Rede von Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
Teil von Protokoll der 167. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 6 und 7: Drucksachen 16/8148, 16/8393 –.
Text
Rede von Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/8148, 16/8393
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Nichts ist so überzeugend wie der Erfolg. Das
Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein Riesenerfolg, ein Erfolg,
den wir Grüne mit unserem Umweltminister Jürgen
Trittin vor neun Jahren auf den Weg gebracht haben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Sie
reden nur in der Vergangenheit! Sie sind von
gestern! – Dr. Maria Flachsbarth [CDU/CSU]:
Herzlichen Glückwunsch!)
Der Anteil der erneuerbaren Energien am
Stromverbrauch in Deutschland beträgt heute 14 Prozent, und in
diesem Bereich wurden 250 000 Arbeitsplätze
geschaffen. Diese Erfolgszahlen haben sogar die Union
überzeugt, die jetzt das Erneuerbare-Energien-Gesetz
fortschreibt.
Bärbel HöhnIch möchte Ihnen aus einer denkwürdigen Rede von
Herrn Dr. Pfeiffer von der Union vorlesen, die er am
2. April 2004 hier im Bundestag zum EEG gehalten hat.
In dieser Rede hat er der rot-grünen Bundesregierung
vorgeworfen, bei den erneuerbaren Energien dem
Zentralismus zu frönen. Er sagte, die rot-grüne Koalition sei
auf dem Weg in die Staats- und Planwirtschaft. Weiter
sagte er – ich zitiere –:
Diesen ideologiebetriebenen Wahnsinn werden wir,
die Union, nicht mitmachen. … Hier kann man in
der Tat unseren alten Spruch wieder ausgraben:
Freiheit statt Sozialismus!
(Heiterkeit beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/
CSU]: Ja, das ist doch richtig! Oder sind Sie
etwa gegen Freiheit und für Sozialismus?)
So Herr Pfeiffer vor vier Jahren. Heute steht sein Name
unter dem EEG.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Thomas Oppermann [SPD]: Er hat eine Menge
dazugelernt! – Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/
CSU]: Der Spruch „Freiheit statt
Sozialismus!“ stimmt trotzdem!)
Meine Damen und Herren, diesen Lernprozess finden
wir gut. Wenn Sie jetzt auch noch bei den Themen
Tempolimit, Kohlekraftwerke und Autogrenzwerte von uns
lernen würden, dann wäre Deutschland beim
Klimaschutz schon ein gutes Stück weiter.
Wir werden dem EEG, wie Hans-Josef Fell gerade
gesagt hat, nicht zustimmen. Wir werden uns enthalten.
(Katherina Reiche [Potsdam] [CDU/CSU]:
Aha! Da haben Sie ja mal wieder eine ganz
klare Auffassung! Das kennt man von Ihnen! –
Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Das
war klar! Weil Sie gegen die Freiheit sind!)
Das EEG ist eine Erfolgsgeschichte. Aber trotz aller
Erfolge, die in den letzten Tagen noch erzielt werden
konnten, weist Ihr Gesetzentwurf nach wie vor große Defizite
auf.
Erstens kann es nicht sein, dass Sie für große
Dachflächen eine 25-prozentige Degression und bei Freiflächen
eine von mehr als 10 Prozent vorsehen. Wir brauchen
diese Flächen, vor allem deshalb, weil wir in der
Grundlast auch Fotovoltaik einsetzen wollen. Bei diesen
großen Investitionen dürfen Sie nicht nachlassen.
Der zweite wichtige Punkt betrifft die Bioenergien.
Sie fördern kleine Biogasanlagen viel stärker als bisher.
Es gibt aber noch keine Nachhaltigkeitsverordnung. Es
ist also noch nicht geregelt, wie wir das, was uns
momentan umtreibt, begrenzen können. Mit diesem EEG
fördern Sie den Umbruch von Grünland zu Mais. Das
wollen wir nicht. Maismonokulturen können wir in
Deutschland nicht gebrauchen,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie des Abg. Michael Kauch [FDP])insbesondere deshalb, weil man durch jeden Umbruch
von Grünland letzten Endes eine negative CO2-Bilanz
produziert.
(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Sie
malen immer den Teufel an die Wand!)
Aus diesem Grunde werden wir auch zum
Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz Nein sagen. Es ist zwar mit
vielen Hoffnungen gestartet. Letzten Endes sind aber
alle Ankündigungen im Sande versickert. Sie
beschränken sich in Ihrem Entwurf eines Gesetzes zur Förderung
Erneuerbarer Energien im Wärmebereich auf
Neubauten, obwohl Sie wissen, dass 99 Prozent des
Gebäudebestands Altbauten sind. Das ist nicht in Ordnung, und das
werden wir nicht mitmachen.