Organisierten Wissenschaftsbetrug unterbinden - Qualität und Transparenz in der Forschung sichern
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Organisierten Wissenschaftsbetrug unterbinden - Qualität und Transparenz in der Forschung sichern
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2230
21. Wahlperiode 14.10.2025
Antrag
der Abgeordneten Nicole Höchst, Alexander Arpaschi, Carsten Becker,
Dr. Christoph Birghan, Joachim Bloch, René Bochmann, Erhard Brucker,
Tobias Ebenberger, Hauke Finger, Alexis L. Giersch, Stefan Henze, Karsten
Hilse, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch, Reinhard Mixl, Edgar
Naujok, Tobias Matthias Peterka, Bernd Schattner, Lars Schieske, Carina
Schießl, Jan Wenzel Schmidt, Dr. Paul Schmidt, Martina Uhr, Jörg Zirwes,
Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Organisierten Wissenschaftsbetrug unterbinden – Qualität und Transparenz
in der Forschung sichern
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Wissenschaftliche Integrität ist einer der Ausgangspunkte für faktenbasierte politische
Entscheidungen, gesellschaftlichen Fortschritt und technologische Innovation. Ohne
nachvollziehbare und verifizierbare Forschungsergebnisse gehen politische
Entscheidungen von falschen Voraussetzungen aus. Fehlentscheidungen mit potenziell
erheblicher Tragweite sind zwangsläufig die Folge. Doch nicht nur der politische Bereich
ist von verfälschten Forschungsergebnissen betroffen, sondern auch die Orientierung
und Weltsicht der Bürger werden durch solche Praktiken gefährdet.
In jüngster Zeit häufen sich Meldungen, dass sogenannte „Paper Mills“ gegen
Bezahlung falsche Forschungsergebnisse in nicht den qualitativen Standards des Peer-
Review-Prozesses entsprechenden Magazinen veröffentlichen. Berichte, unter anderem
der New York Times1, der Zeitschrift Forschung und Lehre2 und von Deutschlandfunk
Nova3, belegen, dass sogenannte „Pseudo-Journale“ und „Paper Mills“ gegen
Bezahlung wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichen, ohne ausreichende Qualitätsprüfung
oder Peer Review. Das Magazin Forschung und Lehre geht von bis zu 70.000
gefälschten oder nicht wissenschaftlichen Standards entsprechenden Paper pro Jahr aus.4
1 Vgl., www.nytimes.com/2025/08/04/science/04hs-science-papers-fraud-research-paper-mills.html, (Stand:
11.08.2025)
2 Vgl., www.forschung-und-lehre.de/management/ein-bis-drei-prozent-der-paper-sind-gefaelscht-6025,
(Stand: 11.08.2025)
3 Vgl., www.deutschlandfunknova.de/nachrichten/betruegernetzwerke-das-geschaeft-mit-fake-studien,
(Stand:11.08.2025)
4 Vgl., www.forschung-und-lehre.de/management/ein-bis-drei-prozent-der-paper-sind-gefaelscht-6025,
(Stand: 11.08.2025)
Es besteht die Gefahr, dass Veröffentlichungen aus solchen Publikationen teilweise in
politischen Entscheidungsprozessen und in der Gesetzgebung herangezogen werden,
mit möglicherweise fatalen Folgen. Darüber hinaus schadet solch organisierter
Wissenschaftsbetrug dem Vertrauen der Bürger in Forschung, Politik und Institutionen
nachhaltig.
Diesem Missstand muss im Interesse der Wissenschaft und zur Qualitätssicherung von
politischen Entscheidungsprozessen dringend entgegengewirkt werden.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
eine unabhängige Prüfstelle (am besten im Rahmen einer Gemeinsamen
Wissenschaftskonferenz (GWK)) einzurichten, welche
a) Kriterien für qualitätsgesicherte Publikationen festlegt, um daraufhin die Werke
aus allen relevanten Fachbereichen (stichprobenartig oder auf Antrag) auf
methodische Qualität und Replizierbarkeit, ggfs. auch auf eine Unabhängigkeit von
politischem oder kommerziellem Einfluss zu überprüfen und eine diesbezügliche
Empfehlung abzugeben oder zu verneinen;
b) bei staatlichen Förderentscheidungen in den Entscheidungsprozess eingebunden
wird.
Berlin, den 14. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die Qualität und Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Arbeit sind essenziell für die Funktionsfähigkeit einer
modernen Gesellschaft. In den vergangenen Jahren ist jedoch ein besorgniserregender Trend zu beobachten:
Sogenannte „predatory Journals“ und „Paper Mills“ bieten gegen Bezahlung Veröffentlichungen an, bei denen Peer
Review und wissenschaftliche Qualitätsstandards nicht eingehalten werden. Diese Praxis führt dazu, dass
wertlose oder sogar gefälschte Studien in den wissenschaftlichen Diskurs gelangen. Solche Veröffentlichungen
werden nicht selten von Politik und Verwaltung als Grundlage für Entscheidungen herangezogen, was zu
fehlerhaften Gesetzgebungsverfahren und politischen Fehlentscheidungen führen kann. Die Bundesregierung ist daher
gefordert, durch verbindliche Transparenzregeln, wirksame Sanktionsmechanismen und unabhängige
Qualitätsprüfungen sicherzustellen, dass politische Entscheidungen auf belastbaren und überprüfbaren wissenschaftlichen
Erkenntnissen beruhen. Nur so kann das Fundament der Wissensgesellschaft gestärkt und die Integrität
wissenschaftlicher Arbeit dauerhaft gewährleistet werden. Dabei sind uns Vorfälle, wie 2019 an der Heidelberger
Universitätsklinik, wo eine nicht erforschte Erfindung als fertig „wissenschaftlich erforscht“ bezüglich einer
Bluttestdiagnose klassifiziert wurde5, in diesem Fall ermittelte auch die Staatsanwaltschaft6, ein mahnendes Beispiel
wissenschaftliche Kriterien einzuhalten.
5 Vgl., www.deutschlandfunk.de/brustkebs-bluttest-von-der-weltsensation-zum-medizinskandal-100.html,
Stand: (24.09.2025).
6 Vgl., www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/heidelberg-ermittlungen-wegen-brustkrebs-bluttest-
eingestellta-d6f8ea5e-7d77-4e21-8cc2-0c81b6364c40, (Stand: 24.09.2025).
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ISSN 0722-8333]
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