Vogelgrippe wirksam bekämpfen - Geflügelbestände durch Impfungen und gezielte Maßnahmen schützen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3837)
Text
Vogelgrippe wirksam bekämpfen - Geflügelbestände durch Impfungen und gezielte Maßnahmen schützen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3837)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4426
21. Wahlperiode 03.03.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Peter Felser,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3837 –
Vogelgrippe wirksam bekämpfen – Geflügelbestände durch Impfungen und
gezielte Maßnahmen schützen
A. Problem
Die Vogelgrippe (Aviäre Influenza) stellt nach den im Antrag enthaltenen
Feststellungen in Deutschland inzwischen ganzjährig ein Problem dar. Nicht nur
Hausgeflügelbestände seien betroffen, sondern auch Wildvögel. Letztere, vor
allem verschiedene Gänsearten, Enten und Möwen, würden die Seuche während
ihres Frühjahrs- und Herbstzugs großflächig verbreiten, zumal die Bestände in
letzter Zeit zugenommen hätten. Regelmäßig komme es daher zu großen
wirtschaftlichen Schäden bei geflügelhaltenden Betrieben.
Die bisher ergriffenen Maßnahmen wie Stallpflicht, Einrichtung von Schutz- und
Überwachungszonen und die Keulung betroffener Bestände können aus Sicht der
Antragsteller die Tierseuche nicht weit genug eindämmen, um die erheblichen
finanziellen Verluste der Geflügelhalter sowie die hohen Zahlen verendeter
Wildvögel zu minimieren.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/3837 abzulehnen.
Berlin, den 25. Februar 2026
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender
Dieter Stier
Berichterstatter
Julian Schmidt
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Zoe Mayer
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Dieter Stier, Julian Schmidt, Dr. Franziska Kersten,
Dr. Zoe Mayer und Ina Latendorf
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 56. Sitzung am 29. Januar 2026 den Antrag der Fraktion der AfD auf
Drucksache 21/3837 erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur
federführenden Beratung sowie zur Mitberatung an den Ausschuss für Gesundheit überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Mit dem vorliegenden Antrag soll festgestellt werden, dass in Deutschland ganzjährig mit der Vogelgrippe zu
rechnen ist, was unter anderem an den zunehmenden Beständen bestimmter Wildvogelarten liege. Die bisher
ergriffenen Maßnahmen reichten nicht aus, um wirtschaftlichen Schaden bei Geflügelhaltern und Verluste in der
Wildvogelpopulation zu vermeiden. Neben diesen Feststellungen soll mit dem vorliegenden Antrag im
Wesentlichen die Förderung der Forschung an Impfstoffen gegen die Vogelgrippe und der systematische Einsatz von
Schutzimpfungen begrüßt werden.
Darüber hinaus soll die Bundesregierung zu verschiedenen Maßnahmen bei der Bekämpfung der Vogelgrippe
aufgerufen werden. Im Einzelnen soll sie beispielsweise die Impfstoffentwicklung verstärken und fördern, ein
nationales Konzept für Schutzimpfungen gegen die Vogelgrippe erarbeiten und die Populationsdichte bestimmter
Wildvogelarten beobachten sowie im Ernstfall regulierend eingreifen. Daneben wird im Antrag ein jährlicher
Lagebericht über die Entwicklung der Tierseuche, die Effizienz von Schutzmaßnahmen sowie die wirtschaftlichen
Folgen durch die Bundesregierung gefordert.
III. Stellungnahme des mitberatenden Ausschusses
Der Ausschuss für Gesundheit hat in seiner 29. Sitzung am 25. Februar 2026 mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die
Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/3837 empfohlen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Abschließende Beratung
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/3837 in seiner 17. Sitzung am 25. Februar 2026 abschließend beraten.
