Medienberichte über Gespräche zur Wiederaufnahme von Flüssiggaslieferungen aus Russland zwischen Novatek und der bundeseigenen SEFE
Text
Medienberichte über Gespräche zur Wiederaufnahme von Flüssiggaslieferungen aus Russland zwischen Novatek und der bundeseigenen SEFE
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6480
21. Wahlperiode 12.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Görke, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar
Bartsch, Jörg Cezanne, Agnes Conrad, Mirze Edis, Cem Ince, Cansin Köktürk,
Tamara Mazzi, Pascal Meiser, Ines Schwerdtner, Lisa Schubert, Isabelle Vandre,
Sarah Vollath, Sascha Wagner, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Medienberichte über Gespräche zur Wiederaufnahme von Flüssiggaslieferungen
aus Russland zwischen Novatek und der bundeseigenen SEFE
Laut Medienberichten führte das bundeseigene Unternehmen SEFE (Securing
Energie For Europe, ehemals Gazprom Germania) im Jahr 2023 Gespräche mit
dem russischen Unternehmen Novatek über Lieferungen von Flüssigerdgas
(Liquified Natural Gas, LNG) aus Russland an die SEFE (www.tagesschau.de/inv
estigativ/russland-lng-100.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Gab es seit der Verstaatlichung der SEFE im Jahr 2022 Kontakte der
Bundesregierung in jeglicher Form (persönlich, per Brief, telefonisch, per
Video, per E-Mail oder sonstige) mit der Geschäftsführung der SEFE zum
Thema „LNG-Lieferungen aus Russland über die Firma Novatek“ (wenn
ja, bitte mit Datum, Beteiligten und wesentlichen Gesprächsinhalten
auflisten)?
2. Wann genau erlangten das damalige Bundesministerium für Wirtschaft
und Klimaschutz (BMWK bzw. heute Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie, BMWE), das Bundeskanzleramt, das Bundesministerium der
Finanzen (BMF) und das Auswärtige Amt jeweils erstmals Kenntnis von
den laut Medienberichten geführten Gesprächen der SEFE mit Novatek
bzw. Leonid Mikhelson über die Wiederaufnahme von LNG-Lieferungen?
a) Welche Stellen innerhalb des BMWK bzw. BMWE wurden über
mutmaßliche Gespräche zwischen SEFE-CEO Egbert Laege und Novatek-
Vorstandsvorsitzenden Leonid Mikhelson bzw. Vertretern der
russischen Firma Novatek informiert?
b) Welche Berichte, Gesprächsvermerke, Protokolle oder sonstige
Unterlagen erhielt das BMWK bzw. BMWE zu den mutmaßlichen
Gesprächen zwischen SEFE-Vorstandsvorsitzenden Dr. Egbert Laege und
Novatek bzw. Leonid Mikhelson?
c) Wann wurde das BMWK bzw. BMWE über das mutmaßliche Treffen
von SEFE-Chef Dr. Egbert Laege mit Leonid Mikhelson in Dubai im
April 2023 informiert?
d) Wurde der damalige Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz,
Dr. Robert Habeck, persönlich über die mutmaßliche Reise des SEFE-
Vorstandsvorsitzenden Dr. Egbert Laege nach Dubai im April 2023
informiert, wenn ja, wann, und durch wen, und wenn nein, warum nicht?
e) Wann hat die Bundesregierung erstmals Kenntnis von den
mutmaßlichen internen Überlegungen der SEFE, ein „Narrativ“ (siehe www.tag
esschau.de/investigativ/russland-lng-100.html) zur politischen
Rechtfertigung der LNG-Geschäfte zu entwickeln, erlangt?
3. Wann erfuhr die Bundesregierung von dem mutmaßlichen Schreiben der
SEFE, mit dem bei russischen Stellen eine temporäre Genehmigung für
Lieferungen erwirkt werden sollte, und inwieweit war die
Bundesregierung darin eingebunden?
4. Hat die Bundesregierung bzw. der BMWK- bzw. BMWE-Vertreter im
Aufsichtsrat (ggf. welcher) die mutmaßliche Behauptung der SEFE
überprüft, das LNG sei zur Erfüllung von Lieferverpflichtungen gegenüber
Indien bestimmt gewesen (siehe www.tagesschau.de/investigativ/russlan
d-lng-100.html)?
