Beteiligung von Stakeholdern an der Nationalen Tourismusstrategie (Antwort zu Drs. 21/4231)
Text
Beteiligung von Stakeholdern an der Nationalen Tourismusstrategie (Antwort zu Drs. 21/4231)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4670
21. Wahlperiode 09.03.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stefan Schmidt, Matthias
Gastel, Victoria Broßart, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/4231 –
Beteiligung von Stakeholdern an der Nationalen Tourismusstrategie
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wurde vereinbart, eine
neue Tourismusstrategie zu erarbeiten, die sowohl wirtschaftliche als auch
nachhaltige Belange berücksichtigen sollte und die Themen
Tourismusakzeptanz, Lebensraumgestaltung sowie Digitalisierung in den Fokus nimmt (vgl.
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, S. 13). Nach nur neun
Monaten Arbeitszeit wurde die Nationale Tourismusstrategie am 28. Januar 2026
im Kabinett beschlossen und der Öffentlichkeit vorgestellt. Der beschleunigte
und nach Ansicht der Fragestellenden wenig transparente Prozess zur
Erstellung sowie die inhaltliche Grundausrichtung der Nationalen
Tourismusstrategie mit einem „klaren Kurs auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit“ (vgl.
www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/202
6/01/20260128-nationale-tourismusstrategie-setzt-klaren-kurs-auf-wachstum-
und-wettbewerbsfaehigkeit.html) werfen bisher leider unzureichend
beantwortete Fragen (vgl. Antwort auf die Schriftliche Frage 62 auf Bundesdrucksache
21/3772) auf, insbesondere die Frage, welche Stakeholder seitens des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie an der Erstellung der Nationalen
Tourismusstrategie beteiligt wurden.
1. a) Welchen Stellenwert nehmen Klima- und Umweltschutz ein, und
inwiefern wird dieser Stellenwert in der Beteiligung der Stakeholder
deutlich?
b) Welchen Stellenwert nimmt das Thema „nachhaltige Mobilität“ (z. B.
Bahnverkehr, öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Radverkehr
und Shared Mobility) ein, und inwiefern wird dieser Stellenwert in der
Beteiligung der Stakeholder deutlich?
c) Welchen Stellenwert nehmen Reise- und Verbraucherschutzrechte ein,
und inwiefern wird dieser Stellenwert in der Beteiligung der
Stakeholder deutlich?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
9. März 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
d) Welchen Stellenwert nehmen die Rechte und Interessen von
Arbeitnehmenden sowie das Thema Fachkräftesicherung ein, und inwiefern
wird dieser Stellenwert in der Beteiligung der Stakeholder deutlich?
e) Welchen Stellenwert nehmen digitale und innovative
Geschäftsmodelle ein, und inwiefern wird dieser Stellenwert in der Beteiligung der
Stakeholder deutlich?
Die Fragen 1a bis 1e werden gemeinsam beantwortet.
Die Nationale Tourismusstrategie (NTS) hat sich als übergeordnetes Ziel
gesetzt, die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusunternehmen in Deutschland zu
stärken. Unter diesem Dach setzt sie verschiedene thematische Schwerpunkte
entlang aktueller Herausforderungen für die Tourismusbranche, die alle
Tourismussegmente ausgewogen adressieren. Sie unterscheiden sich dabei nicht in
ihrem Stellenwert. Details zu den in Frage 1 bis 1e genannten Themen finden
sich in der NTS wie folgt:
• Klima- und Umweltschutz: S. 14–16;
• Nachhaltige Mobilität: S. 8–9;
• Reise- und Verbraucherschutzrechte: S. 4;
• Interessen von Arbeitnehmenden und Fachkräftesicherung: S. 12–13;
• Digitale und innovative Geschäftsmodelle: S. 10–12.
Zur Beteiligung der Stakeholder wird auf die Antwort zu den Fragen 2 bis 9
verwiesen.
2. a) Welche Stakeholder wurden im Prozess zur Erstellung der neuen
Nationalen Tourismusstrategie seitens des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie aktiv konsultiert und beteiligt (bitte einzeln
nach Termin, Stakeholder und Gesprächsinhalt aufschlüsseln)?
