Beendigung der Mitwirkung der Bundesrepublik Deutschland am Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen und Neuausrichtung der nationalen wissenschaftlichen Politikberatung zu Umwelt- und Klimathemen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/4464)
Text
Beendigung der Mitwirkung der Bundesrepublik Deutschland am Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen und Neuausrichtung der nationalen wissenschaftlichen Politikberatung zu Umwelt- und Klimathemen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/4464)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4891
21. Wahlperiode 23.03.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
(16. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Ingo Hahn, Leif-Erik Holm, Steffen Kotré,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/4464 –
Beendigung der Mitwirkung der Bundesrepublik Deutschland am
Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen und Neuausrichtung
der nationalen wissenschaftlichen Politikberatung zu Umwelt- und
Klimathemen
A. Problem
Die Antragsteller haben einen Antrag eingebracht, mit dem der Deutsche
Bundestag die Bundesregierung dazu auffordern soll, die Mitwirkung der Bundesrepublik
Deutschland am Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zu beenden,
die finanzielle Mitwirkung am IPCC einzustellen und sich auch auf EU-Ebene für
die Einstellung einzusetzen sowie eine nationale, transparent arbeitende
wissenschaftliche Politikberatung zu Umwelt- und Klimathemen einzurichten. Grund
hierfür seien die aus Sicht der Antragsteller häufig einseitigen Darstellungen des
IPCC in der Praxis. Abweichende wissenschaftliche Bewertungen würden in der
öffentlichen Vermittlung nicht berücksichtigt. Dadurch bestehe die Gefahr, dass
komplexe Sachverhalte verkürzt oder einseitig betrachtet würden. Die
Antragsteller kritisieren ferner die modellbasierten Erkenntnisse des IPCC.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Wurden im Ausschuss nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/4464 abzulehnen.
Berlin, den 18. März 2026
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare
Sicherheit
Lorenz Gösta Beutin
Vorsitzender
Anna Aeikens
Berichterstatterin
Dr. Ingo Hahn
Berichterstatter
Jakob Blankenburg
Berichterstatter
Lisa Badum
Berichterstatterin
Dr. Fabian Fahl
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Anna Aeikens, Dr. Ingo Hahn, Jakob Blankenburg, Lisa
Badum und Dr. Fabian Fahl
I. Überweisung
Der Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/4464 wurde in der 62. Sitzung des Deutschen Bundestages
am 5. März 2026 zur federführenden Beratung an den Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und
nukleare Sicherheit sowie zur Mitberatung an den Auswärtigen Ausschuss, den Ausschuss für Recht und
Verbraucherschutz, den Ausschuss für Wirtschaft und Energie und den Ausschuss für Forschung, Technologie,
Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Antragsteller haben einen Antrag eingebracht, mit dem der Deutsche Bundestag die Bundesregierung dazu
auffordern soll,
1. die Mitwirkung der Bundesrepublik Deutschland am Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zu
beenden, insbesondere durch den Verzicht auf die Entsendung von Regierungsdelegationen zu IPCC Plenar-
und Arbeitsgruppensitzungen sowie die Einstellung jeglicher formalen Beteiligung an IPCC-Abstimmungs-
und Billigungsprozessen, einschließlich der Erarbeitung und Annahme der „Summary for Policymakers“;
2. die finanzielle Mitwirkung der Bundesrepublik Deutschland am IPCC einzustellen, indem sämtliche Beiträge,
projektbezogenen Zuwendungen, Unterstützungsleistungen und sonstigen Zahlungen an den IPCC oder mit
ihm verbundene Strukturen beendet werden;
3. sich auf EU-Ebene für die Einstellung der Finanzierung des IPCC einzusetzen, insbesondere für die
Einstellung der regelmäßigen Zahlungen der EU an den IPCC Trust Fund;
4. eine nationale, transparent arbeitende wissenschaftliche Politikberatung zu Umwelt- und Klimathemen
einzurichten, die strikt zwischen empirischem Befund, modellbasierten Projektionen, Wertungen und politischen
Handlungsoptionen unterscheidet und deren Arbeitsweise, Datenbasis, Annahmen, Unsicherheiten sowie
fachliche Positionen vollständig dokumentiert und veröffentlicht werden.
