächste
wird wahrscheinlich die Energiewi rtschaft sein; denn
sie hat ihre Selbstverpflichtungserklärung von
Millheim-Kärlich abhängig gemacht. Das ist ja Gott sei
Dank jetzt endgültig - ein Hoch den Gerichten -
abgeschaltet.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD und der
PDS)
Das heißt, jetzt, wo es ernst wird, werden Sie auf
härteren Widerstand stoßen. Sie werden genau auf
das Problem stoßen, das Sie bisher nie in Angriff
genommen haben und das Ihr Grundproblem ist: daß
Sie nie Konsequenzen für den Fall angedroht haben,
daß diese Selbstverpflichtungserklärungen nicht
eingehalten werden. Staatliche Konsequenzen müssen
dann sein, sonst funktionieren die
Selbstverpflichtungserklärungen nicht.
Der zweite Bereich ist Verkehr. Da sieht es noch
viel schlimmer aus. Von wegen Entkoppelung! Wir
haben in diesem Bereich eine heftige Steigerung der
Emissionen. Es gibt keinerlei Maßnahmen - auch
heute habe ich von Frau Merkel keine einzige
Maßnahme gehört -, wie in dem Verkehrsbereich die
Emissionen überhaupt stabilisiert werden könnten.
Da müßte sie sich, wie gesagt, sehr heftig mit Herrn
Wissmann anlegen, und das scheut sie.
(Joachim Hörster [CDU/CSU]: Nicht so gif
-
tig!)
Auch die Privathaushalte haben keinerlei Anreiz,
Energie einzusparen. Da liegen Riesenpotentiale. Ich
kann diese Ankündigungen, ehrlich gesagt, nicht
mehr hören. Die Wärmeschutzverordnung ist schon
im Koalitionsvertrag enthalten und noch immer nicht
umgesetzt. Machen Sie endlich in diesem Bereich,
was das Wichtigste und Entscheidendste wäre: die
Energiesteuer.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Meine Bilanz ist deshalb sehr traurig. Da dies die
letzte große Klimadebatte in dieser Legislaturpe riode
ist, möchte ich folgendes sagen: Vier wertvolle Jahre
wurden durch diese Bundesregierung auf dem
Gebiet des Klimaschutzes verschenkt, vier wertvolle
Jahre, die wir, wenn im September Rotgrün die
Regierung übernimmt, als Altlasten übernehmen
werden. Wir übernehmen nicht nur die Altlasten in Form
der Haushaltslöcher von Waigel, wir übernehmen
nicht nur die Altlasten in Form der hohen
Arbeitslosigkeit von mehr als fünf Millionen Menschen;
vielmehr übernehmen wir auch dergestalt Altlasten, daß
vier Jahre für den Klimaschutz nichts getan wurde.
(Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Wenn ihr
nicht wollt, machen wir weiter! Ihr müßt
nicht!)
Deswegen wird Rotgrün ein Klimaschutzgesetz
verabschieden und ein aktives, wirksames
Klimaschutzaktionsprogramm erstellen. Es muß dann
Schluß sein mit dem Verharmlosen, mit dem
Verwalten, mit dem Schönreden; wir werden
Rahmenbedingungen schaffen, zum Beispiel durch die
Energiesteuer, durch ein wirklich ökologisches
Energiewirtschaftsgesetz, so daß sich umwelt- bzw.
klimafreundliches Verhalten sowohl für die Verbraucher als auch
für die Wirtschaft lohnt und für Öko-Pioniere, die
Innovationen in diesem Bereich anzubieten haben,
tatsächlich Absatzmärkte geschaffen werden.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Es wird - das will ich gar nicht leugnen - nach
diesen vier Jahren des Nichtstuns nicht leicht sein, in
den dann verbleibenden Jahren das Klimaschutzziel
noch zu erreichen. Ich bin aber optimistisch, daß,
wenn der politische Wille nach der Bundestagswahl
da ist, es noch erreichbar ist - dann allerdings mit
Frau Merkel auf der Oppositionsbank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD und der
PDS)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Als nächste
Rednerin die Kollegin Birgit Homburger.
Birgit Homburger (F.D.P.): Frau Präsidentin! Meine
Damen und Herren! Ich möchte zunächst mit einem
Dank an Frau Bundesministerin Dr. Merkel und auch
an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnen.
Nicht nur auf der Klimakonferenz in Kioto, sondern
bereits weit im Vorfeld wurde mit großem Geschick
und Einsatz für eine wirksame internationale
Klimaschutzstrategie gekämpft. Nicht zuletzt dem Einsatz
der deutschen Delegation ist es zu verdanken, daß
die Europäische Union in Kioto die treibende Kraft
war.
Die Ergebnisse des 3. Klimagipfels haben leider
nicht den großen Durchbruch gebracht. Sie sind
besser, als zu befürchten war, aber nicht so, wie wir uns
es erhofft haben. Insbesondere die USA als weltweit
größter CO 2-Emittent haben sich vehement gegen
vernünftige Reduktionsziele gewandt und sich damit
vermeintlichen wirtschaftlichen Interessen gebeugt.
Ich habe absichtlich „vermeintliche" wirtschaftliche
Interessen gesagt; denn eine vernünftige
Klimaschutzstrategie und wi rtschaftliche Interessen sind
kein Gegensatz. Das beweist auch das Konzept, das
die Bundesregierung in den letzten Jahren gefahren
hat. In der Welt werden in Zukunft energiesparende
Techniken und Produkte gefragt sein. Wer da die
Nase vorn hat, hat auch den Absatzmarkt. Deshalb
begreift die F.D.P. Klimaschutz auch als Chance zur
technologischen Innovation und zur Schaffung von
Arbeitsplätzen.
Deutschland und die EU dürfen jetzt nicht von
ihren selbstgesteckten höheren Reduktionszielen
abrücken: erstens, weil sich der Handlungsbedarf im
Klimaschutz - das wurde ja schon ausführlich
erläutert - mit den Beschlüssen von Kioto nicht
verringert hat und Fehlentwicklungen in diesem Bereich
nicht beliebig umkehrbar sind, und zweitens, weil
Anstrengungen im Klimaschutz auch technischen
Fortschritt und damit Vorsprung auf
Zukunftsmärkten bedeuten.
(Beifall bei der F.D.P. sowie des Abg. Hans
-
Peter Repnik [CDU/CSU])
Es ist deshalb unverständlich und ökonomisch
unvernünftig, wenn Herr Henkel die bisherigen
Anstrengungen und das Klimaschutzziel in Frage stellt. Die
F.D.P. hält am nationalen Klimaschutzziel fest. Wir
werden die Indust rie weiter beim Wo rt nehmen und
die Erfüllung ihrer Selbstverpflichtungen einfordern.
Immerhin brachte Kioto eine Neuerung: den
Einsatz handelbarer Emissionen. Dieses Instrument
wurde ja schon vorher in der Rede von Frau
Ministerin Merkel erklärt. Damit werden neue Wege in der
internationalen Umweltpolitik beschritten, und das
von der F.D.P. seit den 80er Jahren vertretene Modell
der ökologischen Marktwirtschaft erfährt damit
internationale Anerkennung.
(Beifall bei der F.D.P. sowie bei Abgeordne
ten der CDU/CSU)
So kann mehr Effizienz und Flexibilität im
Umweltschutz erreicht werden.
Wir müssen aber darauf achten - da sind wir uns
offensichtlich einig, wenn ich an die Äußerungen der
Vorredner denke -, daß das nicht zu Mißbrauch führt
und einige Staaten sich sozusagen von ihrer
Reduktionsverpflichtung freikaufen. Deshalb findet die
F.D.P. es wichtig, daß der Handel nur ergänzend zu
nationalen Maßnahmen stattfinden darf. Noch besser
wäre es natürlich, wenn sich bei der nächsten
Vertragsstaatenkonferenz die EU-Forderung nach einer
prozentualen Begrenzung der Zielerfüllung durch
Trading durchsetzen würde.