Die Fraktion der CDU/CSU stellte fest, die Lage in Deutschland im Hinblick auf das Seuchengeschehen sei
nach wie vor sehr angespannt. Immer wieder gebe es Meldungen, dass Tiere aufgrund eines Ausbruchs der
Vogelgrippe gekeult werden müssten. Eine Impfung könne eine wertvolle Ergänzung der Bekämpfung von
Tierseuchen sein, dürfe aber Biosicherheitsmaßnahmen in den Betrieben nicht ersetzen. Außerdem sei eine Impfung der
Wildvogelpopulation nicht möglich. Dennoch sei es richtig, dass die Bundesregierung bereits an einer
Impfstrategie gegen die Vogelgrippe arbeite. Diese Forderung des Antrags der Fraktion der AfD sei genauso überholt wie
die nach einer Erhöhung der Entschädigung für betroffene Geflügelhalter, die längst beschlossen sei.
Die Fraktion der AfD erklärte, die Aviäre Influenza sei kein rein saisonales Ereignis mehr, sondern hoch
pathogenen Vogelgrippe-Varianten träten in Deutschland nahezu ganzjährig auf. Auf diese strukturelle
Herausforderung für die Geflügelhaltung werde mit den bewährten Instrumenten der Tierseuchenbekämpfung wie Stallpflicht,
Sperrbezirken und Restriktionszonen sowie Keulung betroffener Bestände reagiert. Trotzdem gebe es
wiederkehrende Infektionswellen mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden und millionenfachen Tierverlusten. Aus diesem
Grund würden eine strategische Weiterentwicklung von Impfung und Forschung, auch in Abstimmung mit
anderen EU-Mitgliedstaaten, sowie praxisgerechte Biosicherheitskonzepte benötigt. Eine sachliche, wissenschaftlich
begleitete Erweiterung der Strategie zur Bekämpfung der Vogelgrippe diene der Tiergesundheit, der
wirtschaftlichen Stabilität und der Verantwortung gegenüber den landwirtschaftlichen Betrieben.
Die Fraktion der SPD wies darauf hin, dass das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) bereits kommerziell entwickelte
Impfstoffe auf Sicherheit und Schutzwirkung teste. Die Keulung betroffener Bestände sei nicht nachhaltig und
für Geflügelhalter belastend. Eine Impfung von Beständen könne aber, wie das Beispiel Frankreich zeige,
negative Auswirkungen auf die Exportmöglichkeiten haben. Daher würde markierte Impfstoffe benötigt, bei denen
festgestellt werden könne, ob die entsprechenden Werte auf eine Infektion oder eine Impfung zurückzuführen
seien. Eine Impfung habe auch zur Folge, dass das geimpfte Tier jahrelang beprobt werden müsse, was ein
immenser bürokratischer Aufwand sei. Insofern berühre der Antrag interessante Aspekte, sei aber nicht zielführend,
da die Bundesregierung schon gute Strategien zur Tierseuchenbekämpfung habe.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN merkte an, dass die Entwicklung von Impfstoffen sinnvoll sei.
Dennoch ließe sich das Auftreten von Tierseuchen wie der Vogelgrippe auf strukturelle Probleme zurückzuführen. Es
sei wissenschaftlich bewiesen, dass die Besatzdichte und eine hohe Anzahl von Tieren in den Betrieben deutliche
Auswirkungen auf das Seuchengeschehen hätten. Die Fraktion hoffe, dass sich die Bundesregierung dieser
Problematik annehmen werde.
Die Fraktion Die Linke machte deutlich, dass eine Stärkung des FLI angesichts seiner wichtigen Beiträge zur
Tierseuchenbekämpfung zu begrüßen sei. Die Bundesregierung solle darauf hinwirken, dass das FLI von den
geforderten Stellenkürzungen ausgenommen werde. Bei den im Antrag der Fraktion der AfD vorgeschlagenen
Impfprogramme hingegen sei fraglich, ob diese nicht Handelshemmnisse nach sich ziehen könnten.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/3837 abzulehnen.
Berlin, den 25. Februar 2026
Dieter Stier
Berichterstatter
Julian Schmidt
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Zoe Mayer
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
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ISSN 0722-8333
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