Proteste gegen und Übergriffe auf Geflüchtetenunterkünfte im ersten Quartal 2026
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Proteste gegen und Übergriffe auf Geflüchtetenunterkünfte im ersten Quartal 2026
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5655
21. Wahlperiode 29.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Clara Bünger, Doris Achelwilm, Agnes Conrad, Anne-Mieke
Bremer, Mandy Eißing, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Jan
Köstering, Sonja Lemke, Tamara Mazzi, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron
Valent, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Proteste gegen und Übergriffe auf Geflüchtetenunterkünfte im
ersten Quartal 2026
Rassistische Hetze gegen Geflüchtete und Asylsuchende ist seit Jahren ein
zentrales Thema der extremen Rechten. Immer wieder versuchen diese,
Ressentiments und Vorurteile gegen Geflüchtete zu schüren, Proteste gegen geplante
Unterkünfte zu initiieren oder vorhandene Proteste in ihrem Sinne zu
instrumentalisieren. Die extreme Rechte knüpft damit an vorhandene rassistische
Einstellungen in Teilen der Bevölkerung an, wie sie u. a. in der Langzeitstudie
Deutsche Zustände (Heitmeyer u. a.) nachgewiesen wurden.
Bürgerproteste gegen die Einrichtung von Geflüchtetenunterkünften oder gegen
die Belegung der Unterkünfte mit Geflüchteten werden von neofaschistischen
oder rechtspopulistischen Zusammenschlüssen und Parteien zum Teil selbst
initiiert und koordiniert, zum Teil versuchen sie, sich an bereits bestehende
Bürgerinitiativen anzuschließen. Ziel ist es, sich so den Bürgerinnen und Bürgern
als Vertreter der vermeintlich wahren Volksinteressen zu empfehlen.
Auch außerhalb der Unterkünfte sind Geflüchtete massiven Bedrohungen und
auch Gewalt ausgesetzt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. An welchen Orten hat es nach Kenntnis der Bundesregierung im ersten
Quartal 2026 Proteste gegen die Unterbringung von Geflüchteten vor
geplanten oder schon bestehenden Flüchtlingsunterkünften sowie vor
Wohnungen, in denen Geflüchtete untergebracht werden, gegeben (bitte nach
Bundesländern, Orten und Datum sowie der Anzahl der Teilnehmer, auch
wenn diese geringer als 20 ist, auflisten)?
2. In welchen der in Frage 1 genannten Fälle geht die Bundesregierung
davon aus, dass die Proteste maßgeblich von Parteien der extremen Rechten
bzw. von Kameradschaften oder anderen rechtsextremen Organisationen
(bitte angeben, um welche es sich handelte) initiiert und gesteuert
wurden?
3. An welchen Orten haben sich welche Parteien der extremen Rechten, eine
ihrer Unterorganisationen oder andere rechtsextreme oder
rechtspopulistische Gruppierung (welche?) im ersten Quartal 2026 an Protesten gegen
geplante oder vorhandene Flüchtlingsunterkünfte beteiligt (bitte jeweils
unter Angabe von Ort und Datum darstellen)?
4. An welchen Orten hat es nach Kenntnis der Bundesregierung im ersten
Quartal 2026 Proteste im Zusammenhang mit dem Thema Zuwanderung
bzw. Asyl gegeben, und an welchen dieser Proteste waren welche
Organisationen der extremen Rechten beteiligt (bitte nach Bundesländern, Orten
und Datum sowie der Anzahl der Teilnehmenden, auch wenn diese
geringer als 20 ist, auflisten)?
5. Zu wie vielen Straftaten kam es nach Kenntnis der Bundesregierung im
Zusammenhang mit diesen Protesten, und wie viele davon fallen nach
Einschätzung der Sicherheitsbehörden in den Bereich der Politisch
motivierten Kriminalität (bitte jeweils unter Angabe von Phänomenbereich,
Tatort, Tatdatum und Deliktgruppen auflisten)?