Es gibt natürlich vielfältige Vorschläge darüber,
wie wir unser Reduktionsziel erreichen können. Im
Gebäudebereich muß das große Potential zur
Energieeinsparung besser erschlossen werden; deswegen
bereitet die Bundesregierung eine
Energieeinsparverordnung vor. Die steuerlichen
Rahmenbedingungen für den Klimaschutz müssen verbessert werden.
Dazu hat die F.D.P. bereits seit langem ein Konzept
entwickelt und vorgelegt. Ich hoffe, daß sich das jetzt
in Europa durchsetzen läßt.
Die F.D.P. bleibt dabei, daß die Abschaffung der
Kfz-Steuer und deren Umlegung auf die
Mineralölsteuer ein Anreiz zur Verkehrsvermeidung und zum
Kauf verbrauchsärmerer Fahrzeuge sowie
gleichzeitig zum Bürokratieabbau wäre. Auch das läßt sich
nämlich miteinander verbinden.
(Beifall bei der F.D.P.)
Nur, die im letzten Jahr via Bundesrat und
Vermittlungsauschuß in großer Koalition erzwungene
Änderung ist ein bürokratisches Monstrum, aber ein
umweltpolitisches Mäuschen.
(Beifall bei Abgeordneten der F.D.P.)
Hier bieten SPD und Grüne ein schwaches Bild. Sie
fordern im Bundestag den Einstieg - Frau Hustedt,
Sie haben das gerade wieder einmal getan - in die
ökologisch-soziale Steuerreform, schaffen aber nicht
einmal einen kleinen Anfang, wenn wir denn
anfangen wollen. So sind zum Beispiel die Umwandlung
der Kfz-Steuer oder die Umwandlung der
Kilometerpauschale in eine verkehrsmittelunabhängige
Entfernungspauschale Ansätze in diese Richtung. Diese
haben Sie jedoch verhindert, indem Sie diese Ziele
rot-grünen Länderinteressen geopfe rt haben. Etwas
anderes war das doch nicht.
(Beifall bei der F.D.P. sowie bei
Abgeordneten der CDU/CSU - Ingrid Matthäus-Maier
[SPD]: Das glaubt ja kein Mensch!)
Schwerpunkte müssen in Zukunft nicht nur im
Verkehrssektor, sondern auch im Gebäudebestand
gesetzt werden,
(Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Machen Sie doch einmal! Sie
regieren!)
aber das Rezept der Grünen dazu ist unbrauchbar. Es
zeugt von Staatsgläubigkeit und
obrigkeitsstaatlichem Staatsverständnis. Das kann man sehr gut
dokumentieren, wenn man die gestrige
Umweltausschußsitzung und die Ausführungen des Herrn
Kollegen Rochlitz Revue passieren läßt.
Genau das finden wir auch in dem heute gestellten
Antrag wieder. Darin werden die alten Rezepte
angeboten. Sie reden wieder einmal vom Ausstieg aus der
Kernenergie in der Klimadebatte.
(Beifall der Abg. Michaele Hustedt [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Zum Thema Kohle sagen Sie allerdings nichts.
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Frau Homburger,
gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten
Köhne?
Birgit Homburger (F.D.P.): Ich bin gerade bei den
Grünen und würde das gern fertigmachen. Dann
können wir zum Kollegen Köhne kommen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU -
Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Jetzt zittere ich aber!)
Ich halte es für wichtig, im Zusammenhang
vorzutragen, weil es sonst auseinandergerissen wird.
Sie haben in Ihrem Antrag wieder einmal den
Ausstieg aus der Kernenergie gefordert. Sie wissen, daß
das sehr wohl Relevanz für die CO 2-Emissionen hat.
Über Ihr Verhältnis zur Kohle sagen Sie nichts. Ich
würde das an Ihrer Stelle wahrscheinlich auch nicht
tun; denn zuerst haben Sie einen drastischen
Subventionsabbau bei der Kohle gefordert, dann haben
Sie über Nacht den Beschluß gekippt, damit sich
Herr Fischer von den Kumpels hat feiern lassen
können, anschließend haben Sie dem
Steinkohleförderungsgesetz nicht zugestimmt, und jetzt steht im
Entwurf des Wahlprogramms wieder die Reduzierung
der Kohleförderung. Ich finde es schon erstaunlich,
wie man nach einem Umfaller so oft wieder
aufstehen kann, um erneut wieder umzufallen.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU -
Ingrid Matthäus-Maier [SPD]: Das Wo rt
„Umfaller" ist mit einer anderen Partei ver
-
bunden! - Gegenruf des Abg. Dr. Guido
Westerwelle [F.D.P.]: Das Wo rt hat eine
neue Heimat, Frau Matthäus-Maier!)
Grüne Politik läßt sich auf drei Kernpunkte
reduzieren: ein staatliches Steuererhöhungs- und
Umverteilungsprogramm unter dem Deckmantel der
sogenannten Ökosteuerreform und Ausbau anstatt Abbau
der staatlichen Subventionen und Verbote. Das ist
Politik von gestern. Was wir brauchen, sind Ideen.
Davon gibt es eine ganze Reihe. Ich habe sie
mehrfach vorgetragen. Leider reicht meine Redezeit nicht
aus, um das noch einmal zu tun.
Wir haben eine ganze Reihe von Beispielen
genannt, wie man intelligentere Wege gehen kann, die
nicht auf Staatsknete, sondern auf
Eigenverantwortung und selbstregulierende Prozesse setzen. Dazu
gehören beispielsweise der Einbau von
Energieverbrauchszählern in Heizungsanlagen, die jährliche
Erstellung eines Energiespiegels analog zum
Mietspiegel, die Einführung von Wärme- oder
Energiebedarfsausweisen für Gebäude, die Deckelung der
Umlagefähigkeit von Heizkosten und vieles mehr. Es
gibt eine ganze Latte von Vorstellungen.
(Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ
NEN]: Wer regiert denn das Land?)
In Zeiten knapper öffentlicher Kassen hilft die
Fixierung auf staatliche Förderprogramme nicht weiter.
Hier versagt Ihre politische Phantasie.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Das Wort zu einer
Kurzintervention hat jetzt der Abgeordnete Köhne.
Rolf Köhne (PDS): Frau Kollegin Homburger, Sie
haben das Thema verkehrsmittelunabhängige
Entfernungspauschale angesprochen.
(Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: So unge
fähr!)
Erinnern Sie sich: Vor ungefähr zwei Jahren hat die
PDS einen entsprechenden Antrag eingebracht. Im
Umweltausschuß gab es folgende Debatte: Sie haben
unseren Antrag mit der Begründung abgelehnt, das
habe unkalkulierbare Auswirkungen auf den
Staatshaushalt.
Daraufhin hat der Kollege Müller von der SPD den
Änderungsantrag eingebracht, die Pauschale so zu
berechnen, daß sie auf den Staatshaushalt keine
Auswirkungen habe. Wir haben diesen
Änderungsantrag übernommen. Sie haben diesen
Änderungsantrag abgelehnt. Sie können sich jetzt also nicht
hier hinstellen und den Grünen und der SPD
vorwerfen, sie hätten das blockiert.
(Ingrid Matthäus-Maier [SPD]: Selbstblok
kade!)
Das ist doch wohl der reine Hohn.
(Beifall bei der PDS)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Frau Homburger.
Birgit Homburger (F.D.P.): Herr Kollege Köhne, wir
können das sehr wohl. Wenn Sie die Güte hätten, in
unseren Steuervorschlägen nachzulesen, dann
würden Sie feststellen, daß die
verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale do rt vorgesehen
gewesen ist,
(Beifall bei Abgeordneten der F.D.P.)
und zwar so, daß sie für den Staatshaushalt keine
zusätzliche Belastung bringt. Diese Steuerbeschlüsse
sind abgelehnt worden. Deswegen kann ich diesen
Punkt hier heute sehr wohl anführen.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Wir setzen in der
Rednerliste fo rt . Jetzt hat die Kollegin Eva Bulling-
Schröter das Wort .
Eva Bulling-Schröter (PDS): Frau Präsidentin!