Grund hierfür seien die aus Sicht der Antragsteller häufig einseitigen Darstellungen des IPCC. Abweichende
wissenschaftliche Bewertungen würden in der öffentlichen Vermittlung nicht berücksichtigt. Dadurch bestehe die
Gefahr, dass komplexe Sachverhalte verkürzt oder einseitig betrachtet würden. Die Antragsteller kritisieren ferner
die modellbasierten Erkenntnisse des IPCC.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Auswärtige Ausschuss hat in seiner 19. Sitzung am 18. März 2026 mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD
empfohlen, den Antrag auf Drucksache 21/4464 abzulehnen.
Der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz hat in seiner 29. Sitzung am 18. März 2026 mit den Stimmen
der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD empfohlen, den Antrag auf Drucksache 21/4464 abzulehnen.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat in seiner 28. Sitzung am 18. März 2026 mit den Stimmen der
Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der
AfD empfohlen, den Antrag auf Drucksache 21/4464 abzulehnen.
Der Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung hat in seiner 17.
Sitzung am 18. März 2026 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und
Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD empfohlen, den Antrag auf Drucksache 21/4464 abzulehnen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat den Antrag auf
Drucksache 21/4464 in seiner 29. Sitzung am 18. März 2026 abschließend behandelt.
Die Fraktion der AfD erklärte, die Notwendigkeit des Antrags ergebe sich aus dem Umstand, dass sich die
deutsche Klima- und Umweltpolitik auf ein System stütze, das wissenschaftliche Debatten verenge und politische
Schlussfolgerungen als alternativlos erscheinen lasse. Im Zusammenhang mit dem Einfluss des IPCC auf
politische Debattengesetze und Verwaltungsentscheidungen, kritisierte sie die fehlende Sichtbarkeit unterschiedlicher
wissenschaftlicher Positionen. Sie monierte den daraus entstehenden Eindruck eines wissenschaftlichen
Konsenses – trotz des Bestehens vieler offener Streitpunkte. Der IPCC basiere auf Modellen, Szenarien und auf von
Prämissen abhängigen Annahmen, welche die Realität nicht ersetzen und nicht als sichere Vorhersagen behandelt
werden könnten. Die Fraktion der AfD beanstandete die politische Praxis, nach welcher modellbasierte Aussagen
zur Grundlage weitreichender Eingriffe in die Energiepolitik, die Wirtschaft und die Industrie gemacht würden.
Daher sei die Mitwirkung Deutschlands am IPCC zu beenden und die finanzielle Unterstützung einzustellen. Die
Fraktion der AfD hob hervor, dass auf europäischer Ebene auf eine Einstellung der Finanzierung hinzuwirken sei.
Sie forderte eine transparent arbeitende nationale wissenschaftliche Politikberatung, welche Unsicherheiten klar
benennen solle und strikt zwischen empirischem Befund, modellbasierten Projektionen, Wertungen und
politischen Handlungsoptionen unterscheide.
Die Fraktion der CDU/CSU bekräftigte, dass der Klimawandel sowohl die Menschen in Deutschland als auch
in Europa und weltweit betreffe. Seit über 40 Jahren befände sich im IPCC eine Vielzahl von Wissenschaftlern
aus Entwicklungsstaaten als auch aus Industriestaaten mit unterschiedlichen Meinungen im Austausch. Sie
betonte die Wichtigkeit einer globalen Zusammenarbeit, der Analyse und der Lösungsfindung. Hinsichtlich der
Umsetzung sei national zu prüfen, wie diese in Deutschland möglich sei. Die Fraktion der CDU/CSU wies
schließlich darauf hin, dass sich Deutschland – wie auch andere Industrieländer in der Europäischen Union – mit
durchschnittlichen Beiträgen an der Finanzierung beteilige.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hob hervor, dass 192 Regierungen am IPCC beteiligt seien. Eine
Beendigung der Mitwirkung am IPCC komme in einer multilateralen Welt daher nicht in Betracht. Sie kritisierte
scharf die von der Fraktion der AfD in der Fußnote 3 ihres Antrags verwendete Quelle. Diese beinhalte eine
Aussage, nach welcher der Konsensansatz des IPCC dazu führe, den Fokus auf erwartete Ergebnisse zu legen, die
sich in den Köpfen von Entscheidungsträgern als numerische Ankerpunkte festsetzen würden. Die Fraktion der
AfD zitiere die Quelle, um zu behaupten, dass der IPCC alarmistisch und einseitig sei. Die Aussage der Quelle
werde dadurch in ihr Gegenteil gekehrt.