5. Welche konkreten Leitlinien oder Weisungen des BMWK bzw. BMWE
bzw. des Bundes galten im Jahr 2023 für SEFE-Geschäfte mit russischen
Unternehmen?
6. Wurden 2023 alternative Lieferquellen geprüft, um den Indien-Vertrag
(s. o.) ohne russisches LNG zu erfüllen?
7. Wie bewertet die Bundesregierung den Umstand, dass ein bundeseigenes
Unternehmen im Frühjahr 2023 nach Medienberichten neue LNG-
Geschäfte mit russischen Lieferanten vorbereitete, während die
Bundesregierung öffentlich eine Abkehr von russischen Energielieferungen
propagierte?
8. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, ob über
europäische Pipelines auch Deutschland mittelbar mit dem von SEFE
importierten russischen LNG versorgt wurde?
9. Wurde oder wird nach Kenntnis der Bundesregierung das in
Medienberichten geschilderte mutmaßliche Verhalten von SEFE-Geschäftsführer
Dr. Egbert Laege im Zusammenhang mit den Gesprächen mit Novatek
intern oder extern compliance-rechtlich geprüft, und wenn ja, zu welchen
Ergebnissen ist die Prüfung gekommen, und welche Konsequenzen
ergeben sich darauf für die Unternehmensführung der SEFE?
10. Welche Mitglieder des Aufsichtsrates der SEFE wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung über die mutmaßlichen Gespräche mit Novatek
informiert, und wann erfolgte diese Unterrichtung?
11. Welche Beschlüsse fasste der SEFE-Aufsichtsrat nach Kenntnis der
Bundesregierung 2023 zu Lieferbeziehungen mit Novatek, Yamal LNG oder
verbundenen Unternehmen?
12. Hat das BMWK bzw. BMWE gegenüber der SEFE-Vorgabe oder
politische Leitlinien hinsichtlich etwaiger neuer oder wiederaufgenommener
Energiegeschäfte mit Russland erlassen (wenn ja, welche)?
13. Hat die Bundesregierung geprüft, ob die SEFE als bundeseigenes
Unternehmen gegebenenfalls außen-, sicherheits- oder sanktionspolitische
Vorgaben des Bundes verletzt hat?
14. Hat die Bundesregierung geprüft, ob das mutmaßliche Vorgehen der SEFE
mit den politischen Vorgaben des Bundes als Eigentümer vereinbar war?
15. Hat die Vertreterin des BMWK bzw. BMWE im Aufsichtsrat von SEFE
schon einmal ein Veto im Aufsichtsrat zu Entscheidungen der
Geschäftsführung der SEFE eingelegt, und wenn ja, wann, und zu welchem Thema?
16. Welche Kontrollmechanismen bestehen, um sicherzustellen, dass außen-
und sicherheitspolitische Ziele der Bundesregierung durch bundeseigene
Unternehmen eingehalten werden?
17. Plant die Bundesregierung Änderungen der Transparenz- und
Berichtspflichten bundeseigener Unternehmen bei Geschäften mit Staaten, gegen
die EU-Sanktionen bestehen oder die Krieg gegen die Ukraine führen?
Berlin, den 29. Mai 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Agnes Conrad (Kleine Anfrage)
- asked ← Anne Zerr (Kleine Anfrage)
- asked ← Cansin Köktürk (Kleine Anfrage)
- asked ← Cem Ince (Kleine Anfrage)
- asked ← Christian Görke (Kleine Anfrage)
- asked ← Dietmar Bartsch (Kleine Anfrage)
- asked ← Doris Achelwilm (Kleine Anfrage)
- asked ← Ines Schwerdtner (Kleine Anfrage)
- asked ← Isabelle Vandre (Kleine Anfrage)
- asked ← Janine Wissler (Kleine Anfrage)
- asked ← Jörg Cezanne (Kleine Anfrage)
- asked ← Lisa Schubert (Kleine Anfrage)
- asked ← Mirze Edis (Kleine Anfrage)
- asked ← Pascal Meiser (Kleine Anfrage)
- asked ← Sarah Vollath (Kleine Anfrage)
- asked ← Sascha Wagner (Kleine Anfrage)
- asked ← Tamara Mazzi (Kleine Anfrage)
- authored ← Christian Görke
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Janine Wissler
- part_of_vorgang → Medienberichte über Gespräche zur Wiederaufnahme von Flüssiggaslieferungen aus Russland zwischen Novatek und der bundeseigenen SEFE (Kleine Anfrage)