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Weltweit sind in
den letzten acht Jahren wertmäßig genauso viele
Güter produziert und verbraucht worden wie seit
Beginn der menschlichen Zivilisation bis zum Jahre
1950. Dieses Anwachsen zerstörerischer Produktion
kennt keine Grenzen. Im Gegenteil: Vom
konservativsten Friedman-Anhänger bei der CDU/CSU oder
der F.D.P. bis zum Links-Keynesianer in der SPD
alle sehen ihr Heil zur Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit und zur Lösung der Umweltprobleme letztlich in
der Verteilung vermeintlicher
Wachstumsdividenden.
Dieses ständige Mehr an Waren und
Dienstleistungen, dieser Wahnsinn an Naturverbrauch frißt nicht
nur ungezügelt Ressourcen. Diese Wirtschaftsweise
schleudert auch Klimagase in die Atmosphäre, die
selbst mit ausgeklügelter Technik und
ausgeklügelten Technologien nur teilweise vermieden werden
können.
Während sich die Industrieländer auf dem Gebiet
des Gewässerschutzes vergleichsweise zügig auf
halbwegs wirksame Standards einigen konnten, liegt
die Sache bei den Klimagasen - wie wir das in Kioto
gerade erleben konnten - völlig anders. Der Ausstoß
dieser Gase ist so eng mit den jeweiligen
Produktionsvolumina, Technologie- und Verkehrsstrukturen
verbunden, daß sich die jewei ligen Wirtschaftslobbys
mit Zähnen und Klauen an den Status quo klammern.
Ohne Zweifel: Der härteste Widerstand gegen
wirksame Klimaschutzziele kam aus den USA, Australien,
Neuseeland und Japan - ein Kniefall vor der
heimischen Auto-, Erdöl- und Kohleindustrie.
Die Forderung Präsident Clintons, auch die
Entwicklungsländer hätten einen Beitrag zum
Klimaschutz zu leisten, gehörte dabei sicher zu den
zynischsten Beiträgen der Konferenz. Die Nummer eins
des Landes, in dem nur 4 Prozent der
Weltbevölkerung leben, das aber mit 5 Milliarden Tonnen 24
Prozent der weltweiten CO 2-Emissionen in die
Atmosphäre pustet, fordert Gleichbehandlung - ein Witz.
Die Verhandlungsposition der EU ging weiter als
die der USA. Aber aus den ohnehin mageren 15
Prozent bis zum Jahre 2010 wurden am Ende nur 8
Prozent Reduktion. Die USA und Japan genehmigen
sich noch etwas weniger. Damit manifestiert das in
Kioto beschlossene Protokoll die Unfähigkeit und
den Unwillen der Wirtschaftslobby führender
Industriestaaten, langfristige Menschheitsinteressen in
ihre Entscheidungsfindungen zu integ rieren.
Mit der geplanten Reduzierung der Treibhausgase
um durchschnittlich 5,2 Prozent im Zeitraum 2008 bis
2012 gegenüber dem Jahre 1990 liegt das Ergebnis
meilenweit unter den Forderungen von
Klimaforschern und Umwelt-NGOs. Es liegt auch unter der
Forderung der von den Auswirkungen einer
Erwärmung am stärksten betroffenen Inselstaaten. Ihnen
würde das Wasser als erste in die Stube laufen.
Deshalb wurde von diesen Gruppen als Minimalziel eine
Reduktion von 20 Prozent bis zum Jahre 2005
gefordert.
Der faule Kompromiß beinhaltet zudem
Schlupflöcher, deren Dimensionen heute noch gar nicht
abzusehen sind. Durch die Möglichkeit des Handelns mit
Emissionszertifikaten könnten westliche
Industriestaaten nicht ausgenutzte Emissionsquoten anderer
Länder aufkaufen. Viele osteuropäische Länder
übererfüllen aber durch den Zusammenbruch ihrer
Industrien seit 1990 schon jetzt die beschlossenen
Einsparungen um 30 bis 40 Prozent. Somit könnten die
größten Dreckschleudern der Erde, beispielsweise
die USA, von Rußland oder der Ukraine ungenutzte
Verschmutzungsrechte erwerben, um weiter CO 2 in
die Atmosphäre blasen zu können.
Ein ähnliches Schlupfloch ist die Verrechnung von
Aufforstungen als CO 2-Einsparung. Ich frage mich,
ob im Gegenzug die gigantischen Abholzungen
beispielsweise in Rußland für finnische Firmen, die
Papier für deutsche Zeitungen und Drucksachen
produzieren, gar als CO 2-Ausstoß für Deutschland oder
Finnland gerechnet werden. In der Summe aller
Hintertüren - das ist wohl realistisch - werden die
Hauptverschmutzer nicht einmal ihre in Kioto
vereinbarten niedrigen nationalen Reduktionsziele
einzuhalten brauchen.
Die PDS-Bundestagsgruppe forde rt die
Bundesregierung auf, endlich an der Selbstverpflichtung
festzuhalten, den CO 2-Ausstoß auf der Basis von 1990
bis zum Jahre 2005 um 25 Prozent zu senken.
(Beifall bei der PDS)
Dabei sollten alle Klimagase zugrunde gelegt
werden. Letztlich ist jedoch weltweit der Ausstoß an den
naturwissenschaftlich begründeten Notwendigkeiten
auszurichten. Das bedeutet als Mindestforderung
eine weltweite Halbierung dieser Emissionen bis
Mitte des nächsten Jahrhunderts. Für die
Industriestaaten heißt das - so der wissenschaftliche Beirat
der Bundesregierung „Globale
Umweltveränderungen" in seinem Sondergutachten vom Dezember -
eine Reduktion von 77 Prozent bis zum Jahre 2050.
Nur so kann auch den Entwicklungsländern eine
Chance zur Entwicklung gegeben werden.
Das bedeutet, daß bei einem Wachstumsfaktor von
jährlich nur 2,5 Prozent jede Einheit Sozialprodukt in
50 Jahren mit 17mal weniger Klimaemissionen
hergestellt werden muß. Umgerechnet auf jährliche
Reduktionsraten hieße das, diesen Ausstoß in jedem
Jahr um durchschnittlich 5,5 Prozent zu reduzieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie sich
diese Zahl noch einmal auf der Zunge zergehen:
5,5 Prozent. In den fünf Jahren von 1990 bis 1995 hat
die Bundesrepublik ihren CO 2-Ausstoß nach
Regierungsangaben trotz des Zusammenbruchs der
ostdeutschen Indust rie gerade einmal insgesamt um
11,8 Prozent verringert. Ich möchte nun aber nicht
weiter mit Prozenten agieren.
Klar ist, daß die Bundesrepublik ohne einen
Wandel in der Wirtschafts- und Verkehrspolitik nicht nur
das vom WBGU gestellte Ziel meilenweit verfehlen
wird. Auch das Zwischenziel bis zum Jahre 2005
steht in den Sternen. Damit bin ich wieder beim
Ausgangspunkt: Eine radikale Energie- und
Verkehrswende ist nur eine Säule einer langfristigen
Klimapolitik. Die zweite Säule muß ein Ende der
Wachstumsspirale sein. Die Bevölkerung der
Industriestaaten leidet nicht an zu wenig Gütern und zu wenig
Arbeit, sondern an deren ungerechter Verteilung.
(Beifall bei der PDS)
Unter diesen weltweit vom Norden diktierten
Produktions- und Verteilungsverhältnissen leiden aber
vor allem die Länder des Südens; denn sie tragen als
Lieferanten von Rohstoffen und Halbfertigprodukten
einen großen Teil des ökologischen Rucksacks, der
überhaupt nicht in die Bilanzen der Industrieländer
eingeht, seien es abgeholzte Wälder, geplünderte
Bergwerke oder das ausgestoßene CO 2 beim
Transport in die erste Welt. Ferner leiden sie unter
Abhängigkeit und diktierten Weltpreisen, die eine sozial
gerechte und ökologisch verträgliche Entwicklung
der meisten afrikanischen, lateinamerikanischen und
asiatischen Länder nachhaltig verhindern.
Klimapolitik ist also mehr als Umwelt- und
Verkehrspolitik. Sie ist im Kern Wirtschafts- und
Sozialpolitik und rüttelt, wenn sie konsequent bet rieben
wird, an den Grundfesten dessen, was die Mehrheit
in diesem Hause für selbstverständlich und ewige
Wahrheit hält.
