Baulicher Zustand der Brückeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit Castor-Transporten zwischen Jülich und Ahaus
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Baulicher Zustand der Brückeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit Castor-Transporten zwischen Jülich und Ahaus
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6376
21. Wahlperiode 10.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mareike Hermeier, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, Lorenz
Gösta Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Dr. Fabian Fahl, Katrin Fey, Katalin
Gennburg, Ina Latendorf, Caren Lay, Sahra Mirow, David Schliesing, Sascha
Wagner und der Fraktion Die Linke
Baulicher Zustand der Brückeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen im
Zusammenhang mit Castor-Transporten zwischen Jülich und Ahaus
Zwischen dem Standort des ehemaligen Kernforschungszentrums in Jülich und
dem Zwischenlager in Ahaus erfolgen bzw. sind Transporte von radioaktiven
Materialien geplant oder bereits durchgeführt worden. Diese Transporte
erreichen aufgrund der eingesetzten Transportbehälter und Sicherungstechnik ein
Gesamtgewicht von bis zu 130 Tonnen.
Die vorgesehenen Transportstrecken führen über zahlreiche Straßenabschnitte
und Brückenbauwerke in Nordrhein-Westfalen. Medienberichte sowie
Einschätzungen von Fachleuten weisen darauf hin, dass ein Teil der
Brückeninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen als sanierungsbedürftig oder strukturell
belastet gilt. Schwerlasttransporte können dabei eine zusätzliche Beanspruchung
darstellen.
Im Zusammenhang mit dem Transport am 24. und 25. März 2026 berichtete der
Westdeutscher Rundfunk, dass der Transport auf seinem Weg rund 200
Brückenbauwerke passiert, von denen sich einige in einem so schlechten baulichen
Zustand befinden, dass sie lediglich mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit
(etwa 5 km/h) befahren werden konnten (https://cdn.tickaroo.com/embed/v4/ful
lpage/5fc636993ecf7c8b4efb8738/fpl2axIAeRJsXZFdXkgjGsF7nfQ6vo.html).
Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen hinsichtlich der Sicherheit der
Transportstrecke, der Tragfähigkeit der betroffenen Brückenbauwerke, der
Risikobewertung durch die zuständigen Behörden sowie der Vorsorgemaßnahmen
im Falle von Schäden oder Unfällen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Transportstrecken zwischen Jülich und Ahaus wurden
für Atomtransporte mit einem Gesamtgewicht von bis zu 130 Tonnen
bislang genutzt oder sind vorgesehen?
2. Welche Brückenbauwerke werden auf diesen Strecken jeweils passiert
(bitte einzeln auflisten)?
3. In welchem baulichen Zustand befinden sich die einzelnen Brücken
entlang der Transportstrecke nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte die
jeweiligen Zustandsnoten gemäß Brückenbewertungssystem angeben)?
4. Bei welchen dieser Brücken besteht nach Kenntnis der Bundesregierung
ein Sanierungs- oder Erneuerungsbedarf, und wie wird dieser jeweils
zeitlich eingeordnet?
5. Welche Brücken entlang der Strecke weisen nach Kenntnis der
Bundesregierung Schäden wie Rissbildungen, Materialermüdung oder
Korrosionsprobleme auf (bitte differenziert darstellen)?
6. Für welche Brücken entlang der Strecke gelten derzeit
Lastbeschränkungen oder besondere Nutzungsauflagen?
7. Welche statischen Nachweise wurden im Vorfeld der Transporte für die
betroffenen Brückenbauwerke durchgeführt?
a) In welchen Fällen wurden keine gesonderten statischen Prüfungen im
Vorfeld durchgeführt, und wie wird dies jeweils begründet?
b) Welche regelmäßigen Kontrollen der betroffenen Brücken finden statt,
in welchen zeitlichen Abständen erfolgen diese, und wurden diese im
Zusammenhang mit den Transporten angepasst?
8. Welche Sicherheitszuschläge wurden bei der Berechnung der
Tragfähigkeit im Hinblick auf die Schwertransporte angesetzt?
9. Gab es im Zuge der Transportplanung besondere Begutachtungen
einzelner Brücken (z. B. Sonderprüfungen), und wenn ja, mit welchem
Ergebnis?
10. In welchen Fällen wurden für die Durchführung der Atomtransporte
Ausnahmen von bestehenden Gewichtsbeschränkungen erteilt?
11. Inwieweit wurden temporäre Sicherungsmaßnahmen (z. B.
Verkehrseinschränkungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Begleitfahrzeuge) speziell
für die Atomtransporte angeordnet, auf welchen konkreten
Brückenbauwerken oder Streckenabschnitten wurde die Geschwindigkeit auf
Schrittgeschwindigkeit (z. B. etwa 5 km/h) reduziert, und welche Gründe lagen
hierfür jeweils vor?
12. Welche Behörden auf Bundes- und Landesebene waren in die
Genehmigung und Bewertung der Transportstrecke eingebunden?
13. Welche Rolle spielte das Land Nordrhein-Westfalen bei der Festlegung
und Prüfung der Transportwege?
14. Welche Risikoanalysen wurden im Hinblick auf mögliche
Brückenschäden oder ein mögliches Versagen von Brücken während eines Transports
durchgeführt?
15. Welche Notfall- und Evakuierungspläne bestehen für den Fall eines
Unfalls auf einer Brücke während eines Atomtransports?
16. Sind der Bundesregierung Vorfälle bekannt, bei denen es im
Zusammenhang mit vergleichbaren Schwertransporten zu Schäden an Brücken
gekommen ist?
17. Inwieweit wurden alternative Transportwege (z. B. Schiene) geprüft, und
aus welchen Gründen wurden diese gegebenenfalls verworfen?
18. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Sicherheit
zukünftiger Atomtransporte über die bestehende Infrastruktur zu
gewährleisten?
Berlin, den 8. Juni 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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