Rede von Christian Ahrendt (FDP) – Drucksache 16/12593
Teil von Protokoll der 222. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 28: Drucksache 16/12593 –.
Text
Rede von Christian Ahrendt (FDP) – Drucksache 16/12593
Wir befassen uns heute mit dem Achten Gesetz zur
Änderung des Bundesvertriebenengesetzes. Im Folgenden
möchte ich vier Aspekte näher beleuchten, weil sie meines
Erachtens besonders wichtig sind. Es geht um die neu geschaffene Rücknahmevorschrift,
die Verkürzung von Bearbeitungszeiten, die Ausweitung
der Integrationsleistungen sowie die Einbeziehung der
Bundespolizei in die Sicherheitsbehörden, die bereits
nach der siebten Änderung erweiterte
Abfragemöglichkeiten bekamen. Insgesamt enthält der Gesetzentwurf
viele sinnvolle Regelungen, jedoch sind die
Informationsübermittlung an Sicherheitsbehörden und neuerdings die
Erweiterung des Kreises zuständiger Behörden der
Grund, warum die FDP ihre Zustimmung verweigern
muss.
In der Tat ist es gelungen, mit den Änderungen des
Bundesvertriebenengesetzes Rechtsklarheit und
Vereinfachung der Verwaltungspraxis zu bringen. Die nunmehr
geschaffene Regelung zur Rücknahme von
Spätaussiedler- und Angehörigenbescheinigungen ist zwar bereits im
Staatsangehörigkeitsrecht zu finden, dient jedoch der
Verständlichkeit und ist daher zu begrüßen. Die
entsprechende Regelung im Staatsangehörigkeitsgesetz hat die
FDP lediglich abgelehnt, weil sie mit einer völlig
unnötigen Strafvorschrift verbunden wurde. Dies ist hier
glücklicherweise nicht geschehen.
Die Verkürzung des Verfahrens zur Ausstellung einer
Spätaussiedler- oder Angehörigenbescheinigung von
derzeit zwei bis drei Monate auf zwei bis drei Wochen gibt
nicht nur den Betroffenen schneller Rechtssicherheit,
sondern dient auch der Disziplinierung der Behörden.
In dem Änderungsantrag der Großen Koalition
wurden zusätzliche Integrationsleistungen für die Familien
einbezogen, was nun auch Gegenstand des
Regierungsentwurfs ist und voll und ganz zu unterstützen ist. Die
FDP begrüßt ausdrücklich alle Maßnahmen, die zu einer
weiteren Verbesserung der Integration beitragen.
Jetzt ist aber Schluss mit den Lobgesängen.
Bedauerlicherweise enthält der Gesetzentwurf eine Regelung, die
wir schon bei der letzten Änderung des
Bundesvertriebenengesetzes gerügt haben. Damals wurden erweiterte
Abfragemöglichkeiten für Sicherheitsbehörden zur
Feststellung von Ausschlussgründen geschaffen, insbesondere
für die Fälle von Bestrebungen gegen die freiheitlich-
demokratische Grundordnung. Nun wird auch noch die
Bundespolizei in den Katalog der zu beteiligenden
Sicherheitsbehörden aufgenommen. In dem
begründenden Teil des Gesetzentwurfs heißt es, der Entwurf diene
der Rechtsklarheit und -bereinigung. Das hört sich gut
an. Das hört sich harmlos an. Und fast überliest man,
dass jetzt auch die Bundespolizei an dem
Informationsfluss beteiligt werden soll.
Erstens erschließt sich mir nicht die Notwendigkeit
einer solchen Vorschrift. Zweitens kann ich noch weniger
nachvollziehen, warum diese Befugnisse weiter
ausgedehnt werden. Der unbegründete Verdacht terroristischer
Tendenzen bei Spätaussiedlern wird fortgesetzt, was mir
äußerst befremdlich erscheint. Sie erlauben mir den
Hinweis darauf, dass laut der Kriminalitäts- und
Integrationsstatistiken Spätaussiedler keine besondere
Problemgruppe darstellen und sich insgesamt gut in unsere
Gesellschaft integrieren. Noch weniger kann man
behaupten, dass vertriebenenrechtliche
Aufnahmeverfahren als Einfallstor für Extremisten und Terroristen gelten.Zu Protokoll gegebene Reden
Christian AhrendtUnd falls doch, wäre die Bundesregierung schon bei der
letzten Gesetzesänderung in der Pflicht gewesen, zu
begründen, wie viele Extremisten oder Terroristen in der
Vergangenheit versucht haben, über das Verfahren nach
dem Bundesvertriebenengesetz Aufnahme in
Deutschland zu erlangen.
Es bestehen jedoch keine Zweifel daran, dass der
Zuzug von Schwerkriminellen gesetzgeberisch verhindert
werden muss. In diesem Zusammenhang möchte sich die
FDP einer vernünftigen Lösung selbstverständlich nicht
verschließen. Allerdings lehnen wir strikt ab, wenn
hinterrücks Abfragemöglichkeiten und der damit
verbundene Ausbau des Informationsaustausches eingefügt
werden. Aus diesen Gründen muss sich die FDP leider
enthalten.