(Beifall bei der PDS)
Abschließend möchte ich mich beim Herrn
Bundeskanzler - er ist leider nicht mehr da - und bei
Frau Merkel recht herzlich dafür bedanken, daß sie
mich, stellvertretend für die PDS, von der offiziellen
deutschen Delegation in Kioto ausgeschlossen
haben. Ein wahrlich souveräner Umgang mit der
Opposition!
Danke.
(Beifall bei der PDS sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Als nächste spricht
in der Debatte die Kollegin Ul rike Mehl.
Ulrike Mehl (SPD): Frau Präsidentin! Liebe
Kolleginnen und Kollegen! Die Vertreter der
Bundestagsmehrheit haben es auf internationalen
Umweltkonferenzen immer recht gut - man hörte dies auch von
Herrn Lippold, er hat sich richtig darüber gefreut -,
(Eckart Kuhlwein [SPD]: Aber er hört jetzt
nicht zu!)
weil sie von den Kolleginnen und Kollegen der
anderen Staaten häufig gesagt bekommen, was in
Deutschland für eine tolle Umweltpolitik gemacht
würde. Abgesehen davon, daß das zum Teil in die
Rubrik „Schmeicheleien zwischen den Kollegen"
fällt, ist den Kollegen nicht bewußt, daß ein großer
Teil Ihrer Umweltpolitik nur auf dem Papier steht.
Wir haben sie darüber auch im dunkeln gelassen.
(Beifall bei der SPD)
Aber weil das so ist, werden Sie sich, liebe
Kolleginnen und Kollegen, im Deutschen Bundestag der
rauhen Wirklichkeit stellen müssen. Das ist unsere
Aufgabe.
Ich möchte noch einen Moment bei der Konferenz
von Kioto bleiben. Das Gute an dieser dritten
Folgekonferenz war, daß alle, die keine
Klimaschutzmaßnahmen wollten - beispielsweise aus der Energie-
und Erdöllobby -, immerhin große Angst gehabt
haben müssen, daß es diesmal mit dem Klimaschutz
richtig ernst wird. Dieser Eindruck konnte sich
aufdrängen, weil es bei dieser Konferenz eine große
Zahl von Lobbyisten gab. Am Ende sollen dort 10 000
Menschen gewesen sein. Gemessen an dieser Zahl
war es sicher eine große und wichtige Konferenz.
Das Schlechte an der Konferenz war, daß diese
Interessengruppen ihrem Ziel, ein wirksames und
schnelles Umsetzen der Klimaschutzbeschlüsse zu
verhindern oder wenigstens zu behindern, leider
recht nahe gekommen sind.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordne
-
ten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Gerade in der ersten Woche drängte sich manchmal
der Eindruck auf, daß es hier überhaupt nicht um
Klimaschutz ging, sondern darum, wer am Ende das
beste Geschäft gemacht hat. Denjenigen, denen wegen
des drohenden Meeresspiegelanstieges das Wasser
buchstäblich bis zum Hals steht, standen diejenigen
gegenüber, die unter allen Umständen besondere
Maßnahmen und Anstrengungen zur Senkung der
Treibhausgase vermeiden wollten, allen voran die
USA. Sie standen inhaltlich sehr weit auseinander.
Die Entwicklungsländer sahen sich einem
enormen Druck ausgesetzt, weil vor allem die USA
erklärten, daß sie keine Klimagasreduktion akzeptieren
würden, wenn nicht auch die Entwicklungsländer -
und zwar entgegen bestehender vertraglicher
Vereinbarung, Berliner Mandat - neue Verpflichtungen
auferlegt bekämen.
Nun hat solch eine Konferenz sicherlich ihre
eigene Dynamik. Ich habe großen Respekt vor den Be
amtinnen und Beamten, die dort während der
ganzen Zeit rund um die Uhr verhandelt haben.
Angesichts so mancher skurriler Maßnahmenvorschläge
hatte diese Konferenz allerdings manchmal den
Hauch eines orientalischen Basars. Zu solchen
Vorschlägen zähle ich den Begriff der sogenannten
„superheated air" . Dahinter verbirgt sich, daß die bereits
eingetretenen Klimagassenkungen wegen des
wirtschaftlichen Zusammenbruchs in den
osteuropäischen Ländern für zukünftige Reduktionsziele als
bereits angesparte Mengen hätten in den Handel
gebracht werden können. Dies ist Gott sei Dank
verhindert worden. Dieser Vorschlag kommt mir so vor, als
würde man Geld, das schon längst ausgegeben
worden ist, so behandeln, als läge es auf dem Sparbuch.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Die Konferenzroutiniers hat das relativ kalt
gelassen. Das ist sicherlich auch gut so. Man muß
allerdings wissen, daß solche Vorschläge, die einem völlig
abwegig vorkommen, immerhin auch deswegen
gemacht werden, um am Ende ein möglichst niedriges
Reduktionsniveau ausgehandelt zu haben. Am Ende
ist man froh, daß überhaupt ein Vertrag zustande
gekommen ist. So ähnlich war das auch hier der Fall.
Natürlich kann man sagen, daß ein Protokoll mit
kleinen Schritten besser ist als gar keines. Aber man
muß immer wieder allen ins Bewußtsein rufen, daß
wir keine Zeit haben, jahrzehntelang zu verhandeln.
Wir müssen vielmehr schnellstens Ergebnisse
erzielen.
(Beifall bei der SPD sowie bei
Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Der weltweite Wettlauf um ökonomische
Entwicklungen wird unter Inkaufnahme der massiven
weltweiten Umweltzerstörung offenbar als gottgegeben
hingenommen. Daß wir uns damit aber im von
Menschen gemachten Wettlauf um die Erhaltung unserer
natürlichen Lebensgrundlage befinden, scheint viele
überhaupt nicht zu interessieren.
Darum bereitet es jedenfalls mir große
Schwierigkeiten, das Ergebnis von Kioto als einen Erfolg zu
sehen. Es ist, wie gesagt, das mindeste, was
herauskommen mußte. Noch dazu, wenn bisher keiner
weiß, ob die USA das Protokoll überhaupt
ratifizieren. Herr Lippold hat das zu Recht angesprochen
und kritisiert.
Es kommt hinzu, daß in diesem Protokoll zwei
Dinge geregelt sind, die diesen Prozeß
möglicherweise konterkarieren können. Das ist zum einen der
Handel mit Treibhausgaszertifikaten und zum
anderen die Anrechnung von Waldflächen als CO 2-
Senken. Beim Handel mit Zertifikaten kann ich mir sogar
noch vorstellen, daß es eine akzeptable Lösung
geben kann, wenn man ihn denn will. Es muß aber
allen bewußt sein, daß hier die große Gefahr des
modernen Ablaßhandels besteht. Es muß in den
Verhandlungen, die im Grunde schon jetzt anlaufen
müssen, verhindert werden, daß genau dies eintritt.
Auch muß verhindert werden, daß das, was in dem
Handel akzeptiert wird, auf die nationalen
Reduktionsziele angerechnet wird.
Für viel problematischer halte ich die
Anerkennung der CO2-Senken, was insbesondere für die
großen borealen und tropischen Waldgebiete gelten
würde. Natürlich ist das Thema Erhaltung und
Schutz der Wälder enorm wichtig. Aber wir müssen
dann erst einmal anfangen, wesentlich intensiver
über Abholzungen und das Waldsterben zu reden.