Im Vorfeld des Kabinettbeschlusses zur NTS wurden seitens des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) Gespräche mit verschiedenen
Stakeholdern zu unterschiedlichen Gelegenheiten geführt. Größere
Gesprächsrunden gab es am 7. Oktober 2025 und am 26. Januar 2026 mit den
Dachverbänden Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), Bundesverband der
Deutschen Tourismuswirtschaft e. V. (BTW), Deutscher Tourismusverband
e. V. (DTV), Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e. V. (DEHOGA) und
Deutscher Reiseverband e. V. (DRV) sowie am 13. November 2025 mit dem
Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e. V. (ADAC), Allianz Selbständiger
Reiseunternehmen – Bundesverband e. V. (asr), BundesForum Kinder- und
Jugendreisen, Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen e. V. (bdo),
Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland e. V. (BVCD),
Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e. V. (BVGD), Cruise Lines International
Association (CLIA), Deutscher Behindertenrat (DBR), Deutscher
Ferienhausverband e. V. (DFV), Fachverband Kinder- und Jugendreisen e. V., Deutsches
Jugendherbergswerk, Verband Deutsches Reisemanagement e. V. (VDR),
Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR), Deutscher Wanderverband und
Fachverband Deutscher Sprachschulen und Sprachreise-Veranstalter e. V. (FDSV).
Thema der Gesprächsrunden war der grundsätzliche konzeptionelle Ansatz der
NTS.
Daneben gab es bilaterale Gespräche des BMWE mit einzelnen Stakeholdern,
bei denen die Konzeption der NTS, neben anderen verbandsspezifischen
Themen, adressiert wurde.
b) Welche Stakeholder haben unaufgefordert Stellungnahmen eingereicht
oder Gesprächstermine zur Nationalen Tourismusstrategie angefragt
und wurden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
berücksichtigt, und aus welchen Gründen (bitte nach Stakeholdern und
Zeitpunkt der Kontaktaufnahme aufschlüsseln)?
c) Welche Stakeholder haben unaufgefordert Stellungnahmen eingereicht
oder Gesprächstermine zur Nationalen Tourismusstrategie angefragt,
wurden jedoch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
nicht berücksichtigt, und aus welchen Gründen (bitte nach
Stakeholdern und Zeitpunkt der Kontaktaufnahme aufschlüsseln)?
d) Welche konkreten inhaltlichen Vorschläge der in Frage 2a erfragten
Stakeholder wurden in die Nationale Tourismusstrategie
aufgenommen (bitte die jeweiligen Vorschläge den einzelnen Stakeholdern
zuordnen und die Aufnahme begründen)?
Die Fragen 2b bis 2d werden gemeinsam beantwortet.
Unaufgeforderte Stellungnahmen zur NTS reichten der BTW, der DTV und der
ADAC ein. Mit Blick auf die zur Verfügung stehende Zeit zur Beantwortung
der Kleinen Anfrage können wir keine weiteren Informationen zu
Gesprächsanfragen von Stakeholdern zur NTS bereitstellen.
Einen Zusammenhang zwischen eingereichten Stellungnahmen oder
Gesprächsanfragen und Berücksichtigung bei Stakeholder-Gesprächen gibt es
nicht. Auch wurden keine konkreten Vorschläge aus eingereichten
Stellungnahmen der Stakeholder in die NTS übernommen. Vielmehr sind Anregungen und
Gedanken von verschiedenen Seiten in die grundsätzliche Konzeption
eingeflossen, um sicherzustellen, dass die Belange aller Tourismussegmente in der
NTS ausgewogen adressiert werden.
3. Welche Kriterien haben zur Auswahl beziehungsweise zur
Nichtberücksichtigung der in Frage 2a erfragten Stakeholder geführt (bitte alle
Kriterien benennen)?
Konkrete Kriterien für eine Auswahl bzw. Nichtberücksichtigung von
Stakeholdern gab es nicht. Ziel der Einbeziehung der in der Antwort zu Frage 2a
genannten Stakeholder war es, wesentliche Multiplikatoren der heterogenen
Querschnittsbranche Tourismus einzubeziehen.
4. Inwiefern wurden Vertreterinnen und Vertreter vonseiten der Kommunen
und der Bundesländer beteiligt, und wenn nein, aus welchen Gründen
nicht?
Die Bundesländer waren über bewährte Gremien wie den Bund-Länder-
Ausschuss Tourismus und die Amtschefkonferenz beteiligt.
