Rede von Sie haben noch eine Zusatzfrage, Herr Kollege.Clemens Binninger (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 15/96
Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 15. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Sie haben noch eine Zusatzfrage, Herr Kollege.Clemens Binninger (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 15/96
Der bayerische Innenminister Beckstein hat auf die
Gefahren hingewiesen, die durch diesen Erlass eintreten
könnten. Da wir jetzt wissen, dass dieser Erlass dazu
beigetragen hat, dass wir Schleusungen in noch nie da
gewesenem Ausmaß erleben mussten und allein eine
Botschaft 300 000 Visa pro Jahr erteilt hat, was vom
Arbeitsaufwand her gar nicht geht, frage ich Sie, ob im
Nachhinein nicht doch die Bewertung von Innenminister
Beckstein zutriftt, was die mit diesem Erlass verbundene
Gefahr angeht, und nicht etwa die Einschätzung des
Auswärtigen Amtes, dass hier alles in bester Ordnung
sei?
Kerstin Müller, Staatsministerin im Auswärtigen
Amt:
Nein, diese These lässt sich durch nichts belegen,
weder durch die Zahlen noch durch die Vorgänge. Im
Gegenteil – wir haben dies schon in den letzten
Fragestunden eingehend erörtert; ich werde es kurz
wiederholen –, dieser Anstieg ist zum einen auf das so genannte
Reisebüroverfahren, das das persönliche Erscheinen
ersetzt, und zum anderen auf die so genannten
Reiseschutzpässe zurückzuführen.
Das Reisebüroverfahren wurde mit Erlass vom
3. August 2001 eingestellt. Unmittelbar danach kam es
übrigens zu einem Rückgang der Zahl der erteilten Visa.
Das Reiseschutzpassverfahren wurde mit Erlass an Kiew
am 28. Juni 2002 und weltweit am 28. März 2003
eingestellt.
(Clemens Binninger [CDU/CSU]: Das ist
falsch! Es wurde erst 2002 begonnen, nicht
eingestellt!)
– Darf ich Ihre Frage bitte insgesamt beantworten?
Der Reiseschutzpass bezieht sich auf den Nachweis
der Finanzierbarkeit. Unseres Erachtens sind
Missbrauchsfälle bis heute in keiner Weise auf den von Ihnen
erwähnten Erlass vom März 2000, sondern auf das so
genannte Reisebüroverfahren und den so genannten
Reiseschutzpass zurückzuführen. Sobald uns hier Mängel
auffielen und Missbrauchsfälle bekannt wurden, haben
wir unmittelbar reagiert.