Rede von Ingrid Fischbach (CDU/CSU) – Großen Anfrage der Abgeordneten
Teil von Protokoll der 222. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 19 a und 19 b: Beratung der Großen Anfrage der Abgeordneten.
Text
Rede von Ingrid Fischbach (CDU/CSU) – Großen Anfrage der Abgeordneten
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Frau Golze, Ihre Rede gerade hat deutlich gemacht, dass
Sie nicht verstanden haben, wo unsere Ansätze sind, um
Kinderarmut zu bekämpfen.
Kinderarmut hat etwas mit Familienarmut zu tun. Das
ist in Ihrer Rede überhaupt nicht vorgekommen.
Kinderarmut hat etwas mit der finanziellen, emotionalen und
kulturellen Situation von Familien zu tun. Nur wenn wir
das erkennen, haben wir die Möglichkeit, Kinder aus der
Armutsfalle – da ist Ihre Sorge berechtigt –
herauszuholen. Aber davon haben Sie überhaupt nicht gesprochen.
(Diana Golze [DIE LINKE]: Weil Sie vom
Mindestlohn nichts hören wollen!)
Das zeigt mir, dass Sie in dem Wünsch-dir-was-
Programm, das Sie angekündigt haben, verharren.
Worin drückt sich aus, dass Sie, die Linken, als
Wünsch-dir-was-Trupp gesehen werden? Sie stellen
zwar ständig Forderungen – sie sind an der einen oder
anderen Stelle vielleicht gar nicht verkehrt –, bleiben
aber immer die Antwort schuldig, wie das Ganze
finanziert werden soll. Eine Milliardenforderung nach der
anderen aufzustellen, das können wir auch. Wir wollen
aber für eine Politik eintreten, die umgesetzt werden
kann – –
(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]:
Vermögensteuer! Spitzensteuersatz!
Börsenumsatzsteuer!)
– Sie können eine Zwischenfrage stellen; dann gehe ich
auf Sie ein. So lasse ich mich nicht darauf ein.
Ich rate Ihnen: Gehen Sie doch einmal die wirklichen
Ursachen an. Dann können wir gemeinsam etwas
dagegen tun, dass Kinder in die Armutsfalle geraten. Wir sind
uns einig: Das wollen wir nicht. Wir wollen den
Kindern, die in die Armutsfalle geraten sind, heraushelfen.
Dafür werden wir etwas tun, und dafür haben wir etwas
getan.
Wir, Union und auch Koalition, sind uns darüber
einig, dass Kinderarmut Familienarmut ist, dass diese
Armut aber nicht unbedingt materielle Armut ist, sondern
auch emotionale oder kulturelle, also Bildungsarmut
sein kann. Dreh- und Angelpunkt ist die Bildung. Darauf
wird meine Kollegin Noll gleich noch eingehen. Ich
werde mich mit dem Bereich der materiellen Armut
beschäftigen. Angesichts der Kürze der Redezeit werde ich
mich auf eine spezielle Gruppe konzentrieren, die von
Armut stark betroffen ist.
Für die finanzielle Absicherung von Kindern ist
unserer Meinung nach die finanzielle Absicherung der
Familien wichtig. Nur wenn es den Familien gut geht, wennalle in einer Bedarfsgemeinschaft Lebenden eine
ausreichende Absicherung haben, dann haben auch die Kinder
diese Absicherung und sind nicht von Kinderarmut
bedroht. Deshalb geht Kinderarmut hauptsächlich auf die
Armut der Eltern zurück. Deren Armut müssen wir
bekämpfen.
In diesem Zusammenhang ist das Stichwort
Arbeitslosigkeit zu erwähnen: Die Senkung der Arbeitslosigkeit
ist unser Hauptanliegen. Ich will jetzt keine Belege für
das bringen, was unsere Regierungskoalition auf den
Weg gebracht hat.
(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Was ist denn mit dem Mindestlohn?
Dazu können Sie doch auch etwas sagen!)
Man kann allerdings eines sagen: Bis zum Eintreten der
von niemandem vorhergesagten Wirtschaftskrise haben
wir die Arbeitslosigkeit so deutlich gesenkt wie noch
nie.
(Widerspruch des Abg. Jörn Wunderlich [DIE
LINKE])
Das heißt, 1,5 Millionen Menschen sind aus der
Arbeitslosigkeit herausgekommen, Herr Wunderlich. Fakten
und Zahlen müssen auch Sie anerkennen. Es kam zu
einem Plus von 1,4 Millionen
sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen.
Der beste Weg, Kinderarmut zu bekämpfen, ist also,
Eltern in Arbeit zu bringen, es ihnen zu ermöglichen,
selber für ihren Unterhalt Sorge zu tragen. Dafür zu
sorgen, das ist unsere Reaktion auf Kinderarmut. Den ersten
Schritt auf diesem Weg sind wir gegangen. Ich gebe zu:
Durch die Wirtschaftskrise haben wir jetzt Probleme.
Aber auch diese Probleme werden wir angehen und
lösen.
Von Kinderarmut besonders betroffen sind Familien
mit Migrationshintergrund, Mehrkinderfamilien und vor
allem die Alleinerziehenden. Frau Golze, es wäre schön,
wenn Sie zuhörten; sonst wissen Sie gleich wieder nicht,
was die Regierung getan hat, um mit diesem Problem
fertig zu werden. Wir haben einiges getan, um die
Situation der Alleinerziehenden zu verbessern. Wir haben
dem Kinderzuschlag, der unter Rot-Grün eingeführt
worden ist, vom Ansinnen her zugestimmt. Bei seiner
Einführung haben wir gesagt: Der Kinderzuschlag ist zu
kompliziert; zu wenige kommen in den Genuss dieses
Zuschlags. Herr Spanier, aufgrund der
Evaluierungsergebnisse haben wir bei der Reform des
Kinderzuschlages die Alleinerziehenden in den Fokus gerückt. Wir
haben dafür gesorgt, dass mehr Alleinerziehende in den
Genuss des Kinderzuschlags kommen.
Wenn Sie sich die Zahlen ansehen, erkennen Sie, dass
sie für sich sprechen – was hier gesagt wird, ist keine
Erfindung von Frau Fischbach, die es gern schönreden
möchte –: Die Familienkassen berichten, dass die Zahl
derjenigen, die den Kinderzuschlag beantragt haben und
deren Anträge bewilligt worden sind, im Dezember 2008
Ingrid Fischbachbei rund 31,9 Prozent lag; vorher waren es 21 Prozent.
Es ist also ein Anstieg zu erkennen. Der zweite Beleg ist,
dass auch die Zahl der Kinder, deren Eltern Leistungen
nach dem SGB II beziehen, im Vergleich zum Vorjahr
um 6,8 Prozent gesunken ist. Dies geht aus den Zahlen
der Bundesagentur für Arbeit hervor.