5. Inwiefern wurden Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft und
Forschung beteiligt, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
Da die Herausforderungen für die Tourismuswirtschaft und mithin die in der
NTS zu setzenden Themenschwerpunkte aus dem kontinuierlichen Austausch
mit Vertreterinnen und Vertretern aus Branche und Wissenschaft in den
vergangenen Legislaturperioden hinreichend bekannt waren, bestand keine
Wissenslücke, die eine erneute aktive Beteiligung der Wissenschaft erfordert hätte.
6. Aus welchen Gründen erfolgte keine intensivere inhaltliche Beteiligung
des Deutschen Bundestages, und inwieweit ist eine Beteiligung bzw.
Einbindung des Parlaments in Zukunft geplant?
7. Aus welchen Gründen erfolgte keine intensivere inhaltliche Beteiligung
des zuständigen Ausschusses für Tourismus, abgesehen von mündlichen
Berichten seitens des Bundesministeriums?
8. Wurden darüber hinaus weitere Ausschüsse des Deutschen Bundestages
beteiligt, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
Die Fragen 6 bis 8 werden gemeinsam beantwortet.
Das Parlament wurde über den zuständigen Ausschuss für Tourismus beteiligt.
So legte BMWE dem Tourismusausschuss beispielsweise am 8. Oktober 2025
einen Schriftbericht zu tourismuspolitischen Initiativen der Bundesregierung
vor, in dem die NTS thematisiert wurde, und trat dazu mit den
Ausschussmitgliedern in den Austausch. Da die NTS eine reine Branchenstrategie ist und der
Tourismus als einzige Branche einen eigenen Bundestagsausschuss hat, wurden
keine weiteren Ausschüsse im Vorfeld aktiv beteiligt.
Die Bundesregierung wertet die erfolgte Beteiligung des Parlaments bei der
Ausarbeitung der NTS als ungewöhnlich intensiv vor dem Hintergrund, dass es
sich um eine Strategie der Bundesregierung handelt und eine Beteiligung des
Parlaments deshalb nicht zwingend ist.
9. a) Aus welchen Gründen schafft die Bundesregierung mit dem
sogenannten Tourismuspolitischen Forum erneut ein neues Gremium?
b) Welchen Mehrwert erwartet sich die Bundesregierung gegenüber
etablierten Gremien, wie der Nationalen Plattform Zukunft des
Tourismus oder dem Tourismusbeirat?
Die Fragen 9a und 9b werden gemeinsam beantwortet.
Das Tourismuspolitische Forum wird den Tourismusbeirat und die Nationale
Plattform Zukunft des Tourismus in einem agilen, themengetriebenen Format
zusammenführen. Dadurch kann das Forum gezielt, flexibel und kurzfristig die
für ein aktuelles Thema benötigte Expertise aus dem Kreis der Stakeholder
nutzen. Auf diese Weise kann das Tourismuspolitische Forum dazu beitragen, dass
bei politischen Vorhaben mit Tourismusbezug die Interessen der
Tourismuswirtschaft passgenau eingespeist und Problemlösungen im Sinne der Branche
vorangetrieben werden.
c) Welche Akteure sollen im neuen Gremium beteiligt werden, und in
welcher Form soll diese Beteiligung stattfinden?
d) Welche Akteure werden im Vergleich zum Tourismusbeirat und zur
Nationalen Plattform Zukunft des Tourismus künftig nicht mehr
Mitglied im Tourismuspolitischen Forum sein, und aus welchen Gründen?
e) Welche Kriterien führen grundsätzlich zur Auswahl bzw. zur
Nichtauswahl von Teilnehmenden?
Die Fragen 9c bis 9e werden gemeinsam beantwortet.
Die Konzeption des Tourismuspolitischen Forums wird aktuell aufgesetzt und
ist noch nicht abgeschlossen. Wichtig dabei ist, dass das Forum die Themen der
Branche bestmöglich begleiten und voranbringen kann.
f) Zu welchem Zeitpunkt soll das neue Gremium die Arbeit aufnehmen?
g) Zu welchen geplanten Gesetzesvorhaben soll das Gremium beratend
tätig werden?
Die Fragen 9f und 9g werden gemeinsam beantwortet.
Das Tourismuspolitische Forum wird seine Arbeit voraussichtlich im ersten
Halbjahr 2026 aufnehmen. Aktuell arbeitet BMWE neben der Konzeption
daran, vorrangige Themen aus der NTS sowie weitere Branchenanliegen für eine
Behandlung im Forum in diesem Jahr zu identifizieren.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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