(Beifall bei der SPD)
Inzwischen wird beides doch schon als normal
hingenommen, und wir reden dann über irgendwelche
anderen Probleme. Wenn Waldflächen durch das
Waldsterben entfallen, entfallen natürlich auch CO 2-
Senken. Nach Aussagen von Fachwissenschaftlern zum
Thema CO2-Senken gibt es im Moment nicht die
leiseste Idee, wie die Anrechnung gehandhabt werden
könnte. Ich halte es für absurd, die Bindung von CO 2
in Wäldern berechnen, messen und vor allen Dingen
kontrollieren zu können und festzulegen, welche
Wälder, welche Baumarten in welchen
Altersgruppen welche Mengen CO 2 binden können, und im
Gegenzug dann so zu tun, als könnten wir mit allem so
weitermachen wie bisher, wenn wir entsprechende
Wälder anpflanzen. Das ist die völlig falsche
Richtung. Deswegen bin ich der Meinung, daß das
verhindert werden muß.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Gerade hier ist die Gefahr am größten, daß die
Industrieländer versuchen werden, ihre
Reduktionsverpflichtungen billig zu erkaufen, statt im eigenen
Land die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung
zu stellen. Aber genau das ist der entscheidende
Punkt. Nur dann, wenn wir Industriestaaten es
schaffen, unsere Wirtschaftssysteme insgesamt auf
Nachhaltigkeit umzustellen, können wir die drohenden
Klimaveränderungen abwenden.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Nur so können wir auch die Entwicklungsländer
mit ins Boot bekommen. Das ist ganz entscheidend,
da gebe ich Ihnen völlig recht. Wir dürfen nicht
ignorieren, daß do rt Entwicklungen stattfinden, die in
zehn oder 15 Jahren global massive Schwierigkeiten
verursachen werden. Deswegen ist es so wichtig, die
Entwicklungsländer ins Boot zu bekommen. Aber die
Entwicklungsländer sagen zu Recht: Wenn
diejenigen, die heute mit großem Abstand die
Hauptverursacher der klimaschädigenden Gasentwicklungen
sind, sagen, wir machen erst etwas, wenn auch ihr
anfangt, allen voran die USA, aber auch andere,
dann werden auch wir nichts machen. Das heißt, die
Industrieländer müssen mit großen Schritten
vorangehen, die Industrieländer müssen
Wohlstandsmodelle entwickeln, die garantieren, daß Natur und
Umwelt erhalten bleiben. Das müssen wir auch
vorleben.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Damit komme ich noch einmal auf das eingangs
erwähnte geduldige Papier zurück, nämlich auf die
Umweltschutzpolitik der Bundesregierung. Ich will
gar nicht unterstellen, daß Sie nichts täten oder daß
die Umweltpolitiker und -politikerinnen bei Ihnen
nichts tun wollten. Aber der Unterschied zwischen
Theorie und Praxis bleibt; Herr Lippold hat das schon
angedeutet. Bei der Diskussion, ob unsere bisherigen
Reduktionsziele gecancelt werden, wird sich der
Streit, den Sie schon seit Monaten in Ihren eigenen
Reihen führen, sicherlich fortsetzen. Sie haben zwar
über 130 Maßnahmen zur Klimagasreduzierung
beschlossen, aber ich habe den Eindruck, daß nicht alle
Kollegen im Kabinett diese Beschlüsse ernst nehmen.
Sonst müßten wir nämlich eine andere Verkehrs-,
Wirtschafts- und Raumordnungspolitik haben, ganz
zu schweigen von Ihrer Landwirtschaftspolitik.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der PDS)
Die Landwirtschaftspolitik ist von einer
Nachhaltigkeit weit entfernt. Frau Merkel, Sie haben gesagt, Sie
haben die Nachhaltigkeit auch in der Landwirtschaft
beschlossen. Dann versuchen Sie doch nach dem
Kampf, den Sie gerade ausstehen mußten, Ihren
Kollegen nun davon zu überzeugen, daß er auch
wirklich das Prinzip der Nachhaltigkeit in der
Landwirtschaftspolitik durchsetzt. Davon ist er weit entfernt.
Ich erwähne dieses Thema, weil es a) aktuell ist und
b) die Landwirtschaft mit 15 Prozent an der
Erzeugung klimaschädigender Gase beteiligt ist, und dies
nicht etwa nur in fernen Reisfeldern, sondern auch in
Europa. Darüber gibt es auch schriftliche Unterlagen.
Methan und Lachgas sind die beiden Gase, die zu
erheblichen Teilen - mit 45 Prozent - am Ausstoß von
Treibhausgasen beteiligt sind. Da Methan eine 62mal
stärkere Wirkung hat als CO 2, handelt es sich um ein
bedeutendes Gas. Deswegen müssen wir auch über
die Landwirtschaftspolitik und die Nachhaltigkeit
derselben reden.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN sowie der Abg. Eva Bulling-
Schröter [PDS])
Ich habe jetzt mein Zeitbudget leider ausgeschöpft.
Aber lassen Sie mich am Ende noch sagen: Es gibt
möglicherweise doch ein paar Lernfähige im
Kabinett.
(Dr. Peter Struck [SPD]: Na, na! - Michaele
Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh!)
Ich habe gestern gelesen, daß Herr Kinkel entdeckt
hat, daß die größte Gefahr für die Antarktis die
Zunahme der Treibhausgasemissionen sei
(Eckart Kuhlwein [SPD]: Hört, hört!)
und das Abschmelzen der Antarktis ein
Horrorszenario sei, das unter allen Umständen verhindert werden
müsse.
(Eckart Kuhlwein [SPD]: Hört, hört! -
Michael Müller [Düsseldorf] [SPD]: Etwas
ganz Neues!)
Sehr gut! Ich kann Ihnen allen empfehlen: Setzen Sie
sich einmal zusammen, und überlegen Sie, wie Sie
diesen Horror verhindern!
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und der PDS)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Herr Kollege
Paziorek.
Dr. Peter Paziorek (CDU/CSU): Frau Präsidentin!
Meine Damen und Herren! Seit dem Weihnachtsfest
des letzten Jahres, an dem der parteipolitische
Frieden zwischen Rot und Grün in Nordrhein-Westfalen,
zwischen den Ministern Frau Höhn und Clement,
wegen Garzweiler II zerbrochen ist, glaubt doch
niemand mehr, daß das, was von Rot und Grün hier im
Bundestag zur Umweltpolitik gesagt wird, jemals
Grundlage für ein gemeinsames
Regierungsprogramm werden könnte.
(Dr. Peter Struck [SPD]: Warten Sie mal ab!)
Es reicht eben nicht, bei jeder umweltpolitischen
Debatte hier in diesem Hause weitgehende
umweltpolitische Zielvorstellungen zu formulieren und dann
kläglich zu scheitern, wenn eine konsequente, solide
und ernsthafte Umweltpolitik in einem
Regierungsamt betrieben werden muß.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Das Bild der rotgrünen Koalition in Düsseldorf zur
Energie- und Umweltpolitik ist das Bild einer
Streitkoalition und hat mit einer Sachkoalition nichts mehr
zu tun. Es gibt keine klare gemeinsame rotgrüne
Sicht in der Energie- und Umweltpolitik. Das ist das
Ergebnis der Regierungskoalition in Düsseldorf.
(Beifall des Abg. Jörg van Essen [F.D.P.] -
Dr. Renate Hellwig [CDU/CSU]: Man sieht
nur noch rot!)
Nur damit Frau Höhn und Herr Vesper beim
Scheitern der rotgrünen Landesregierung in Düsseldorf
nicht arbeitslos werden, nur damit eigene Minister
bei den Grünen die Vorteile eines
Regierungsdienstwagens weiter nutzen können, muß - sowohl nach
Ansicht der grünen Landtagsfraktion in Düsseldorf
als auch nach Ansicht der Realos hier in der grünen
Bundestagsfraktion - die völlig gescheiterte
Landesregierung in Düsseldorf weiter gestützt werden.
(Beifall des Abg. Dr. Guido Westerwelle
[F.D.P.] - Albert Schmidt [Hitzhofen]
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt reden
Sie mal zur Sache!)
Wer kann überhaupt noch ernst nehmen, was die
Opposition hier im Bundestag zur Umweltpolitik
geäußert hat, wenn man sich vor Augen führt, welche
konzeptionslose Energie- und Umweltpolitik sie in
Düsseldorf betreibt?
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Herr Paziorek,
gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Hustedt?
Dr. Peter Paziorek (CDU/CSU): Ja, gerne.
Michaele Hustedt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Herr Paziorek, ich finde es ja ganz klasse, daß Sie
unsere Position vertreten, daß Garzweiler II unter
Umständen mit dem Klimaschutzziel nicht zu
vereinbaren ist. Aber ist Ihnen bekannt, daß sowohl die CDU
als auch die F.D.P. wie die SPD für Garzweiler II und
nicht - aus Gründen des Klimaschutzes oder aus
industrie- und wirtschaftspolitischen Gründen;
Garzweiler II ist ja auch Ausdruck einer schlechten Wi rt
-schaftspolitik - gegen Garzweiler II sind?
