Rede von Miriam Gruß (FDP) – Drucksachen 16/10616, 16/11240
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 6: Drucksachen 16/10616, 16/11240 –.
Text
Rede von Miriam Gruß (FDP) – Drucksachen 16/10616, 16/11240
Sehr geehrter Herr Ernst, Sie haben nicht verstanden,
was ich gesagt habe. Genau darum geht es doch. Um
etwas finanzieren zu können, braucht man erst einmal
Geld. Drucken wir im Bundestag neuerdings
Geldscheine? Die arbeitende Bevölkerung muss dieses Geld
erst einmal verdienen und einen Teil davon abgeben.
Erst dann können wir etwas davon ausgeben. Wo kommt
denn das Geld, das Sie ausgeben wollen, her?
Ich erinnere an dieser Stelle an die Debatte im
Familienausschuss. Die Linken haben einen Antrag
eingebracht, der Forderungen enthielt, deren Umsetzung
9 Milliarden Euro gekostet hätte. Woher kommt dieses
Geld? Es kommt von den Leuten, die arbeiten gehen.
Denen müssen Sie es erst einmal wegnehmen, damit Sie
es dann verteilen können. Damit ist Ihre Frage
beantwortet.
(Beifall bei der FDP – Rainer Brüderle [FDP]:
Setzen, Herr Kollege!)
Eines möchte ich ganz klar festhalten – hier haben wir
einen Dissens; an dieser Stelle werden wir auch nie einer
Meinung sein –: Wir sind gegen den Mindestlohn. Wir
verstehen Ihre Argumentation bei diesem Thema
überhaupt nicht. Auch wenn Sie immer wieder versuchen,
sich so darzustellen, sind Sie keine Gutmenschen.
Zurück zum Grundsätzlichen. Kinderarmut ist ein
Thema, das uns alle angeht. Seitdem die Große Koalition
regiert, hat die Kinderarmut zugenommen. Auf diesem
Gebiet müssen Sie Ihre Hausaufgaben also noch
erledigen. Das Familienleistungsgesetz, das Sie heute
vorgelegt haben, ist nicht unbedingt geeignet, die Kinderarmut
zu reduzieren. Anerkennenderweise muss ich allerdings
sagen: Es ist damit ein Schritt in die richtige Richtung
gemacht worden.
(Johannes Singhammer [CDU/CSU]: Na,
immerhin!)
Wir müssen uns überlegen, wie die Kinderarmut zu
bekämpfen ist. Der Ausbau der Kinderbetreuung war ein
wichtiger und richtiger Schritt. Dafür hat sich die FDP-
Fraktion immer ausgesprochen.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
sicherzustellen, ist das Mittel schlechthin, um den Menschen zu
ermöglichen, aus der Armut herauszukommen, und um
Alleinerziehenden, insbesondere Frauen, die arbeiten
wollen, zu ermöglichen, sich einzubringen.
(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ganz genau! So
sieht moderne Familienpolitik aus! – Rainer
Brüderle [FDP]: Sehr richtig!)
Deswegen war dies ein richtiger Schritt.
Die FDP ist die Fraktion, die den Familien vertraut
und ihnen ihr Geld lassen will.
(Heinz-Peter Haustein [FDP]: Richtig! Wir
sind die Guten!)
Die Familien wissen selbst, wofür sie ihr Geld am besten
ausgeben. Wir wollen es ihnen nicht erst wegnehmen,
durch eine gigantische Umverteilungsmaschinerie
schicken und es dann großgönnerhaft ausgeben. Wir haben
das familienfreundlichste Steuerkonzept, mit einfachen,
niedrigen und gerechten Steuersätzen.
Wir fordern darüber hinaus das liberale Bürgergeld, das
für die Einkommen, die nicht von Steuervorteilen
profitieren würden, eine unbürokratische Grundsicherung
vorsieht. Damit haben wir das familienfreundlichste
Konzept zur wirklichen Bekämpfung der Kinderarmut.
Vielen Dank.