Sicherheit der Versorgung mit Gas
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Sicherheit der Versorgung mit Gas
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3130
21. Wahlperiode 04.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Michael Kellner, Dr. Alaa Alhamwi, Dr. Sandra Detzer, Julian
Joswig, Sandra Stein, Katrin Uhlig, Dr. Julia Verlinden, Andreas Audretsch,
Claudia Müller und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Sicherheit der Versorgung mit Gas
Gasspeicher leisten einen zentralen Beitrag zur Versorgungssicherheit von
Industrie, Gewerbe und privaten Haushalten in Deutschland. Insbesondere in der
Heizperiode und bei möglichen Versorgungsengpässen dienen sie als
strategische Reserve. Die Politik der vergangenen Bundesregierung, insbesondere
des damaligen Bundesministers für Wirtschaft und Klimaschutz Dr. Robert
Habeck hat – unter großem Einsatz auch der Mitarbeiter des jetzigen
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie – in den vergangenen Jahren
maßgeblich dazu beigetragen, Lieferwege zu diversifizieren und die Speicher gezielt zu
füllen (www.businessinsider.de/politik/drei-jahre-gaskrise-afd-will-zurueck-
zurusslands-gas-rueckblick-auf-ein-drama/).
Aktuelle Berichte zeigen, dass die Füllstände der Speicheranlagen derzeit
unterdurchschnittlich ausfallen (www.ndr.de/nachrichten/info/Gasspeicher-in-Deu
tschland-So-steht-es-um-die-Fuellstaende,gasspeicher120.html). Marktanreize
zum Einspeichern scheinen aktuell nicht auszureichen. Hinzu kommt, dass die
Bundesregierung Anfang Mai 2025 die gesetzlich vorgeschriebenen
Füllstandsvorgaben für strategisch wichtige Speicher – etwa für die Anlage in Rehden –
von rund 70 auf nur noch 45 Prozent gesenkt hat (www.rnd.de/wirtschaft/gassp
eicher-was-die-niedrigen-fuellstaende-fuer-die-preise-bedeuten-ZTN2ONIFKR
FKJCKTTKD47KBRHA.html). Der staatliche Gaseinkäufer Trading Hub
Europe (THE) soll künftig nur noch im Notfall eingreifen. Vor diesem
Hintergrund stellen sich Fragen zur zukünftigen Versorgungssicherheit und zum
Selbstverständnis der Bundesregierung bezüglich ihrer Rolle in der
Energieversorgung Deutschlands.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Füllstand
der Gasspeicher in Deutschland im Vergleich zu den Vorjahreswerten im
Dezember 2021 bis 2024 dar?
2. Mit welchen Füllständen der Gasspeicher rechnet die Bundesregierung
derzeit zum 1. Januar 2026?
3. Wie hoch ist der aktuelle Füllstand des Porenspeichers im
niedersächsischen Rehden?
4. Wie hoch sind die Füllstände der Gasspeicher in unseren europäischen
Nachbarländern, mit denen wir über Gasleitungen verbunden sind?
5. Plant die Bundesregierung aktuell weitere Maßnahmen, um die Füllstände
zu verbessern, wenn ja, welche, wenn nein, warum nicht, wenn weitere
Maßnahmen geplant sind, mit welchen Kosten rechnet die
Bundesregierung für diese Maßnahmen, und wie sollen diese finanziert werden?
6. Plant die Bundesregierung Änderungen im Regelwerk für die
Einspeicherung von Gas in Speichern, etwa nach dem Vorbild Frankreichs, und wenn
nein, aus welchen Gründen hält die Bundesregierung das französische
Modell für nicht geeignet?
7. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus dem am 30. Oktober 2025
von Frontier Economics veröffentlichten Abschlussbericht zur
Evaluierung der Gasspeicher-Füllstandsvorgaben?
a) Erwägt die Bundesregierung eine dauerhafte Abschaffung der
Füllstandsvorgaben, wie im Bericht als eine von zwei potenziellen
Maßnahmen hervorgehoben?
b) Erwägt die Bundesregierung die Einführung einer strategischen
Reserve, wie im Bericht als zweite von zwei potenziellen Maßnahmen
hervorgehoben?
c) Präferiert die Bundesregierung eine der in den Fragen 7a und 7b
genannten potenziellen Maßnahmen, die im Abschlussbericht von
Frontier Economics gesondert hervorgehoben wurden?
8. Wie bewertet die Bundesregierung das finanzielle Risiko potenziell
notwendiger, teurer Zukäufe von Gas durch die THE GmbH, und ist es nach
Ansicht der Bundesregierung durch eine alternative Speicherregulatorik
verringerbar?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die potenzielle Stilllegung von
Gasspeichern in Deutschland, wie etwa im Falle des Speichers Breitbrunn?
10. Sieht die Bundesregierung in einem potenziellen Sinken der
Gasspeicherkapazität in Deutschland eine weitere Hürde für den Hochlauf einer
Wasserstoffwirtschaft?
11. Hält die Bundesregierung die Absenkung der Speicherfüllstandsmengen
von 90 Prozent auf 70 Prozent zum 1. November 2025 nach wie vor für
sinnvoll?
a) Wenn ja, sieht die Bundesregierung potenzielle negative
Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit mit Erdgas?
b) Wenn ja, ist diese Maßnahme aus Sicht der Bundesregierung
ausreichend, um eine Befüllung der Speicher anzureizen?
12. Plant die Bundesregierung weitere Anpassungen der
Speicherfüllstandsmengen nach § 35b des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG), und wenn ja,
inwiefern?
