Organisierten Wissenschaftsbetrug unterbinden - Qualität und Transparenz in der Forschung sichern (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2230)
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Organisierten Wissenschaftsbetrug unterbinden - Qualität und Transparenz in der Forschung sichern (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2230)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6695
21. Wahlperiode 24.06.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Forschung, Technologie, Raumfahrt und
Technikfolgenabschätzung (18. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Nicole Höchst, Alexander Arpaschi, Carsten
Becker, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/2230 –
Organisierten Wissenschaftsbetrug unterbinden – Qualität und Transparenz
in der Forschung sichern
A. Problem
Die Fraktion der AfD hebt hervor, dass die Qualität und Glaubwürdigkeit
wissenschaftlicher Arbeit essenziell für faktenbasierte politische Entscheidungen, den
gesellschaftlichen Fortschritt und technologische Innovationen seien. Sie vertritt
die Ansicht, dass diese in den vergangenen Jahren nachgelassen habe. Sogenannte
„Paper Mills“ würden gegen Bezahlung und ohne Einhaltung von
wissenschaftlichen Standards oder Peer-Review-Prozessen falsche Forschungsergebnisse
veröffentlichen. Laut dem Magazin Forschung und Lehre handele es sich um bis zu
70.000 solcher Veröffentlichungen pro Jahr. Im Interesse der Wissenschaft und
zur Qualitätssicherung von politischen Entscheidungsprozessen solle diesem
Missstand entgegengewirkt werden, indem eine unabhängige Prüfstelle, die die
Kriterien für qualitätssichere Publikationen festlege, eingerichtet und bei
staatlichen Förderentscheidungen in den Entscheidungsprozess eingebunden werde.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Keine.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/2230 abzulehnen.
Berlin, den 18. März 2026
Der Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und
Technikfolgenabschätzung
Dr. Karl Lauterbach
Vorsitzender
Adrian Grasse
Berichterstatter
Nicole Höchst
Berichterstatterin
Maja Wallstein
Berichterstatterin
Ayse Asar
Berichterstatterin
Sonja Lemke
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Adrian Grasse, Nicole Höchst, Maja Wallstein, Ayse Asar
und Sonja Lemke
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat die Vorlage auf Drucksache 21/2230 in seiner 34. Sitzung am 16.
Oktober 2025 beraten und an den Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und
Technikfolgenabschätzung zur federführenden Beratung und an den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz und den
Ausschuss für Gesundheit zur Mitberatung überwiesen.
II. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz hat die Vorlage auf Drucksache 21/2230 in seiner 29. Sitzung
am 18. März 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD deren Ablehnung.
Der Ausschuss für Gesundheit hat die Vorlage auf Drucksache 21/2230 in seiner 35. Sitzung am 18. März 2026
beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die
Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD deren Ablehnung.
III. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung hat die Vorlage auf
Drucksache 21/2230 in seiner 17. Sitzung am 18. März 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der
Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD
deren Ablehnung.
Die Fraktion der AfD sieht eine Entwicklung in der Wissenschaft hin zu „Pseudo-Journals“, „Paper Mills“ sowie
systematisch manipulierten Veröffentlichungen. Es handele sich jährlich um zehntausende Veröffentlichungen,
die gegen Honorar, aber ohne jegliche Qualitätsprüfung oder belastbare Peer-Review erfolge. Es gelte die
Integrität der Wissenschaft zu schützen. Deshalb solle im Rahmen einer Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz eine
unabhängige Prüfstelle eingerichtet werden, die Kriterien für qualitätssichere Publikationen festlege und
wissenschaftliche Arbeiten stichprobenartig oder auf Antrag prüfe. Ihre Bewertung solle in staatliche
Förderentscheidungen einfließen.
Die Fraktion der CDU/CSU vertritt die Ansicht, dass der Antrag zu Unrecht die Glaubwürdigkeit des gesamten
deutschen Wissenschaftssystems anzweifele. Deutschland verfüge über ein angesehenes, leistungsfähiges und
international vernetztes Wissenschaftssystem, das nach klaren wissenschaftlichen Regeln arbeite. Die Wissenschaft
lebe von Transparenz, Überprüfbarkeit und der Bereitschaft, Wissensergebnisse offenzulegen. Die Verantwortung
hierfür liege bei den Wissenschaftseinrichtungen selbst. Diese müssten die Standards setzen, Fehlverhalten
aufklären sowie für Transparenz und Integrität sorgen. Daher lehne die Fraktion den Antrag ab.
Die Fraktion der SPD hält das Phänomen der „Paper Mills“ und „Pseudo-Journals“ zwar für eine ernsthafte
Herausforderung für die globale Wissenschaftsgemeinschaft. Der Antrag werde jedoch der Komplexität moderner
Forschung nicht gerecht. Eine Behörde könne nicht die notwendige fachliche Tiefe für alle Disziplinen abbilden
und definieren, was qualitative Publikationen seien. Ein staatliches Gütesiegel für Erkenntnisse, widerspreche
dem Grundsatz der Staatsferne der Wissenschaft. Qualitätssicherung müsse der Wissenschaft ein immanenter
Prozess bleiben. Dafür sollten bestehende Mechanismen, wie etwa das Peer-Review und das Ombudswesen der
Forschungseinrichtungen, gestärkt, die Entwicklung KI-gestützter Erkennungstools für manipulierte Daten
unterstützt sowie die Open-Data-Standards gefördert werden.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN weist darauf hin, dass es funktionierende Mechanismen der
Selbstregulierung in der Wissenschaft gebe wie Ombudspersonen und Untersuchungskommissionen an Hochschulen
und Forschungseinrichtungen. Zudem lege der Kodex zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verbindliche Standards fest, deren Einhaltung Voraussetzung für den
Erhalt von Fördermittel sei. Darüber hinaus gebe es bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten eine klare
Verfahrensordnung. Daher lehne sie den Antrag ab.
Die Fraktion Die Linke kritisiert, dass der Antrag das Vertrauen in Wissenschaft schwäche sowie bestimmte
Fachrichtungen, wie etwa Gender Studies und Klimaforschung, benachteiligen und wissenschaftlich nicht
fundierte Ansätze fördern wolle. Um „Pseudo-Journals“ entgegenzuwirken, müssten ihrer Ansicht nach die
Arbeitsbedingungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbessert werden, da diese häufig nur befristete
Arbeitsverträge besäßen und ihre Forschung deshalb unter hohen Zeit- und Publikationsdruck stünde.
Berlin, den 18. März 2026
Adrian Grasse
Berichterstatter
Nicole Höchst
Berichterstatterin
Maja Wallstein
Berichterstatterin
Ayse Asar
Berichterstatterin
Sonja Lemke
Berichterstatterin
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ISSN 0722-8333
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