Dr. Peter Paziorek (CDU/CSU): Mir ist natürlich
bekannt, wie sich unsere CDU und wie sich F.D.P.
und SPD in Nordrhein-Westfalen dazu einlassen. Mir
ist aber auch bekannt, mit welch fadenscheinigen
Argumenten die Grünen versuchen, ihr Umfallen in
Nordrhein-Westfalen zu kaschieren. Ich finde es
bezeichnend, Frau Hustedt, daß Sie mit dieser
Zwischenfrage von Ihrem eigenen Versagen in
Nordrhein-Westfalen ablenken wollen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Denn eines ist doch ganz klar: Vom Aufbruch zu
neuen Ufern ist in Düsseldorf noch nicht einmal im
Ansatz etwas zu spüren. Bei Rotgrün gilt nur noch
der Grundsatz: Machterhalt geht vor Prinzipientreue!
Warum spricht sich der Ministerpräsident von
Nordrhein-Westfalen dafür aus, daß der
Umweltministerin Frau Höhn noch 2 Millionen DM aus dem
Landeshaushalt für eine wasserrechtliche Prüfung
zur Verfügung gestellt werden sollen, obwohl klar
ist, daß nach der Inkraftsetzung des
Rahmenbetriebsplanes Ende letzten Jahres für ein
eigenständiges und ergebnisoffenes Wasserrechtsverfahren kein
Raum mehr ist? Die Antwort ist ganz einfach: Der
Ministerpräsident Johannes Rau hat zwar von seiner
Staatskanzlei aus den Rhein im Blick, aber die Ruhr
und Garzweiler im Nacken und leider nur noch die
Spree im Kopf. Das ist die landespolitische Situation.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Sie von der Opposition, Rot und Grün gemeinsam,
haben hier in Bonn jede umweltpolitische
Glaubwürdigkeit durch diesen Regierungszirkus in Düsseldorf,
den Sie dort veranstalten, verloren. Dem
Landtagsabgeordneten Kreutz von den Grünen ist nur
zuzustimmen, wenn er erklärt, er habe Verständnis, wenn
Leute sagen, eine Landesregierung in einem solchen
Zustand ist eigentlich gescheitert, wenn sie es auch
nicht zugibt.
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
- Ich verstehe die Reaktion der Realos in Ihrer
Fraktion, daß sie jetzt gequält aufschreien, aber wo der
Mann recht hat, da hat er recht.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Der Bauminister von Nordrhein-Westfalen, Herr
Vesper, schreibt in der „FAZ" vom 13. Januar 1998:
„Wer die Energiewende will, braucht
Stehvermögen." Dann schreibt er sinngemäß weiter: Jetzt gibt
es erstmals die Chance, eine neue Prüfung des
Garzweiler-Vorhabens durchzuführen. Gleichzeitig ist
aber am 22. Dezember letzten Jahres unter der
Fachaufsicht des SPD-Wirtschaftsministers Wolfgang
Clement der Rahmenbetriebsplan für den
Tagebaubetreiber Rheinbraun genehmigt worden, wodurch eine
klare Rechtsgrundlage für den Tagebau eröffnet
worden ist. Solche Äußerungen eines
Spitzenpolitikers der Grünen machen deutlich, daß hier mit
gezinkten Karten gespielt wird; denn es gibt keine
ergebnisoffene wasserrechtliche Prüfung mehr,
nachdem der Rahmenbetriebsplan gemäß § 55 des
Bundesberggesetzes genehmigt ist.
Daraus kann es nur eine Schlußfolgerung geben.
Die lautet: Wer eine wirklich umweltorientierte
Energiepoli tik will, braucht keine grünen Umfaller
in Düsseldorf und erst recht nicht hier in Bonn.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Frau Müller und Herr Fischer können noch so viele
politische Rachegefühle gegen den SPD-Minister
Clement entwickeln. Sie können noch so oft
androhen, daß er in Nordrhein-Westfalen seine
landespolitischen Hoffnungen begraben muß.
(Albert Schmidt [Hitzhofen] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Sie sind auf der falschen
Veranstaltung! - Weitere Zurufe vom
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
- Sie werden auch durch Ihre Zwischenrufe nicht
verhindern, daß die politische Glaubwürdigkeit der
Grünen im Tagebau Garzweiler II versinken wird.
Erstaunlich finde ich auch die Haltung einiger
SPD-Umweltpolitiker in Bonn, obwohl ich nicht
verhehlen kann, daß ich sie persönlich durchaus
schätze. Sie, Herr Müller, sind umweltpolitischer
Sprecher Ihrer Fraktion, kommen aus Nordrhein-
Westfalen und sogar direkt aus Düsseldorf. Wie
kommen Sie überhaupt damit klar, daß Sie hier in
Bonn eine radikal neue Energiepolitik fordern,
während Sie gleichzeitig akzeptieren müssen, daß Ihre
eigene Partei in Nordrhein-Westfalen Sie trotz Ihrer
täglichen Presseerklärungen einfach links liegen
läßt und eine andere, eine realistische
Energiepolitik betreibt?
Wer das Düsseldorfer Bündnis als eine
Musterkoalition und als einen Probelauf für Bonn ansieht,
dem kann man nur noch sagen, daß das
Trainingslager Düsseldorf für Rotgrün Endstation sein wird.
Bedauerlicherweise leidet unser schönes Land
Nordrhein-Westfalen darunter. Für Nordrhein-Westfalen
ist dieses Trainingslager eine verlorene Zeit.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU
und der F.D.P.)
Es geht nicht nur um die Sicherung von nahezu
10 000 Arbeitsplätzen im Braunkohlentagebau. Es
geht auch darum, mit Garzweiler II ein
Kraftwerkserneuerungsprogramm umzusetzen, wodurch die
Wirkungsgrade der Braunkohlenkraftwerke enorm
verbessert werden. Das wäre endlich einmal ein
positiver Beitrag Nordrhein-Westfalens zu einer
wirkungsvollen nationalen Klimaschutzpolitik. Das RWE hat
nämlich Investitionen in Höhe von ca. 20 Milliarden
DM für den Neubau und die Modernisierung von
Braunkohlenkraftwerken zugesagt, wodurch die
Umweltbelastung insgesamt um mehr als 25 Prozent
gesenkt werden könnte.
Die Grünen argumentieren natürlich, daß der
Verzicht auf Braunkohlenstrom bei der Emission
klimawirksamer Spurengase zu noch positiveren
Umwelteffekten führen müßte. Aber, meine Damen und Her
-
ren, nach allen ernsthaften Untersuchungen kann
auch zukünftig nicht auf Braunkohlenstrom
verzichtet werden. Die Gedankenskizze des Wuppertaler
Instituts, die von den Grünen ja immer wieder zitiert
wird, geht von falschen Grundannahmen aus, sowohl
in bezug auf den Gesamtmarkt als auch in bezug auf
die Wettbewerbssituation der Braunkohle. Die
Folgen und Kosten Ihres Alternativprogramms werden
in dieser Studie weder zutreffend noch vollständig
untersucht. Dagegen zeigt gerade das
Investitionsprogramm von Rheinbraun, daß erhebliche
Wirkungsgradsteigerungen zu einer markanten
Minderung der CO 2-Emissionen in Deutschland führen
können.
Den Vogel in dieser Diskussion hat aber der SPD-
Vorsitzende Oskar Lafontaine abgeschossen: Laut
Pressemeldungen rief er Clement und Höhn auf, sich
im Streit um Garzweiler II gesetzeskonform zu
verhalten. - Das kann ich in bezug auf Frau Höhn
durchaus verstehen und nachvollziehen. Mich erstaunt
aber dieser Hinweis gegenüber seinem eigenen
Parteifreund Clement.
(Ingrid Matthäus-Maier [SPD]: Das glaube
ich nicht, daß er das gesagt hat!)