13. Hält die Bundesregierung diese neuen Vorgaben nach wie vor für
ausreichend, um auch bei einem sehr langen und sehr kalten Winter die
Versorgungssicherheit für Haushalte, Gewerbe und Industrie zu gewährleisten?
14. Bezieht die Bundesregierung die strategische Bedeutung einer
Unabhängigkeit von Gasimporten in ihre Überlegungen zur Reform des
Gebäudeenergiegesetzes mit ein, wenn ja, in welcher Form, und wenn nein, aus
welchen Gründen nicht?
15. Hat die Bundesregierung die strategische Bedeutung einer
Unabhängigkeit von Gasimporten in ihre Überlegungen zur Senkung der
Gasspeicherumlage anstelle einer stärkeren oder verlässlichen Absenkung der Steuern,
Entgelte und Umlagen auf Strom miteinbezogen, wenn ja, in welcher
Form, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
16. Welche Zahlen liegen der Bundesregierung zu aktuellen Gaspreisen für
Industrie und Haushalte im November 2025 vor?
17. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass die (LNG-)Gasimporte
(LNG = Flüssigerdgas) in die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2025
stark gestiegen sind (www.faz.net/aktuell/wirtschaft/lng-import-in-deutsc
hland-auf-rekordhoch-fachleute-sehen-mehrere-gruende-accg-11072814
4.html)?
18. Sieht die Bundesregierung LNG-Importe als gleichwertige Alternative zu
Speicherentnahmen während der Heizsaison an, insbesondere
a) zur Wahrung der Versorgungssicherheit,
b) zur Stabilisierung der Marktpreise für Gas?
19. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bezüglich einer
potenziell marktverzerrenden Preisgestaltung der bundeseigenen Gesellschaft für
den Betrieb von LNG-Terminals, der Deutschen Energy Terminal GmbH
(DET) vor, und bestehen nach Ansicht der Bundesregierung potenzielle
Sparpotenziale, die die Versorgungssicherheit mit Gas nicht verringern
würden?
20. Liegen der Bundesregierung Informationen dazu vor, ob internationale
Gashändler aufgrund staatlicher Subventionen Regasifizierungsleistungen
sowie Zwischenspeicherungen an den Terminals der bundeseigenen
Deutschen Energy Terminal GmbH häufig zu Preisen unterhalb der variablen
Kosten oder sogar unentgeltlich in Anspruch nehmen können?
21. Welche Zusammenhänge sieht die Bundesregierung zwischen der
Preispolitik der staatlich finanzierten DET und den verfehlten Füllstandsvorgaben
in deutschen Gasspeichern, insbesondere vor dem Hintergrund der
Einschätzung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE),
dass LNG-Terminals die Funktion von Gasspeichern teilweise ersetzen
können?
22. Sieht die Bundesregierung eine Marktverzerrung infolge der staatlich
subventionierten Preisgestaltung der DET, die die Wirtschaftlichkeit des
Gasspeichermarkts oder die Versorgungssicherheit beeinträchtigen könnten?
23. Welche Baumaßnahmen werden aus den im Haushaltsentwurf für das
Haushaltsjahr 2026 zur finanziellen Unterstützung der DET vorgesehenen
Mitteln in Höhe von 575 Mio. Euro finanziert, mit jeweils welchen
Kosten?
24. In welcher Höhe werden die laufenden Betriebskosten der Deutsche
Energy Terminal GmbH aus den im Haushaltsjahr 2026 geplanten
Bundesmitteln finanziert?
25. Zu welchen Preisen hat die DET Regasifizierungsleistungen an den
verschiedenen Terminals in den vergangenen zwölf Monaten vermarktet
(bitte konkrete Aufstellung, keine Durchschnittspreise angeben)?
26. Sind in den Preisen der DET neben der Nutzung der Terminals für die
Regasifizierung weitere Leistungen wie Hafenentgelte, Wärmeleistungen,
Energiekosten, Entgelte für Schlepper, Netzentgelte, Speicherung,
Buchungsrechte zu geringeren Preise für weitere Slots u. a. enthalten (bitte
konkrete Aufstellung der Kosten je Terminal, des Preises und der
jeweiligen Auktion, keine Durchschnittspreise, Schätzungen oder Summierungen
über die verschiedenen Terminals angeben)?
27. Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die Leistungen der
bundeseigenen DET GmbH unter den eigenen variablen Kosten angeboten, und
wenn ja, an welchen Terminals wurden wann welche Leistungen unter den
eigenen variablen Kosten angeboten (konkrete Aufstellung der Terminals,
Auktion und Kapazitäten angeben)?
28. Wurden Leistungen der Deutschen Energy Terminal GmbH kostenfrei
angeboten, und wenn ja, an welchen Terminals wurden wann welche
Leistungen kostenfrei angeboten (konkrete Aufstellung der Terminals,
Auktion und Kapazitäten angeben)?
29. Könnte die DET GmbH nach Kenntnis der Bundesregierung ihre
einsatzbereiten Kapazitäten reduzieren, indem sie einzelne Terminals lediglich
im Vorhaltebetrieb bereithält, um sie im Falle etwaiger
Versorgungsengpässe innerhalb eines oder weniger Tage wieder in die
Betriebsbereitschaft (z. B. durch Herunterkühlen der Anlagen für den Import von
Flüssiggas) zu überführen, und wenn nein, was sind die Gründe?
Berlin, den 3. Dezember 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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