6. Zu wie vielen Überfällen, Anschlägen, Sachbeschädigungen, tätlichen
Angriffen auf
a) Flüchtlingsunterkünfte oder von Geflüchteten bewohnte Wohnungen,
b) geplante bzw. im Bau befindliche Flüchtlingsunterkünfte,
c) Geflüchtete bzw. Asylsuchende außerhalb ihrer Unterkunft oder
dezentralen Wohnungen und
d) Einrichtungen, die sich unmittelbar für die Belange von Geflüchteten
bzw. Asylsuchenden einsetzen,
kam es nach Kenntnis der Bundesregierung im ersten Quartal 2026 (bitte
die Komplexe 6a bis 6d getrennt aufführen und nach Datum, Anzahl der
Betroffenen, Anzahl der verletzten Geflüchteten und Herkunftsland der
Betroffenen auflisten)?
7. Wie verteilen sich die Taten auf die Bundesländer?
8. Wie viele davon (Frage 6a bis 6d) fallen nach Einschätzung der
Sicherheitsbehörden in welche Phänomenbereiche der Politisch motivierten
Kriminalität, und zu welchen der in Frage 6a bis 6d aufgeführten Vorfälle gab
es eine Pressemitteilung seitens der Ermittlungsbehörden?
9. Bei wie vielen der in Frage 6a bis 6d erfragten Taten handelt es sich um
Gewaltdelikte (bitte die Zahlen jeweils zu den Fragen 6a bis 6d nennen)?
10. Welche Delikte wurden in den in Frage 6 erfragten Fällen im ersten
Quartal 2026 begangen (bitte möglichst genau pro Einzelfall aufführen, was
geschehen ist, und verwendete Waffen oder Gegenstände bzw. direkte
körperliche Tätlichkeiten oder verbale Bedrohungen angeben)?
11. Welche Angaben kann die Bundesregierung jeweils zur Zahl der dabei
verletzten Personen sowie zur Art der Verletzung machen (bitte für die
Einzelfälle in der zu Frage 6 gelieferten Tabelle ausführen)?
12. Wie häufig wurden Kinder Opfer solcher in Frage 6 aufgeführten
Angriffe?
13. Welche Angaben kann die Bundesregierung jeweils zur Zahl der
beteiligten mutmaßlichen Täterinnen und Täter der einzelnen Fälle und zu deren
politischem Hintergrund machen (bitte in der zu Frage 6 gelieferten
Tabelle mit Angabe des Tatdatums, Tatorts, Delikts, der Anzahl der
Ermittlungsverfahren, des politischen Hintergrunds der Täterinnen und Täter
aufschlüsseln)?
14. Zu welchen konkreten in Frage 6 erfragten Taten konnten mutmaßliche
Täter bzw. Täterinnen ermittelt werden, und zu wie vielen dieser
mutmaßlichen Täterinnen und Täter liegen welche Vorerkenntnisse im Sinne der
Politisch motivierten Kriminalität vor?
15. Mit welchen der in Frage 6 aufgeführten Fälle hat sich das Gemeinsame
Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) befasst (bitte
konkrete Fälle unter Angabe von Tatdatum, Tatort und Delikt benennen)?
16. Mit welchen der in Frage 6 aufgeführten Fälle hat sich das Referat
Rechtsextremismus beim Generalbundesanwalt (GBA) befasst, und zu welchen
Ergebnissen hat die Befassung beim GBA geführt?
17. Hat es zu den in den Fragen 1 bis 16 erfragten Sachverhalten
Nachmeldungen für das vierte Quartal 2025 gegeben, und welche Nachmeldungen
hat es im Einzelnen gegeben (bitte die Angaben nach Quartalen
aufschlüsseln und zusätzlich auch nach konkreten Einzelfällen aufführen)?
Berlin, den 23. April 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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