War das nur ein Wink mit dem Zaunpfahl, vom Kurs
abzulassen? Gleichzeitig betonte Lafontaine aber,
daß es trotz Düsseldorfer Querelen grundsätzlich
keinen Dissens in der Energiepolitik zwischen SPD und
Grünen gebe.
(Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Das kann ja
heiter werden!)
- Da kann man in der Tat nur fragen, Herr
Westerwelle: Hat Herr Lafontaine aus dem Saarland
inzwischen den Überblick verloren? Das ist die einzige
Frage, die nach dieser Äußerung gestellt werden
kann.
(Jörg van Essen [F.D.P.]: Den hat er noch
nie gehabt, Herr Paziorek!)
- Ich glaube das auch, Herr van Essen. Ich sehe das
auch so, daß seine Äußerungen nichts anderes als ein
rhetorischer Trick sind. Mit solchen rheto rischen
Tricks will die SPD die Öffentlichkeit nur über die
Handlungsunfähigkeit von Rot und Grün täuschen.
Seit Weihnachten 1997 sind Sie von der Opposition
umweltpolitische Märchenerzähler. Solche
Märchenerzähler haben in Regierungsämtern sowohl in
Düsseldorf als auch erst recht hier in Bonn nichts zu
suchen'.
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. -
Zuruf von der SPD: Da hat er eine Rede aus
Düsseldorf abgeschrieben!)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Das Wort zu einer
Kurzintervention hat die Kollegin Hustedt.
Michaele Hustedt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Erstens. Die Alte rnative zu Garzweiler II stellen
Energieeinsparungen, die Nutzung von regenerativen
Energien und vor allen Dingen GuD-Kraftwerke dar.
Dieses ist nicht nur wesentlich ökologischer, sondern
auch gute Wirtschafts- und Industriepolitik, weil wir,
wie es Ihnen vielleicht entgangen ist, inzwischen
einen Wettbewerb im Energiebereich haben. Selbst
die Stromkonzerne sagen in ihrer eigenen Studie, die
Braunkohlenkraftwerke werden gegenüber GuD
-
Kraftwerken nicht mehr konkurrenzfähig sein.
Wenn CDU, F.D.P. und SPD weiter auf Braunkohle
und Garzweiler II setzen, ist die Konsequenz, daß im
Energieland Nummer eins Energie von außen
benötigt wird und dadurch die Arbeitsplätze woanders
entstehen und eben nicht mehr in Nordrhein-
Westfalen.
Zweitens. Ein Umfallen von Bündnis 90/Die
Grünen in der Frage Garzweiler II wird es nicht geben.
Wir sind und waren uns immer einig und werden es
sein in dem Ziel, Garzweiler II zu verhindern. Wir
streiten uns lediglich über den Weg, auf dem das am
besten erreicht werden kann. Der eigentliche
Umfalber ist nach wie vor und natürlich auch in dieser
Frage die F.D.P.
(Widerspruch bei der F.D.P.)
- Sie haben 1996, um sich bei der SPD für eine
Koalition in Nordrhein-Westfalen anzubiedern, inhaltlich
Ihren Beschluß von einem eindeutigen Nein zu
Garzweiler II - diesen haben Sie aus ähnlichen
Gründen wie wir gefaßt - zu einem Ja zu Garzweiler II
geändert. Die F.D.P. ist nach wie vor die Umfallerpartei
des Jahres. Wer im Glashaus sitzt, sollte also nicht
über Elche witzeln.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS
SES 90/DIE GRÜNEN)
Drittens. Ich kann Ihnen auch eine Begründung für
die Krokodilstränen von Linssen, Paziorek,
Westerwelle, Möllemann & Co. liefern. Möllemann sagt, ihm
wäre es lieb, wir würden aus der rotgrünen Koalition
austreten, weil es dann Neuwahlen gäbe und die
jetzige Opposition gute Chancen hätte, an die
Regierungsverantwortung zu kommen. Das ist der Grund
für Ihre Krokodilstränen. Sie behaupten, Sie seien
fähiger zu einem Konsens mit der SPD. Das stimmt
genau deswegen, weil Sie vorsorglich Ihren Beschluß
geändert haben.
Im übrigen muß ich Ihnen sagen: Sie haben den
Eichtest vielleicht nicht genau mitverfolgt. Da sind
nicht die Elche umgefallen. Die Elche sind
stehengeblieben, aber die Autos sind umgefallen. Die netten
Elche, die Sie uns geschenkt haben, sind für uns ein
Symbol der Standhaftigkeit bei unserem Nein zu
Garzweiler II.
Vielen Dank, daß Sie dieses genauso sehen wie
wir.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN -
Abg. Gila Altmann [Aurich] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN] zeigt ein Elch-Stofftier -
Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Als nächstes
bringen wir euch einen Mercedes!)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Ich möchte Herrn
Westerwelle schon jetzt auffordern, weder einen Elch
noch einen Mercedes mitzubringen,
(Joseph Fischer [Frankfu rt ] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Die F.D.P. ähnelt immer
mehr einem Trabbi!)
denn was dem einen recht ist, ist dem anderen billig.
Was für T-Shirts mit Emblemen gilt, das gilt auch für
die Stoff-Elche.
Wollen Sie antworten, Herr Paziorek? - Nein. Dann
spricht als nächster der Kollege Albe rt Schmidt.
(Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Noch ein
Elch!)
Albert Schmidt (Hitzhofen) (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN): Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe
Kolleginnen und Kollegen! Nachdem nun geklärt ist,
wer 1996 seine Position um 180 Grad geändert hat,
ist dieses Thema erledigt. Die größten Kritiker der
Elche waren früher selber welche. So sieht es mit Ihnen
aus, Herr Möllemann!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD)
Nun aber zurück zur Sache. Ich fand es
beschämend, Herr Kollege Paziorek, daß Sie hier eine Rede
gehalten haben, ohne inhaltlich mit einem einzigen
Satz auf das bezug zu nehmen, um was es heute
geht, nämlich um die Auswertung und die
Bewertung des Abkommens von Kioto und um den Verlauf
der Klimakonferenz.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD)
Was dieses Abkommen von Moto wirklich we rt ist,
wird erst der weitere Verhandlungsprozeß zeigen;
denn bei den Beratungen sowohl im Juni in Bonn als
auch im November in Buenos Aires wird es um all die
strittigen Fragen gehen, die in Kioto offengeblieben
sind, genauer: um die Schließung all der
Schlupflöcher, die selbst das bescheidene Reduktionsziel von
5,2 Prozent vorerst entwe rten.
Lassen Sie mich ganz klar sagen, welche Position
wir hier zu vertreten haben werden:
Erstens. Der zwischenstaatliche Handel mit
Emissionslizenzen - Stichwort: Trading - darf nicht als
Ersatz für eine reale Minderung von Treibhausgasen im
eigenen Land gelten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD)
Das wäre Betrug, Frau Merkel, um es mit den Worten
des dänischen Umweltministers Svend Auken zu
sagen. Es widerspräche dem ursprünglichen Sinn des
gesamten Rio-Prozesses, bei dem es um die
Verminderung von Treibhausgasen und nicht um einen
Ablaßhandel geht.
Zweitens. Es darf nicht durchgehen, daß sich die
Industrieländer durch ihre eigenen wi rtschaftlichen
Exportaktivitäten ihre CO 2-Bilanz zu Hause
schönrechnen. Das Stichwort dafür heißt Joint
implementation. Wir müssen darauf bestehen, daß jedes Land
seine Pflichten in bezug auf die CO 2-Minderung
durch echte Reduktionsmaßnahmen im eigenen
Hause erfüllen muß.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und bei der SPD)
Drittens. Die Einbeziehung der sogenannten CO2
-Senken - Stichwort: Aufforstung - in die
Emissionsbilanz muß so lange ausgeschlossen bleiben, solange
das tatsächliche Ausmaß der Bindung von
Kohlendioxid durch forstwirtschaftliche Maßnahmen weder
methodisch erfaßbar noch exakt berechenbar ist.
Schließlich werden wir vor dem Hintergrund der
aktuellen Klimadaten des amerikanischen
Wetterdienstes auch für ein anspruchsvolleres globales
Reduktionsziel kämpfen müssen.