Die Fraktion der SPD erklärte, der Weltklimarat stehe für internationale Zusammenarbeit und evidenzbasierte
Politik. Sie warf der Fraktion der AfD vor, Misstrauen gegenüber einem international anerkannten Gremium
hervorrufen zu wollen und beanstandete eine verkürzte Darstellung und Verzerrung der Realität. Der Weltklimarat
bilde sowohl die Grundlage für Verhandlungen auf globaler Ebene als auch für nationale Entscheidungen. Die
Fraktion der SPD erläuterte die Arbeitsweise und Aufgabe des Weltklimarats als Institution, welche lediglich
politische Handlungsempfehlungen gebe und keine Gesetze erlasse oder eigene Forschung betreibe. Eine
Beeinflussung der nach fachlicher Expertise ausgewählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schloss die
Fraktion der SPD aus. Jeder Bericht durchlaufe unabhängige Begutachtungen und Überprüfungen. Fachleute nähmen
kritische Prüfungen der Entwürfe vor und gäben Stellungnahmen ab. Über 250 Beobachtungsorganisationen, wie
Universitäten, Forschungseinrichtungen und gemeinnützige Verbände, würden den Prozess begleiten. Die
Fraktion der SPD lehne eine Beendigung der Mitwirkung am IPCC ab, da dies einen Verlust des Zugangs von
Forschungseinrichtungen zu den genannten Diskussions- und Austauschformaten zur Folge habe.
Die Fraktion Die Linke hob die Notwendigkeit einer entschlosseneren Klimapolitik hervor. Auch sei die
Prognose für Deutschland schlechter als für den globalen Durchschnitt. Die Fraktion Die Linke brachte Einwände
gegen die Ausführungen der Fraktion der SPD hervor und führte aus, dass es einen politischen Einfluss auf den
IPCC gebe, da dieses ein politisches Gremium sei. Bestimmte missliebige Schlussfolgerungen und Szenarien
würden nicht betrachtet. Die Fraktion Die Linke dränge darauf, dass die Berichte des IPCC endlich ernst
genommen würden. Sie erläuterte, dass die Warnungen der Wissenschaftler zugenommen hätten, teilweise werde von
dem „Ende der Zivilisation“ als Ergebnis der aktuellen Klimapolitik gesprochen. In den Berichten des IPCC gehe
es um die Bewohnbarkeit des Planeten und das Entstehen einer Klimazone, in der menschliches Leben nicht mehr
möglich sei, was auch die deutsche Nordseeküste betreffe. Die Fraktion Die Linke betonte das Erfordernis einer
globalen Institution, um diesem globalen Konflikt und dem globalen Problem gerecht werden zu können. Sie
erkannte an, dass es in der Wissenschaft immer gewisse mathematische, statistische Unsicherheiten gebe.
Dennoch würden die eindringlichen Warnungen der Berichte unterschätzt. Die Fraktion Die Linke schlussfolgerte,
dass ein gemeinsames Handeln aller Staaten erforderlich sei.
In ihrer Replik beanstandete die Fraktion der AfD, dass eben nicht jeder Wissenschaftler die Möglichkeit habe,
Teil des IPCC zu sein. Die Berücksichtigung abweichender Meinungen sei nicht sichergestellt. Sie erwähnte, dass
es sich bei dem Antrag nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung handle. Das Heranziehung einer Quelle, die
bestimmte Problematiken aufwerfe, sei nicht zu beanstanden. Die Fraktion der AfD schloss damit, dass die OECD
gezeigt habe, dass Kernenergie, Gas und Kohle die Zukunft sei.
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit beschloss mit den Stimmen
der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD zu empfehlen, den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/4464 abzulehnen.
Berlin, den 18. März 2026
Anna Aeikens
Berichterstatterin
Dr. Ingo Hahn
Berichterstatter
Jakob Blankenburg
Berichterstatter
Lisa Badum
Berichterstatterin
Dr. Fabian Fahl
Berichterstatter
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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