LNG-Beschaffung, Lieferketten und Emissionsdaten
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LNG-Beschaffung, Lieferketten und Emissionsdaten
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4248
21. Wahlperiode 24.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Raimond Scheirich, Dr. Malte Kaufmann, Marc Bernhard, Adam
Balten und der Fraktion der AfD
LNG-Beschaffung, Lieferketten und Emissionsdaten
Die Sicherung einer bezahlbaren und resilienten Gasversorgung ist nach
Ansicht der Fragesteller ein wesentlicher Standort- und
Versorgungssicherheitsfaktor. Seit 2022 hat sich die Beschaffungs- und Importstruktur im
Energiesektor in Deutschland verändert, wobei LNG-Importe (LNG = Flüssigerdgas) in
der Versorgung eine zunehmende Rolle einnehmen (https://de.statista.com/stati
stik/daten/studie/1352872/umfrage/erdgasimporte-in-deutschland-nach-herkunf
tslaendern/). Vor diesem Hintergrund sind belastbare Informationen über
Herkunft, Lieferketten, Vertragsparameter und Steuerungsmechanismen bei LNG-
Beschaffungen erforderlich.
Das Unternehmen SEFE nimmt dabei eine zentrale Rolle in der
Gasbeschaffung ein. Da die Beschaffungstätigkeit von Unternehmen im Bundeseigentum
bzw. unter maßgeblichem Einfluss des Bundes energie-, außenwirtschafts- und
haushaltspolitische Auswirkungen haben kann, ist von Interesse, welche
Vorgaben, Kontrollmechanismen und Berichtswege im Rahmen der
Eigentümersteuerung und Aufsicht bestehen.
Für eine energie- und klimapolitische Einordnung von LNG-Beschaffungen ist
laut EU-Vorgaben zudem die Treibhausgasbilanz über die gesamte Lieferkette
hinweg relevant, insbesondere Methanemissionen aus Förderung,
Aufbereitung, Transport und Verflüssigung. Entscheidend ist daher, welche
Anforderungen an Messung, Berichterstattung und Verifikation (MRV) entlang der
Lieferkette gestellt werden und wie die Einhaltung dieser Anforderungen vertraglich
sowie durch Kontrollen abgesichert wird.
Darüber hinaus sind bei internationalen Lieferketten laut EU-Vorgaben Fragen
von Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsrisiken sowie die Anwendung
einschlägiger Sorgfaltspflichten von Bedeutung. Vor diesem Hintergrund
interessieren sich die Fragesteller dafür, nach welchen Standards Risikoanalysen
durchgeführt werden, welche vertraglichen Durchgriffs- und
Auditmöglichkeiten bestehen und wie die Bundesregierung die Umsetzung entsprechender
Anforderungen gegenüber SEFE ausgestaltet.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Rechtsgrundlagen und Verwaltungsverfahren regeln in
Deutschland die Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen
Lagerstätten, insbesondere unter Einsatz von Hydraulic Fracturing, und
welche rechtlichen Grenzen bestehen derzeit für eine entsprechende
Förderung (bitte die wesentlichen Normen benennen)?
2. Welche Aufgaben nimmt nach Kenntnis der Bundesregierung das
Unternehmen SEFE in der Gasbeschaffung wahr, und welche Vorgaben und
Kontrollmechanismen bestehen seitens der Bundesregierung im Rahmen
der Eigentümersteuerung bzw. Beteiligungs- und Aufsichtsinstrumente
(bitte zuständige Ressorts, Instrumente und Berichtswege benennen)?
3. Wie ist die Beschaffungstätigkeit von SEFE nach Kenntnis der
Bundesregierung in die nationale und europäische
Versorgungssicherheitsarchitektur eingebunden (z. B. Notfall- und Krisenmechanismen,
Speicherfüllvorgaben, Notfallpläne), und welche Stellen koordinieren dies (bitte
Prozesse, Berichtswege und ggf. Weisungs- oder Zustimmungsvorbehalte
benennen)?
4. Welche LNG-Lieferverträge hat SEFE nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2022 abgeschlossen oder übernommen (bitte, soweit möglich,
jeweils Laufzeit, vereinbarte Liefermengen, Lieferland, Vertragspartner und
Lieferbeginn angeben; soweit Angaben nicht möglich sind, bitte
begründen und aggregierte Angaben machen)?
5. Welche Angaben zu LNG-Lieferverträgen von SEFE werden nach
Kenntnis der Bundesregierung als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse
eingestuft (bitte Kategorien benennen, z. B. Laufzeit, Mengen, Preisformeln,
Lieferpunkte, Vertragsparteien), nach welchen Kriterien erfolgt die
Einstufung, und welche aggregierten Angaben können der Öffentlichkeit bzw.
dem Deutschen Bundestag dennoch bereitgestellt werden?