Die USA - ich möchte das ganz deutlich sagen; es
ist schon mehrfach angeklungen - haben in Kioto in
ihrer Führungsrolle versagt. Sie waren nicht die
Protagonisten, sondern die Bremser der Bewegung, die
immer nur von den Lasten anstatt von den Chancen
einer modernen Energiepolitik geredet haben. Herr
Kollege Lippold hat es angesprochen.
In Kioto ist statt dessen so etwas wie eine globale
Leadership der Europäer in Sachen Umweltschutz
deutlich geworden, und zwar nicht aus einem falsch
verstandenen Eurozentrismus, sondern aus der
Wahrnehmung der Verantwortung der entwickelten
Industriestaaten in enger Abstimmung und
Kooperation mit den Entwicklungsländern . Dieser
zukunftsweisende Trend ist auch ein Verdienst, Frau
Dr. Merkel, Ihrer beharrlichen Anstrengungen.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS
-
SES 90/DIE GRÜNEN sowie bei der CDU/
CSU und der F.D.P.)
Frau Dr. Merkel, eines sollten Sie aber sehr ernst
nehmen. Wir werden auf die Dauer im weiteren
Verhandlungsprozeß im globalen Umweltmanagement
nur Durchsetzungschancen haben, wenn wir in
Deutschland und Europa mit unserer eigenen
Klimaschutzpolitik glaubwürdig sind. Wir werden in
Europa eine Diskussion um das 15-Prozent-Ziel
bekommen. Ich sage allen, die dieses Ziel nach unten
korrigieren wollen: Wir brauchen überhaupt nicht mehr
nach Buenos Aires zu fahren, wenn wir vorher dieses
Ziel reduziert haben. Wir werden sogar unsere
Position von Kioto im nachhinein als ein taktisches
Manöver entlarvt haben; wir werden nicht mehr ernst
genommen werden. Deshalb müssen wir auf diesem
Ziel bestehen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD und der
PDS)
Zur Glaubwürdigkeit der Klimaschutzpolitik
gehört nicht nur, hehre Ziele auf geduldigem Papier zu
schreiben - in einer Rollenverteilung und nach dem
Muster: Die Verantwortlichen für das Umweltressort
sind für das Gute und Schöne zuständig, und die
anderen im Wirtschafts-, Finanz- und Verkehrsressort
sind für die reale Gestaltung der Welt zuständig.
Deshalb frage ich Sie, Frau Merkel: Wo ist Ihr
Vorstoß im Kabinett für eine schrittweise Erhöhung der
Mineralölsteuer, nachdem das DIW in Ihrem Auftrag
ausgerechnet hat, daß ein Benzinpreis von 3 DM bis
zum Jahre 2005 - das entspricht in etwa dem
Erhöhungsvorschlag der Grünen - 23 Millionen Tonnen
an Schadstoffemissionen verhindern würde, während
ein Nichtstun à la Wissmann und Waigel 40 Millionen
Tonnen mehr an CO2 allein im Straßenverkehr
verursachen wird?
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wo ist Ihre Initiative zur Umsetzung des EU-
Weißbuches zu den erneuerbaren Energien? Wo ist Ihr
Powerplay für eine europäische Energiesteuer, die
nicht nur das Klima in Europa schützt, sondern
Millionen neuer Arbeitsplätze schafft?
Was ist eigentlich mit Bundeskanzler Helmut Kohl,
der bei jeder Gelegenheit Schulterschluß mit seinem
Männerfreund Suharto demonstriert , dem
diktatorischen Chef eines korrupten Systems, dessen
Familienclan nicht nur für die Verletzung von
Menschenrechten, sondern auch für ungeheure
Umweltschäden verantwortlich ist? Wer gemeinsame Sache mit
notorischen Umweltfrevlern und notorischen
Menschenrechtsverletzern macht, die obendrein noch
ökonomische Geisterfahrer sind, hat wenig
Glaubwürdigkeit auf der internationalen Bühne, wenn es
um Klimaschutzpolitik geht.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD und der
PDS - Eckart Kuhlwein [SPD]: Die haben
doch nur zusammen geangelt!)
Nein, wir brauchen den Gleichklang zwischen
einer fairen und gerechten Wirtschafts- und
Handelsordnung, einer ökologischen Strukturpolitik und der
strikten Beachtung der Menschenrechte.
Nun haben wir in Europa inzwischen drei grüne
Umweltministerinnen. Frau Merkel, bald werden es
vier sein.
(Beifall bei Abgeordneten der PDS)
Ich kann Ihnen schon heute versprechen - ich hoffe,
das ist in Ihrem Sinne -, daß die grüne Umweltachse
Paris-Bonn bzw. Paris-Berlin ein zentraler Motor
einer glaubwürdigen und wirksamen internationalen
Klimaschutzpolitik sein wird.
Lassen Sie mich zuletzt eine persönliche
Anmerkung machen. Am Rande der Klimakonferenz in
Kioto gab es eine Veranstaltung, die wenig Aufsehen
erregt hat, die aber auf die schlichte Tatsache
aufmerksam gemacht hat, daß es bei solchen
Verhandlungen nicht nur um Prozente und Märkte geht,
sondern auch um Menschenleben. 400 Mediziner aus
30 Ländern, darunter einige Nobelpreisträger, haben
darauf aufmerksam gemacht, daß bei einer
Fortführung des Status quo bis zum Jahre 2020 acht
Millionen Menschen durch Wassermangel,
Naturkatastrophen, Luftverschmutzung und Ernteeinbußen ihr
Leben verlieren werden. Die Hauptbetroffenen werden
die Ärmsten der Armen, vor allem in Af rika, sein.
Lassen Sie uns also nie vergessen: Wir verhandeln
nicht nur über Prozente, Märkte und Technologien,
sondern wir verhandeln auch über Menschenleben.
Das muß der eigentliche Ansporn sein, wenn wir zu
größerer Wirksamkeit kommen wollen.
Ich danke Ihnen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
bei der SPD und der PDS)
Präsidentin Dr. Rita Süssmuth: Jetzt spricht der
Kollege Möllemann.
(Joseph Fischer [Frankfurt] [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN]: Jetzt spricht der Oberöko
-
loge!)
Jürgen W. Möllemann (F.D.P.): Frau Präsidentin!
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man sich die
Entschließungsanträge anschaut, die von den
denkbaren Schlußfolgerungen aus den Arbeiten und
Ergebnissen von Kioto handeln und wenn man daran
die Vorschläge und die Bemerkungen mißt, die in
dieser Debatte vorgetragen worden sind, gerade in
den letzten Minuten, dann kann man doch eine
gewisse Diskrepanz nicht übersehen. Es ist sehr
wichtig, zu sehen, daß Klima- und Umweltschutz nur
wirkungsvoll verbessert werden können, wenn es
gelingt, ökonomische und ökologische Aspekte in einer
vernünftigen, einem Industriestaat angemessenen
Weise zu verzahnen.
(Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)
Das bedeutet, daß man die Akzeptanz
umweltpolitischer Zielvorstellungen nicht durch eine
Überforderung der Bürger oder der Betriebe gefährden sollte.
Wenn in diesen Tagen als Vorschlag zur Reduktion
der Schadstoffemissionen allen Ernstes
vorgeschlagen wird, auf einen Liter Sp rit fürs Auto 5 DM Steuer
draufzuknallen, dann kann ich nur sagen: Das
mögen Sie, Herr Fischer, und die paar Minister, die die
Grünen haben - hoffentlich nicht mehr allzulan
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Geschäftsordnungsantrag der Fraktion der SPD auf Herbeirufung des Bundeskanzlers (G-SIG: 13002259) (Antrag zur Geschäftsordnung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Entwicklungspolitik der Bundesrepublik Deutschland (G-SIG: 13020257)
- part_of_vorgang → Kein Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) (G-SIG: 13010223)
- part_of_vorgang → Verzicht auf den geplanten Bau eines Großflughafens Berlin-Brandenburg-International (G-SIG: 13010469)
- part_of_vorgang → Zehnter Bericht zur Entwicklungspolitik der Bundesregierung (G-SIG: 13000852)