Entschließung des Bundesrates "Gaspreiskrise rechtzeitig abwenden, Speicherfüllstände langfristig sichern"
Text
Entschließung des Bundesrates "Gaspreiskrise rechtzeitig abwenden, Speicherfüllstände langfristig sichern"
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 172/26 (Beschluss)
08.05.26
Beschluss
des Bundesrates
Entschließung des Bundesrates "Gaspreiskrise rechtzeitig
abwenden, Speicherfüllstände langfristig sichern"
Der Bundesrat hat in seiner 1065. Sitzung am 8. Mai 2026 die aus der Anlage
ersichtliche Entschließung gefasst.
Drucksache 172/26 (Beschluss)
Anlage
Entschließung des Bundesrates "Gaspreiskrise rechtzeitig
abwenden, Speicherfüllstände langfristig sichern"
1. Der Bundesrat sieht mit Sorge die Entwicklungen im Nahen Osten und deren
Auswirkungen auf die Energiemärkte. Der Krieg hat signifikante Preiseffekte
auf den Weltmärkten ausgelöst, die bereits jetzt in der Europäischen Union und
in Deutschland spürbar sind.
2. Der Bundesrat begrüßt daher die Bemühungen der Bundesregierung in den
vergangenen Jahren, die Energieversorgung unter anderem durch eine
Diversifizierung von Importmöglichkeiten zu unterstützen. So konnten Gasmengen
über Pipelines aus Norwegen sowie über LNG-Terminals aus Drittstaaten
importiert sowie weitere Importoptionen über Frankreich und Belgien
erschlossen werden. Zugleich trägt die fortschreitende Transformation der deutschen
Wirtschaft zu emissionsärmeren Produktionsweisen dazu bei, sich resilienter
gegenüber externen Energiepreisschocks zu machen.
3. Der Bundesrat weist jedoch darauf hin, dass sich die aktuellen
Preissteigerungen auf den Weltmärkten trotz mittelfristiger Vertragsbindungen der privaten
Haushalte und Unternehmen bis zum Ende des Jahres auch auf die Kunden in
Deutschland auswirken werden. Die aktuellen Gasspeicherfüllstände in
Deutschland, die deutlich unter dem Niveau der Vorjahre liegen, sowie
mengen- oder preisbedingt möglicherweise ausbleibende Einspeisungen drohen
in der Heizperiode 2026/2027 zur Achillesferse unserer Energiewirtschaft zu
werden. Eine Kältewelle oder ausbleibende Lieferungen im kommenden Winter
könnten dann zu Versorgungsengpässen führen und somit Preisschocks
auslösen, die private Haushalte und produzierende Unternehmen gleichermaßen in
Bedrängnis bringen. Zudem zeigen jüngste Erfahrungen, dass
Energiepreisschocks konjunkturgefährdend wirken, die gesamtwirtschaftliche Inflation
antreiben und sich negativ auf die Beschäftigung auswirken können.
4. Der Bundesrat fordert die Bundesregierung daher auf, gemäß den
Füllstandsvorgaben des § 35b Energiewirtschaftsgesetz unverzüglich eine Strategie zu
entwickeln, um die Gasspeicherfüllstände bis zur Heizperiode 2026/2027 durch
geeignete Maßnahmen auf ein angemessen sicheres Niveau anzuheben und die
Gefahr einer erheblichen Kostensteigerung im kommenden Winter
abzuwenden. Er bittet die Bundesregierung, zu identifizieren, durch welche
Maßnahmen Einsparpotenziale im Sinne der Versorgungssicherheit und Abwendung
von Preisspitzen kurzfristig gehoben werden können, und nach Abschluss der
Prüfungen die nötigen Rechtsänderung unverzüglich auf den Weg zu bringen.
5. Darüber hinaus regt der Bundesrat an, eine strategische Gasreserve für
Deutschland einzuführen. Die nationale Reserve soll als notwendiges Instrument der
staatlichen Krisenvorsorge strikt für Gasversorgungsnotfälle ausgestaltet
werden. Im Vordergrund steht die Stärkung der Gasversorgungssicherheit und der
Resilienz, unter der Maßgabe eines davon unabhängigen effizienten
Marktgeschehens.
Relationen
- part_of_vorgang → Entschließung des Bundesrates "Gaspreiskrise rechtzeitig abwenden, Speicherfüllstände langfristig sichern" (Beschlussdrucksache)