6. Wurden seit 2022 LNG-Beschaffungen oder Vertragsabschlüsse durch SE-
FE unter Nutzung besonderer Dringlichkeits-, Ausnahme- oder
Sonderverfahren durchgeführt (bitte Rechtsgrundlagen bzw. Verfahrensarten
benennen und die Anzahl der Fälle pro Jahr angeben)?
7. Trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass SEFE einen LNG-
Liefervertrag mit dem argentinischen Konsortium Southern Energy
abgeschlossen hat, der Lieferungen aus Argentinien umfasst, und wenn ja,
welche Förderregionen und Fördermethoden sind nach Kenntnis der
Bundesregierung Bestandteil der Lieferkette (insbesondere Bezug zu „Vaca
Muerta“ und Einsatz von Hydraulic Fracturing)?
8. Welche Informationen liegen der Bundesregierung zu den in den
Lieferketten der von SEFE beschafften LNG-Mengen eingesetzten
Fördermethoden (konventionell, Fracking, Offshore u. a.) vor, und wie werden
diese Informationen erhoben bzw. verifiziert?
9. Welche Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsanforderungen (z. B.
Sorgfaltspflichten, Audit-Rechte, Reporting-Pflichten) werden von der
Bundesregierung gegenüber SEFE für den Abschluss und die Durchführung
von LNG-Lieferverträgen vorgegeben (bitte Vorgaben, Rechtsgrundlagen
und Anwendungsbereich benennen), insbesondere im Rahmen der bis
dahin gültigen Fassung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG)
sowie im Hinblick auf die Corporate Sustainability Due Diligence
Directive (CSDDD)?
10. Wurden im Vorfeld von LNG-Vertragsabschlüssen durch SEFE Umwelt-
und Menschenrechtsrisikoanalysen durchgeführt oder eingefordert, wenn
ja, nach welchen Standards, und mit welchen zentralen Ergebnissen (bitte
jeweils, soweit möglich, nach Vertrag bzw. Lieferland aufschlüsseln)?
11. Welche Anforderungen werden in LNG-Lieferverträgen bzw. in
flankierenden Vereinbarungen an die Messung, Berichterstattung und Reduktion
von Methanemissionen entlang der Lieferkette gestellt, und welche
Nachweis- oder Kontrollmechanismen bestehen (bitte Instrumente und
Standards benennen)?
12. Welche Maßnahmen, Prozesse und Zuständigkeiten bestehen, um die
Anforderungen an importiertes Erdgas und LNG nach der EU-
Methanverordnung (EU) 2024/1787 umzusetzen (insbesondere
Informations- und Nachweisanforderungen entlang der Lieferkette), und
inwieweit werden diese Anforderungen gegenüber SEFE durch
Eigentümersteuerung sowie durch vertragliche Pflichten gegenüber Lieferanten
abgesichert (bitte Zuständigkeiten, Zeitplan und Kontrollmechanismen
darstellen)?
13. Welche der Bundesregierung vorliegenden quantitativen Schätzungen
oder Messdaten existieren zur Treibhausgasbilanz (Well-to-tank bzw.
Well-to-wheel) von LNG-Importen nach Deutschland seit 2021, und nach
welcher Methodik werden diese berechnet (bitte Quellen und Annahmen
benennen)?
14. In welchem Umfang vergleicht die Bundesregierung bei
Beschaffungsentscheidungen oder Bewertung der Gasversorgung die Treibhausgasbilanz
von LNG mit Pipelinegas (einschließlich historischer Vergleichsgrößen),
und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus für die Energie- und
Klimapolitik (bitte Dokumente bzw. Analysen benennen)?
15. Inwiefern hat die Bundesregierung geprüft, inwieweit langfristige LNG-
Lieferverträge (z. B. bis 2046) mit den nationalen und europäischen
Klimazielen vereinbar sind, und wenn ja, mit welchen Kriterien, Szenarien
und Ergebnissen (bitte zugrunde liegende Prüfungen benennen)?
16. Welche Formen parlamentarischer Unterrichtung oder Kontrolle bestehen
hinsichtlich strategisch bedeutsamer Energieverträge von Unternehmen in
Bundesbeteiligung oder im Bundeseigentum, insbesondere im Hinblick
auf Laufzeiten, Mengenbindungen und Klimawirkungen (bitte die
bestehenden Instrumente und ggf. geplante Anpassungen darstellen)?
17. Welche Änderungen in der Governance, Compliance und im
Risikomanagement wurden nach der Übernahme der SEFE durch den Bund
umgesetzt, um energie-, außenwirtschafts- und klimapolitische Risiken zu
adressieren (bitte Maßnahmen, Zeitpunkte und Zuständigkeiten
benennen)?
Berlin, den 19. Februar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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